Dienstag, 25. Juni 2019

#tinteundfeder Mehr als die Erinnerung von Melanie Metzenthin

Nach §2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diesen Beitrag als Werbung.

Melanie Metzenthin entführt uns in das Jahr 1920 eine Zeit in der die moderne Psychiatrie, wie wir sie heute kennen noch in den Kinderschuhen steckte und manche Ärzte psychisch Kranke Menschen im Namen der Wissenschaft für grausame Experimente missbrauchten, von denen sie sich Heilung oder wenigstens Linderung für ihre Patienten versprachen. Je nach schwere der Beeinträchtigung vegetierten die Patienten in den Pflege und Heilanstalten vor sich hin oder verrichteten Arbeiten zu denen sie noch fähig waren.
Auf Gut Mohlenberg, dem Schauplatz dieses historischen Krimis, kümmern sich Friederike von Aaalen  als ehemalige Medizinstudentin und ihr Vater Dr. Meinhardt, liebevoll um  die Insassen einer von den Dorfbewohnern Irrenkolonie genannten Einrichtung unterstützt werden sie von Dr. Weiß und Dr.Fliedtner Auch Friederikes Mann, Bernhardt gehört zu den Patienten, eine Kriegsverletzung zerstörte einen großen Teil seines Intellekts, zurück blieb ein Mann auf dem Stand eines 5jährigen Kindes, freundlich und liebevoll und voller Zuneigung zu Friederike.
Diese Idylle wird kurz nach der Ankunft des ebenfalls kriegsversehrten Walter Pietsch gestört, zwei grausame Morde versetzen die Bewohner Gut Mohlenberg und des angrenzenden Dorfes in Angst und Schrecken und Pietsch scheint ein Geheimnis zu bewahren.
Die Autorin behandelt viele Themen. Die Umstände in den Heil und Pflegeanstalten, Kindesmissbrauch, Homosexualität, andeutungsweise die Schwierigkeiten die eine Frau als Studentin der Medizin zur damaligen Zeit hat und auch die Herausforderung die eine Beziehung zu beeinträchtigten Menschen mit sich bringt.
Und das ist das was mir an dem Buch nicht ganz so gut gefiel, jedes Thema hätte eine eigene Geschichte verdient und Friederike wäre eine wundervolle Protagonistin für weitere Kriminalfälle im Umfeld der Psychiatrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die junge Frau besticht durch ihre warmherzige Art und ihren scharfen Verstand.
Wer jetzt allerdings einen Wohlfühlkrimi erwartet, der sei gewarnt, die Autorin erspart ihren Lesern kein Detail, die Beschreibungen der Umstände in den  Heil und Pflegeeinrichtungen, sind sicherlich nicht übertrieben.


Über die Autorin
Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen, zuletzt die beiden Bestseller »Im Lautlosen« und »Die Stimmlosen«.

Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen.

Im Anhang, erklärt Melanie Metzenthin u.a. die Wandlung der Wortbedeutungen. Idiot oder Irre zum Beispiel waren nicht immer Schimpfworte, sondern ganz normale medizinische Fachbegriffe, die erst im Laufe der Zeit missbraucht wurden um andere herabzusetzen, um dann durch andere ersetzt zu werden bis auch diese wieder zum Schimpfwort wurden.
Beim schreiben dieser Rezension habe ich auch so manches mal überlegt, ob dieses eine Wort nun noch politisch und gesellschaftlich korrekt ist oder ob ich jemanden damit kränken könnte, ich hoffe nicht und wenn, dann entschuldige ich mich aufrichtig dafür.

  • Taschenbuch: 379 Seiten
  • Verlag: Tinte & Feder (14. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 2919804316
  • ISBN-13: 978-2919804313


Montag, 24. Juni 2019

Wenn ich tot bin von Karen Sander

Nach 10 Jahren kehrt die mittlerweile 19 jährige Madelin überraschend nach Hause zurück, sie wurde von einer Spaziergängerin vollkommen verängstigt in der Nähe ihres Zuhauses aufgegriffen und nach Hause gebracht.
Kurz nachdem ihre Tochter verschwand, lernte Susan ihren zweiten Mann Stuart kennen, der ihr Halt und Trost gab und mit dem sie eine 8 jährige Tochter hat.

Nachdem die junge Frau von der Polizei vernommen wurde und sich Madelin und ihre kleine Schwester Harper in der Obhut einer Psychologin befinden, begeht Susan einen fatalen Fehler, sie lässt die Mädchen kurz allein um einkaufen zu gehen. Als sie zurückkehrt, liegt ihr Mann schwerverletzt in der Küche, Harper spricht kein einziges Wort und Madelin ist erneut verschwunden. Hat ihr Entführer sie gefunden und zurückgeholt oder konnte die junge Frau fliehen wie verschiedene Meldungen vermuten lassen?

Was dann passiert, scheint auf den ersten Blick, schon sehr vorhersehbar. so vorhersehbar das ich mich fragte, womit die Autorin Karen Sander die restlichen Seiten gefüllt hat, damit ich mich nicht langweile? Ich habe mich selten so geirrt, denn ich wurde mehr als positiv überrascht.
Karen Sander wartet mit Wendungen auf, die der Geschichte immer einen neuen Kick geben. Der Satz "Nichts ist wie es scheint" zu Beginn des Klappentextes ist durchaus wörtlich zu nehmen.
Karen Sander erspart sich allzu genaue Beschreibungen von dem was Madelin erlebt hat, sie deutet nur an, das reicht aber schon aus um für Madelin tiefstes Mitleid zu empfinden und Abscheu für den Täter.
Ich glaube "Wenn ich tot bin", war mein erstes Buch der Autorin, ich weiß auch nicht ob es schon frühere Falle mit den Kommissaren Kate und Tom gab, ich habe das Buch wie so oft nach Klappentext und Cover ausgewählt. Mir wäre eine Reihe mit den sympathischen Ermittlern aber durchaus recht. Das Buch kann auch routinierte Krimileser noch überraschen.

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (18. Juni 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499291592
  • ISBN-13: 978-3499291593

Freitag, 21. Juni 2019

Löwenzahnkind von Lina Bengtsdotter

Inhalt: In dem kleinen verschlafenen Nest Gullspang in Westschweden, verschwindet die siebzehnjährige Annabelle nach einer Party spurlos. Um die örtliche Polizei bei der Suche zu unterstützen reisen die Kommissarin Charlie Lager und ihr Kollege Anders an. Was niemand weiß, Charlie ist in Gullspang aufgewachsen und sie hat keine guten Erinnerungen an ihre Kindheit.

Meine Meinung:
Das Debüt der, laut ihrer Vita in Gullspang aufgewachsenen Autorin Lina Bengstdotter ist durchaus lesenswert, ich mag ihren Schreibstil, die Art wie sie die Protagonisten und die Orte beschreibt, hat einen ganz eigenen Reiz. Die Autorin erzählt in gemächlichem Tempo, von Anabelle dem rebellischen Teenager, die darunter leidet das ihre Mutter sie am liebsten in Watte packen würde, von zwei Mädchen, Rosa und Alice, die irgendwann in der Vergangenheit eine unerwünschte Freundschaft schlossen und natürlich von Charlie, deren Mutter Betty in ihrem Haus ausschweifende Party feierte. Vom Verfall des Ortes, der Abhängigkeit der Bevölkerung von der Holzfabrik, dem langweiligen Leben der Jugendlichen, die in einem verlassenen Laden Partys feiern, bei denen niemand nüchtern bleibt.
Dazu kommen noch die Probleme Charlies, sie trinkt, sie hat ihr Privatleben nicht wirklich im Griff und schreckt auch vor einer Affäre mit einem verheirateten Kollegen nicht zurück.
Das alles zeichnet ein düsteres Bild, das das verschwinden Annabelles fast in den Hintergrund rücken lässt, zumal die Ermittlungen auch nicht wirklich voran kommen, erst als Charlie vom Dienst suspendiert wird und sie für kurze Zeit in dem Haus ihrer verstorbenen Mutter unterkommt, stößt sie auf weitere Hinweise, die nicht unbedingt dazu führen Annabelle zu finden aber die Licht in die Vergangenheit bringen.
Mit ein paar Tagen Abstand zum Buch, komme ich mehr und mehr zu der Erkenntnis:
Annabelles Verschwinden, dieser Fall, dient nur dazu um Charlie und ihr Leben vorzustellen, und das ist auch wirklich gelungen, ich bin gespannt, welche Fälle Charlie noch erwarten.

  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (13. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3328103813
  • ISBN-13: 978-3328103813

Donnerstag, 20. Juni 2019

Das raunende Wrack von Markus K.Korb


Zur Verlagsseite
Mehr als zwanzig Kurzgeschichten auf gerade mal 290 Seiten, das heißt die Geschichten sind wirklich kurz, Und da beginnt die Kunst, die Kunst des Autors auf wenigen Seiten ohne lange Einleitungen seine Leser an die Geschichte zu fesseln. Jedes Wort muss sitzen, ein falscher Satz und die Stimmung ist dahin, die Lust an der Geschichte ist verflogen, bei einem 500 Seiten Roman besteht noch die Chance die langweilige Stelle zu überblättern, bei einer Kurzgeschichte von gerade mal 5 Seiten ist diese nach dem überblättern zu ende.
Erfreulicherweise gab es in dieser Sammlung nicht eine Geschichte, bei der ich das Bedürfnis hatte weiterzublättern. Natürlich konnte mich auch nicht jede zu 100 % überzeugen, aber das waren dann nur Kleinigkeiten die mich störten, ein Protagonist der mir nicht sympathisch war oder das Thema war nicht ganz das richtige für mich.
Die Auswahl der Geschichten in dieser Sammlung ist von den Verantwortlichen mit erkennbarer Sorgfalt und der Liebe zur phantastischen Literatur getroffen worden.
In kurzen Einleitungen erzählt Markus K. Korb wie die einzelnen Storys entstanden sind. Bei der Geistergeschichte Cafe Baltic zum Beispiel war es ein altes, verlassenes Haus an der Uferpromenade in Kühlungsborn, dessen Name Titelgebend war, wenn ich an einem auffälligen Gebäude vorbeigehe denke ich vielleicht kurz darüber nach, warum sich niemand darum kümmert und habe es schnell wieder vergessen, bei Schriftstellern kommt es danach zu einer Schauergeschichte, zum Glück für uns Leser.
Manchmal ist ein Lied, das den Autor inspiriert, und wie man sich bei einer Kurzgeschichtensammlung zum Thema: Spuk und Horror denken kann, nicht zu einer Liebesgeschichte. Zu Lars Christmas solltet ihr auf jeden Fall auch die Entstehungsgeschichte lesen, ich habe sehr gelacht.
Einige der Geschichten folgen der guten, alten Tradition der Mythen und Legenden, dazu zählen Die Blutmaske von... und Mittags im Feld, beide erinnerten mich an Geschichten aus meiner Kindheit, wobei mir die Sagen damals nicht so gut gefielen, die Sprache war so staubig wie die Bücher in den Regalen der örtlichen Bücherei. Korb hat die Geschichten gekonnt in die Gegenwart gebracht.
Die Fabrik im Sumpf und Digging in the Dirt sollte man nicht beim Essen lesen, sie sind so eklig wie großartig. Ein Vorteil bei Geschichten ist ja, das ich mein Kopfkino doch noch etwas steuern kann, schaue ich bei Filmen bei ekligen Szenen weg, kann ich in Büchern so etwas wie einen Filter über die Bilder legen.
Noch ein Wort zum Cover.
Es ist schlicht großartig und absolut passend zur Titel gebenden Geschichte, Mark Freier ist ein Meister seines Fachs.
Und natürlich darf man Bastian Wechsung nicht vergessen, der für die wirklich schönen Illustrationen im Innern des Buches verantwortlich ist.

Natürlich kann ich nicht anders als eine absolute Leseempfehlung zu vergeben.
Mit einem Klick auf das Coverbild kommt ihr direkt zur Verlagsseite.

  • Taschenbuch: 298 Seiten
  • Verlag: Low, Torsten; Auflage: Erstausgabe (11. Mai 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940036668
  • ISBN-13: 978-3940036667


Mittwoch, 19. Juni 2019

Hexenherz Glühender Hass von Monika Loerchner


Zur Verlagsseite
Inhalt: Der vierzehnjährige Ziehsohn Helenas, Kolja ist mittlerweile 14 Jahre alt und obwohl er sich bei seiner neuen Familie geliebt und geborgen fühlt, nagt die Sehnsucht nach seinem Vater und die Frage warum seine Mutter ihn im Stich ließ, weiterhin an dem Jungen. Kolja fasst einen wagemutigen und gefährlichen Plan.

Meine Meinung:
Zunächst: Hexenherz Glühender Hass ist das zweite Buch, das im Goldenen Reich spielt, in dem Frauen über den Männern stehen, denn sie allein sind in der Lage Magie anzuwenden.
Man kann dieses Buch lesen, ohne den Vorgängerband zu kennen, aber ich empfehle trotzdem Eisiger Zorn zu lesen, aus zwei Gründen.
Der erste und wichtigste Grund: Warum sollte man sich des Lesevergnügens berauben.
Der zweite: Man erfährt viele wichtige Fakten zur Geschichte der Hexen, man muss sie nicht kennen aber ein bisschen Hintergrundwissen, das schon mal die eine oder andere Handlungsweise der Protagonisten erklärt, beantwortet die eine oder andere Frage, die man sich beim Lesen stellt, automatisch.
Nun aber zur Geschichte.
Stellen wir uns eine Welt vor in der Frauen regieren, sie besetzen alle  Posten in der Regierung, sie bestimmen im täglichen Leben über alle Belange des täglichen Lebens. Männer spielen keine wichtige Rolle, sie führen den Haushalt und ziehen die Kinder auf, ihre Rechte sind eingeschränkt. Die Frage nach dem Warum ist leicht beantwortet: Sie können keine Magie wirken, sie sind also von Natur aus schwächer und damit weniger Wert als Frauen unter deren Schutz sie stehen.
Hier lebt Kolja also nun, nachdem er im Großen Moldawischen Reich aufgewachsen ist, in der in dem Wissen aufgezogen wurde, einmal das Oberhaupt der Familie zu werden, Herrscher über den Besitz und über die Frauen.
Gleichberichtigung ist in beiden Reichen ein Fremdwort.
Naturgemäß ist mir das Goldene Reich allerdings sympathischer.
Kolja setzt seinen Plan mithilfe der Rebellen und mit der Unterstützung Helenas um, auf der Suche nach seinem Vater lernt er viele Menschen kennen, von denen ihm nicht alle wohlgesonnen sind und er lernt viel über sich selbst, reift von einem Jungen zu einem jungen Mann, der in die Zukunft blickt und nicht mehr nur Zurück.
In Einschüben können wir die Tagebucheintragungen eines jungen Mädchens lesen, das im Moldawischen Reich aufwächst und unter der Tyrannei ihres Vater leiden muss. Dieses Tagebuch legt die Verhältnisse die im Reich herrschen offen. Frauen sind Ware, wertlos, wenn sie nicht arbeiten oder gut verheiratet werden können, niemand schert sich darum, ob sie misshandelt oder vergewaltigt werden, sie müssen sich regelmäßig einer Magieprüfung unterziehen und wehe den Hexen die enttarnt werden.
Da haben es die Männer im Goldenen Reich doch wirklich besser getroffen, könnte man meinen, wären da nicht die Fälle häuslicher Gewalt und die Gefängnisse von denen wir lesen.
Die Angst vor der Macht des jeweils anderen Geschlechts ist meiner Meinung nach der Hauptgrund für die Ungerechtigkeiten in beiden Reichen.
Monika Loerchner, hat einen sehr flüssigen Schreibstil, ihre Sprache ist Bildhaft, sie beschreibt die Protagonisten und Orte so das ich sie vor meinem inneren Auge sah und doch ließ sie genügend Platz für meine eigene Fantasie.
Mir hat dieser zweite Band, tatsächlich noch etwas besser gefallen als der Erste, den ich schon sehr mochte und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Geschichte, denn auch wenn Kolja vielleicht Antworten gefunden hat, bleibt noch genug Raum für mehr.
Ich habe mich während ich dies hier schrieb dazu entschieden, nicht zu spoilern. Hexenherz, verdient es unvoreingenommen begonnen zu werden, taucht ein in eine Welt voller Magie, in ein Buch das trotz aller Unterhaltung einen guten Schuss Gesellschaftskritik enthält.

Von mir gibt es eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.
Mit einem Klick auf das Cover kommt ihr direkt zur Verlagsseite.

  • Broschiert: 412 Seiten
  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (15. Januar 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386282635X
  • ISBN-13: 978-3862826353
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren