Dienstag, 6. August 2024

Aus dem Haus von Miriam Böttger






Eine Mutter, die mit verführerischer Sogwirkung schwarzsieht. Ein Vater, der mit Nebelkerzen wirft, wenn er von sich erzählen soll. Und ein vermeintliches Unglückshaus, das es endlich zu verlassen gilt. Miriam Böttgers aberwitziger, tragikomischer und abgründiger Roman für alle, die sich auch mit ihrer Familie herumschlagen.

Miriam Böttgers Buch "Aus dem Haus" beginnt mit einem Besuch der Ich-Erzählerin auf dem Friedhof, auf dem ihr Vater begraben liegt. Übergangslos erzählt sie von dem vermeintlichen, geistigen Verfall ihrer Mutter nach dessen Tod, ein Verfall den sie ihr nicht wirklich glaubt, zu wach und aufmerksam sind ihre Augen. Als wäre sie eine Theaterschauspielerin, die vollkommen in der Rolle der greisen Alten aufgeht.

Trotz den etwas traurigen Einstiegs in die Geschichte ist, da immer eine gewisse Leichtigkeit in der Art in der die Autorin dies beschreibt.

Die Familie hat auf den ersten Blick alles, was es zum Glücklichsein braucht. Doch gerade die Mutter ist konsequent unzufrieden. Der Umzug von Süddeutschland zurück in die Heimatstadt Kassel – das, was für andere eine Heimkehr ist – ist für sie nur mit dem Verlust eines gewohnten und geliebten Lebens verbunden. Der Bau des ersten eigenen Hauses im Garten der Schwiegermutter endet nicht, wie man denken sollte, in einem Zuhause, in dem die Familie sich wohlfühlt und zur Ruhe kommen kann, sondern in einem Haus, das sie abzustoßen scheint. Der Grundriss gefällt nicht, die Rohre brechen; das Haus will sie nicht, so scheint es. Oder sind es doch die Menschen, die in ihm wohnen, die das Haus zu einem Unglückshaus machen, weil sie eigentlich nicht dort sein wollen?

Besonders die Mutter ist davon überzeugt, dass ihr komplettes Leben eine nahtlose Aneinanderreihung von Unglück ist, und sie scheint sich mit diesem Leben abgefunden zu haben. Veränderungen, wie der lange gewünschte Auszug aus dem Haus, werden über Jahre hinausgezögert. Und als es dann endlich so weit ist, fällt es schwer, sich von Dingen zu trennen oder überhaupt etwas zu planen.


Im Laufe der Geschichte stellt die Ich-Erzählerin sich die Frage, warum ihre Eltern immer wieder Entscheidungen trafen, die ihr vermeintliches Unglück immer weiter verstärkten. Eine Frage, die auch am Ende des Buches, dessen Ende recht abrupt kommt, nicht beantwortet.

Miriam Böttger, Böttger gelingt es, auch die traurigen Momente mit Humor und Ironie zu verbinden, was dem Leser eine unerwartete Leichtigkeit bietet. Die Ich-Erzählerin reflektiert über familiären Strukturen und die Idee, dass jede Familie ihre eigenen Vorstellungen hat, die das Leben der Mitglieder bestimmen. Diese Gedanken regen dazu an, das eigene Leben und die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen, insbesondere in Bezug auf das Festhalten am Unglück. Mir kam beim Lesen das alte Sprichwort »Wir sind unseres Glückes Schmied« in den Sinn, das gilt sicher auch für das Unglück.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Galiani-Berlin; 1. Edition (5. September 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3869713054
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869713052

Montag, 5. August 2024

Mode, Mond und blonde Pferde: Ein Krimi aus Südtirol von Viola Eigenbrodt

Ein Archäologe aus Bozen liegt erschlagen am Fuß des Haflinger Wasserfalls. Angeblich hatte er keinerlei Feinde. Wer also sollte einen Grund gehabt haben, ihn zu ermorden?

Nach und nach zeigt sich, dass nicht alles so rosig war, wie seine Kollegen es darstellen: Die Familie reagiert seltsam auf die Todesnachricht, es gab berufliche Querelen, sogar eine Beziehungstat ist denkbar. Das hält die Ermittler ganz schön auf Trab!

Hängt der Mord am Ende mit dem mysteriösen Pferdediebstahl zusammen, in dem die Carabinieri derzeit ermitteln? Dieser Fall ist wie verhext: Immer sind die Verdächtigen den Polizisten einen Schritt voraus! Gibt’s etwa bei der Polizei neben Katzen und Mäusen auch noch einen Maulwurf?

Wie gut, dass sich die Jugend nicht nur zum Surfen am Gardasee aufhält, sondern wahre IT Genies zur Verfügung stellt.

Mit diesem Buch nehmen wir Abschied von Meran, denn die Autorin Viola Eigenbrodt hat angekündigt, dass "Mode, Mond und blonde Pferde" der letzte Band der Reihe ist. So verabschieden wir uns von liebgewonnenen Charakteren und einer wunderschönen Landschaft.

Florentine, die Frau des Maresciallo Franco Marini, genießt es, in der Natur abzuschalten und dem stressigen Alltag als Antiquarin zu entkommen. Bei einem ihrer Ausflüge macht sie jedoch eine schreckliche Entdeckung: Am Fuß des Haflinger Wasserfalls liegt eine Leiche. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Pferdediebstahl, den die Carabinieri derzeit untersuchen? Mit ihrem gewohnt lockeren und doch eindringlichen Schreibstil führt uns die Autorin durch das Buch. Immer wieder kommt es zu unerwarteten Wendungen, und ich wusste bis zum Ende mit der absolut schlüssigen Auflösung nicht, inwieweit meine Vermutungen richtig lagen (Spoiler: so gut wie nie 😄).

Das ist einer der Punkte, die die Krimis der Autorin so lesenswert machen: die unerwarteten Wendungen, die sich in keiner ihrer Storys auf erkennbare Weise wiederholen. Dazu kommen die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und die sehr unterschiedlichen Charaktere, die sie ebenso liebevoll wie detailliert darstellt. Damit war jedes neue Buch, trotz aller Spannung, wie ein kleiner Urlaub.


Fazit: "Mode, Mond und blonde Pferde" ist ein würdiger Abschluss der Reihe von Viola Eigenbrodt. Mit einem fesselnden Plot, unerwarteten Wendungen und eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen gelingt es der Autorin erneut, die Leser in ihren Bann zu ziehen. Die liebevoll gezeichneten Charaktere und der eindringliche Schreibstil machen das Buch zu einem echten Lesevergnügen und lassen den Abschied von Meran schwerfallen. Ein Muss für alle Fans der Reihe.


  • ASIN ‏ : ‎ B0D8V5W3P2
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (4. Juli 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 258 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8332242786

Samstag, 3. August 2024

Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie von Petra Mattfeldt und Axel Petermann


Die Story beginnt mit einem Leichenfund, eine blonde Frau wurde ermordet, zerstückelt und in Beton gegossen im Rhein versenkt, der im heißen Sommer 2023 sein grausiges Geheimnis preisgibt. Die Profilerin Sophie Kaiser und ihr Kollege Leonhard Michels vom BKA Wiesbaden halten sich zu dieser Zeit bereits in Köln auf. Sie sollen helfen, den Mörder zweier sehr junger Frauen zu fassen, der seine Opfer über einen längeren Zeitraum, quälte und dann wie Müll wegwarf. Sophie und Leonhardt erkennen schon bald einen Zusammenhang zwischen den Taten.

"Ken und Barbie" ist nach "Der Sandmann" der zweite Kriminalroman des Autorenduos Petra Mattfeldt und Axel Petermann. Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten, die sich in den 1980er und 1990er Jahren in Kanada zugetragen haben.

Petra Mattfeldt und Axel Petermann haben diese Verbrechen in die heutige Zeit und an bekannte Orte verlegt, was das Entsetzen für die Leserinnen und Leser noch greifbarer macht. Die Tatsache, dass es sich um keine erfundene Geschichte handelt, steigert das Grauen zusätzlich.

Die Zusammenarbeit der beiden Autoren ist auch in diesem Band wieder herausragend gelungen. Die Expertise des Profilers, Mordermittlers und Autors Axel Petermann gepaart mit dem literarischen Talent von Petra Mattfeldt ist einfach lesenswert.

Obwohl es sich um den zweiten Band der Reihe handelt, kann man ihn auch ohne Vorwissen lesen. Die Autoren verstehen es, Sophie Kaiser, die Profilerin mit dem Asperger-Syndrom, und Leonhard Michels zum Leben zu erwecken. Ihre Darstellung ist sehr glaubhaft. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Arbeit der Ermittler, nur unterbrochen von kurzen Kapiteln, die aus der Sicht der Opfer und der Täter erzählt werden. Nach und nach kommt das Motiv der Täter ans Licht und nach einigen falschen Fährten kommen Sophie und Leonhard ihnen auf die Spur.

Fazit: "Ken und Barbie" ist ein beeindruckender Kriminalroman, der durch die realen Bezüge zu wahren Verbrechen eine besondere Intensität gewinnt. Das Autorenduo Petra Mattfeldt und Axel Petermann gelingt es, die grausamen Taten in die heutige Zeit zu übertragen und an bekannten Orten zu verankern, was das Entsetzen für die Leser greifbar macht. Die Charaktere, insbesondere die Profilerin Sophie Kaiser und ihr Kollege Leonhard Michels, sind authentisch und lebendig dargestellt, was den Lesegenuss zusätzlich erhöht. Trotz der Tatsache, dass es sich um den zweiten Band einer Reihe handelt, kann der Roman problemlos eigenständig gelesen werden. Ein Muss für Fans von realitätsnahen und gut recherchierten Krimis.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (26. Juni 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764508329
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764508326

Freitag, 2. August 2024

Hale-Bopp: Im Bann des Kometen Eine Anthologie. (Herausgegeben von Bettina Ickelsheimer-Förster )

 

Anthologien wecken je nach Thema immer wieder meine Neugierde, und bei diesem Buch war das besonders der Fall. Ich erinnere mich noch gut an Hale-Bopp, der vor einigen Jahren beeindruckend und gut sichtbar am Nachthimmel vorbeizog. Die Faszination, die sein Anblick ausübte, bleibt unvergessen.

Verständlicherweise ruft der Anblick eines Kometen bei manchen Menschen nicht nur Faszination, sondern auch Angst oder zumindest Unbehagen hervor. Diese Emotionen regen die Fantasie an und lassen sich wunderbar in Geschichten verpacken. Genau das bietet diese Anthologie: eine Sammlung von Erzählungen, die die geheimnisvollen Ereignisse rund um den Kometen Hale-Bopp aufgreifen.

Besonders spannend finde ich, dass das Buch die lange zurückgehaltenen Geschichten enthüllt, die zwischen dem 20. Mai 1996 und dem 9. Dezember 1997 geschahen. Diese Ereignisse, die durch den ungewöhnlichen Schweif des Kometen ausgelöst wurden, waren der Öffentlichkeit bislang unbekannt. Die Anthologie lüftet nun den Schleier, der die Geheimnisse umgibt, und bringt sie ans Licht.

Die Geschichten sind nicht nur spannend, rückblickend sehe ich den Kometen nun mit ganz anderen Augen.  Die Mischung aus Realität und Fiktion sorgt für eine sehr unterhaltsame Lektüre, für alle, die sich für ungewöhnliche Phänomene interessieren. 

Diese Mischung, macht dieses Buch zu einer wahren Fundgrube außergewöhnlicher Geschichten. Die Anthologie fängt die Faszination und die mysteriöse Aura des Kometen ein und bringt den Leserinnen und Lesern die faszinierenden und manchmal unheimlichen Geschichten nahe, die durch Hale-Bopp inspiriert wurden.

Diese Sammlung ist ein Muss für alle, die sich an den Anblick des Kometen erinnern und neugierig auf die verborgenen Erzählungen sind, die damit verbunden sind. Sie bietet eine perfekte Mischung aus Geschichte und Fiktion, die den Leser in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt.



Mit Geschichten von: von Bettina Ickelsheimer-Förster (Herausgeber, Autor), Ralf Raabe (Autor), Sabine D. Jacob (Autor), P.C. Thomas (Autor), Adrian Paddags (Autor), Monika Grasl (Autor), M.C. Born (Autor), Andreas Faber (Autor), Yann Krehl (Autor), K.W. Brand (Autor), Eve Grass (Autor), Anna Graupner (Autor), A.K. Buchmann (Autor), Andreas Dörr (Autor), Piet Woudenberg (Autor)


  • Herausgeber ‏ : ‎ Shadodex - Verlag der Schatten (30. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 348 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985280002
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985280001
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren

Donnerstag, 1. August 2024

Die Magie der Tausend Lande - Der Herr der Toten von Andrew J Raven

Finn wird an der E’ecole pa For’ta Sola, einer Schule der Friedenswächter, aufgenommen. Weit weg von zu Hause soll der Junge zusammen mit vielen anderen Kindern aus den Tausend Landen lernen, seine Magie zu beherrschen. Jedes dieser Kinder hat Zugang zu einer bestimmten Art der Magie: Erde, Wasser, Luft oder Feuer. Welches Element sie beherrschen, sollen sie unter der Anleitung der Me`ir, den Lehrern unter den Friedenswächtern, herausfinden. Doch Finn findet sein Element nicht. 
Für solche Fälle haben die Friedenswächter eine Lösung: Ein gefährliches Ritual soll Klarheit bringen. Das Ergebnis ist erschreckend für alle – Finn ist ein Nekromant, er kann Leben nehmen und Leichen unter seinen Willen zwingen. Bei dem Ritual sterben einer seiner Freunde und ein Friedenswächter. Das Konzil der ehernen Gesetze verurteilt Finn zur Immobilisierung. Doch bevor es dazu kommt, befreien seine besten Freunde ihn aus seiner Zelle. Kurz darauf wird er jedoch von den Jüngern des Todes entführt.


Die Magie der Tausend Lande - Der Herr der Toten von Andrew J Raven umfasst über 500 Seiten voller Magie, Freundschaft, Loyalität und Verrat, und ich habe jede Seite genossen. Der Autor hat es geschafft, mich schon nach wenigen Seiten in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Er hat eine Welt erschaffen, in der die Leserinnen und Leser zwar auf viele bekannte Wesen wie Trolle, Elben und Fay treffen, diese jedoch auf moderne und erfrischende Weise dargestellt werden. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass weder die Friedenswächter noch die Jünger des Todes eindeutig gut oder böse sind; es gibt kein Schwarz oder Weiß. Alle Wesen, die aus verschiedenen Völkern stammen, sind auf ihre Weise *menschlich*.

Im Zentrum der Geschichte steht Finn und seine Freunde. Nach und nach bauen sie ein Vertrauensverhältnis zueinander auf, das ihnen in schwierigen Situationen hilft, weil sie ihre Fähigkeiten zum Wohle der anderen einsetzen. Nach seiner Entführung durch die Jünger des Todes erfährt Finn, dass sein Bild von den Friedenswächtern und den Jüngern des Todes nicht vollständig war. Ganze Völker leiden unter den Einschränkungen, die ihnen von den Friedenswächtern auferlegt wurden. Der junge Nekromant tut sich schwer damit, seine Fähigkeit, Leben zu nehmen, anzunehmen. Schon der Gedanke daran ist ihm zutiefst zuwider, doch er muss sich immer wieder entscheiden, ob er diese Fähigkeit einsetzen soll.

Hilfe und Unterstützung bekommt er nicht nur von seinen Freunden aus der E’ecole pa For’ta Sola, sondern auch bei den Jüngern des Todes findet er unerwartet Freunde.

Es scheint, als müsse Finn sich entscheiden, auf wessen Seite er steht.


"Die Magie der Tausend Lande - Der Herr der Toten" von Andrew J Raven ist ein fesselnder Fantasy-Roman, der weit über die Grenzen eines typischen Jugendbuchs hinausgeht. Mit über 500 Seiten entführt der Autor die Leserinnen und Leser in eine komplexe und detailreiche Welt voller Magie, moralischer Grauzonen und tiefgehender Charakterentwicklungen. Die Geschichte um Finn, einen jungen Nekromanten, der sich zwischen verschiedenen Fraktionen und moralischen Entscheidungen wiederfindet, bietet eine spannende Mischung aus Abenteuer, Freundschaft und inneren Konflikten. Raven zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass Gut und Böse oft nicht klar zu trennen sind, und behandelt dabei Themen, die sowohl jüngere als auch ältere Leser ansprechen. Diese packende und emotional vielschichtige Erzählung ist ein Muss für alle Fans von anspruchsvoller Fantasy-Literatur. Absolute Leseempfehlung!

  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 1. Edition (7. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 530 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 375683901X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3756839018