Dienstag, 5. März 2024

Razor: Chrome Runners Vol. 1von M.H.Steinmetz (Die Schund Verlag Cyberpunk Romane)

 

Die Hauptperson in dieser Story Ada. Die 16-Jährige ist gerade fertig mit ihrem Studium als sie am Tag ihres Abschlusses miterleben muss, wie ihre Eltern ermordet werden. Mit einem Video der Tat und einer Datei, die sie von ihrem Vater bekommen hat, flüchtet sie in letzter Sekunde vor den Häschern des Konzerns und landet in den Gossen von New Babylon. 

Ich mag gar nicht mehr zum Inhalt verraten, umfasst das Heft doch gerade mal 64 Seiten, die trotz aller Komplexität des Inhalts schnell erzählt wären. 

New Babylon ist all denen bekannt, die »Shinigami« und »Shinigami2« schon gelesen haben, für mich waren die Vorkenntnisse aus den beiden Büchern sehr wertvoll. So musste ich mich nicht neu einfinden in die Welt des Cyberpunks und konnte mich völlig einlassen auf die bunte und glänzende Welt der Megacity, die sich allerdings als nicht so bunt und glänzend herausstellt.

 M.H.Steinmetz überzeugt wieder einmal durch seine Art, die Geschichte zu erzählen. Er treibt seine Leserinnen und Leser durch die Seiten des Heftes, wie er Ada durch die Stadt treibt, atemlos verfolgen wir ihr Schicksal und ihrer Suche nach sich selbst.

Groschenhefte oder wie sie hier genannt werden, Schundromane, habe ich zuletzt als Kind gelesen. Eines hatten sie alle gemeinsam, man konnte sie quer lesen, denn sie waren immer gleich aufgebaut. Das allerdings hat sich in den letzten Jahren wohl geändert, denn querlesen darf man hier auf gar keinen Fall. 


Format
Heftroman
Bindung
Klammerheftung
Anzahl der Seiten der Print-Ausgabe
64 Seiten
Sprache
Deutsch
Lesealterempfehlung
Ab 16 Jahren
Internationale Standardbuchnummer
Privatdruck ohne ISBN

Mühlstein von Margaret Drabble (Autor), Irmela Erckenbrecht (Übersetzer)

 Rosamunde macht sich nicht viel aus der Liebe. Die wohl einzige Jungfrau im London der Swinging Sixties hätte zwar mehr als genug Gelegenheiten für heiße Affären, sitzt aber lieber über den Büchern. Und ausgerechnet sie wird nach einem mäßigen One-Night-Stand schwanger. Im ersten Schreck versucht sie die Angelegenheit mit Gin und einem heißen Bad zu beenden. Doch alles geht schief, und der Abend endet in einem großen Besäufnis.

Rosamunde schafft es nicht, sich gegen das Kind zu entscheiden. Na gut, dann zieht sie es eben allein auf. Auch wenn das Leben als ledige Mutter wohl nicht einfach werden wird.

Nicht in ihren kühnsten Träumen hätte sie für möglich gehalten, sich so rückhaltlos in ihre kleine Tochter zu verlieben. Als diese lebensbedrohlich erkrankt, lernt die eher hasenfüßige Rosamunde sich von einer komplett anderen Seite kennen.


Die Geschichte beginnt mit Rosamundes festem Vorsatz, mit ihrem Freund Hamish zu schlafen, dafür gehen sie in ein Hotel, doch es passiert nichts. Wie eigentlich nie etwas passiert, denn an Sex hat die junge Frau kein wirkliches Interesse,  Als sie dann doch nach einem One-Night-Stand schwanger wird, will sie das Kind loswerden, nicht so einfach in den sechziger Jahren und das »Hausmittel«, das sie wählt, funktioniert nicht. Rosamunde entscheidet sich für das Kind, nicht ahnend, das sich damit vor allem ihr Gefühlsleben grundlegend verändert. 


Das Buch wurde schon 1965 das erste Mal veröffentlicht und man merkt es ihm in positiven Sinne auch an, Rosamunde ist eine moderne junge Frau, die fast unabhängig ihr eigenes Leben lebt. Allerdings kann man ihr Leben auch als privilegiert bezeichnen und das Glück scheint auf ihrer Seite, sie lebt in einer Wohnung, die ihren Eltern gehört und nach ihrem Studienabschluß bekommt sie sofort einen Job und eine gute Babysitterin. Rosamunde will niemandem zur Last falle, das zeigt sich in vielen Momenten ihres Lebens, sie zögert zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, weil dies den Ärzten Arbeit machen würde. Das ist meiner Meinung nach der Mühlstein, den sie um den Hals trägt, von diesem kann sie sich erst befreien als es um das Leben ihrer kleinen Tochter geht.


Margaret Drabble hat einen wunderbaren Roman um die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind geschrieben, und das absolut kitschfrei, das kam mir sehr entgegen, ich mag bekanntlich keine allzu sentimentalen Geschichten.






  • Herausgeber ‏ : ‎ Dörlemann; 1. Edition (22. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 280 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3038201367
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3038201366

 

Montag, 4. März 2024

Schatten des Todes von Astrid Korten

 

Berlin 1929: Eine neue Zeit bricht an. Die Gesellschaft sehnt sich nach Wohlstand und Glamour, manche streben sogar nach Macht. Mit Spannung wird ein neuer Film der UFA erwartet, der im größten Studio der Universal-Filmstudios in Babelsberg gedreht wird. Doch die Dreharbeiten rufen finstere Gestalten auf den Plan, die dunkle Drohungen gegen alle Beteiligten ausstoßen.

Als eine Mitarbeiterin im Studio tot aufgefunden wird, beginnt Harry Schneider, der Sicherheitschef der UFA, auf eigene Faust in einschlägigen Geheimclubs und unter zwielichtigen Gestalten nach einer Erklärung für den seltsamen Tod der Bühnenbildnerin zu suchen, der von einem berüchtigten Illusionisten prophezeit wurde.
Harry lernt die sinnlich schöne und geheimnisvolle Lara kennen und gerät nicht nur in ihren Bann, sondern auch in einen Sumpf aus Intrigen, Lügen und eiskalter Grausamkeit.



Harry Schneider der Sicherheitschef in den Universal-Filmstudios, besucht gerade eine Vorstellung des Varietékünstlers und Hellsehers Erik Jan Hanussen, als er überraschend an das Filmset zu Fritz Langs neues Film "Frau im Mond" gerufen wird. Tanya eine Mitarbeiterin des Filmteams wurde tot aufgefunden. Während die Polizei an einen Unfall glaubt, ermittelt Schneider auf eigene Faust.

Die Autorin hat es wieder einmal geschafft, mich mit einem ihrer Krimis in den Bann zu ziehen, dieses Mal hat sie die Handlung in die spannende Zeit zwischen den Weltkriegen angesiedelt. Das Berlin der zwanziger Jahre war geprägt von einer einzigartigen Mischung aus kultureller Blüte, politischer Instabilität und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Stadt war ein Schmelztiegel der Künste, Literatur, Film und Musik. Gleichzeitig herrschte eine Atmosphäre der Aufbruchsstimmung und des gesellschaftlichen Wandels, aber auch der Armut und des sozialen Elends. Die wilden Partys, die freizügige Lebensweise und die politischen Spannungen machten das Berlin der zwanziger Jahre zu einer faszinierenden, aber auch turbulenten Zeit. 
Astrid Korten hat die Gabe, diese besondere Stimmung einzufangen und reale Personen und Begebenheiten so in die Handlung einzubinden, dass man als Lesender glauben kann, alles habe sich so zugetragen. 
Wir treffen auf Fritz Lang, den großartigen Regisseur, auf seine Frau Thea von Harbou, auf deren Roman die Handlung des Films beruht, und auch auf Wernher von Braun, der später die V2 Rakete entwickelte und der als Wegbereiter für die Raumfahrt gilt.
Und das sind lange nicht alle historischen Persönlichkeiten, die in diesem Buch eine Rolle spielen. Die Hauptperson allerdings ist Harry Schneider, der Sicherheitschef, der akribisch ermittelt und nicht aufgibt, bis er die Wahrheit über Tanyas Tod erfährt. Ich mochte Harry sehr, er ist ein außerordentlich sympathischer Mensch, der auf der Suche nach der Wahrheit nie aufgibt und er hat mich mitgenommen auf dieser Suche, ich mag es sehr mitzurätseln und mich von überraschenden Wendungen in Erstaunen versetzen zu lassen.

Ein wichtiger Teil dieses Buches sind die Anmerkungen der Autorin, die uns noch einmal vor Augen führt, wie gefährlich die aktuelle politische Situation in Deutschland ist, das Erstarken einer rechten Partei weist erschreckende Parallelen zu den damaligen Geschehnissen auf und wenn wir das zu lassen steuern wir genauso auf einen Abgrund zu wie unsere Großeltern und Eltern.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (4. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 259 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8878343039


Sonntag, 3. März 2024

König von Albanien: Roman Taschenbuch von Andreas Izquierdo

Ich kann von mir behaupten, alle Romane der letzten Jahre des Autors zu kennen und so habe ich mich sehr gefreut, dass der »König von Albanien« im Dumont-Verlag neu aufgelegt wurde. Und ich wurde nicht enttäuscht. 

Andreas Izquierdo schickt seine Leserinnen und Leser auf eine sehr amüsante Reise in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts. 1913 wird der Schausteller Otto Witte in eine Irrenanstalt eingewiesen, er wäre der »König von Albanien« gewesen, so behauptet er. Seine Geschichte beginnt , als das Osmanische Reich vor dem Zusammenbruch steht und Albanien sich für unabhängig erklärt und nach einem König sucht und Otto sieht einem möglichen Thronfolger zum Verwechseln ähnlich. Mit seinem Freund Max Hoffmann an der Seite lässt sich Otto für kurze Zeit als König von Albanien feiern, bevor der Schwindel auffliegt.

Schon ab den ersten Zeilen war ich wieder einmal vom Schreibstil des Autors begeistert, er lässt wie kaum ein anderer, Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen.

Nun hat sich der Autor den Schausteller Otto Witte nicht gänzlich ausgedacht, Witte lebte tatsächlich und er war nicht nur ein Hochstapler, er war ein  Geschichtenerzähler mit der besonderen Gabe, seine Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Andreas Izquierdo hat Fakten und Fiktion auf eine tolle Art miteinander verbunden. Seine Charaktere sind liebevoll und glaubhaft gezeichnet, Izquierdo beschreibt die besonderen Freundschaften, die auch kritische Situationen aushalten. 

Wie Witte ist auch Izquierdo ein genialer Geschichtenerzähler, mit dem Unterschied, dass der Autor seine Leser nicht betrügt, sondern unterhalten will und das gelingt ihm auch mit dieser Geschichte, die die Lesenden zurückführt, in eine Zeit, in der vieles möglich war, sogar das ein Schausteller König von Albanien war.

Ich vergebe für diese besondere Geschichte eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (13. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 512 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3832166920
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3832166922



Samstag, 2. März 2024

In den Wipfeln der Kiefer von Alvar Nurmi

 

Kurz nachdem Sven Hansen von der deutschen Polizei in Finnland eingetroffen ist, wird er in seinem urtümlichen gebuchten Zimmer in einem Luxushotel ermordet. Kommissar Mika Hämäläinen, der mit ihm zusammenarbeiten sollte, steht vor einem Rätsel, wer hat ein Motiv Sven zu töten, der doch gerade erst in Helsinki angekommen war?

Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem wir den mutmaßlichen Täter kennenlernen, dessen Motive allerdings im dunkeln bleiben, nur über seinen psychischen Zustand sind die Leserinnen und Leser schnell im Bild.

 Wir verfolgen Mikas Ermittlungen und seinem Leben, hautnah und kommen so nicht nur dem Täter auf die Spur, wir erfahren auch etwas von dem Verschwinden seiner Frau. Niina ist von einem Tag auf den anderen aus dem Leben Mikas und der gemeinsamen Tochter verschwunden, ohne dass es Hinweise auf ihren Verbleib gibt. 

 Für meinen Geschmack waren die Beschreibungen von dem, was gerade geschieht, etwas zu detailliert, ob sich Mika die Zähne putzt oder nicht, ob er ungeduscht zur Arbeit geht oder ob der Toner gerade leer ist, all das erfahren die Lesenden. Das muss man mögen, ebenso wie die sehr kurzen und knappen Sätze, die seinen Schreibstil prägen. Das wiederum mochte ich, ebenso wie die Handlung, sowohl der Kriminalfall als auch die Hintergründe von Niinas Verschwinden, zusammen ergibt das eine wirklich spannendes Lesevergnügen, mit nur kleinen Abzügen.

Alvar Nurmi ist das Pseudonym eines in der Nähe von Freiburg lebenden deutschen Schriftstellers, der mit "In den Wipfeln der Kiefer" seinen ersten Krimi mit Mika Hämeleien geschrieben hat. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag; 2024. Edition (14. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 346 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839206006
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839206003