
Jan C. Sander ist durch den Bestseller „Rotlichtkrieg“ sowie diverse TV-Auftritte, Youtube-Beiträge und Zeitungsartikel unter dem Pseudonym Miami Gianni bekannt geworden. Er spielte jahrelang im Hamburger Rotlichtmilieu eine aktive und bis heute nicht geklärte Rolle. Ebenfalls war er, von 2012 an, bei einer Fehde zwischen zwei Rockerclubs in NRW dabei. Ende 2013 wurde er verhaftet und musste mehrere Jahre ins Gefängnis. Sein Schweigen brachte ihm eine hohe Verurteilung ein. Seine Rolle bleibt ungeklärt: Sander soll für Behörden tätig gewesen sein, seine Einsätze Geheimsache. In diesem Buch schaut der Autor auf sein Leben zurück, auf seine Kindheit, seine Jugend, seine Inhaftierung und seine Rolle als böses Kind, als erfolgreicher Narzisst und wie er auf die Welt blickt.
Als mir dieses Buch in die Hände fiel, dachte ich mir: OK es wird Zeit für einen Blick über den Tellerrand, denn Biografien gehören normalerweise nicht zu meinem bevorzugten Lesestoff, aber der Klappentext klang interessant, warum also nicht.
Der Inhalt ist auch hochinteressant, Sander berichtet von seiner Kindheit, seine Mutter heiratet einen reichen Mann, der ihnen materiell alles bietet, doch seine Mutter hat psychische Probleme, sie intrigiert gegen jeden in der Familie, stellt ihren Sohn dem Stiefvater gegenüber als böses Kind dar und behauptet dem Sohn gegenüber das sein Stiefvater ihn hasst. So bauen sich Spannungen auf, die in körperlicher Gewalt münden.
Jan Sander erzählt stolz davon, dass er ein Narzisst ist (Definition. Populär wird Narzissmus oft als Selbstverliebtheit aufgefasst.) er hält sich für den größten, besten und intelligentesten, eigentlich kann man jedes Superlativ einsetzen, dass einem einfällt und das macht ihn nicht wirklich sympathisch, genauso wenig wie seine politischen Ansichten, die das eine oder andere Mal durchblitzen. Und bei aller Selbstüberschätzung erkennt man auch, dass er teilweise in Selbstmitleid versinkt, noch ein negativer Charakterzug, seine schlechte Kindheit erwähnt er immer wieder, Steine in Form von Gutachten, die ihm einer vorzeitigen Haftentlassung in den Weg gelegt werden, sieht er als persönlichen Affront.
Der Schreibstil ist häufig ermüdend, auch wenn ich im Laufe der Lektüre für mich persönlich zu der Erkenntnis kam, dass der Autor sich so oft wiederholt, um seiner Umwelt, in diesem Fall seinen Lesern klarzumachen, was für ein toller Mensch er trotz aller Widrigkeiten ist. Vielleicht muss er sich mittlerweile auch selbst davon überzeugen? Ich habe mich das eine oder andere Mal überwinden müssen, nicht schnell ein paar Seiten vorzublättern
Inhaltlich sehr interessant, das Lektorat hätte aber strenger sein dürfen.
Herausgeber : A. Fritz Verlag; 1. Edition (31. Januar 2022)
Sprache : Deutsch
Gebundene Ausgabe : 229 Seiten
ISBN-10 : 3944771400
ISBN-13 : 978-3944771403