Mittwoch, 14. April 2021

Das Leben ein ewiger Traum von Helene Sommerfeld

 

Kurz nach dem 1. Weltkrieg verlässt die Ärztin Magda Fuchs ihre beschauliche Heimatstadt Hildesheim um nach der Ermordung  ihres Mannes, der als Staatsanwalt gearbeitet hat, in Berlin als Polizeiärztin neu anzufangen.
Magda ist die erste Frau, die in Berlin die Stelle eines Polizeiarztes einnimmt und so wird sie besonders zu den Fällen hinzugezogen, bei denen Kinder involviert sind, sie untersucht im Gefängnis die weiblichen Insassen und bei den Prostituierten schaut sie nach Hinweisen auf eine mögliche Syphilis Erkrankung.
Für die junge Ärztin sind die Umstände, in denen die Kinder, auf die.
 sie trifft, Leben müssen ein Schock, nicht nur das sie in bitterer Armut leben, missbraucht und wie es aussieht auch verkauft werden, werden sie auch vom Staat im Stich gelassen, fast niemanden kümmert ihr Schicksal. Magda nimmt den Kampf gegen das scheinbar unabwendbare Schicksal der Kinder auf und bekommt dabei Unterstützung von Ina Dietrich, die als Fürsorgerin arbeitet und bald schon eine gute Freundin der jungen Ärztin wird. 
Helene Sommerfeld hat ein Bild der 20er Jahre geschaffen, das wohl sehr nah an der Realität ist, sie stellt den Goldenen Zwanzigern, die bittere Armut eines Großteils der Bevölkerung gegenüber. Während ein kleiner Teil der Menschen feiert und mit seinem Reichtum protzen kann, kämpfen die meisten um das tägliche Brot. Als Leser leidet man unweigerlich mit, besonders wenn es um die Kinder geht, dessen Schicksale wirklich ans Herz gehen.

Eine weitere Rezension und einen Buchtrailer findet ihr bei   Heike von Fraugoetheliest

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (18. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 544 Seiten
  • ISBN-10 : 3423262974
  • ISBN-13 : 978-3423262972



Dienstag, 13. April 2021

Das Grand Hotel Die mit dem Feuer spielen von Caren Bendedikt

 


Bernadette von Plesow hat schon viel durchmachen müssen, aber das letzte Jahr hat ihr fast zu viel abverlangt. Von ihrem prächtigen Hotel konnte sie alle Schäden abwenden, nicht jedoch von ihre Familie: Ihr Sohn Alexander ist tödlich verunglückt. Die Trauer lastet schwer auf ihr, besonders da sie im Unguten auseinandergegangen sind. Unterstützung erhält sie von ihrer Tochter Josephine, jedoch fällt es Bernadette nicht leicht, sich wieder mit aller Kraft dem Hotel zu widmen. Und plötzlich steht auch noch ein Mann vor der Tür, den sie nur von einer alten Fotografie kennt …

Bernadettes anderer Sohn Constantin, Eigentümer des verruchten Hotels Astor in Berlin, geht hingegen ganz anders mit der Trauer um seinen Bruder um. Er weiß, dass er die Schuld an dessen Tod trägt, wollte sich doch der Kopf der Frankfurter Unterwelt damit an ihm rächen. Constantin kann und will das nicht hinnehmen. Er hat sich einen perfiden Plan ausgedacht, wie er es dem Mörder seines Bruders zurückzahlen könnte und lässt sich damit auf ein gefährliches Spiel ein

Im Mai 1925 liegt der Tod Alexanders ein dreiviertel Jahr zurück und in dieser Zeit hat gerade Bernadette eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht, gleich zu Beginn des Buches hatte ich das Gefühl, das etwas an ihr anders ist als im ersten Band, auch wenn ich es noch nicht so recht greifen konnte.
Erst nach und nach fiel es so richtig auf, die starke und manchmal etwas herzlos scheinende Frau (die ich trotzdem schon sehr mochte) lässt ihre harte Schale aufbrechen und enthüllt ihren weichen Kern. Das Hotel steht nicht mehr allein an erster Stelle, die ihr verblieben Kinder Josie und Constantin, müssen nicht mehr das Gefühl haben an zweiter Stelle zu stehen.
Josie, die von ihrer Arbeit als Künstlerin nicht ganz so ausgefüllt wird wie sie erwartet hatte, überrascht ihre Mutter mit der Bitte, einen Anteil an der Leitung des renommierten Hotels zu übernehmen und das dem Verfall preisgegeben Palais dem Nachbarhotel zu kaufen. Ihre Pläne sind gewagt und kostspielig doch Bernadette lehnt sie nicht gleich ab, wie sie es früher vielleicht getan hätte, sondern nimmt ihre Tochter ernst, das hat mir sehr gefallen.
Noch spielt Josie nur eine kleinere Rolle im Roman, aber ich bin sicher, wenn sich ihre Zukunftsträume erfüllen werden wir noch viel mehr von ihr lesen dürfen.
Wenden wir unseren Blick nach Berlin zu Constantin, der noch immer das erfolgreiche Hotel Astor und das dazugehörige Variete leitet und seinen kriminellen Geschäften nachgeht. Er sinnt auf Rache für den Tod seines Bruders und schmiedet einen langfristigen Plan.
Ich mochte die Passagen die in Berlin spielen schon im ersten Band mit am meisten, sie inspirierten mich dazu etwas mehr über die berühmt-berüchtigten Ringvereine zu erfahren, von denen ich nicht wusste, dass sie sich über Gesamt Deutschland ausbreiteten. Constantin ist ein harter Hund, der vor nichts zurückschreckt, um seine Pläne durchzusetzen, doch ein Blick auf sein Privatleben zeigt, das er seiner Mutter mehr ähnelt, als man auf den ersten Blick sieht. Doch das müsst ihr schon selber lesen.
Über allem schwebt schon der Schatten der NSDAP, die Unzufriedenheit unter den Menschen nimmt zu und die Versprechungen für Recht und Ordnung zu sorgen, die die einzelnen Ortsgruppen aus Berlin erreichen fallen auf fruchtbaren Boden. So gibt es auch in Binz glühende Anhänger der bis vor kurzem noch verbotenen Partei und eine dieser Anhängerinnen ist Margit, Alexanders Witwe und Mutter der dreijährigen Zwillinge Paul und Erich, allerdings nicht aus politischer Überzeugung, sondern weil sie dadurch die Aufmerksamkeit erlangt, nach der sie so hungert. Diese oberflächliche und mehr als unsympathische Frau wird sicherlich noch für viel Ärger sorgen.
Ich könnte euch noch stundenlang von diesem Buch erzählen, aber dann müsstet ihr es ja nicht mehr selber lesen und das wäre wirklich ein Verlust.
Das Buch ist zwar der zweite Teil der Trilogie, es lässt sich aber gut als eigenständiges Werk lesen, aber auch hier gilt wie so oft: Warum sollte man sich selber des Lesevergnügens berauben.Es macht Spaß die Familie von Plesow kennenzulernen, teil zu haben an ihrem Leben mit all seinen Facetten.

  • Herausgeber : Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (15. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 512 Seiten
  • ISBN-10 : 376450708X
  • ISBN-13 : 978-3764507084

Samstag, 10. April 2021

Doggerland von Maria Adolfson

 Der Sommer hat gerade auf Doggerland Einzug gehalten. Die Musikerin Luna kehrt nach Jahren in den USA und Frankreich zurück in ihre Heimat. Auf einer Party verschwindet die Sängerin spurlos. Hat sie die Insel heimlich verlassen oder ist ihr etwas zugestoßen? Kommissarin Karen Eiken Hornby soll die Ermittlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit leiten. Denn je mehr an die Medien durchsickert, desto größer wird die Gefahr für die Künstlerin. Was keiner weiß: Karen verdächtigt ihren eigenen Freund, eine Affäre mit Luna zu haben. Weiß er etwas über ihr Verschwinden?


Karen ist tatsächlich eifersüchtig als sie sieht wie vertraut die Sängerin Luna  und ihr Freund und Mitbewohner Leo miteinander umgehen. Die Kommissarin hat sich gerade erst von den traumatischen Ereignissen der letzten Zeit erholt und sie ist sich nicht sicher, wie ihre Beziehung zu Leo aussieht: Freunde, Mitbewohner, Freundschaft Plus oder ist da doch mehr. Ihr Leben steht momentan also nicht auf festem Grund.
 Luna war einst eine Berühmtheit bevor sie sich ins Privatleben zurückzog. Nun will sie wieder auf die Bühne zurück und nimmt im Tonstudio von alten Freunden ihr neues Album auf. Kurz vor der Fertigstellung verschwindet die charismatische Frau.
Hat ihr Verschwinden etwas mit der Überfallserie auf Frauen zu tun, bei denen Frauen scheinbar willkürlich überfallen und schwer misshandelt wurden oder liegt bei Luna gar kein Verbrechen vor, hat sie sich einfach spontan eine Auszeit genommen, nicht zum ersten Mal wie ihr Ex-Mann aussagt und Karen verschwendet mit der Suche nach ihr nur ihre Zeit? 

Maria Adolfson hat nicht nur einen, sondern gleich zwei spannende Kriminalfälle erschaffen, wenn man es genau nimmt, sind es sogar noch mehr, aber das enthüllt sich erst im Laufe der Story, das sie es dazu noch schaffte das Privatleben Karens nicht zu kurz kommen zu lassen, ohne den Leser unnötig hektisch durch das Buch zu treiben ist schon sehr bemerkenswert. Es passt alles Punktgenau, anders kann ich es nicht ausdrücken.

Fester Grund ist der Abschlussband der Doggerland Trilogie von Maria Adolfson. Eine in der Realität schon längst in der Nordsee versunkenen Insel als Schauplatz hat mich vom ersten Band an fasziniert, gern hätte ich auch in diesem Band etwas mehr über die kleine Inselgruppe erfahren, das kam leider etwas kurz, aber da jammere ich auf sehr, sehr hohem Niveau. Vor allem da in Schweden wohl doch noch ein weiterer Band erschienen ist. Ich hoffe sehr, dass diese Information richtig ist und wir auch von Deutschland aus die Inselgruppe nochmals besuchen dürfen.

Fester Grund bekommt eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Ullstein Paperback; 1. Edition (29. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 400 Seiten
  • ISBN-10 : 386493138X
  • ISBN-13 : 978-3864931383
  • Originaltitel : Mellan djävulen och havet

Freitag, 9. April 2021

Die nicht sterben von Dana Grigorcea

 


Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. „Uns kann niemand brechen“, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.

Donnerstag, 1. April 2021

Verlorenes Land von Andreas M. Sturm

 


Februar 1982: In der Äußeren Neustadt von Dresden wird ein Mann erschossen aufgefunden. Bei seinen Ermittlungen stößt Volkspolizist Uwe Friedrich auf die Verbindung des Ermordeten mit der Devisenbeschaffungsgesellschaft KoKo. Daraufhin entzieht die Staatssicherheit der Kriminalpolizei den Fall. Uwe kann das nicht akzeptieren und setzt die Nachforschungen auf eigene Faust fort. Arglos recherchiert er in der Vergangenheit des Opfers; dabei legt er Zusammenhänge offen, die hohe Offiziere von Volkspolizei und Stasi schwer belasten, und gerät selbst in ein gefährliches Netz aus Korruption und Machtmissbrauch.

Als der Kriminalpolizei die Ermittlungen zu dem Mord an Siegfried Rost entzogen werden, kann und will der Volkspolizist Uwe Friedrich  sich nicht damit abfinden nur noch in alten Akten zu ungelösten Verbrechen zu wühlen. Er ermittelt auf eigene Faust und das, was er erfährt, bringt sein Weltbild gefährlich ins Wanken.

1982 war der Fall der Mauer noch Jahre entfernt und nichts deutete darauf hin das die beiden deutschen Staaten jemals wieder zu einem werden könnten. Die Lebensumstände in der DDR sind nicht immer einfach, es herrscht Mangel und das nicht nur an Luxusgütern und es herrscht die Angst vor der Stasi, die ihre Augen und Ohren überall hat. 

In seinem neusten Krimi "Verlorenes Land" führt uns der Dresdner Autor Andreas M. Sturm in eine für den Großteil der Menschen völlig fremde Welt, von der ich zwar wusste, dass es sie gibt die aber die Lebensumstände in diesem Deutschland waren für mich völlig unvorstellbar.
Nach dem Fall der Mauer hatte ich schnell ein konkretes Bild der DDR vor Augen, 
auf der einen Seite die Staatsmacht auf der anderen Seite die Menschen die eingesperrt im eigenen Land lebten und für die Luxus, schon mit einer schwer zu bekommenden Biersorte oder ein paar Rollen Tapeten beginnt.
Erst nach und nach erfuhr ich mehr und dabei halfen unter anderem auch Unterhaltungsromane in denen man die Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß zu sehen bekommt.
Der Autor erzählt vom ganz normalen Leben eines engagierten Volkspolizisten, der seinen Beruf nicht als Job, sondern als Berufung sieht und der daran glaubt, dass das Gute gewinnt. Erst als er bei seinen Ermittlungen zum Mord an Rost die Krankenschwester Sabine kennenlernt, die ihm u.a. davon berichtet, dass es ihr nicht erlaubt wurde Medizin zu studieren, weil ihr Vater in den Westen erkennt Uwe, dass dies nur die Spitze des Eisbergs aus Korruption, Gängelung und Machtmissbrauch ist.
Ich mochte diesen tiefen Einblick in die jüngste Vergangenheit unseres Landes. 
Es sind diese Bücher die uns immer wieder vor Augen führen, das es in jedem System Menschen gibt, die immer ihr Bestes geben für Recht und Gerechtigkeit, die aber auch einsehen, dass es manchmal nötig ist Kompromisse einzugehen und mit den Wölfen zu heulen.
Ich vergebe für
Verlorenes Land
eine absolute Leseempfehlung.

Eine weitere Stimme zum Buch findet ihr auf Seehases Lesewelt

  • Herausgeber : edition krimi; 1. Edition (9. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 384 Seiten
  • ISBN-10 : 3946734820
  • ISBN-13 : 978-3946734826