Sonntag, 9. August 2026

„Ein Schleuser kommt niemals allein“ – Maria Braig

Werbung. Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar von der Autorin erhalten. Meine Meinung ist davon unabhängig.

Hannes Kobler ist ein Polizist der alten Schule. Seine Methoden wirken manchmal etwas umständlich, doch er arbeitet akribisch und hartnäckig. Seit seiner Scheidung und dem Umzug seiner Tochter Lena-Lisa nach Dresden lebt er größtenteils allein. Sein Alltag besteht aus Arbeit, Tiefkühlpizza und Polizeiserien, bis ihn ein neuer Auftrag nach Pirna führt.
Dort soll Kobler die sächsische Polizei dabei unterstützen, Schleusernetzwerke an der Grenze zu Polen und Tschechien aufzudecken. Der Wechsel vom Einbruchsdezernat in Nürnberg kommt ihm gelegen: Er wäre seiner Tochter näher und könnte in der Sächsischen Schweiz seiner Wanderleidenschaft nachgehen.

Für sein Team wählt er Sophie aus, eine junge Kollegin, die er noch aus ihrer Praktikumszeit kennt. Kobler hält sie für leicht lenkbar, da sie während des Praktikums jede seiner Anweisungen widerspruchslos befolgte, doch Sophie ist alles andere als ein „Mäuschen“. Sie bietet ihm Paroli, hinterfragt seine Entscheidungen und setzt sich kritisch mit den moralischen Grenzen des Einsatzes auseinander.
Schon bald entwickelt sich der Fall zu einer persönlichen Herausforderung. Die Ermittlungen führen Kobler tief in die kriminellen Strukturen der Region und zugleich in eine Vergangenheit, die eng mit der innerdeutschen Fluchtgeschichte verbunden ist. Durch Asal, der Freundin von Koblers Tochter, die ebenfalls eine erschütternde Fluchtgeschichte hat, erhält Sophie einen neuen Blick auf die Unterschiede zwischen heutigen Schleusern und den einst gefeierten Fluchthelfern der DDR.


Maria Braig hat mich mit diesem Krimi vor allem deshalb erreicht, weil sie die eigentliche Ermittlungsarbeit mit den persönlichen Geschichten der Figuren verbindet. Die Schleuserkriminalität bleibt dabei nicht einfach ein Fall, den Kobler lösen muss. Immer wieder geht es auch um die Menschen, die von Flucht betroffen sind, und darum, wie unterschiedlich Fluchthilfe bewertet wird. Besonders interessant fand ich dabei Asals Geschichte und die Erfahrungen von Koblers Eltern, weil dadurch auch die Vergangenheit der innerdeutschen Grenze eine Rolle bekommt.

Gut gefallen hat mir außerdem, dass die Figuren nicht einfach in gut und böse eingeteilt werden. Gerade Kobler macht im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durch. Anfangs war er mir mit seiner sturen und teilweise ziemlich altmodischen Art eher unsympathisch. Durch Sophie bekommt er aber immer wieder einen Spiegel vorgehalten und man merkt, dass er durchaus bereit ist, über sich selbst nachzudenken.

Der Schreibstil ist angenehm klar und lässt sich flüssig lesen. Die Ermittlungen nehmen einen großen Raum ein, trotzdem bleiben die Menschen dahinter präsent. Für mich war es vor allem die Mischung aus Kriminalfall, den interessanten Figuren und dem Blick auf die unterschiedlichen Bewertungen von Schleusern und Fluchthelfern, die den Roman lesenswert machen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 26. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 14.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 258 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 356552863X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3565528639
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren


Mittwoch, 5. August 2026

„Andere Welten: Phantastische Geschichten, Ausgabe 3“ (Herausgeber Tobias Radloff)


Es gibt Bücher, die man zuklappt und am liebsten sofort weiterlesen würde. Genau so ging es mir mit der dritten Ausgabe von Andere Welten: Phantastische Geschichten. Nach der letzten Seite blieb vor allem ein Gedanke: Davon hätte ich gerne noch mehr.

Hinter der Anthologie steckt die Lesereihe Potsdams andere Welten, die seit 2022 im Urania-Planetarium Potsdam stattfindet. Dort lesen Autorinnen und Autoren aus Fantasy, Science Fiction und Horror ihre Texte, häufig noch unveröffentlichte Geschichten oder Auszüge aus aktuellen Projekten. Herausgeber Tobias Radloff bringt die spannendsten Beiträge in dieser Reihe zusammen und gibt dabei auch neuen Stimmen eine Bühne.

Besonders gut gefallen hat mir die Mischung aus klassischen Kurzgeschichten und Romanauszügen. Die Kurzgeschichten sind in sich abgeschlossen, atmosphärisch und oft mit einer gelungenen Pointe oder einer interessanten Idee versehen. Die Romanauszüge funktionieren dagegen eher als Appetithappen. Spannende Figuren und faszinierende Welten machen neugierig  darauf wie es weitergeht.

Wer gerne Kurzgeschichten liest und neue Autorinnen und Autoren für sich entdecken möchte, wird hier sicher fündig. Wer ausschließlich abgeschlossene Geschichten bevorzugt, könnte sich an den Romanauszügen stören. Für mich ist Andere Welten: Phantastische Geschichten, eine abwechslungsreiche Sammlung,  Einige Geschichten enden genau dann, wenn es am spannendsten wird, aber gerade das zeigt, wie gut sie funktionieren. Am Ende bleibt vor allem die Lust, mehr von diesen Autorinnen und Autoren zu lesen.




Mit Geschichten von:

Andrea Völkner
Anja Stürzer
Anna Hellmich
Chtistian Handel
Christian Stobbe
Heidi Ramlow
Jonas Müller
Josefine Lyda
Julius Hilker
Kathrin Tordasi
Nia L. Avenel
Philipp C. Niklas
Tobias Radloff


Montag, 3. August 2026

Du kriegst mich nicht von Chris Carter

Mit „Du kriegst mich nicht“ beweist Chris Carter, dass er auch abseits seiner bekannten Hunter-und-Garcia-Reihe schreiben kann. Auch wenn dieser Roman einen völlig anderen Weg einschlägt, konnte er mich überzeugen. Statt eines grausamen Serienmörders und aufwendiger Ermittlungen steht hier eine Frau im Mittelpunkt, die nach jahrelanger Gewalt versucht, unter einer neuen Identität ein sicheres Leben zu beginnen.

Samantha hat ihren gewalttätigen Ehemann Nelson angezeigt. Nach seiner Verurteilung zu 13 Jahren Haft scheint die Gefahr zunächst gebannt. Doch noch im Gerichtssaal schwört er, sie eines Tages zu finden. Auf Anraten des Staatsanwalts verschwindet Samantha daraufhin vollständig aus ihrem bisherigen Leben. Als Mary Smith fängt sie noch mal ganz von vorne an. Mehrfach zieht sie um, passt sich immer wieder neu an, versucht, so unauffällig wie möglich zu bleiben. Aber die Angst sitzt ihr im Nacken: Jedes Geräusch, jeder fremde Blick könnte bedeuten, dass er sie gefunden hat. Was erst wie ein Neuanfang wirkt, wird schnell zum psychologischen Kräftemessen zwischen der Hoffnung, endlich frei zu sein, und der ständigen Frage: Reicht es diesmal?

Am Anfang begleiteten wir Mary durch das Gerichtsverfahren und sahen, wie sie jedes Detail plante, um nicht aufzufallen. Man merkt richtig, wie sie versucht, unsichtbar zu werden. Doch je weiter die Story voranschreitet, desto mehr kippt die Stimmung. Aus dem vorsichtigen Aufbau wird ein Psychothriller, der mich so richtig mitfiebern lässt. Schicht für Schicht wird Marys neues Leben offengelegt, während Chris Carter die Handlung mehrfach in Richtungen lenkt, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Gerade wenn ich glaubte, den weiteren Verlauf durchschaut zu haben, überraschte er mich mit einer neuen Wendung.

Besonders gelungen finde ich, dass Carter diesmal weitgehend auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet. Die Spannung entsteht nicht durch blutige Szenen, sondern durch die allgegenwärtige Unsicherheit und die Entscheidungen, die Mary treffen muss, um zu überleben. Diese unterschwellige Bedrohung sorgt dafür, dass die Anspannung während der gesamten Lektüre erhalten bleibt.

Auch die Figuren haben mir gut gefallen. Mary ist keine klassische Opferfigur, sondern entwickelt sich glaubwürdig weiter. Sie lernt, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und schwierige Entscheidungen zu treffen, selbst dann, wenn jede davon neue Risiken birgt. Dadurch wirkt sie authentisch und macht es leicht, mit ihr mitzufiebern.

Das Erzähltempo empfand ich gerade zu Beginn als etwas zu langsam, doch im Rückblick sehe ich das nicht unbedingt als Mangel. Die Handlung entfaltet sich bedächtig. Jeder Ortswechsel, jede neue Begegnung fühlt sich an wie ein weiterer Schachzug in einem größeren Spiel. Genau diese sorgfältige Aufbauarbeit macht die späteren Überraschungen so wirkungsvoll und verwandelt das Buch schließlich in einen echten Pageturner. Denn sobald die Wendungen einsetzen, will man nicht nur wissen, wie die Geschichte endet, sondern vor allem verstehen, warum sich alles genau so entwickeln musste.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich dennoch. Einige Nebenfiguren hätten durchaus etwas mehr Tiefe vertragen. Gerade die Menschen, denen Mary auf ihrem Weg begegnet, bleiben teilweise etwas blass. Der Spannung schadet das allerdings kaum. Es ist eher der Wunsch, noch stärker in diese Welt eintauchen zu können.

Fazit: „Du kriegst mich nicht“ gehört für mich zu den überraschendsten Romanen von Chris Carter. Wer psychologische Thriller mit intelligent aufgebauter Spannung schätzt und auch ohne blutige Schockmomente bestens unterhalten werden möchte, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Ich habe es sehr gerne gelesen.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548074901
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548074900
  • Originaltitel ‏ : ‎ Hide and Seek


Sonntag, 2. August 2026

Küstenwelle von Eva Lirot (Die Kommissarin auf der Insel 17)


Fehmarn im Hochsommer. Die Insel ist im Festmodus. Große Kite-Surf-Wettbewerbe, Sponsorenzelte, Partybühnen, überall Menschen, die feiern und surfen. Mitten in diesem Trubel wird ein Toter gefunden, der berühmte Kitesurfer Lennart .

Kommissar Eisler hat in diesem Moment einen seiner typischen Eisler-Momente. Er erfährt von dem Mord genau in dem Augenblick, in dem Frieda Lieken gerade geheiratet hat. Also nimmt er sie, noch im Brautkleid, direkt mit zum Tatort. So beginnt „Küstenwelle“, der inzwischen siebzehnte Fall um die Inselkommissarin Frieda Lieken von Eva Lirot.

Wie in den früheren Bänden hat mir auch dieser Roman wieder sehr gut gefallen. Die Mischung aus Urlaubsatmosphäre und ernstem Fall funktioniert weiterhin, ohne in reine Kulissen-Kriminalliteratur abzurutschen. Die Figuren wirken echt, die Dialoge klingen natürlich, und genau das mag ich an Eva Lirot: Sie stellt Fehmarn nicht nur als Schauplatz für Tourismus und Kriminalität dar, sondern zeigt auch, dass das ganz normale Leben eine Rolle spielt. Das gibt dem Buch diese besondere Note, die ich an ihren Krimis so schätze.“

Und auch Oma Lieken darf wieder einen wichtigen Hinweis geben, fast schon wie eine kleine Tradition in der Reihe. Dass gerade sie den entscheidenden Impuls liefert, ist typisch für diese Familie und bringt eine angenehme Atmosphäre in die Ermittlungen.

Am stärksten fand ich jedoch das Motiv. Ohne zu viel verraten zu wollen, zeigt es sehr deutlich, wie verblendet manche Menschen sein können und wie sehr sie sich in einer einzigen Idee verlieren. Dieser Aspekt hat mich mehr berührt, als ich zunächst erwartet hätte. Er macht aus dem Fall nicht nur ein Rätsel, sondern eine Geschichte über Enttäuschung, Verzerrung und die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie sich im Recht wähnen.

„Küstenwelle“ ist in sich abgeschlossen und kann ohne Probleme ohne Vorkenntnisse der Reihe gelesen werden. Wer Frieda Lieken schon mag, wird auch hier wieder fündig, ein solider, atmosphärischer Inselkrimi mit einem Fall, der unter die Haut geht.


  • ASIN ‏ : ‎ B0H3NFZ5VT
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 215 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8199255967
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.7 x 1.24 x 20.32 cm
  • Buch 17 von 18 ‏ : ‎ Die Kommissarin auf der Insel

Freitag, 31. Juli 2026

Die Heimsuchung der Ivy Good von M.H.Steinmetz

 


Mit Die Heimsuchung der Ivy Good legt M. H. Steinmetz einen düsteren, atmosphärisch dichten Horrorroman vor, der seine Leserinnen und Leser direkt in einen beklemmenden Strudel aus Flucht, Wahnsinn und dämonischer Bedrohung zieht. Schon der Einstieg hat mich sofort gepackt: Ivy Good ist nach einem Banküberfall auf der Flucht und landet ausgerechnet im Blood House Inn, einem Ort, der von Anfang an alles andere als ein sicherer Zufluchtsort wirkt.

Besonders gelungen ist für mich die Stimmung des Romans. Die abgelegene Stadt Purgatory, das unheimliche Gasthaus und die immer stärker werdende Bedrohung schaffen eine bedrückende Atmosphäre, die sich konsequent durch die Handlung zieht. Der Horror entsteht hier nicht nur durch das Übernatürliche, sondern auch durch die Unsicherheit, was noch Realität ist und was bereits dem zerbrechenden Geist der Protagonistin entspringt. Genau diese Mischung macht das Buch so intensiv.

Ivy Good ist keine glatte, leicht gefällige Heldin, und gerade das hat mir gefallen. Sie ist kantig, gehetzt, verletzt und alles andere als perfekt, wirkt dabei aber gerade deshalb lebendig und glaubwürdig. Auch das Spiel mit ihrer Wahrnehmung und der schleichende Verlust von Kontrolle sorgen dafür, dass man beim Lesen ständig angespannt bleibt. Man möchte wissen, ob Ivy dem, was in ihr und um sie herum geschieht, überhaupt noch entkommen kann.

Der Roman lebt stark von seiner düsteren Bildsprache und dem Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas zutiefst Böses lauert. Wer Geschichten mag, die auf psychologischen Druck, unheimliche Orte und eine stetig wachsende Bedrohung setzen, wird hier sicher auf seine Kosten kommen, mir hat das Buch auf jeden Fall wieder sehr gefallen.


  • ASIN ‏ : ‎ B0GYWP1XF9
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 28. April 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 399 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8268962345

Mittwoch, 29. Juli 2026

Der Eklat von von Dennis Kornblum


Klappentext: Der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel evoziert in einer Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen Skandal. – Ziemlich genau neun Wochen später diskutieren der Moderator und ein Journalist namens Hagen über die Hintergründe und Auswirkungen des Vorfalls. Was ist da passiert? Welche Vorgeschichte kennt man? Die Journalistin Jasmina Lorentz hat sich in den vergangenen Jahren zur Hauptgegnerin Wrobels entwickelt, sich immer wieder über dessen disputable Aussagen zu sensiblen gesellschaftlichen und politischen Fragen empört. Dabei hat sie versucht, ihn in ein Korsett ideologischer Hetzerei und Frauenfeindlichkeit zu zwängen, und schließlich Wrobels künstlerische Verantwortung und generell seine Kompetenz in Frage gestellt. Zusätzlich hatte sie in einem aufsehenerregenden Online-Artikel eine sehr persönliche Bemerkung zu Wrobel gemacht, der türkischstämmigen Ehefrau gemacht. Wenige Wochen nach Erscheinen des Artikels eskalierte die Fehde der beiden in einer legendären, dreizehnminütigen Talkshow-Livesequenz. Dieser Roman fasst das zusammen, was wir derzeit in so vielen Teilen der Gesellschaft entdecken: Spaltung, überzogene Polarisierung, Wunden, Verletzungen, Extreme ... und Ereignisse, die niemand braucht. Kornblum hat den "Skandalautor" als Modell-Vorlage gewählt und alles in deutlichem Ton, auch bis ins wechselhafte, auch aufregende Denken des Schriftstellers Wrobel hinein, ausgeleuchtet.



Im Mittelpunkt steht der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel, der in einer Talkshow einen öffentlichen Eklat provoziert. Wochen später werden die Ereignisse in einer weiteren Sendung aufgearbeitet. Dabei diskutieren ein Moderator und der Journalist Hagen, der nach dem Vorfall Menschen aus Wrobels Umfeld interviewt hat, über die Hintergründe. Ergänzt wird dies durch Rückblicke, Ausschnitte aus früheren Talkshows und Passagen aus Wrobels Sicht.

Die Erzählweise fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Durch die Mischung aus Talkshow-Ausschnitten, Interviews, Rückblicken und Wrobels eigenen Gedanken musste ich mich erst einmal zurechtfinden. Nach und nach wurde aber klarer, wie die einzelnen Ereignisse und Perspektiven zusammenhängen.

Im Zentrum steht der Konflikt zwischen Wrobel und der Journalistin Jasmina Lorentz. Sie kritisiert ihn seit Jahren öffentlich und wirkt dabei auf mich nicht immer ganz fair. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass ihre Kritik längst nicht mehr nur seinen Ansichten gilt, sondern zunehmend auch ihm als Person. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Artikel von Lorentz, in dem sie Wrobel sehr persönlich angreift und der schließlich die Ereignisse ins Rollen bringt.

Spannend fand ich, dass der Roman dabei keine einfache Seite vorgibt, auf die man sich schlagen soll. Stattdessen zeigt er, wie festgefahren der Konflikt zwischen den Beteiligten geworden ist und wie beide Seiten ihre eigenen Verletzungen und Überzeugungen mit sich herumtragen.

Wrobel war mir von Anfang an unsympathisch, auch wenn er ein interessanter Charakter ist. Er ist ein Mensch, der aktuelle Themen wie Klimakatastrophe, Migration und Gleichberechtigung leugnet oder ins Lächerliche zieht. Das widerspricht meinen eigenen Ansichten so sehr, dass das Lesen darüber zeitweise fast wehtat. Genau diese Unbequemlichkeit macht den Roman aber auch ehrlich: Er zwingt dazu, sich mit Positionen auseinanderzusetzen, die man ablehnt.

Gleichzeitig blieb für mich lange unklar, wie Wrobels politische Haltung tatsächlich einzuordnen ist. Immer wieder verweist er darauf, dass seine Romane satirisch zu verstehen seien, wodurch die Grenzen zwischen Provokation, literarischer Inszenierung und persönlicher Überzeugung verschwimmen. Dennoch entstand bei mir insgesamt der Eindruck, dass seine Positionen deutlich am rechten Rand des gesellschaftlichen Meinungsspektrums verortet sind. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur interessant, weil sie sich einer eindeutigen Einordnung entzieht und dadurch Raum für unterschiedliche Interpretationen lässt.

Für mich war „Der Eklat“ ein Roman, der volle Aufmerksamkeit verlangt. Besonders die Passagen aus Wrobels Sicht fand ich sehr interessant. Seine Rechtfertigungen, seine Wut und sein Selbstmitleid machen ihn nicht sympathisch, aber durchaus glaubwürdig. Gleichzeitig haben die anspruchsvolle, oft dichte und verschachtelte Sprache sowie die zahlreichen Fremdwörter meinen Lesefluss immer wieder gebremst, da sie sich nicht immer unmittelbar erschließen. Dennoch hatte ich auch den Eindruck, dass genau diese Sperrigkeit gewollt ist und zum Konzept des Romans gehört. (auch wenn mir persönlich das dann doch etwas zu viel war, dadurch wird der Roman weniger zugänglich, als er sein könnte) Die Sprache fordert fast dieselbe Aufmerksamkeit ein wie die gesellschaftlichen Konflikte, die der Roman verhandelt. Was die Lektüre manchmal anstrengend macht, trägt zugleich wesentlich zu ihrer Wirkung bei.



  • Herausgeber ‏ : ‎ KUUUK
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 230 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3962900535
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3962900533
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren 

Freitag, 24. Juli 2026

Carl's Doomsday Scenario: Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe (Dungeon Crawler Carl, Band 2)


Matt Dinnimans zweiter Band der Dungeon Crawler Carl-Reihe macht genau dort weiter, wo der erste aufgehört hat. Carl und Prinzessin Donut leben noch, die Dungeon-KI treibt weiterhin ihre perfiden Spielchen, und die Zuschauer im ganzen Universum verlangen nach immer mehr Chaos, Blut und Unterhaltung. Dinniman erfindet das Rad nicht neu, er nimmt, was im ersten Band funktioniert hat, und legt noch eine Schippe drauf.

Diesmal verschlägt es Carl und Donut auf die dritte Ebene, die Oberstadt. Eine zerstörte Metropole voller Monster, Fallen und absurder Herausforderungen. Gleichzeitig wird der Einfluss der außerirdischen Sender immer spürbarer, die um Quoten, Sponsoren und Wettgewinne kämpfen. Genau hier wird es kreativ, chaotisch und voller Ideen. Der Autor nutzt die Spielmechaniken auf unterhaltsame Weise. Im späteren Verlauf wirkt die Handlung stellenweise etwas zerfahrener, da die Geschichte zwischen neuen Aufgaben, Chatshows und Level-ups hin und her springt. Langweilig wird es aber nie, dafür bleibt das Tempo durchgehend hoch.

Besonders gelungen fand ich die stärkeren Horrorelemente. Die Oberstadt ist nicht nur gefährlich, sondern oft regelrecht verstörend. Untote Artisten, groteske Kreaturen und albtraumhafte Szenarien verleihen der Welt eine deutlich düsterere Atmosphäre als in Band eins. Es gibt Momente, die wirklich unangenehm werden, und das Buch scheut sich nicht vor Bildern, die eher nach Albtraum als nach Spiel klingen.

Gleichzeitig hatte ich nie wirklich Angst um Carl oder Donut. Die Reihe ist auf viele weitere Bände ausgelegt, und das merkt man. Man fiebert zwar mit, fragt sich aber eher, wie sie die nächste Katastrophe überleben, als ob sie es überhaupt schaffen. Das nimmt manchen Szenen etwas Spannung, sorgt aber auch dafür, dass der Spaß stets im Vordergrund bleibt.

Carl bleibt ein sympathischer Überlebenskünstler, der clever improvisiert, ohne zum klassischen Helden zu werden. Prinzessin Donut stiehlt mit ihrer arroganten und selbstverliebten Art (und ich liebe sie genau dafür, sie ist eben eine Katze) erneut viele Szenen und sorgt für einen Großteil des Humors. Auch die LitRPG-Elemente funktionieren weiterhin gut und so langsam verstehe auch ich, wie Videospiele funktionieren. Skills, Loot, Achievements und Quests sind sinnvoll in die Handlung eingebunden und fühlen sich nie wie bloße Spielerei an.

Fazit: Carl's Doomsday Scenario ist eine starke Fortsetzung, die die Welt erweitert und die Stärken der Reihe konsequent ausspielt. Die Horrorelemente sorgen für zusätzliche Atmosphäre, und trotz kleinerer Längen bleibt das Buch durchgehend unterhaltsam. Wer den ersten Band mochte, wird auch mit diesem Teil viel Spaß haben. Den ersten Band sollte man auch unbedingt  gelesen haben.


  • Herausgeber ‏ : ‎ FISCHER Tor
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 24. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 3.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596712491
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596712496
  • Originaltitel ‏ : ‎ Carl's Doomsday Scenario



Mittwoch, 22. Juli 2026

Schlosshotel Fuschl: Roman von Caren Benedikt

 


Ich habe schon einige Romane von Caren Benedikt gelesen und mag ihren Erzählstil sehr. Aus diesem Grund wollte ich das „Schlosshotel Fuschl“ unbedingt lesen, und es hat meine Erwartungen erfüllt. Leserinnen und Leser, die bereits in die Welt von Caren Benedikt kennen, werden auch hier schnell Bekanntes entdecken: eine eindrucksvolle historische Kulisse, liebevoll beschriebene Figuren und eine Familiengeschichte, die von Konflikten und Geheimnissen geprägt ist.

Im Sommer 1955 ist die Geschichte im Salzburger Land angesiedelt. Während im Schlosshotel Fuschl die feine Gesellschaft verkehrt, die Salzburger Festspiele stattfinden und am See die „Sissi“-Filme gedreht werden, kämpft Theresa von Reuschenberg darum, ihre beiden Hotels durch harte Zeiten zu steuern. Die Rückkehr von Benedikt, ihrem totgeglaubten Bruder, der nach Jahren in der Kriegsgefangenschaft plötzlich seinen Erbanteil einfordert, bringt das Gleichgewicht, das sie mühsam aufgebaut haben, durcheinander. Alte Wunden brechen auf, und es wird schnell offensichtlich, dass es hier nicht nur um Geld geht, sondern auch um Vertrauen, Schuld und Familie.

Die Atmosphäre gefällt mir besonders gut. Die Nachkriegszeit ist präsent, ohne dass sich die Autorin in zu vielen Details verliert. Die privaten Probleme stehen im starken Kontrast zur Filmkulisse und den Festspielen, die eine heile Welt vorgaukeln. Die Hotellerie ist nicht nur Dekoration; sie ist auch die Quelle von Konflikten mit: Personal, Gästebindungen, Krediten und dem Druck, den Glanz zu bewahren.

Theresa war für mich eine starke Hauptfigur. Sie handelt oft pragmatisch, trifft nicht immer einfache Entscheidungen und wirkt dadurch sehr authentisch. Auch Benedikt ist keine Figur, die man sofort einordnen kann. Seine Rückkehr bringt viel Spannung in die Geschichte. Nach der Freude über die unerwartete Rückkehr des totgeglaubten Bruders beginnen die Konflikte. Auch das sorgt dafür, dass ich  immer weiterlesen möchte. Und dann sind da noch Marie und Sophie, Theresas Töchter, die unterschiedlicher nicht sein können, während Marie pflichtbewusst studiert und in ihrer freien Zeit im Hotel aushilft, plant Sophie ihre Zukunft nicht in Österreich, ohne dass ihre Mutter davon weiß. Die Frage wie es mit den beiden jungen Frauen weitergeht sorgte ebenfalls dafür das ich immer weiterlesen wollte.

Wer bereits Das Grand Hotel oder andere Bücher der Autorin gelesen hat, wird einige vertraute Elemente wiederfinden. Das große Hotel als Schauplatz, eine Frau, die Verantwortung übernimmt, und familiäre Konflikte gehören inzwischen fast zu Caren Benedikts Markenzeichen. 

Insgesamt hat mich Schlosshotel Fuschl sehr gut unterhalten. Der Roman verbindet historische Ereignisse mit einer emotionalen Familiengeschichte und lädt dazu ein, für ein paar Stunden in eine andere Zeit einzutauchen. Im Nachwort berichtet die Autorin von ihrer Recherchearbeit und den wahren Begebenheiten und Menschen, auch das ist sehr lesenswert und macht neugierig auf Salzburg. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 15. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Originalausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3764508523
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3764508524


Montag, 20. Juli 2026

Feenpakte Geschichten aus der Welt der Seelenfänger


Ich wusste, dass ich die Anthologie „Feenpakte“ mögen würde. Der Verlag steht für starke Storys und einige der Autorinnen und Autoren kannte ich bereits. Dass mich aber gleich die erste Geschichte so umhauen würde, hätte ich nicht erwartet.

Vincent Voss: Das Nebelbrett
Die Auftaktgeschichte setzt sofort einen düsteren, verstörenden Ton. Zwischen märchenhafter Anderswelt und beklemmender Gegenwartsnähe entfaltet sich eine Erzählung über Manipulation, Angst und Macht. Besonders eindrücklich sind die Bilder, etwa die Spinnen, die sich unbemerkt in Menschen einnisten, als Sinnbild für schleichende gesellschaftliche Vergiftung. Ohne plump zu wirken, liest sich die Geschichte wie ein Kommentar auf reale Entwicklungen und zeigt, wie anfällig Gemeinschaften für gezielte Angstmache sein können und dass man dem gemeinsam entgegenwirken kann.

Gloria H. Manderfeld: Waldgrimms Raub
Diese Geschichte trifft mit ihrem Thema besonders hart. Im Zentrum steht eine Frau auf der Flucht vor häuslicher Gewalt, die ausgerechnet im Unheimlichen Schutz findet. Manderfeld spielt gekonnt mit Erwartungen und hinterfragt, wer eigentlich als „Monster“ gilt. Die eigentliche Stärke liegt jedoch in der bitteren Erkenntnis, dass Betroffene oft nicht gehört werden, selbst dann nicht, wenn sie längst wissen, was für sie gefährlich ist.

Florian Wehner: Die arme Frau Wohlstand
Nach dem großen Krieg lebt Nadjala mit ihren Kindern in Armut, denn ihr Mann hat hohe Schulden hinterlassen. Kurz bevor sie auch noch ihr Haus verliert, taucht eine alte Frau auf: Britha. Sie hilft im Haushalt und braut Heiltränke, die Nadjala im Dorf verkauft. Endlich können die Schulden beglichen werden und die Kinder wieder unbeschwert leben. Brithas einzige Bedingung ist Schweigen. Als jedoch ein Kind im Dorf krank wird und die Tränke alles nur verschlimmern, zeigt sich, dass Hilfe ihren Preis hat und der ist selten gerecht.

Francis Bergen: Das Frühjahrsfest
Der Hütejunge Anton sorgt sich um sein Lamm Darja, das von seiner Mutter verstoßen wurde. Er zieht es mit der Hand auf, obwohl es kaum Überlebenschancen hat. Ein Fremder erscheint, erstaunt über Antons Fürsorge, und heilt das Tier. Zum Dank nimmt Anton ihn mit auf das Frühjahrsfest. Bei Gesang und Tanz fügt sich der Fremde, der sich Hariyo Rhaday nennt, unter die Feiernden, bis der eigentliche Höhepunkt beginnt und dem Frühling und dem Sommer geopfert wird.

Nils Krebber: Geh nicht in den Glimmerwald
Nach dem Fluchwall lebt ein junger Holzfäller in einem Dorf, das zwar von Wald umgeben ist, doch nur ein entfernter Wald darf betreten werden. Der nahe Wald gilt als gefährlich, bevölkert von einer Fee und Wesen, die sich gegen Eindringlinge wehren. Eine Frau ist einst zurückgekehrt, bevor der Wind sie wieder forttrug. Niemand widersetzt sich dem Verbot, bis eine junge Frau auftaucht, in die sich der Holzfäller verliebt. Sie zeigt ihm einen Weg, die Fee um Erlaubnis zu bitten. Die Geschichte kreist um Versprechen und die Konsequenzen, wenn man sie bricht.

Marco Ansing: Die Zahnfee
Die bekannte Geschichte von der Zahnfee bekommt hier eine düstere Wendung. In Godenfort blüht das Dorf, die Ernten sind gut, doch die Menschen wirken krank, viele haben keine Zähne und Kinder sind kaum zu sehen. Als die Seelenfängerin Kaira und ihr Bruder eintreffen, kommen sie einem grausigen Geheimnis auf die Spur. Eine unheimliche, sehr wirkungsvolle Geschichte.

Daniel Isberner: Der Wunsch
Ein Dorf ist auf der Flucht vor einem Geist, der einst ein Dieb war und nun weiter stiehlt und tötet. Selbst auf der Flucht sind sie nicht sicher. Die dreizehnjährige Jaria freundet sich mit Perai an, bei dem Jungen mit dem Messer fühlt sie sich sicher. Als er verletzt wird, spricht sie einen Wunsch aus, dessen Preis hoch ist. Mein erster Gedanke war: Du dummes Kind. Mein zweiter: Wie weit würde ich gehen für einen geliebten Menschen?

Ralf Sandfuchs: Die Liebe einer Mutter
Sören lebt mit seiner Mutter abgeschieden im Wald. Nur selten geht er ins Dorf, inzwischen auch, um sich mit den Mädchen zu treffen, die sich ihm kaum entziehen können. Seine Mutter sagt, er komme nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Als der Vater eines Mädchens ihm droht, hält Sören sich nicht daran und läuft in eine Falle. Auch hier geht es um Ausgrenzung und die Angst vor dem Fremden.

Christian Günther: Fünf, sechs, sieben, acht
Auf diese Geschichte war ich besonders gespannt. Jarek sucht seine Schwester, die vor ihrem Vater geflohen ist. Die alte Raika verspricht ihm Hilfe, doch seine Mutter behauptet, Raika sei seit Jahren tot. Als Jarek am nächsten Tag zu ihrer Hütte zurückkehrt, ist sie verschwunden. Eine Geschichte mit einer starken Idee und einem unerwarteten Ausgang.

Thorsten Küper: Im Dienst des Turmbaumeisters
Vermil ist ein begnadeter Zeichner. Als er auf Arzad trifft, erhält er einen ungewöhnlichen Auftrag: Ein Turmbaumeister will seine verstorbene Frau zurückholen und braucht dafür ein genaues Bild von ihr. Doch schnell stellt sich die Frage, ob es wirklich Liebe ist, die ihn antreibt.

„Feenpakte“ versammelt Geschichten über Wünsche und deren Preis und stellt dabei die düstere Seite der Anderswelt in den Mittelpunkt. Statt romantischer Feenbilder dominieren hier Verlockung, Täuschung und Konsequenzen, die oft erst spät sichtbar werden. Viele Texte spielen gezielt mit Erwartungen und erzeugen eine durchgehend eher beklemmende Stimmung. Die Qualität ist insgesamt recht ausgeglichen, einzelne Storys unterscheiden sich aber genug, dass keine wie die andere wirkt, auch wenn sich Motive wiederholen.

Für mich funktioniert die Anthologie vor allem dann, weil sie die düsteren Ideen konsequent ausspielt. Wer solche Geschichten mag, wird hier auf jeden Fall fündig.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Low, Torsten
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 22. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Erstauflage
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 220 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3966290537
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3966290531

Mittwoch, 15. Juli 2026

Eine winzige Lüge von Astrid Korten

Astrid Korten versteht es wie kaum eine andere, sensible und schwierige Themen so in Worte zu fassen, dass sie Leserinnen und Leser berühren und zugleich für Aspekte sensibilisieren, die in der Öffentlichkeit noch immer viel zu oft verschwiegen werden. Während sie in ihrem Roman „Poppy“ die Perspektive des Missbrauchsopfers einnimmt, beleuchtet „Eine winzige Lüge“ die Sicht einer Mutter, die mit einem kaum vorstellbaren und kaum aushaltbaren Vorwurf konfrontiert wird.

Martinas Tochter Julia wirft Martinas Lebensgefährten Alex vor, sie seit ihrem 9. Lebensjahr missbraucht zu haben. Zu widersprüchlich erscheint ihr dieses Bild. Schließlich nannte Julia ihn seit ihrer ersten Begegnung im Alter von drei Jahren „Papa“, und das Kind hatte schon immer eine überbordende Fantasie. Immer wieder erfand sie Geschichten, etwa von einem Kobold, der an Alex’ Schreibtisch saß, wenn er selbst nicht da war.

Warum also sollte sie ausgerechnet diese Geschichte glauben?

Doch was, wenn Julia die Wahrheit sagt?

Es kann doch nicht sein, was nicht sein darf. Martina kennt den erfolgreichen Schriftsteller seit 25 Jahren und war überzeugt, ihn so gut zu kennen wie sich selbst. Doch die Zweifel lassen sie nicht mehr los, und sie beginnt, nach der Wahrheit zu suchen.

Ich konnte Martinas Gedanken gut nachvollziehen, auch wenn sie schwer auszuhalten sind, besonders dann, wenn man selbst Kinder hat. Dieses Festhalten an der eigenen Realität, dieses Nicht-glauben-Wollen, weil die Konsequenzen alles zerstören würden. Gleichzeitig ist da beim Lesen dieses nagende Gefühl, dass genau darin die eigentliche Tragik liegt.

Genau das macht den Roman so eindringlich. Schritt für Schritt beginnt Martina nachzuforschen, und mit jeder neuen Erkenntnis gerät ihr Leben mehr ins Wanken. Auch beim Lesen verändert sich die Perspektive immer wieder. Man hinterfragt, zweifelt und denkt mit jeder Wendung neu und davon gibt es einige. Manche sind bewusst verwirrend, passend zu Martinas Gefühlsleben und der beklemmenden Atmosphäre, die die Autorin erschafft.

 

  • ASIN ‏ : ‎ B0H7CLBNXF
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Juli 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 326 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8185207284






  • Samstag, 11. Juli 2026

    Die Villa der Architektin: Roman (Unionsverlag Taschenbücher) von Melania G. Mazzucco (Autor), Karin Fleischanderl (Übersetzerin


    Mit "Die Villa der Architektin" erzählt Melania G. Mazzucco die Geschichte von Plautilla Bricci, einer Frau, die in der Kunstgeschichte lange kaum wahrgenommen wurde. Die Autorin begleitet ihr Leben im Rom des 17. Jahrhunderts und verbindet historische Fakten mit einer klar erzählten Romanhandlung. Dabei entsteht das Bild einer Frau, die sich in einem sehr engen gesellschaftlichen Rahmen ihren eigenen Weg gesucht hat.

    Plautilla Bricci wurde 1616 in Rom geboren und wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf. Ihr Vater förderte ihre Ausbildung in der Malerei früh. Da Frauen der Zugang zur akademischen Aktausbildung verwehrt blieb, arbeitete sie zunächst vor allem als Malerin religiöser Motive und als Miniaturmalerin. Später trat sie auch als Architektin hervor und gilt als eine der ersten Frauen, die in diesem Bereich in Rom Beachtung fanden.

    Besonders gelungen sind Mazzuccos Schilderungen des barocken Rom. Sie zeigen die künstlerischen Möglichkeiten der Zeit, machen aber auch deutlich, welche Grenzen Frauen damals gesetzt waren. Plautillas Entscheidung, unverheiratet zu bleiben, erscheint aus heutiger Sicht nachvollziehbar, war für ihre Zeit jedoch ungewöhnlich. Dadurch wird deutlich, welchen Preis persönliche Unabhängigkeit für Frauen damals haben konnte.

    Mir hat gefallen, dass der Roman gut recherchiert wirkt, ohne trocken zu werden. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Bedürfnis nachzuprüfen, welche Ereignisse historisch belegt sind und wo die literarische Gestaltung beginnt. Gerade diese Verbindung aus Recherche und Erzählung macht das Buch für mich interessant, weil es nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch ein vergessenes Kapitel sichtbar macht.

    Auch die Beziehung zu Elpidio Benedetti spielt eine wichtige Rolle. Dass Plautilla bei der Testamentseröffnung leer ausgeht, zeigt, wie tief und zugleich frei von Erwartungen diese Verbindung war. Er hat ihr nichts Materielles hinterlassen, sondern etwas, das sich eher in Vertrauen und Nähe zeigt. Nach der Testamentseröffnung sucht sie Virginia auf, Elpidios Tochter, die in einem Conservatorio lebt. Dort wurden uneheliche Töchter von Geistlichen und Adligen ebenso aufgenommen wie Waisen von Handwerkern oder Hausangestellten. Sie blieben dort abgeschottet von der Außenwelt, bis sie verheiratet wurden oder in Stellung gingen, damit die Männer vor der "Versuchung" geschützt waren, die von ihnen ausging. Gerade dieser Abschnitt hat mich beim Lesen wirklich berührt. Dass Frauen zum Schutz der Männer abgeschottet wurden, zeigt, wie selbstverständlich ihnen die Verantwortung für das Verhalten der Männer zugeschrieben wurde. Wenn wir ehrlich sind: Viel geändert hat sich in der heutigen Zeit nun nicht. In diesem Abschnitt steht auch einer der berührendsten Sätze: "Beschützte, unversehrte , ausgelöschte Leben"
    Dieser Gedanke an beschützte, unversehrte und zugleich ausgelöschte Leben bleibt hängen, weil er die Härte dieses Systems so deutlich macht.

    Die Villa der Architektin ist ein historischer Roman für alle, die sich für Frauen in der Geschichte, für Kunst und Architektur sowie für sorgfältig recherchierte Stoffe interessieren. Melania G. Mazzucco erzählt konzentriert und klar und rückt Plautilla Bricci mit spürbarem Interesse ins Zentrum.


    Originaltitel: L’architettrice
    Originalsprache: Italienisch
    Erstauflage: 9.7.2026
    Auflage: 1

    Freitag, 10. Juli 2026

    Krasse Kurze "Bizarre Geschichten" von Sascha Dinse

     

    Klappentext: Die 31 Kurzgeschichten in diesem Band schlagen einen weiten Bogen von den Abgründen des Großstadtlebens über Auswüchse moderner Technik bis hin zu unheimlichen Erscheinungen und finsteren Zukunftsszenarien. Manchmal blutig und verstörend, dann wieder voller nachdenklicher Melancholie, haben die Geschichten eines gemeinsam: Sie sind kurz und krass.Dieses Buch ist eine komplett überarbeitete Neuauflage. An sehr vielen Stellen sind Dinge verbessert, geschärft oder ergänzt worden.

    Besonders gut gefallen hat mir die Abwechslung innerhalb der Sammlung. wir treffen auf Geister ebenso wie auf hochtechnologie, auf Ernährungsbewusste Kannibalen und wie begegnen dem Tod, um nur einige Themen zu nennen mit denen sich Sascha Dinse befasst hat. Ich verzichte an dieser Stelle auf Rezensionen zu den einzelnen Texte denn die Geschichten sind wirklich kurz, manche gehen nur über zwei Seiten, und da wäre schnell zuviel verraten. Die einzelnen Geschichten sind pointiert und mit einem treffenden Blick auf das ausergewöhnliche. Genau das sorgt dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, ich wusste nie welches Genre mich auf der nächsten Seite erwartet, sehr spannend, kann ich da nur sagen.

    Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen überzeugt, was ich bei einer Sammlung dieser Art aber völlig in Ordnung finde. Manche Ideen haben mich stärker gefesselt als andere, einige Storys sind mir besonders im Gedächtnis geblieben, während andere etwas weniger Eindruck hinterlassen haben, aber das waren wirklich nur wenige und am Ende ist es einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks.Insgesamt hat mich der Band gut unterhalten. 

    Für mich ist „Krasse Kurze“ eine vielseitige, düstere und stellenweise angenehm unbequeme Sammlung, die ich vor allem Leserinnen und Lesern empfehlen kann, die kurze, ungewöhnliche Geschichten mit Horror, Weird Vibes und einem Hauch Melancholie mögen.


    • ASIN ‏ : ‎ B0H564BKFM
    • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Juni 2026
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 166 Seiten
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8181386495
    • Lesealter ‏ : ‎ 16–17 Jahre

    Donnerstag, 9. Juli 2026

    Herz König: Roman von Lily King (Autor), Eva Bonné (Übersetzerin)

     


    Lily King erzählt in Herz König eine Geschichte über erste Liebe, Freundschaft, Anziehung und die Spuren, die bestimmte Begegnungen im Leben hinterlassen können. Im Mittelpunkt steht eine junge Literaturstudentin, die sich plötzlich in einer intensiven Verbindung zu Sam und Yash wiederfindet. Was zunächst leicht und fast spielerisch beginnt, entwickelt sich zu einer vielschichtigen Geschichte, die auch Jahre später noch Bedeutung hat.

    Besonders gefallen hat mir, wie die Geschichte erzählt wird. Lily King schreibt ruhig, klar und sehr genau. Sie setzt nicht auf große Wendungen oder laute Effekte, sondern auf Beobachtungen, Gespräche und Zwischentöne. Genau das macht den Roman für mich so überzeugend, weil er dadurch sehr nah an seinen Figuren bleibt.

    Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Kings Stil ist schlicht, aber sehr fein gearbeitet. Sie trifft Stimmungen und innere Konflikte mit wenigen Worten und schafft es, den Figuren eine große Glaubwürdigkeit zu geben. Gerade diese unaufgeregte Art des Erzählens passt sehr gut zu der Geschichte.

    Die zweite Zeitebene, in der die Protagonistin auf ihr früheres Leben zurückblickt, gibt dem Roman zusätzliche Tiefe. Hier wird deutlich, wie stark Entscheidungen aus der Jugend ein ganzes Leben prägen können. Lily King verbindet beide Ebenen geschickt miteinander und hält die Spannung dabei bis zum Schluss aufrecht.

    Herz König ist für mich ein stiller, aber eindringlicher Roman, der vor allem durch seine Erzählweise und die Sprache lebt. Wer fein beobachtete Beziehungen und eine kluge, ruhige Erzählung mag, wird hier sicher fündig.


    • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. Juli 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 222 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406848192
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406848193
    • Originaltitel ‏ : ‎ Heart the Lover

    Dienstag, 7. Juli 2026

    Dungeon Crawler Carl: Entertainment ist Pflicht. Überleben nicht. | Die legendäre Fantasy-Serie endlich auf Deutsch von Matt Dinniman (Autor), Ruggero Leo (Übersetzer)


    Bereits nach wenigen Kapiteln zeigt sich der Ton: schnell, bissig und oft ziemlich direkt, ohne sich in Erklärungen zu verlieren. Genau das macht den Einstieg in Dungeon Crawler Carl so ungewöhnlich, denn auch ohne großes Vorwissen zu Videospielen findet man erstaunlich zügig in diese schräge Welt hinein. Die Begriffe sind zwar zunächst neu, werden aber so eingebettet, dass man nicht ständig ins Stolpern gerät.

    Die Ausgangssituation ist auf ihre ganz eigene Weise reizvoll und erinnerte mich stellenweise ein wenig an Per Anhalter durch die Galaxis: absurd, überdreht und mit einem sehr eigenen Sinn für Humor. Carl entgeht nur knapp der Auslöschung durch Außerirdische, weil er in genau diesem Moment die Katze seiner Ex-Freundin von einem Baum rettet. Um zu überleben, muss er in den Dungeon und dort gemeinsam mit der Katze Prinzessin Donut gegen feindliche Kreaturen kämpfen. Unterstützung und Rat erhalten die beiden von Mordecai, einem Gildenmeister, der ihnen durch dieses seltsame Abenteuer hilft.

    Was auf den ersten Blick vor allem nach Spaß, Chaos und einer ziemlich verrückten Grundidee klingt, hat jedoch noch eine zweite Ebene. Zwischen den Kämpfen, der teils derben Sprache und den vielen skurrilen Momenten blitzen immer wieder kritische Gedanken auf. Carl fühlt sich nicht wohl dabei, andere Lebewesen zu töten, ist sich aber gleichzeitig bewusst, dass es hier letztlich um das eigene Überleben geht. Genau dieser innere Konflikt gibt der Geschichte mehr Tiefe, als man anfangs vielleicht vermuten würde.

    Besonders unterhaltsam ist Prinzessin Donut, die verwöhnte Perserkatze, die sich überraschend schnell als echte Erscheinung entpuppt. Ihre Erfahrung aus Schönheitswettbewerben kommt ihr im ganz eigenen Stil durchaus zugute, und gerade diese Mischung aus Eitelkeit, Selbstbewusstsein und ungeahnter Stärke macht sie zu einer herrlich schrägen Figur. Zusammen mit Carl bildet sie ein Duo, das gut funktioniert und dem Buch viel von seinem Charme verleiht.

    Dass die ganze Geschichte als Reality-Show galaxyweit übertragen wird, passt sehr gut zu der satirischen Ebene des Romans. Hier steckt nicht nur Unterhaltung drin, sondern auch ein etwas bitterer Blick auf Zuschauerverhalten, Spektakel und die Bereitschaft, Gewalt zur Unterhaltung zu machen. Das wird nie schwerfällig erzählt, sondern bleibt locker, flott und angenehm scharfzüngig.

    Für mich war das insgesamt ein originelles, witziges und gleichzeitig nicht ganz anspruchsloses Leseerlebnis. Wer schräge Ideen, einen besonderen Humor und eine gute Portion Gesellschaftskritik mag, dürfte hier genau richtig sein. Die derbe Sprache gehört dabei einfach zum Gesamtbild und wirkt nicht aufgesetzt, sondern passend zur Welt, in die man hier hineingeworfen wird.

    Fazit: Ein ungewöhnliches, unterhaltsames und zugleich kluges Buch, das mit einer verrückten Grundidee, viel Tempo und einer sehr besonderen Katze punktet.


    • Herausgeber ‏ : ‎ FISCHER Tor
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. Februar 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 6.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 512 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3596712483
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3596712489
    • Originaltitel ‏ : ‎ Dungeon Crawler Carl

    Montag, 6. Juli 2026

    Dunkel wie die Nacht: Jakob Webers zweiter Fall (Jakob Weber Reihe) von von Orjan N. Karlsson (Autor), Günther Frauenlob (Übersetzer), Maike Dörries (Übersetzerin)

    Ich habe schon den ersten Fall von Jakob Weber und Noora Yun Sande gelesen, „Kalt wie die Luft“, und der hat mir richtig gut gefallen. Keine überladene Sprache, keine übertriebene Action, sondern ein ruhiger, düsterer Krimi, der mich die Nächte durchlesen liess.

    Deshalb war mein Interesse an „Dunkel wie die Nacht“ sofort geweckt. Und nach dem Lesen kann ich sagen: Für mich steht dieser Band dem Vorgänger in nichts nach.

    Die Handlung führt wieder nach Nordnorwegen, in den kleinen Ort Kjerringøy, umgeben von Bergen und Meer. Dort wird beim Eisbaden eine Leiche gefunden, ausgerechnet von Tuva. Der Tote ist ihr Freund Emilio, der eines Tages plötzlich verschwand und von dem sie dachte, er hätte sie einfach verlassen. Kurz darauf wird eine  junge Frau tot aufgefunden, die 20-jährige Veronika. Zunächst steht Selbstmord im Raum, doch daran kommen bald Zweifel auf. Vieles deutet darauf hin, dass beide Todesfälle zusammenhängen.

    Jakob Weber und Noora Yun Sande nehmen die Ermittlungen auf und haben schon bald den Leiter einer Suchtklinik im Blick, Hermann Kjerschow. Doch er ist nicht der einzige Verdächtige. Auch Stein-Jarle Lie, den man bereits aus dem Iselin-Hanssen-Fall kennt, scheint in die Geschehnisse verwickelt zu sein.

    Mir hat gut gefallen, dass der Roman ruhig Spannung aufbaut, statt ständig neue Wendungen oder große Actionszenen zu liefern. Die wechselnden Perspektiven, auch die Tagebucheinträge aus Sicht des Täters, haben mich dabei besonders nah an die Geschichte herangeführt. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, nah am Geschehen zu sein. Mehr als einmal war ich mir sicher, den richtigen Verdächtigen gefunden zu haben, nur um kurz darauf wieder ins Grübeln zu geraten.

    Besonders gefreut habe ich mich über das Wiedersehen mit Jakob und Noora. Die beiden sind inzwischen ein gut eingespieltes Team, wirken dabei aber sehr menschlich. Noora hat noch immer mit den Folgen ihrer Verletzungen zu kämpfen, körperlich wie psychisch, versucht das aber vor ihren Kollegen zu verbergen. Auch Jakob trägt seine eigenen Konflikte mit sich herum. Genau das macht die Figuren für mich so glaubwürdig, in diesem Band sind sie mir noch einmal näher gekommen.

    Auch das nordische Setting trägt viel zur bedrückenden Atmosphäre bei und passt sehr gut zur ruhigen, dichten Erzählweise. Die Geschichte bleibt durchgehend interessant, vor allem die Frage, wie alles miteinander zusammenhängt, hat mich bis zum Ende begleitet. Dabei wirkt der Roman nie überladen, sondern bleibt klar und konzentriert erzählt.

    An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzer Günther Frauenlob und Maike Dörries, die den Ton der Geschichte sehr stimmig ins Deutsche übertragen haben.

    Fazit: Ein packender nordischer Thriller mit starker Atmosphäre, interessanten Figuren und einer durchdachten Handlung. Wer den ersten Band mochte, wird auch mit Dunkel wie die Nacht wieder spannende Lesestunden verbringen.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Pendragon
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. Juli 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 356 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865329640
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865329646
    • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren
    • Originaltitel ‏ : ‎ NATTEN REISER ALENE