Sonntag, 2. Mai 2021

Verlorene Engel Max Heller 6 von Frank Goldammer


In seinem 6. Fall bekommt es Max Heller mit einem Serienvergewaltiger zu tun, niemand weiß, wo dieser als Nächstes zuschlagen wird, denn weder seine Opfer noch die Tatorte lassen ein Muster erkennen, als auch noch eine tote Frau gefunden wird, droht die Lage in der Bevölkerung zu eskalieren, Rufe nach Selbstjustiz werden laut. Als der Täter endlich gefasst wird, gesteht dieser zwar die Vergewaltigungen nicht aber den Mord, sind für diesen vielleicht die desertierten sowjetischen Soldaten verantwortlich?

Beruflich entwickelt sich für Heller scheinbar alles zum Guten, sogar eine Beförderung steht an, obwohl er sich weiterhin weigert in die Partei einzutreten. Heller kann nicht abschätzen, ob sein Sohn Klaus im Hintergrund vielleicht die Fäden zieht oder ob die Beförderung einzig und allein seinen Fähigkeiten geschuldet ist.
Schwerwiegender als alles Berufliche wiegt für ihn und seine Frau Karin allerdings die Entwicklung ihrer Tochter Anni, sie müssen wegen ihres Benehmens und ihrer schulischen Leistungen sogar zu einem Elterngespräch in die Schule und auch zu Hause benimmt sich das Mädchen anders als bisher gewohnt.

Wieder einmal ist es Frank Goldammer hervorragend gelungen das besondere Gefühl der Zeit einzufangen und es seinen Lesern zu vermitteln. Die Angst der Menschen vor der Bespitzelung durch die Stasi, lässt sie verstummen, denn jeder könnte ein Informant sein. Dies erlebt Heller in der eigenen Familie, sein Sohn Klaus ist so sehr von der Parteilinie überzeugt, dass auch während der seltenen Zusammentreffen jedes Wort an ihn auf die Goldwaage gelegt werden müsste.
Auch die allgegenwärtige Präsenz der sowjetischen Armee trägt zu der bedrückenden Atmosphäre bei. Und das, obwohl die politische Situation in diesem Band gar nicht so sehr im Vordergrund steht, es sind die leisen Töne, die die Atmosphäre schaffen.

Der Autor präsentiert uns im Laufe der Ermittlungen viele Verdächtige, die be- und entlastet werden, um dann eventuell wieder in den Focus Hellers zu geraten, das zeigt wie schwierig es damals war, mit den wenigen technischen Mitteln, an DNA-Analysen war ja noch nicht einmal ansatzweise zu denken, einen Täter zu ermitteln oder die Unschuld eines anderen zu beweisen.
Doch Heller kann auf seine Erfahrung und auch auf sein Bauchgefühl vertrauen.
Der Krimi ist gewohnt spannend und durch die vielen Verdächtigen und Spuren die Heller zu verfolgen hat, ist der Fall besonders knifflig und ließ mich die ganze Zeit miträtseln.
Ich war allerdings immer auf der falschen Spur, doch am Ende löste sich alles schlüssig und nachvollziehbar auf.

Verlorene Engel, kann als reiner Krimi eigenständig gelesen werden, allerdings würde man sich dann des Vergnügens berauben, die Geschichte Max Hellers und seiner Familie kennenzulernen, sie ist der rote Faden der sich durch alle 6. Bände zieht und auch wenn ich normalerweise kein Freund davon bin zu viel vom Privatleben, ihren Sorgen und Nöten, der Ermittler zu erfahren, sie lenken oft zu sehr von der eigentlichen Handlung ab.
Hier ist es anders, dadurch das der Autor niemals das wesentliche aus den Augen verliert und somit auch Heller sich immer (oder fast immer) zu 100 % auf seine Arbeit konzentriert, wird man auch als Leser  nicht abgelenkt.

Verlorene Engel bekommt eine absolute Leseempfehlung.

Eine weitere Rezension findet ihr bei FrauGoetheliest

  • Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (23. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 400 Seiten
  • ISBN-10 : 3423262834
  • ISBN-13 : 978-3423262835


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