Jules leidet nicht nur unter Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen, er entwickelt eine gefährliche Paranoia. So erlebt er den Besuch Paul Moreaus, dem Rektor seiner Schule, nicht als höflichen Krankenbesuch, sondern Kontrolle, schlimmer noch als Beweis dafür das seine Frau Malin und Paul ein Verhältnis haben. In jeder Geste, jedem Wort sieht Jules einen Angriff auf sich.
Seine Genesung schreitet nur schleppend voran und als er dann endlich Fortschritte macht, schlägt das Schicksal mit noch größerer Härte zu.
Und Jules sinnt auf Rache, denn er weiß genau wer Schuld an allem trägt, was in der Vergangenheit geschehen ist. Paul Moreau.
Astrid Korten versteht es meisterhaft Jules verworrenes Gefühlsleben in Worte zu fassen und die Leser in Zwiespalt zu stürzen. Ich war mir zu keinem Zeitpunkt sicher was sich nur in Jules Kopf abspielt und was der Realität entspricht. Erst am Ende offenbart sich die Wahrheit.
Das Buch zwingt den Leser sich mit einer Krankheit auseinanderzusetzen, die jeden treffen kann, wie Jules Mutter bei einem Besuch sagte: "Burn-out hat doch heute jeder" meinte sie das vielleicht eher abfällig oder voller Unverständnis, vielleicht auch einfach nur hilflos. Es ist für außenstehende aber auch kaum möglich das Krankheitsbild zu verstehen, man sieht den Betroffenen ihre Krankheit nicht an, dazu kommt sie meist schleichend, dauernde Müdigkeit, Aggression, Selbstmitleid und in schweren Fällen Paranoia. Allein ohne professionelle Hilfe ist diese Krankheit nicht zu überwinden.
Vor allem ist es wichtig, frühzeitig Momente der Ruhe zu finden, Zeit für sich.
Die Stille vor Lilou ist ein bemerkenswerter Roman, der lange nachwirkt und vielleicht dem einen oder anderen Leser den Blick schärft für die Menschen in ihrer Umgebung.
- ASIN : B092XG8HL4
- Herausgeber : Independently published (19. April 2021)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 189 Seiten
- ISBN-13 : 979-8740690537

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