
Donnerstag, 15. Oktober 2026
„Malta im Oktober: Zwischen Flugchaos doofem Hotel, Pastizzi, Cocktails und einem Meer voller Sonne“

Mittwoch, 14. Oktober 2026
Rezension: Herbstweh’n von Günther Banzer – Ein starker Hegel-Krimi

Rezensionsexemplar- Werbung
Eins vorweg, Ich mochte das Buch sehr. Besonders gefallen hat mir die ruhige Erzählweise, die dem Roman viel Raum gibt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Schon auf den ersten Seiten konnte ich mir Thomas Hegel gut vorstellen. Er ist ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, trauert um eine gute Freundin und blickt auf ein Leben zurück, in dem sicher einiges zusammengekommen ist. Auf Rügen möchte er eigentlich nur in Erinnerungen schwelgen. Doch dann spricht ihn Corinna von Lichtenfels an. Sie bittet ihn, ihre schwer kranke Mutter Sylvia zu besuchen. Sylvia war einst Hegels große Jugendliebe und möchte ihn noch einmal sehen. Allein diese Begegnung mit einer längst vergangenen Liebe hat etwas Berührendes, gerade weil man ahnt, dass die gemeinsame Vergangenheit für beide noch nicht einfach abgeschlossen ist.
Die Handlung: Wenn Familiengeheimnisse auf deutsche Geschichte treffen
Mit diesem Besuch wird Hegel tief in die Geschichte der Familie von Lichtenfels hineingezogen, die bis in die schwärzste deutsche Vergangenheit reicht. Aus einer sehr persönlichen Bitte entwickelt sich eine Ermittlung, bei der Familiengeheimnisse, alte Schuld und politische Machtverhältnisse ans Licht kommen. Banzer verbindet aktuelle gesellschaftliche Themen mit einer spannenden Krimihandlung. Dabei wirkt nichts aufgesetzt, vielmehr fügt sich alles stimmig in die Geschichte ein.
Vielschichtige Charaktere: Thomas Hegel und Francesca Pollini
Thomas Hegel ist mir schnell nahegegangen. Er ist kein unfehlbarer Ermittler, sondern ein nachdenklicher, manchmal melancholischer Mann, der mit Verlust und Erinnerungen lebt und sich auch seiner eigenen Vergangenheit stellen muss. Gerade diese verletzliche Seite hat mir an ihm gefallen. Er wirkt nicht wie ein Ermittler, der für jedes Problem eine Lösung parat hat, sondern wie ein Mensch, den das Leben geprägt hat und der trotzdem neugierig geblieben ist. Auch Corinna von Lichtenfels ist mehr als eine Nebenfigur. Ihre Bitte ist eng mit der Geschichte ihrer Familie verbunden, doch was sie wirklich bewegt, bleibt lange unklar. So fragt man sich nicht nur, was damals geschehen ist, sondern auch, was die Menschen heute noch mit sich herumtragen.
Ein fesselnder Ermittlungsmix von Ligurien bis nach Rügen
Während Hegel seinen Nachforschungen nachgeht, beschäftigen sich seine frühere Vorgesetzte Veronika Staedler und Torsten Fritsch mit einem Vermisstenfall. Nach und nach laufen die beiden Ermittlungen zusammen, und immer mehr Verbindungen zwischen den zunächst getrennten Ereignissen werden sichtbar. Das ist gut aufgebaut und sorgt dafür, dass ich beim Lesen immer wieder neu überlegen konnte, wie alles zusammenhängt.
Eine besondere Rolle spielt Francesca Pollini. Die deutsch-italienische Musikkritikerin ist die Enkelin eines Verbrechers des NS-Regimes. Mit Hegel teilt sie die Liebe zur Musik, auch wenn sie eher der Klassik zugeneigt ist. Durch sie wird das Thema Schuld und Erinnerung noch einmal auf eine andere, sehr persönliche Weise beleuchtet. Francesca muss sich mit der Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen, obwohl sie selbst für dessen Taten keine Verantwortung trägt. Gerade darin liegt für mich eine interessante Frage: Was bedeutet es, mit einer solchen Familiengeschichte zu leben, und wie findet man seinen eigenen Umgang damit? Während Francesca ihren Platz zwischen Herkunft und eigener Identität finden muss, stößt Hegel bei seinen Nachforschungen auf die Verstrickungen der Familie von Lichtenfels. Diese unterschiedlichen Zugänge zur Vergangenheit ergänzen sich sehr gut.
Auch die verschiedenen Handlungsorte haben mir gefallen. Die Geschichte führt von Ligurien über Hegels Heimatstadt Mildenhofen am Inn bis nach Rügen. Dabei bleibt die NS-Zeit nicht bloß ein Kapitel der Geschichte, das längst abgeschlossen scheint. Vielmehr wird deutlich, wie weit ihre Folgen reichen und wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sein können. Auch finanzielle Verflechtungen und rechtsradikale Netzwerke spielen bei Hegels Nachforschungen eine Rolle. Das gibt dem Krimi eine zusätzliche Tiefe, ohne die eigentliche Handlung aus dem Blick zu verlieren.
Besonderes Highlight: Lesen mit der Bob-Dylan-Playlist
Eine ganz besondere Note bekommt der Roman durch die Musik. Alle Kapitel tragen Titel von Bob-Dylan-Songs, und Hegel ist ein großer Dylan-Fan. Das passt zu seiner nachdenklichen Art und hat mir als musikalischem Element der Geschichte gut gefallen. Wer mag, kann beim Lesen auch die Playlist hören, die der Autor zum Roman zusammengestellt hat. (Ich kann leider immer nur eines, entweder Musikhören oder Lesen) 😏
Fazit: Warum man „Herbstweh’n“ unbedingt lesen sollte
Herbstweh’n ist für mich kein lauter Thriller, sondern ein ruhiger, hervorragend strukturierter Krimi, der sich Zeit für seine Figuren und ihre Geschichten nimmt. Besonders die Verbindung aus Kriminalfall, Familiengeschichte, deutscher Vergangenheit und einer Liebe, die nach vielen Jahren noch einmal in den Mittelpunkt rückt, hat mich überzeugt. Mir hat gefallen, dass es nicht nur darum geht, ein Verbrechen aufzuklären. Es geht auch um Erinnerungen, um die Last der eigenen Herkunft und um das, was von früheren Begegnungen bleibt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und empfehle es allen, die neben Spannung auch vielschichtige Figuren und eine Erzählweise schätzen, die den Menschen hinter der Geschichte nicht aus dem Blick verliert.
- Herausgeber : epubli
- Erscheinungstermin : 9. Juli 2026
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 264 Seiten
- ISBN-10 : 3565553278
- ISBN-13 : 978-3565553273
- Lesealter : Ab 18 Jahren
Rezension: Molka von Monika Kim
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Produktinformationen und Triggerwarnung.
In diesem Spiel gibt es keine Zeugen – nur Täter und eine Frau, die nichts mehr zu verlieren hat.
Ein Klick hat ihr Leben zerstört. Ein Video hat sie zur Geächteten gemacht. Junyoung liebt es, zuzusehen, wie Frauen durch seine illegalen Kameras ihre Privatsphäre verlieren. Er wähnt sich sicher in seinem perversen Doppelleben, bis er Dahye ins Visier nimmt. Er erwartet Tränen, doch er bekommt Blut. Dahye verwandelt Scham in blinde Wut und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen ein System, das Voyeure schützt und Opfer vernichtet.
- Feminist Horror
- Female Empowerment
- Good for her
- Molka = mole camera/versteckte Kamera
Worum geht es in dem Buch?
Der IT-Mitarbeiter Junyoung installiert Minikameras auf Toiletten und in anderen Räumen des Bürogebäudes, in dem er arbeitet. Damit spioniert er die Mitarbeiterinnen skrupellos und vollkommen ohne schlechtes Gewissen aus. Fast zeitgleich lernen wir Dahye kennen. Die junge Frau hat vor einigen Jahren ihre Schwester Eunhye verloren. Sie und ihre Eltern leiden immer noch sehr unter dem Verlust, und ihre Mutter vermittelt ihr das Gefühl, dass die falsche Schwester verstorben ist. Dahye trifft sich mit dem wohlhabenden Hyukjoon und tut alles, um ihm zu gefallen. Doch bald gerät sie selbst in den Fokus von Junyoung. Er verfolgt sie obsessiv, bis Dahye nicht länger Opfer sein will und einen Rachefeldzug startet.
Meine Meinung zu „Molka“
Das Buch macht mich wütend und traurig. Es zeigt, wie selbstverständlich manche Männer glauben, über die Körper von Frauen und über ihre Entscheidungen bestimmen zu dürfen. Und wenn sich eine Frau schließlich erdreistet, sich zu wehren, heißt es schnell: selber schuld.
Monika Kims Roman spielt in Südkorea, doch das Thema ist weltweit ein Problem. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung wird es sich vermutlich sogar noch verschärfen. „Molka“ ist keine einfache Lektüre. Die Gewalt ist konkret, die Bloßstellung grausam und die Gedankenwelt des Täters zutiefst unangenehm. Da ich Monika Kims Roman „Das Beste sind die Augen“ bereits kannte, wusste ich allerdings, worauf ich mich einlasse. Auch dieser Roman ist kompromisslos und lässt mich nicht unberührt zurück.
Der Schreibstil der Autorin ist nüchtern, dabei aber schonungslos. Sie erspart ihren Leserinnen und Lesern nichts. Mir hat das Buch gefallen, gerade weil es die Wut nicht kleinredet. Vielleicht ist die Zeit der leisen Töne gegen männliche Gewalt gegen Frauen, egal in welcher Form, endlich vorbei.
Dass mich dieses Buch, besser gesagt der Inhalt, wütend gemacht hat, soll dieser Roman meiner Meinung nach auch bewirken.
- Herausgeber : kiwi space
- Erscheinungstermin : 3. September 2026
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 304 Seiten
- ISBN-10 : 3462055208
- ISBN-13 : 978-3462055207
- Originaltitel : Molka
- Übersetzte von: Dejla Jassim
Dienstag, 13. Oktober 2026
Rezension: Martha: Katharina Schwarzinger auf Spurensuche - Kriminalroman (K&S Kremi) von Anna Schwarz
Medizin trifft Mord
Katharina Schwarzinger ist mit Leib und Seele Polizeiärztin. Als der Sohn Martha Schönbergs tot in deren Wohnung aufgefunden wird, sieht auf den ersten Blick alles nach einer Routineangelegenheit und einem Vorfall aus, wie ihn Schwarzinger schon dutzendfach erlebt hat. Business as usual. Doch bei genauerer Betrachtung der Todesumstände finden sich bald erste Ungereimtheiten, die die Polizeiärztin immer tiefer in die Familiengeschichte der Schönbergs eintauchen lassen.Als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen, wird klar, dass Martha Schönberg in diesem Mordfall eine zentrale Rolle spielt. Welche sie dabei verkörpert, bleibt jedoch so lange unklar, bis Katharina Schwarzinger am Ende ihrer Nachforschungen ein Familiendrama vor Augen hat, wie es schicksalhafter und folgenschwerer nicht hätte sein können.
Anna Schwarz hat mit „Martha“ einen Krimi geschrieben, der für mich deutlich mehr ist als ein klassischer Fall von „Wer war der Täter?“.
Ermittlungsarbeit trifft auf tiefgründiges Familiendrama
Mein Fazit zu „Martha“ von Anna Schwarz
- Herausgeber : Kremayr & Scheriau
- Erscheinungstermin : 23. September 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 224 Seiten
- ISBN-10 : 3218015200
- ISBN-13 : 978-3218015202
Donnerstag, 8. Oktober 2026
Rezension: Henry V. Der perfekte König von Dan Jones (Übersetzt von Karin Schuler)
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Das Buch beginnt mit dem Kampf des berühmten Arztes John Bradmore um das Leben des 16-jährigen Henry, der auf dem Schlachtfeld schwer verwundet wurde. Ich war direkt in dieser Szene drin. Nicht zuletzt, weil Jones hier schon zeigt, was ich an seinen Büchern so mag. Er erzählt Geschichte nicht einfach nur als eine Abfolge von Ereignissen, sondern schafft es, dass man das Gefühl bekommt, mitten in dieser Zeit zu sein.
Der Aufstieg von König Henry V.
Danach geht es um Henrys Jugend, seine Zeit als Kronprinz und schließlich um seine kurze Regierungszeit. Sein Vater Henry IV. hatte den Thron an sich gerissen, und England war alles andere als ein stabiles Königreich. Intrigen, Aufstände und Machtkämpfe gehörten zum Alltag. Henry wächst in dieser Welt auf und wird schließlich zu dem König, den man heute vor allem mit Agincourt und seinen Feldzügen in Frankreich verbindet.
Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass Jones Henry nicht einfach zum großen Helden macht. Natürlich geht es um seine militärischen Erfolge und um den berühmten Sieg von Agincourt, aber gleichzeitig zeigt Jones auch die andere Seite. Henry war sehr religiös, hatte ein starkes Pflichtgefühl und war gleichzeitig ausgesprochen hart. An manchen Stellen fand ich ihn sogar ziemlich erschreckend. Gerade diese Mischung macht die Figur für mich interessant.
Historische Details und politische Entwicklungen.
Ich mochte auch die kleinen Details, durch die Henry greifbarer wird. Zum Beispiel, dass er teilweise auf Englisch diktierte und schrieb, im Gegensatz zu seinen deutschen Vorfahren. Das klingt erst einmal nach einer Kleinigkeit, aber genau solche Dinge sorgen dafür, dass eine Figur, die seit mehr als 600 Jahren tot ist, plötzlich gar nicht mehr so weit weg wirkt.
Jones nimmt sich außerdem Zeit für die politischen Entwicklungen. Er beschreibt, wie Henry versucht, England nach den unruhigen Jahren unter seinem Vater wieder zu stabilisieren, sich um Verwaltung und Finanzen kümmert und gleichzeitig seine Ansprüche in Frankreich durchsetzen will. Besonders interessant fand ich dabei, dass Jones nicht einfach bei Henrys Erfolgen stehen bleibt. Seine Eroberungen in Frankreich bringen ihm zwar Ruhm und Land, haben aber auch Folgen, die später eine Rolle bei den Rosenkriegen spielen.
Der unverkennbare Schreibstil von Dan Jones
Wer schon Bücher von Dan Jones gelesen hat, wird seinen Stil hier sofort wiedererkennen. Ich mag diese Mischung aus vielen kleinen Geschichten, historischen Zusammenhängen und einer Erzählweise, die sich erstaunlich leicht lesen lässt. Man bekommt viele Informationen, hat aber nie das Gefühl, gerade ein trockenes Geschichtsbuch vor sich zu haben.
Jones schafft es immer wieder, mich für die englische Geschichte zu interessieren. Das ist schon so, seit ich den ersten Band seiner „Essex Dogs“ gelesen habe. Ich glaube, genau das ist auch der Grund, warum ich seine Bücher so gerne lese. Eigentlich müsste mich ein mehrere hundert Jahre alter Machtkampf zwischen englischen Königen und französischen Herrschern nicht unbedingt so fesseln. Bei Jones funktioniert es aber jedes Mal wieder.
Mein Fazit zu „Der perfekte König“
„Der perfekte König“ hat mir deshalb richtig gut gefallen. Besonders mochte ich, dass Henry am Ende nicht einfach als großer und erfolgreicher König zurückbleibt, sondern als eine deutlich kompliziertere Figur, eben als Mensch. Jones erzählt von seinen Erfolgen, aber eben auch von seiner Härte und von den Folgen seiner Entscheidungen. Henry V. starb nach nur 9-jähriger Regierungszeit, nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Krankenbett.
Für mich ist das wieder ein Buch von Dan Jones, bei dem ich nach dem Lesen direkt Lust bekommen habe, mich noch weiter mit dieser Zeit zu beschäftigen. Und genau das kann für mich ein gutes Geschichtsbuch schaffen.
Dienstag, 6. Oktober 2026
Rezension: Hashtag Glückskinder: III. Wollust
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Der dritte Teil der "Hashtag Glückskinder"-Romanreihe rund um einen namenlosen Protagonisten. "Was er hingegen ganz genau wusste, war, dass er jedes Einzelne dieser Worte genau so gemeint hatte, wie er sie ausformuliert hatte. Am Ende waren diese Zeilen weniger seinem Kopf entsprungen, sondern viel mehr seinem Herzen." Nachdem er - ohne zu wissen, ob er das überhaupt schaffen könnte - beschlossen hatte von nun an auch ein Glückskind sein zu wollen, bereitet er Aurora auf eine für ihre berufliche Zukunft essentielle Herausforderung vor. Währenddessen rückt der Start des Projekts in der Kuppel immer näher, weshalb er zu der dort stattfindenden Eröffnungsfeier eingeladen wird. Dort wartet nicht nur die Feier auf ihn, sondern auch eine unangenehme Überraschung.
Aurora wird von unserem namenlosen Erzähler auf ein wichtiges Gespräch vorbereitet, bei dem geprüft werden soll, ob sie für die Tätigkeit geeignet ist, für die sie vorgesehen wurde. Dabei darf sie keine Emotionen wie Sorge oder gar Mitleid zeigen.
Nach diesem Gespräch findet die feierliche Einweihung der Kuppel statt, zu der der Namenlose und Aurora die Einladung annehmen müssen. Was dort geschieht, macht schnell deutlich, wie passend der Titel dieses dritten Teils gewählt ist.
Menschliche Abgründe bei der Eröffnungsfeier
Die „Eltern“ führen sich auf eine Weise auf, die aus Lesersicht einfach nur widerlich ist. Die ausschweifende Feier erinnert mehr an völlige Zügellosigkeit als an eine seriöse Eröffnung.Besonders die Mutter zeigt dabei sehr deutlich, dass körperliche Intimität für sie weniger mit Nähe oder Lust zu tun hat, sondern vor allem ein Mittel der Machtdemonstration ist. Genau diesen Eindruck, den Aurora und der Erzähler vor Ort gewinnen, hatte auch ich als Leserin.
Um nicht aufzufallen, müssen beide gute Miene zum bösen Spiel machen. Schließlich wollen sie den Kindern, die dorthin geschickt werden sollen, irgendwie helfen. Und dann ist da auch noch ein Geheimnis, das der Erzähler Aurora nicht verrät. Auch ich werde natürlich nicht preisgeben, worum es dabei geht.
Meine Meinung zu „Wollust“: Gelungene Fortsetzung mit kleinen Längen
Wie schon die vorherigen Teile hat mir auch „Wollust“ gut gefallen. Allmählich lässt sich erahnen, worauf die Geschichte zusteuert, ohne dass bereits alle Zusammenhänge offengelegt werden.Der Abschnitt rund um die Eröffnungsfeier hätte für meinen Geschmack allerdings etwas kürzer ausfallen dürfen. Ich hatte schon relativ schnell verstanden, was der Autor mit dieser Szene zeigen möchte und welche Gedanken er seinen Lesenden mitgeben will.
Ein ultragemeiner Cliffhanger
Am Ende wartet ein ultragemeiner Cliffhanger, der mich wahnsinnig neugierig auf die weiteren Teile macht. Ich weiß, dass noch einiges kommen wird, und möchte unbedingt erfahren, wie es mit Aurora und dem namenlosen Erzähler weitergeht. Gerade weil sich die Handlung immer deutlicher in eine bestimmte Richtung entwickelt, freue ich mich auf die Fortsetzung.
Fazit: Wichtige gesellschaftliche Themen im Fokus
Lupo Lito greift in seiner Geschichte wichtige gesellschaftliche Themen auf und zeigt, wie leicht es sein kann, Menschen mit den richtigen Schlagworten davon zu überzeugen, dass man es gut mit ihnen meint obwohl die tatsächlichen Taten eine ganz andere Sprache sprechen. Gerade das sehen wir ja auch heute schon in unserer Gesellschaft.Mein Gesamteindruck: Eine spannende Fortsetzung, die erneut menschliche Abgründe zeigt und große Neugier auf die nächsten Teile weckt.
- Herausgeber : BoD – Books on Demand
- Erscheinungstermin : 12. Mai 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 360 Seiten
- ISBN-10 : 3819278184
- ISBN-13 : 978-3819278181
- Abmessungen : 12.7 x 2.03 x 20.32 cm
- Buch 3 von 3 : Hashtag Glückskinder
Montag, 5. Oktober 2026
Schuld und Unschuld: Die Wandlung des Henry Jaeger von Jakob Stein
Jakob Steins „Schuld und Unschuld“ hat mir gut gefallen. Ich kannte Henry Jaeger vorher nur dem Namen nach und wusste nicht, dass er ursprünglich Karl-Heinz Jäger war und in den 1950er-Jahren als Mitglied einer Frankfurter Räuberbande bekannt wurde. Allein diese Lebensgeschichte fand ich schon interessant.
Der Roman beginnt mit einem Vorwort, hier Vorrede genannt und genau damit hatte mich der Autor schon, beschreibt er doch die Gefühle der Menschen kurz nach Kriegsende (j1954 war das dunkelste Kapitel Deutschland noch nicht lange vorbei und in den Köpfen und Herzen der Menschen noch sehr gegenwärtig), da stellte sich mir auch gleich die Frage: "Hat sich wirklich viel geändert seit damals?"
Aber nun zum Buch, wir lernen die Protagonisten und ihren Lebensweg kennen. Im Mittelpunkt stehen Karl-Heinz und seine beiden Freunde aus Bornheim. Sie wollen mit dem Überfall endlich zu Geld kommen und sich etwas von dem leisten können, was sie in der Wirtschaftswunderzeit um sich herum sehen. Vieles läuft allerdings anders als geplant.
Die Wandlung vom Kriminellen zum Schriftsteller
Was mir im weiteren Verlauf besonders gefallen hat, war die Entwicklung von Karl-Heinz zum Schriftsteller Henry Jaeger. Er schreibt zunächst ziemlich unbeholfen, bleibt aber dabei. Das nimmt im Roman immer mehr Raum ein. Irgendwann hatte ich fast mehr Interesse daran, wie er zum Schriftsteller wird, als an den eigentlichen Überfällen.
Überhaupt fand ich diese beiden Seiten der Figur interessant. Einerseits der Kriminelle, andererseits der Mann, der unbedingt schreiben will. Beides lässt sich bei ihm nicht so einfach voneinander trennen. Besonders deutlich wird das in der Passage mit den Spielbanken. Henry beschäftigt sich dort mit Dostojewski und beobachtet die Spieler und gleichzeitig entstehen bei ihm neue Ideen für Überfälle. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Verbindung.
Man merkt dem Roman die Recherche an. Stein hat unter anderem Akten und Vernehmungsprotokolle verwendet. Trotzdem hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, ein Sachbuch in der Hand zu haben. Die historischen Hintergründe sind immer Teil der Geschichte. Interessant fand ich auch die Gegenüberstellung der Jäger-Bande mit den großen Wirtschaftsverbrechen und der Geschichte der IG Farben. Dadurch bekommt die Frage, wie mit Tätern umgegangen wird, noch eine andere Dimension.
Gut gefallen hat mir außerdem, dass Stein die Figuren nicht ständig bewertet. Man bekommt ihre Sicht auf die Dinge mit, ohne dass einem dauernd erklärt wird, was man davon zu halten hat. Gleichzeitig wird das Frankfurt der 1950er-Jahre ziemlich anschaulich.
Für mich ist das Buch deshalb nicht einfach ein Kriminalroman. Eigentlich fand ich die Geschichte des werdenden Schriftstellers sogar interessanter als die Kriminalfälle selbst. Karl-Heinz Jäger versucht, sich mit dem Schreiben ein anderes Leben aufzubauen, während seine Vergangenheit ihn immer wieder einholt. Ich habe mich ein wenig über den Schriftsteller Jäger schlau gemacht und finde seinen Lebensweg außerordentlich interessant, seine Intelligenz zeigt sich auch in der akribischen Durchführung der Überfälle, die er mit der Bande durchführte bevor er schließlich doch verhaftet wurde, 70 Einbrüche und Überfälle sind schon eine Hausnummer. Über die Beschaffung der Alibis zu lesen, war schon recht amüsant, bis ich dann im gleichen Abschnitt, mehr über die Lebensumstände erfuhr, da verging mir doch das leise Lächeln.
Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen. Vor allem die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Karl-Heinz Jäger/Henry Jaeger und die Verbindung mit dem Frankfurt der Nachkriegszeit mochte ich sehr.






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