Freitag, 24. Juli 2020

Graues Land von Michael Dissieux



Klappentext: Harvey und Sarah führen ein glückliches, ruhiges Leben in den Bergen. Als Sarah erkrankt, kümmert sich der alte Harv liebevoll um seine Ehefrau. Doch eines Tages hat sich etwas geändert – in der Welt da draussen. Es beginnt damit, dass die Fernsehsender kein Programm mehr ausstrahlen, dann fällt die Stromversorgung aus, auch das Telefon verstummt. Ein grauer Schleier umhüllt das Land. Eine trügerische Stille liegt über den Feldern, über dem Haus. Des Nachts glaubt Harvey, Kreaturen ums Haus schleichen zu hören. Und die kurze Begegnung mit einer jener Kreaturen im Garten bringt die schreckliche Gewissheit, keiner Einbildung erlegen zu sein. Harvey beschließt, in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit der Welt geschen ist. Und so steigt er in seinen rostigen Van und fährt hinüber zu seinem alten Freund Murphy, der ein paar Meilen die Straße hinab ein kleines Lebensmittelgeschäft betreibt. Doch dieser scheint bereits dem Wahnsinn anheim gefallen zu sein ...


Meine Meinung: Es gibt Bücher, die leben von Action, auf jeder Seite geschieht etwas, das den Leser zwingt immer und immer weiterzulesen. Im Horrorgenre wird dies meist noch mit einer gehörigen Portion, Blut, Gewalt und Ekel begleitet, die Protagonisten kämpfen gegen einen gnadenlosen Feind ums Überleben.
Diese Geschichten haben für mich einen recht hohen Unterhaltungswert, wenn die Handlung nicht nur aus Blut und Gewalt besteht.

Dann gibt es aber auch noch Autoren, die können auf Action, fast vollständig verzichten und fesseln ihre Leser doch von der ersten bis zur letzten Seite ans Buch.

Michael Dissieux gehört zu diesen Autoren.

Wenn das Leben wie man es kennt plötzlich nicht mehr existiert, wenn alles um einen herum grau, still und einsam wird, wie reagiert man?
Harv erlebt genau das, zunächst fallen die Fernsehsender aus, das Telefon und der Strom, der Junge, der die Tageszeitung bringt, bleibt weg.

Die Menschheit ist verschwunden.

Und in der Dunkelheit der Nacht schleicht etwas ums Haus.

Das beschreibt Michael Dissieux so eindringlich das jedes Geräusch, das die nächtliche Stille, die mich beim Lesen umgab, eine der Kreaturen sein konnte, ich habe tatsächlich, dass eine oder andere Mal die Luft angehalten bis ich mir bewusst machen konnte, das das Knarren das ich gerade hörte, kein Monster ist das ins Haus will.

Eine solche Atmosphäre zu schaffen ist sicher nicht einfach, aber hier ist es dem Autor auf jeden Fall gelungen.
Harvs Verzweiflung ist in jeder Zeile zu spüren und sicher würde er aufgeben, er ist schließlich nicht mehr der jüngste, seine Vorräte gehen zur Neige und die Hoffnung das sich alles noch zum Guten wendet und alles wieder wird wie vorher, hat er schnell verloren. Doch da ist Sarah, die Liebe seines Lebens, sein Licht und sein Sinn des Lebens, die hilflos und sterbend in ihrem Bett liegt und vollständig auf ihn angewiesen ist. Für sie lebt er weiter.

Vergesst alle Liebesschnulzen, die ihr bisher gelesen habt, streicht alle Liebesbeteuerungen aus eurem Gedächtnis. Harv erinnert sich an ihre gemeinsame Zeit und diese Erinnerungen sind so intensiv, das man als Leser teil hat an der Wärme und Liebe, die die Beiden umgibt.
Und das Ganze ist vollkommen kitschfrei, ein Umstand der diesen Part der Story so authentisch macht.

Bei Büchern wie diesem stellt sich während man es liest automatisch die Frage nach einem Happy End, man wünscht es den Protagonisten so sehr.
So recht erfährt man nicht was genau geschehen ist, nur eine vage Vermutung steht im Raum und die Tatsache, dass Menschen, die nicht von den Kreaturen getötet, sondern nur verletzt werden, sich in Zombies verwandeln.

Das Buch bekommt natürlich eine absolute Lesempfehlung von mir.


Graues Land ist als Privatdruck beim KOVD-Verlag erschienen, für das Artwork zeichnet Timo Kümmel verantwortlich, die Illustrationen und der Buchschmuck sind von Sascha Lubenow.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Vaters Wort und Mutters Liebe von Nina Wähä

Klappentext: Ein Hof im finnischen Tornedal ist das Zuhause der vier zehnköpfigen Familie Toimi. Siri, die Mutter, ist eine sanftmütige Person, der das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt. Ganz im Gegensatz zu Pentti, dem herrischen Vater, um den alle lieber einen Bogen machen. Einige der zwölf Kinder haben bereits Reißaus genommen und sind nach Stockholm, Helsinki oder sogar Zypern gezogen, doch das Band und die Liebe zwischen den Geschwistern und der Mutter ist so stark, dass sie immer wieder zurückkehren. So auch diesmal, als die Geschwister zu einem Familientreffen nach und nach zu Hause ankommen, voller Erwartung und Vorfreude auf das Wiedersehen. Doch ein erster Zwischenfall trübt bald die Stimmung.
Ein vielschichtiges und brillant erzähltes Familienepos, das den Leser packt und verzaubert und eindrücklich zeigt, wie auf Loyalität der Verrat und auf Liebe die Enttäuschung folgen kann.

Ich verzichte auf eine Vorstellung der handelnden Personen, bei 14 Menschen, 14 Schicksalen würde das den Rahmen sprengen. Nina Wähä erzählt uns in ihrem Roman von diesen 14 Menschen, einer Familie die im finnischen Tornedal einen Bauernhof bewirtschaftet, die Kinder leben in ständiger Angst vor dem immer unberechenbarer werdenden  Vater Pentti und so haben die meisten von ihnen den Hof so bald wie möglich verlassen. Doch sie kehren immer wieder nach Hause zurück, zurück zu der unverbrüchlichen Liebe ihrer Mutter der sanften Siri und den Geschwistern, dem Rattenkönig, wie Annie die älteste Tochter ihre Geschwister Schar nennt.

Das Buch enthält gleich zu Beginn eine deutliche Warnung der Autorin, das es manchmal schwierig sein könnte der Geschichte zu folgen, da so viele Menschen ihren Anteil daran haben, aber sie versichert uns auch das sie uns durch die Zeilen führen wird. 
Diese Führung war auch nötig, aber nicht so sehr wie ich nach ihren Zeilen befürchtet hatte. Ich fand mich recht schnell zurecht in dieser Familie. Die Autorin gibt jedem genug Raum, um ihn kennenzulernen. Vor allem konnte Nina Wähä mich gleich auf den ersten Seiten einfangen, als sie Annie erzählen lässt, der ältesten noch lebenden Tochter.
Ich wusste schon zu Beginn, das Vaters Wort und Mutters Liebe, nicht nur die Geschichte einer Familie mit all ihrer Tragik und Liebe ist, sondern auch die Geschichte eines Mordes und so fieberte ich als Krimifan natürlich auch der tieferen Auflösung entgegen.

544 Seiten, scheinen auf den ersten Blick viel zu sein, sehr viel, aber das Buch liest sich fast wie von selbst und die Seiten fliegen nur so dahin.

Die Autorin Nina Wähä wurde 1979 in Stockholm geboren. Sie war Schauspielerin und Leadsängerin der Indieband Lacrosse, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. 2007 debütierte sie mit dem Roman S som i syster (S wie in Schwester), drei Jahre später erschien Titta inte bakåt! (Schau nicht zurück!). Beide Romane wurden von der schwedischen Presse gefeiert. Nina Wähä lebt heute mit ihrer Familie in Stockholm.

Die Übersetzerin Antje Rieck-Blankenburg übersetzt aus den skandinavischen Sprachen und hat unter anderem Arne Dahl, Mats Strandberg und Fredrik Backman ins Deutsche übertragen. Sie lebt in Bühl und Frankfurt am Main.

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (22. Juni 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453272870
  • ISBN-13: 978-3453272873
  • Originaltitel: Testamente
  • Übersetzt von: Antje Rieck-Blankenburg


Dienstag, 21. Juli 2020

Schatten der Welt von Andreas Izquierdo

Thorn 1910  zur Zeit von Preußens Glanz und Gloria sind  Carl und Arthur die besten Freunde, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein können, während Carl Friedländer der Sohn des örtlichen Schneiders eher ruhig und sanftmütig ist Arthur Burwitz ein Hallodri, der nur Streiche im Kopf hat und sich kontinuierlich Ärger einhandelt, auch mit einem versoffenen Vater der verlangt das sein Sohn die Wagnerei übernimmt, aber Arthur hat andere Pläne. Als sie die aufmüpfige Isi (Luise) Beese, die Tochter des Lehrers  kennenlernen sind die Teenager hingerissen von dem Mädchen. Gemeinsam schmieden sie Pläne für die Zukunft, nicht ahnend das nicht das Auftauchen des Halleyschen Kometen alles verändern wird, sondern der Große Krieg, der auch bald seine Schatten vorauswirft.
Mit dem Krieg endet das unbeschwerte Leben der drei unwiederbringlich, Carl und Anton werden eingezogen Isi bleibt in Thorn zurück.

Wir begleiten die drei über acht Jahre, Jahre voller Glück und Freundschaft aber auch voller Trauer,  Leid und Tränen.
Wir erleben wie Isi einen Streik anzettelt und scheitert, Carl dreht Propaganda Filme, die Beschreibung einer Vorführung hat mir die Macht der Bilder in Zusammenhang mit den richtigen Worten, eindrücklich vor Augen geführt und es zeigt sich, das man auch früher schon versuchte die Menschen zu manipulieren. Arthur wird von Oberleutnant Falk Boysen auf ein Himmelfahrtkommando geschickt, der Spross einer Gutsbesitzerfamilie, die in Thorn die Geschicke der Menschen lenken und sich für den Nabel der halten, rächt sich damit an Arthur, für Dinge, die längst vergessen sein sollten im Angesicht des Grauens das die Welt beherrscht.

Ich habe schon einige Bücher von Andreas Izquierdo gelesen, seine humorvollen, tiefsinnigen Werke, wie Der Club der Traumtänzer, das Glücksbüro oder auch Apocalypsia eines der großartigsten Fantasywerke, das ich jemals gelesen habe. Um so gespannter war ich auf seinen, meines Wissens nach, ersten historischen Roman. Durch den gewohnt flüssigen und bildhaften Schreibstil des Autors, war ich von der ersten Seite an, direkt bei Carl, ich sah ihn mit seinem Vater bei einer Beerdigung oder bei den morgendlichen Ritualen, ich spürte die Trauer über das was verloren ging in seinem Vater und die Hoffnung auf das was kommt. Und dieses Gefühl des dabei seins hatte ich während des gesamten Buchs.
Ich wurde also nicht enttäuscht, außer in dem Moment als ich das Buch zum letzten Mal schloss, denn damit musste ich Isi, Carl und Arthur verlassen und darauf warten das ihre Geschichte weitererzählt wird. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, wird sie das und darauf freue ich mich schon jetzt sehr.
Ich vergebe für
Schatten der Welt : Das Licht der dunklen Tage eine absolute Leseempfehlung.



Samstag, 18. Juli 2020

Brumm von Helmut Barz



Urs A. Podini hat alles, was der moderne Mensch sich wünschen kann, eine gut laufende Werbefirma, eine Eigentumswohnung und eine ebenso erfolgreiche Freundin Karolin.
Nur irgendwie scheint Urs selbst bei der Verwirklichung der Lebensziele auf der Strecke geblieben zu sein. Seine Arbeit erfüllt ihn nicht, in seiner Wohnung fühlt er sich wie ein geduldeter Gast seiner Freundin, die ihn weniger liebt als besitzt, zumindest behandelt sie ihn wie einen Gegenstand, der parat zu stehen hat, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
An einem Tag an dem alles schiefläuft, entdeckt Urs in einem Schaufenster ein lebensechtes Pandakostüm und wie es der Zufall will, bringt ihn ein kleiner Unfall in eben dieses Geschäft, die Boutique Transitions.
Und mit diesem Zufall oder sollte man es Schicksal nennen, ändert sich sein Leben radikal.



Das Buch trägt den Untertitel:

Eine schwarz/weisse Fabel für das postfaktische Zeitalter

Ebenso  hätte es:

Vom Weichei zum Panda

heißen können. Denn schaut man sich nur die Geschichte an, beschreibt sie die Entwicklung Urs vom ewigen Ja -Sager zu einem selbstbewussten Panda, der sagt was er will und seine Ziele, seine Bedürfnisse artikuliert und für sich und andere eintritt.
Alles scheint gut zu laufen auf den ersten Blick, wenn Urs das Pandakostüm trägt, übernimmt sein Krafttier die Kontrolle, er wehrt sich gegen unverschämte Kunden und trennt sich von Karolin und schafft es sogar, das sein Pandasein als Wesenheit anerkannt wird, ein Durchbruch für alle Angehörigen der Furry-Community. Schon da kamen mir leise Zweifel, ob das alles, das ist, was Urs will. Wieder wird er gedrängt Dinge zu tun, die er eigentlich nicht will und deren Folgen er nicht annähernd erahnt und wieder wehrt er sich nicht. Von der chinesischen Regierung wird er als Eigentum des Staates nach China befohlen, (alle Pandas der Welt gehören dem chinesischen Staat) und Urs hat keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren und Hilfe kann er nicht erwarten, braucht die Bundesregierung ihn doch um die Handelsbeziehungen zu China zu stärken und seine Geschäftspartnerin sieht nur die Möglichkeit ebenfalls Beziehungen zu einem neuen Markt zu knüpfen. Nicht einmal als seine Zivilkleidung aus seiner Unterkunft verschwindet, protestiert er und trägt sein Kostüm, tagein tagaus.


Ich hätte mir von Urs in seiner Pandaidentität mehr gewünscht, sein Wesen ist zwar streitlustiger als Panda, aber Urs der Mensch lässt sich auch weiterhin rumschubsen und für die Ziele anderer missbrauchen, der einzige wesentliche Unterschied ist das Kostüm und seine Bekanntheit. Urs der Mensch bleibt auf der Strecke. Wir können halt alle nicht wirklich aus unserer Haut.

Das Ende lässt mich etwas unzufrieden zurück, nichts deutet während der Handlung darauf hin. So das mein erster Gedanke nach der letzten Seite ein erstauntes: Echt Jetzt? war.

Die Story an sich ist, witzig, teilweise etwas traurig, alle handelnden Personen werden respektvoll beschrieben, außer denen die keinen Respekt verdient haben, weil sie sich benehmen als wären sie im Turbogang durch die Kinderstube gerast. Das mochte ich sehr an der Geschichte. Es gibt vieles in dem Buch, über das sich ein weiteres nachdenken lohnt. Unser Umgang mit anderen, mit sogenannten Minderheiten (ein schreckliches Wort) und der Umgang mit uns selbst und was passiert, wenn wir uns in Rollen drängen lassen, die uns nicht wirklich entsprechen. Verlieren wir uns dann irgendwann komplett?

Ich könnte jetzt noch Seitenweise mit meiner Küchenpsychologie weitermachen, aber das würde euch nur langweilen. Lest lieber das Buch und bildet euch selber eine Meinung.

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: Helmut Barz (Nova MD); Auflage: 1. Auflage, Erstauflage (11. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966982846
  • ISBN-13: 978-3966982849





Dienstag, 14. Juli 2020

Symphonie der Stille von Manuel Hirner

Klappentext: Traurig, heiter, drohend. Schnell und langsam, tragend und fallend. Der taube Junge Luctu erlebt seine Welt im Niedergang, denn der Urzeitmolch Cudu und Anker der Realität ist in tiefen Schlaf versunken. Mit jedem Vollmond vergrößert sich die Traumzone, ein Gebiet um die Höhle des Molches, in dem alles bestehende Leben zu sterben beginnt – und neuen Kreaturen Platz macht. In einer Zeit, in der die bewohnbare Welt auf einen Bruchteil zusammengeschrumpft ist, folgt Luctu einem trügerischen Versprechen und der Hoffnung auf ein Ende der Traumzone.

Symphonie der Stille ist ein Roman über die Schönheit, über die Macht der Musik – betrachtet durch die Augen eines Tauben. Durch einen bildhaften und greifbaren Erzählstil mit melancholischen Zügen taucht der Leser in eine lebendige, traumhafte Welt ein. Ein Muss für jeden Leser anspruchsvoller, ungewöhnlicher Fantasy.


Ausnahmsweise bekommt ihr heute zu meiner Rezension den Klappentext dazu, der eigentlich schon alle meine Gefühle beim Lesen des Buches ausdrückt.

Cudu der Urzeitmolch, war es leid über die Welt zu wachen und beschloss diese Last für immer abzuwerfen, er gab den Menschen und allen anderen Lebewesen eine Frist von drei Jahren

Mit dem Klang seiner Violine versucht Estis den Urzeitmolch Cudu davon abzubringen die Welt und alle ihre Bewohner aufzugeben, der Klang seines Spiels ist allerdings so betörend das Cudu in einen tiefen Schlaf fällt und seine Träume wahr werden. Mit jedem Vollmond vergrößert sich die Traumzone rund um Immerda. Seltsame Pflanzen und gefährliche Kreaturen verdrängen die bekannten und  bevölkern die Traumzone. Die Menschen hören das Lied der Traumzone und können ihm nicht entrinnen und verfallen dem Wahnsinn, eine Flucht schiebt das unvermeidliche nur auf, denn es ist nur eine Frage der Zeit bis die Traumzone alles verschlingt.
Getrieben von der Hoffnung, die ein Gerücht nährt, macht sich der 12jährige, taube Luctu auf den Weg nach Nóruhi, wo ein berühmter Geiger eine Lösung verspricht und Wissenschaftler im Auftrag der Könige versuchen die Geheimnisse der Traumzone zu entschlüsseln.
Auf seinem Weg findet er wahre Freunde und Kampfgefährten.

Mein allererster Gedanke, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte war: Ein Urzeitmolch? Wie kommt man denn auf die Idee gerade einen Molch zum Bewahrer der Welt zu machen, sind es nicht normalerweise etwas prachtvollere Wesen, welche die Geschicke der Welt leiten? Drachen oder sogar Bäume? Aber gut, hier ist es eben ein Molch.
Und ich wurde belohnt. 
Symphonie der Stille von Manuel Hirner, 
ist eines der wunderbarsten Fantasybücher, das ich in der letzten Zeit lesen durfte.
Die Charakterbeschreibungen des Autors sind bildhaft und doch lassen sie Raum für die eigene Fantasie, ebenso verhält es sich mit den Beschreibungen der Landschaften und der nicht menschlichen Lebewesen, welche die Welt bevölkern. Nach und nach erfährt man mehr darüber wie die Welt aufgebaut ist und wie die Menschen zu den nicht Menschen ist, wer Freund und wer Feind ist, wobei ich mir da nicht immer ganz im klaren drüber war, einiges wurde noch nicht ganz aufgelöst, denn bei Symphonie der Stille handelt es sich um einen 1. Teil.
Eine Tatsache, die mich am Ende erleichtert aufatmen ließ, denn je näher ich dem Ende kam, desto unruhiger wurde ich: Wenn der Autor auf den wenigen verblieben Seiten eine komplette Auflösung bringt, hätte er das nur in unpassender Hast tun können.
Eine weitere Befürchtung war das jugendliche Alter Luctus, ich habe ja nicht aufgepasst und erst beim Lesen gemerkt, das er noch ein Kind ist, man das Buch also als Jugendbuch bezeichnen kann. Aber, diese Rezension wimmelt nur so von positiven Abers, Luctus ist kein typischer zwölfjähriger, das mag an seiner Taubheit liegen, die ihn vorzeitig erwachsen werden ließ, aber das glaube ich nicht, Luctus ist einfach ein sympathischer, intelligenter, wohlerzogener Junge, ich mag ihn sehr.
Sollte das Buch als Jugendbuch konzipiert worden sein, wovon ich eigentlich ausgehe, zeugt es von tiefem Respekt dem jugendlichen Leser gegenüber, ich habe schon einige Jugendbücher gelesen und viele von ihnen waren eher schlicht und einfach geschrieben, so als würde der Autor seinen Lesern nicht zutrauen komplexere Zusammenhänge zu verstehen. Ein Grund warum ich lange keine Jugend Fantasy las, 
 Manuel Hirner traut seinen Lesern da schon mehr zu, wesentlich mehr und das Ergebnis ist dieses absolut empfehlenswerte Buch.
Ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Fritz, A. Verlag (17. Januar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3944771303
  • ISBN-13: 978-3944771304


Montag, 13. Juli 2020

Der wunde Himmel von Jeannette Oertel

Tabea Blum zieht von München zurück nach Berlin, um sich ihren Traum von einem Job im Diplomatischen Dienst zu erfüllen, sie tritt eine Stelle als Assistentin des Elydischen Botschafters an und gerät in einen Strudel aus politischen und persönlichen Verwicklungen.

Ich habe mich mal wieder an ein Genre gewagt, das ich normalerweise nicht lese, aber da ich anderen immer sage: Ihr müsst auch mal über den Tellerrand hinauslesen, darf ich selber nicht starr an meinen Lesegewohnheiten festhalten. Da kam mir
Der wunde Himmel von Jeannette Oertel
gerade recht.
Das Buch vereint einen Politikthriller, Liebe und Erotik in einer Geschichte und das erstaunlich gut und flüssig. Das liegt sicherlich daran das die Autorin selbst im Diplomatischen Dienst gearbeitet hat und deshalb weiß, wovon sie spricht. Die Geschichte entführt uns in die deutsche Vergangenheit und gewährt Einblicke in Tabeas Kindheit die sie in der DDR verbrachte. Die Liebes- und Erotikgeschichte fügt sich harmonisch ein, erstaunlich für ein Debüt, habe ich doch sonst oftmals das Gefühl, der Holzhammer der Erotik kommt zum Einsatz, wenn den Autoren gerade die Ideen ausgehen, das war hier definitiv nicht so, alles was geschieht, geschieht fließend und zur Geschichte passend.
Ich habe nur einen kleinen Kritikpunkt, etwas zu oft betont Tabea als Ich-Erzählerin ihre Beziehungen und Gefühle zu ihren Mitmenschen, z.B. zu dem Geheimdienstchef Rayan Mansur, der widersprüchliche Gefühle in ihr auslöst, das ist nur ein Beispiel. Ich mag das nicht, meiner Meinung nach reicht es diese Gefühle einmal zu beschreiben und dann erst wieder aufzugreifen, wenn sie sich ändern, dazwischen gilt: Show don´t tell.
Da dies aber mein einziger Kritikpunkt ist, bekommt
Der wunde Himmel
Eine Leseempfehlung von mir.

  • Taschenbuch: 510 Seiten
  • Verlag: konkursbuch (20. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3887694759
  • ISBN-13: 978-3887694753

Samstag, 4. Juli 2020

You die next. Du kannst dich nicht verstecken von Stephanie Marland

Du liebst den Nervenkitzel. Doch du ahnst nicht, welchen Preis du bezahlen musst.

Das Buch beginnt sehr spannend. Eine Gruppe Urban Explorer dringt in die Räume eines verlassenen Filmstudios ein, schon der Beginn ist gruselig wie ein Horrorfilm, alles liegt noch so, als hätten die Menschen das Studio gerade erst verlassen nur die Staubschicht und der Verfall zeugen von der vergangenen Zeit, nur ein Teil ist neu, ein Plastikvorhang der den Blick auf einen Kill Room freigibt. (Da die Information zum Kill Room schon im Klappentext steht, darf ich das verraten). Die vier Explorer fliehen panisch ohne zu ahnen, dass es für Flucht eigentlich schon zu spät ist, denn der Killer spürt sie auf und sendet ihnen eine Nachricht auf ihrem Video Kanal: Wer will als nächster sterben?

Detectiv Dominic Bell, erbittet die Hilfe Clementine Starkes, eine Expertin für Internet Forschung und Mitglied eines Online Forums namens True Crime, das sich hauptsächlich mit der Erforschung von Cold Cases beschäftigt in der jüngeren Vergangenheit aber auch einen aktuellen Fall löste, was Clementine zu einem beliebten Talkshow-Gast macht.

Die Story wird immer im Wechsel der einzelnen Protagonisten erzählt, hauptsächlich aus Clementines und Dominics, sodass man die einzelnen Personen recht gut kennenlernt, hier setzt aber auch mein einziger Kritikpunkt an, um besonders Clementine nahezukommen, sie zu verstehen und ihre Handlungen und Gedankengänge nachvollziehen zu können, ist es wohl erforderlich auch den ersten Band der Reihe um Starke und Bell gelesen zu haben. 

Nach und nach kommen sie dem Killer auf die Spur und als Leser fiebert man durchaus mit.
Das Ende des Buches ist alles in allem recht überraschend, zumindest ich war überrascht davon wie konsequent Clementine Prioritäten setzt.

Trotz meines Kritikpunktes vergebe ich eine Leseempfehlung und werde selber den 1 Band.Wir sehen Dich auch noch lesen.

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (19. Juni 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423219130
  • ISBN-13: 978-3423219136
  • Originaltitel: You Die Next


Freitag, 3. Juli 2020

Schoofseggl von Axel Ulrich

Franz Walzer Ex - Anwalt und mittlerweile freier Berater in Geld und Steuerangelegenheiten, hat jede Menge zu tun, als eine  CD mit den Namen etlicher Steuersünder verkauft wird, doch schon bald kann er Entwarnung geben, der Datendieb den er aufspürt versichert, das nur Daten von A-H auf der CD waren. Damit kann er auch den Stuttgarter Bordellbetreiber Kneller beruhigen. Doch wie es scheint, gab es nicht nur einen Datendieb. Und den kann nicht nur Walzer ausfindig machen, auch Kneller kommt ihm auf die Spur.

Es geht rund im beschaulichen Ländle, Steuerhinterziehung Geldwäsche, Erpressung, Mord und Selbstjustiz sind die Zutaten zu diesem sehr amüsanten und gleichzeitig sehr spannenden Regionalkrimi.
Axel Ulrich greift ein Thema auf, das vor einiger Zeit die Medien beherrschte:
Der Diebstahl und Verkauf, von Daten aus Schweizer Banken, an die deutschen Finanzbehörden.
In Deutschland werden nach einer neuen Studie jährlich Steuern im Umfang von 125 Milliarden Euro hinterzogen. Die Studie beruht auf Daten aus dem Jahr 2015, allzu viel dürfte sich seit dem nicht geändert haben.
Angesichts einer solchen Summe, fällt es mir schwer Sympathien für die Opfer des Datenklaus zu entwickeln im Gegenteil ich gönnte jedem von ihnen die schlaflosen Nächte und die Angst vor dem Besuch der Steuerfahndung. Aber keiner von ihnen hat soviel kriminelle, bösartige Energie wie Kneller, der Bordellbetreiber schreckt auch vor Mord nicht zurück, wenn ihm etwas nicht passt und er hat keine Skrupel andere auszunutzen, um sein Vermögen zu mehren. Sein neusten Opfer ist Olli, der in seinem Auftrag Steuerhinterzieher erpressen muss, wie genau es dazu kommt, verrate ich euch an dieser Stelle aber nicht. Olli bekommt Unterstützung von Walzer, der sich trotz seiner Tätigkeit als Geldwäscher, ein klein wenig von meiner Sympathie erschleichen konnte. Gemeinsam setzen sie alles daran Kneller das Handwerk zu legen.

Ich hatte ein klein wenig Angst, das der Autor zu viel schwäbischen Dialekt in das Buch einbaut, persönlich habe ich zwar nach 30 Jahren im Ländle kaum noch Probleme den Dialekt zu verstehen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen anders geht. Aber meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, der Dialektanteil hält sich in Grenzen und alles wird im Text hervorragend erklärt.

Ein weiterer Punkt, vor dem ich ein klein wenig Angst hatte: Wirtschaftskriminalität ist ein kompliziertes Thema, dem man ohne Fachkenntnisse kaum folgen kann, aber Axel Ulrich weiß als ehemaliger Wirtschaftsjournalist wovon er schreibt und auch wie er es schreiben muss, um seine Leser nicht zu überfordern oder schlimmer noch zu langweiligen. Seine Erklärungen zur Geldwäsche und dem Umgang mit Schwarzgeld in der Schweiz, sind in sich schlüssig und  allgemein verständlich.

Ich vergebe für Schoofseggl eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch: 284 Seiten
  • Verlag: Oertel u. Spörer; Auflage: 1 (7. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3965550071
  • ISBN-13: 978-3965550070