Mittwoch, 1. Juli 2026

Der Totengräber und der Orden des Teufels: Ein neuer Fall für Leopold von Herzfeldt von Oliver Pötsch| Grabschändung und ein bestialischer Mord zwingen den Totengräber zu ermitteln (Die Totengräber-Serie, Band 5)


 Der Totengräber und der Orden des Teufels ist für mich wieder so ein Band gewesen, bei dem ich nach wenigen Seiten merkte, wie sehr ich diese Figuren inzwischen ins Herz geschlossen habe. Es fühlt sich fast an wie ein Wiedersehen mit guten Bekannten, mit Leopold von Herzfeldt, Julia Wolf, Augustin Rothmayer und Anna, deren Weg ich nun schon so lange begleiten durfte.

Oliver Pötzsch gelingt auch diesmal wieder dieser besondere Mix aus düsterem Kriminalfall, historischer Atmosphäre und menschlicher Nähe, der die Reihe für mich so lesenswert macht. Wien im Jahr 1896 wirkt lebendig und zugleich bedrückend, voller gesellschaftlicher Zwänge, Vorurteile und dunkler Abgründe. Gerade diese Verbindung aus Spannung und Zeitkolorit macht den Roman so interessant.

Besonders eindrücklich fand ich die Szenen rund um Leopolds Familie. Die Begegnung mit seinem Bruder und seiner Schwägerin zeigt mit aller Deutlichkeit, wie sehr Standesdenken und Abwertung das Leben der Menschen damals geprägt haben. Dass Julia dort auf eine so verletzende und respektlose Art behandelt wird,  macht  unmissverständlich klar, in welcher Welt sich Leopold und Julia bewegen. Es sind genau solche Momente, die dem Roman Tiefe geben und weit über den eigentlichen Kriminalfall hinausgehen.

Auch Leopolds Situation selbst ist nicht einfach. Das Testament seines Vaters setzt ihn unter Druck, während ihn gleichzeitig sein Vorgesetzter zurück nach Wien beordert. Dass ausgerechnet jetzt ein besonders grausamer Mord seine volle Aufmerksamkeit fordert, passt natürlich perfekt in die Dramaturgie des Romans. Der Fall ist düster, brutal und von einer Atmosphäre durchzogen, die von Beginn an gespannt hält. Eine junge Frau wurde grausam ermordet und verstümmelt im Haus derer von Tattens aufgefunden, als Tatverdächtiger wird Ferdinand von Tatten verhaftet und in ein Privatsenatorium eingeliefert. Und die antisemitische Presse nutzt die Tat um Stimmung gegen Juden zu machen. Sie schreibt:

Der Teufel auf der Wieden! Ein Menschenopfer für Luzifer! Stecken die Juden dahinter?

Was mir an dieser Reihe so gut gefällt, ist das Gefühl von Vertrautheit, ohne dass es jemals langweilig würde. Die Figuren sind mir längst ans Herz gewachsen, und doch bringt jeder neue Band neue Konflikte, neue Rätsel und neue emotionale Momente mit sich. Auch Anna als Adoptivtochter von Rothmayer ist inzwischen eine Figur, deren Entwicklung ich mit großem Interesse verfolge. Genau das macht die Reihe für mich so besonders.

Der Totengräber und der Orden des Teufels ist ein Roman, der historische Krimiatmosphäre, Spannung und Figurenbindung sehr gekonnt verbindet. Für alle, die die Vorgängerbände mochten, ist das hier ein stimmiger, fesselnder und emotionaler weiterer Teil der Reihe. Für mich war es wieder ein echtes Heimkommen, allerdings eines mit düsteren Schatten und einem Fall, der unter die Haut geht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. Juni 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 544 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 386493267X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864932670



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