Ich kannte den Autor Matthias Soeder bisher nur durch seine Thriller, und da stellte sich mir natürlich die Frage, ob er auch historische Romane schreiben kann. Mit „Tinte und Schwert – Verwandlung“ zeigt der Autor in einem überzeugenden Genrewechsel, dass er den Wechsel von Thrillern zu einem historischen Roman, der die Grausamkeit des Dreißigjährigen Kriegs mit tiefen moralischen Konflikten verwebt, gut gemeistert hat, das schon mal vorweg.
Das Buch beginnt mit der Schlacht von Gran in Ungarn im August 1595; diese Beschreibung fängt die Wirklichkeit eines Krieges perfekt ein, die Angst und Verzweiflung des jungen Grafen Ernst ist in jeder Zeile spürbar. Mit einem Zeitsprung von 28 Jahren kommen wir nach Bachtal und lernen Jacob Wolffen kennen. Jacob ist in den Augen seines Vaters ein Schwächling, der besser auf dem elterlichen Hof arbeiten sollte, als die Bibel zu studieren, und wäre er stärker und mutiger als seine verstorbenen Brüder Georg und Conrad es waren, würde er auch nicht bei jeder Gelegenheit von Ulrich Kunckel verprügelt. Unterstützt wird Jacob in seinem Wunsch, Priester zu werden und damit noch mehr Bildung zu erhalten von Pfarrer Schwartz. Als sein Vater endlich nachgibt, kommt es kurz darauf zu einem folgenschweren Mord durch den sadistischen Leutnant Heinrich von Hohenfels, der Geld für seine bankrotte Grafschaft benötigt, an Jacobs Familie, und der hat nur noch ein Ziel: Rache.
Als er Anna kennenlernt, lernt er auch, dass es manchmal besser ist, mit Bedacht vorzugehen, um sein Ziel zu erreichen.
Soeders Schreibstil fängt die Brutalität des Kriegs ab 1618 authentisch ein – soweit ich das beurteilen kann, vom Schanzdienst bis zur Erstürmung Pilsens, ohne dass er in Klischees abgleitet. Ich mochte die Art, wie der Autor die Verwandlung von Jacob beschreibt; das war absolut nachvollziehbar, und Anna war mir von der ersten Minute an sehr sympathisch, sie ist eine kluge und starke junge Frau. Sogar Heinrichs Motivation war nachvollziehbar: Er muss alles tun, den Familienbesitz zu retten; die Art und Weise, wie er handelt, ist allerdings verabscheuungswürdig. Und selten passt ein Buchtitel so gut wie dieser: Die Tinte symbolisiert Klugheit und Bildung, das Schwert Gewalt und Brutalität, und auch der Untertitel dieses 1. Bandes passt gut zur Entwicklung Jacobs. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.
- Herausgeber : Feuertanz-Verlag
- Erscheinungstermin : 10. Februar 2026
- Auflage : Neuerscheinung
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 480 Seiten
- ISBN-10 : 3910619258
- ISBN-13 : 978-3910619258

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