Donnerstag, 15. Oktober 2026

„Malta im Oktober: Zwischen Flugchaos doofem Hotel, Pastizzi, Cocktails und einem Meer voller Sonne“

Jetzt wurde ich so oft gefragt, wie es auf Malta war. Dann erzähle ich es mal.
Chaos beim Abflug und perfekter Transfer
Am Flughafen hatte ich zeitweise nicht mehr damit gerechnet, dass wir Malta überhaupt erreichen. Wir waren pünktlich, genau wie gefühlt 2.000 andere Reisende, die mit derselben Fluggesellschaft fliegen wollten, wenn auch nicht alle nach Malta. Die Schlange vor den Schaltern war elendig lang, die Schalter selbst nicht besetzt. Stattdessen hieß es Self-Check-in und selbstständige Kofferabgabe, wobei die Gepäckbänder nach jedem dritten Koffer den Dienst verweigerten. Irgendwie haben wir es dann doch in den Flieger geschafft. Dieses Glück hatten nicht alle, wie uns die Flugbegleiterinnen verrieten, ein toller Start in den Urlaub. Zwei Stunden später landeten wir auf Malta, und keine halbe Stunde später waren wir im Hotel. Der Transfer lief jedenfalls perfekt.
Zimmer-Enttäuschungen und eine späte Mitbewohnerin in Marsaskala
Das Hotel in Marsaskala war es dann wieder weniger. Von außen und in der Lobby machte es einen netten Eindruck, aber das erste Zimmer, das wir bekamen, war so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten: Drei Einzelbetten? Wir konnten das Zimmer zwar tauschen, was wir im Nachhinein vielleicht lieber nicht getan hätten. Als wir die Vorhänge öffneten, schauten wir auf eine Wand, ungefähr 50 Zentimeter entfernt. Das bedeutete, kein richtiges Tageslicht. Solche Zimmer dürften eigentlich nicht an Gäste vergeben werden. Immerhin funktionierte unsere Klimaanlage, anderen Gästen war dieses Glück nicht vergönnt. Gut, dass wir ohnehin nicht viel auf dem Zimmer sein wollten. 

Es gab zwar theoretisch eine Dachterrasse mit Pool, Bar und Restaurant, allerdings waren Bar und Restaurant geschlossen. Zwischendurch wurde die Terrasse morgens erst um 10 Uhr geöffnet und am Abend schon um 18 Uhr geschlossen. Das habe nicht nur ich reklamiert, woraufhin der Bereich zum Glück wieder früher und länger geöffnet war. Sonst gab es nämlich keine Möglichkeit, sich außerhalb des Zimmers aufzuhalten, da uns die Kneipe im Erdgeschoss viel zu laut war.
Ganz am Ende des Urlaubs haben wir dann doch noch eine Mitbewohnerin im Zimmer entdeckt, die wir Agathe getauft haben. Die Dame hätte sich gern etwas früher blicken lassen können, denn dann hätte ich nämlich noch einmal auf einem Zimmertausch bestanden! Das gesamte Hotelpersonal war aber sehr freundlich, und allzu hoch waren unsere Erwartungen bei einem 3-Sterne-Hotel ja sowieso nicht, nur ein kleines bisschen beim Ausblick zum Beispiel. Oder das zuverlässige Wechseln der Handtücher und der Bettwäsche.

Kulinarik, Kuriositäten und die maltesische Tierliebe
Außerhalb des Hotels war Malta deutlich überzeugender. Perfektes Wetter, wunderschöne Orte, eine faszinierende Architektur und ein Meer fast direkt vor der Tür, das einen fantastischen Anblick bietet und tatsächlich auch im Oktober noch zum Schwimmen einlädt.
Für deutsche Ordnungsliebe ist die Insel allerdings an manchen Ecken gewöhnungsbedürftig. Die Müllabfuhr zum Beispiel funktioniert über Mülltüten statt Tonnen, die einfach an der Straße gestapelt werden. Und bei so mancher Baustelle würde die deutsche Bauaufsicht vermutlich sofort Schnappatmung bekommen. Und einige Hotels wurden nicht ganz fertig gestellt, das hat aber auch seinen Charme.



Sehr charmant ist dagegen die maltesische Tierliebe: Die Menschen hier lieben Katzen und füttern sie überall. Andere wiederum stellen mit Wasser gefüllte Plastikflaschen an ihre Grundstücke, denn der Tradition nach soll das angeblich Hunde und Katzen fernhalten. Und fast jedes Haus hat ein Gartentor, um die Kinder davon abzuhalten, direkt auf die Straße zu laufen und um früher die Ziegen davon abzuhalten, in die Häuser zu laufen.
Die maltesische Küche gefiel uns ebenfalls sehr, besonders die Desserts und Kuchen. Pastizzi und andere gefüllte Teigtaschen erfordern allerdings ein gewisses Maß an Standhaftigkeit, damit die Klamotten am Ende des Urlaubs noch passen. Nur das Eis war extrem teuer. Malta gilt wohl generell als recht kostspielig, aber es gibt auch Orte, an denen man erstaunlich gut und günstig essen kann. Und Cocktails, da haben wir kurz vor der Abreise ein tolles Lokal entdeckt. Gott sei Dank, denn früher wäre das nicht gut für den Alkoholspiegel gewesen.

 


Einfach mal winken: Unterwegs mit dem Bus
Was wir schnell lieben lernten, war das Bussystem. Eine Fahrt kostet 2,50 Euro, und dafür kann man zwei Stunden in jede beliebige Richtung fahren und auch umsteigen. Mehrfahrten- und Wochenkarten machen das Ganze noch günstiger. Mit der Tallinja App ist Busfahren auf Malta ein Kinderspiel: Echtzeit-Tracking zeigt, wo der Bus gerade ist und wann er kommt, der Routenplaner findet Verbindungen auf Malta und Gozo, und Tickets lassen sich direkt in der App verwalten. Es gibt sogar einen flexiblen On-Demand-Busservice (Ob der allerdings nur für Einheimische gilt, weiß ich nicht). Fun Fact: Wenn man möchte, dass der Bus hält, muss man der Fahrerin oder dem Fahrer kurz winken. 
Märkte, Boote und die drei Städte
So haben wir also die Gegend erkundet. Marsaxlokk ist ein lebhafter Küstenort mit einem sehr auf Touristen ausgerichteten Markt direkt an der Promenade. Dort kann man auch eine Bootstour entlang der Küste machen. Auf Wunsch wird man an einem Badestrand abgesetzt und kann jederzeit mit demselben Boot wieder zurückfahren. Man muss einfach an der Anlegestelle mit dem Ticket winken, denn offenbar funktioniert Winken auf Malta in mehreren Lebenslagen.




Valletta ist wunderschön, wie eigentlich alle Städte, die wir auf Malta besucht haben. Nur sehr, sehr, sehr voll. Also so richtig voller Menschen. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, da hier auch viele Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die drei Städte Vittoriosa (maltesisch: Birgu), Senglea (L-Isla) und Cospicua (Bormla) liegen direkt gegenüber von Valletta am Grand Harbour. Sie sind ebenso schön, aber nicht ganz so überlaufen und eignen sich besonders gut zum Spazierengehen.
Der Tagesausflug nach Gozo
Und dann waren wir natürlich noch auf Gozo. Dafür hatten wir einen Tagesausflug gebucht, den ich allerdings nicht noch einmal machen würde. Zu viele Programmpunkte für zu wenig Zeit. Der Ausflug begann direkt vor unserem Hotel. Wir wurden pünktlich von einer sehr netten Fahrerin abgeholt, die so lange bei uns blieb, bis unser Guide uns gefunden hatte. Nach der Fährfahrt ging es mit einer etwas längeren Verzögerung weiter, weil unser Guide ziemlich verpeilt war.
Erstes Ziel war der Inland Sea (Il-Qawra) in der Bucht von Dwejra, eine faszinierende Lagune, die durch einen schmalen Höhlentunnel mit dem offenen Meer verbunden ist. Danach gab es ein einfaches, aber gutes Mittagessen im Fischerort Xlendi, bevor es weiterging nach Victoria (Rabat) der Hauptstadt von Gozo.

 



Am zentralen Marktplatz It-Tokk machten wir eine Kaffeepause bei einem der zwei Opernhäuser, dem Teatru Astra oder dem Teatru Aurora, die mit ihren markanten Fassaden das Stadtbild prägen. Tipp: In den Opernhäusern kann man einen sehr guten Espresso trinken, und der ist günstiger als in den Cafés zehn Meter weiter. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, uns Victoria (Rabat) näher anzusehen.
Den Abschluss bildete die prähistorische Tempelanlage Ġgantija. Der Name bedeutet auf Maltesisch „Riese“ und hat einen ziemlich kuriosen Hintergrund: Frühere Knochenfunde, bei denen es sich vermutlich um Überreste von Flusspferden handelte, hielt man fälschlicherweise für Menschenknochen. Daraus entstand die Vorstellung, die Anlage sei von Riesen gebaut worden. Tatsächlich bestehen die Tempel aus bis zu 50 Tonnen schweren Megalithsteinen und sind älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh. Als UNESCO-Weltkulturerbestätte ist Ġgantija definitiv sehenswert.

Und dann neigte sich der Urlaub auch schon wieder dem Ende zu. Unser Reiseveranstalter und die Buchungsplattform schickten uns die Buchungsnummer für den Rückflug, die beim Online-Check-in dann aber nicht funktionierte. Ich mag die Insel, aber dort bleiben wollte ich dann auch nicht. Nach einigem Hin und Her am Telefon war klar, dass wir direkt am Schalter einchecken mussten, weil der Rückflug auf zwei verschiedene Fluggesellschaften aufgeteilt war. Irgendwann ist die Technik hoffentlich so weit, dass so etwas reibungslos klappt. Ich hatte jedenfalls die große Hoffnung, dass die Schalter am Flughafen Malta besetzt sein würden, ganz anders als auf dem Hinflug.
Da ich diesen Bericht jetzt schreibe, ist der Beweis da: Es hat problemlos geklappt! Und auf dem zweiten Flug von Zürich nach Stuttgart mit Swiss gab es tatsächlich noch echtes Mineralwasser und Schokolade zur Belohnung.






1 Kommentar:

  1. Danke für den interessanten und ausführlichen Bericht. Fazit: Die Schokolade zum Schluss habt ihr euch redlich verdient. 🏖️😉😀

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