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Donnerstag, 15. Oktober 2026

„Malta im Oktober: Zwischen Flugchaos doofem Hotel, Pastizzi, Cocktails und einem Meer voller Sonne“

Jetzt wurde ich so oft gefragt, wie es auf Malta war. Dann erzähle ich es mal.
Chaos beim Abflug und perfekter Transfer
Am Flughafen hatte ich zeitweise nicht mehr damit gerechnet, dass wir Malta überhaupt erreichen. Wir waren pünktlich, genau wie gefühlt 2.000 andere Reisende, die mit derselben Fluggesellschaft fliegen wollten, wenn auch nicht alle nach Malta. Die Schlange vor den Schaltern war elendig lang, die Schalter selbst nicht besetzt. Stattdessen hieß es Self-Check-in und selbstständige Kofferabgabe, wobei die Gepäckbänder nach jedem dritten Koffer den Dienst verweigerten. Irgendwie haben wir es dann doch in den Flieger geschafft. Dieses Glück hatten nicht alle, wie uns die Flugbegleiterinnen verrieten, ein toller Start in den Urlaub. Zwei Stunden später landeten wir auf Malta, und keine halbe Stunde später waren wir im Hotel. Der Transfer lief jedenfalls perfekt.
Zimmer-Enttäuschungen und eine späte Mitbewohnerin in Marsaskala
Das Hotel in Marsaskala war es dann wieder weniger. Von außen und in der Lobby machte es einen netten Eindruck, aber das erste Zimmer, das wir bekamen, war so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten: Drei Einzelbetten? Wir konnten das Zimmer zwar tauschen, was wir im Nachhinein vielleicht lieber nicht getan hätten. Als wir die Vorhänge öffneten, schauten wir auf eine Wand, ungefähr 50 Zentimeter entfernt. Das bedeutete, kein richtiges Tageslicht. Solche Zimmer dürften eigentlich nicht an Gäste vergeben werden. Immerhin funktionierte unsere Klimaanlage, anderen Gästen war dieses Glück nicht vergönnt. Gut, dass wir ohnehin nicht viel auf dem Zimmer sein wollten. 

Es gab zwar theoretisch eine Dachterrasse mit Pool, Bar und Restaurant, allerdings waren Bar und Restaurant geschlossen. Zwischendurch wurde die Terrasse morgens erst um 10 Uhr geöffnet und am Abend schon um 18 Uhr geschlossen. Das habe nicht nur ich reklamiert, woraufhin der Bereich zum Glück wieder früher und länger geöffnet war. Sonst gab es nämlich keine Möglichkeit, sich außerhalb des Zimmers aufzuhalten, da uns die Kneipe im Erdgeschoss viel zu laut war.
Ganz am Ende des Urlaubs haben wir dann doch noch eine Mitbewohnerin im Zimmer entdeckt, die wir Agathe getauft haben. Die Dame hätte sich gern etwas früher blicken lassen können, denn dann hätte ich nämlich noch einmal auf einem Zimmertausch bestanden! Das gesamte Hotelpersonal war aber sehr freundlich, und allzu hoch waren unsere Erwartungen bei einem 3-Sterne-Hotel ja sowieso nicht, nur ein kleines bisschen beim Ausblick zum Beispiel. Oder das zuverlässige Wechseln der Handtücher und der Bettwäsche.

Kulinarik, Kuriositäten und die maltesische Tierliebe
Außerhalb des Hotels war Malta deutlich überzeugender. Perfektes Wetter, wunderschöne Orte, eine faszinierende Architektur und ein Meer fast direkt vor der Tür, das einen fantastischen Anblick bietet und tatsächlich auch im Oktober noch zum Schwimmen einlädt.
Für deutsche Ordnungsliebe ist die Insel allerdings an manchen Ecken gewöhnungsbedürftig. Die Müllabfuhr zum Beispiel funktioniert über Mülltüten statt Tonnen, die einfach an der Straße gestapelt werden. Und bei so mancher Baustelle würde die deutsche Bauaufsicht vermutlich sofort Schnappatmung bekommen. Und einige Hotels wurden nicht ganz fertig gestellt, das hat aber auch seinen Charme.



Sehr charmant ist dagegen die maltesische Tierliebe: Die Menschen hier lieben Katzen und füttern sie überall. Andere wiederum stellen mit Wasser gefüllte Plastikflaschen an ihre Grundstücke, denn der Tradition nach soll das angeblich Hunde und Katzen fernhalten. Und fast jedes Haus hat ein Gartentor, um die Kinder davon abzuhalten, direkt auf die Straße zu laufen und um früher die Ziegen davon abzuhalten, in die Häuser zu laufen.
Die maltesische Küche gefiel uns ebenfalls sehr, besonders die Desserts und Kuchen. Pastizzi und andere gefüllte Teigtaschen erfordern allerdings ein gewisses Maß an Standhaftigkeit, damit die Klamotten am Ende des Urlaubs noch passen. Nur das Eis war extrem teuer. Malta gilt wohl generell als recht kostspielig, aber es gibt auch Orte, an denen man erstaunlich gut und günstig essen kann. Und Cocktails, da haben wir kurz vor der Abreise ein tolles Lokal entdeckt. Gott sei Dank, denn früher wäre das nicht gut für den Alkoholspiegel gewesen.

 


Einfach mal winken: Unterwegs mit dem Bus
Was wir schnell lieben lernten, war das Bussystem. Eine Fahrt kostet 2,50 Euro, und dafür kann man zwei Stunden in jede beliebige Richtung fahren und auch umsteigen. Mehrfahrten- und Wochenkarten machen das Ganze noch günstiger. Mit der Tallinja App ist Busfahren auf Malta ein Kinderspiel: Echtzeit-Tracking zeigt, wo der Bus gerade ist und wann er kommt, der Routenplaner findet Verbindungen auf Malta und Gozo, und Tickets lassen sich direkt in der App verwalten. Es gibt sogar einen flexiblen On-Demand-Busservice (Ob der allerdings nur für Einheimische gilt, weiß ich nicht). Fun Fact: Wenn man möchte, dass der Bus hält, muss man der Fahrerin oder dem Fahrer kurz winken. 
Märkte, Boote und die drei Städte
So haben wir also die Gegend erkundet. Marsaxlokk ist ein lebhafter Küstenort mit einem sehr auf Touristen ausgerichteten Markt direkt an der Promenade. Dort kann man auch eine Bootstour entlang der Küste machen. Auf Wunsch wird man an einem Badestrand abgesetzt und kann jederzeit mit demselben Boot wieder zurückfahren. Man muss einfach an der Anlegestelle mit dem Ticket winken, denn offenbar funktioniert Winken auf Malta in mehreren Lebenslagen.




Valletta ist wunderschön, wie eigentlich alle Städte, die wir auf Malta besucht haben. Nur sehr, sehr, sehr voll. Also so richtig voller Menschen. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, da hier auch viele Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die drei Städte Vittoriosa (maltesisch: Birgu), Senglea (L-Isla) und Cospicua (Bormla) liegen direkt gegenüber von Valletta am Grand Harbour. Sie sind ebenso schön, aber nicht ganz so überlaufen und eignen sich besonders gut zum Spazierengehen.
Der Tagesausflug nach Gozo
Und dann waren wir natürlich noch auf Gozo. Dafür hatten wir einen Tagesausflug gebucht, den ich allerdings nicht noch einmal machen würde. Zu viele Programmpunkte für zu wenig Zeit. Der Ausflug begann direkt vor unserem Hotel. Wir wurden pünktlich von einer sehr netten Fahrerin abgeholt, die so lange bei uns blieb, bis unser Guide uns gefunden hatte. Nach der Fährfahrt ging es mit einer etwas längeren Verzögerung weiter, weil unser Guide ziemlich verpeilt war.
Erstes Ziel war der Inland Sea (Il-Qawra) in der Bucht von Dwejra, eine faszinierende Lagune, die durch einen schmalen Höhlentunnel mit dem offenen Meer verbunden ist. Danach gab es ein einfaches, aber gutes Mittagessen im Fischerort Xlendi, bevor es weiterging nach Victoria (Rabat) der Hauptstadt von Gozo.

 



Am zentralen Marktplatz It-Tokk machten wir eine Kaffeepause bei einem der zwei Opernhäuser, dem Teatru Astra oder dem Teatru Aurora, die mit ihren markanten Fassaden das Stadtbild prägen. Tipp: In den Opernhäusern kann man einen sehr guten Espresso trinken, und der ist günstiger als in den Cafés zehn Meter weiter. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, uns Victoria (Rabat) näher anzusehen.
Den Abschluss bildete die prähistorische Tempelanlage Ġgantija. Der Name bedeutet auf Maltesisch „Riese“ und hat einen ziemlich kuriosen Hintergrund: Frühere Knochenfunde, bei denen es sich vermutlich um Überreste von Flusspferden handelte, hielt man fälschlicherweise für Menschenknochen. Daraus entstand die Vorstellung, die Anlage sei von Riesen gebaut worden. Tatsächlich bestehen die Tempel aus bis zu 50 Tonnen schweren Megalithsteinen und sind älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh. Als UNESCO-Weltkulturerbestätte ist Ġgantija definitiv sehenswert.

Und dann neigte sich der Urlaub auch schon wieder dem Ende zu. Unser Reiseveranstalter und die Buchungsplattform schickten uns die Buchungsnummer für den Rückflug, die beim Online-Check-in dann aber nicht funktionierte. Ich mag die Insel, aber dort bleiben wollte ich dann auch nicht. Nach einigem Hin und Her am Telefon war klar, dass wir direkt am Schalter einchecken mussten, weil der Rückflug auf zwei verschiedene Fluggesellschaften aufgeteilt war. Irgendwann ist die Technik hoffentlich so weit, dass so etwas reibungslos klappt. Ich hatte jedenfalls die große Hoffnung, dass die Schalter am Flughafen Malta besetzt sein würden, ganz anders als auf dem Hinflug.
Da ich diesen Bericht jetzt schreibe, ist der Beweis da: Es hat problemlos geklappt! Und auf dem zweiten Flug von Zürich nach Stuttgart mit Swiss gab es tatsächlich noch echtes Mineralwasser und Schokolade zur Belohnung.






Mittwoch, 14. Oktober 2026

Rezension: Herbstweh’n von Günther Banzer – Ein starker Hegel-Krimi

Rezensionsexemplar- Werbung

Eins vorweg, Ich mochte das Buch sehr. Besonders gefallen hat mir die ruhige Erzählweise, die dem Roman viel Raum gibt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Schon auf den ersten Seiten konnte ich mir Thomas Hegel gut vorstellen. Er ist ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, trauert um eine gute Freundin und blickt auf ein Leben zurück, in dem sicher einiges zusammengekommen ist. Auf Rügen möchte er eigentlich nur in Erinnerungen schwelgen. Doch dann spricht ihn Corinna von Lichtenfels an. Sie bittet ihn, ihre schwer kranke Mutter Sylvia zu besuchen. Sylvia war einst Hegels große Jugendliebe und möchte ihn noch einmal sehen. Allein diese Begegnung mit einer längst vergangenen Liebe hat etwas Berührendes, gerade weil man ahnt, dass die gemeinsame Vergangenheit für beide noch nicht einfach abgeschlossen ist.

Die Handlung: Wenn Familiengeheimnisse auf deutsche Geschichte treffen

Mit diesem Besuch wird Hegel tief in die Geschichte der Familie von Lichtenfels hineingezogen, die bis in die schwärzste deutsche Vergangenheit reicht. Aus einer sehr persönlichen Bitte entwickelt sich eine Ermittlung, bei der Familiengeheimnisse, alte Schuld und politische Machtverhältnisse ans Licht kommen. Banzer verbindet aktuelle gesellschaftliche Themen mit einer spannenden Krimihandlung. Dabei wirkt nichts aufgesetzt, vielmehr fügt sich alles stimmig in die Geschichte ein.

Vielschichtige Charaktere: Thomas Hegel und Francesca Pollini

Thomas Hegel ist mir schnell nahegegangen. Er ist kein unfehlbarer Ermittler, sondern ein nachdenklicher, manchmal melancholischer Mann, der mit Verlust und Erinnerungen lebt und sich auch seiner eigenen Vergangenheit stellen muss. Gerade diese verletzliche Seite hat mir an ihm gefallen. Er wirkt nicht wie ein Ermittler, der für jedes Problem eine Lösung parat hat, sondern wie ein Mensch, den das Leben geprägt hat und der trotzdem neugierig geblieben ist. Auch Corinna von Lichtenfels ist mehr als eine Nebenfigur. Ihre Bitte ist eng mit der Geschichte ihrer Familie verbunden, doch was sie wirklich bewegt, bleibt lange unklar. So fragt man sich nicht nur, was damals geschehen ist, sondern auch, was die Menschen heute noch mit sich herumtragen.

Ein fesselnder Ermittlungsmix von Ligurien bis nach Rügen

Während Hegel seinen Nachforschungen nachgeht, beschäftigen sich seine frühere Vorgesetzte Veronika Staedler und Torsten Fritsch mit einem Vermisstenfall. Nach und nach laufen die beiden Ermittlungen zusammen, und immer mehr Verbindungen zwischen den zunächst getrennten Ereignissen werden sichtbar. Das ist gut aufgebaut und sorgt dafür, dass ich beim Lesen immer wieder neu überlegen konnte, wie alles zusammenhängt.

Eine besondere Rolle spielt Francesca Pollini. Die deutsch-italienische Musikkritikerin ist die Enkelin eines Verbrechers des NS-Regimes. Mit Hegel teilt sie die Liebe zur Musik, auch wenn sie eher der Klassik zugeneigt ist. Durch sie wird das Thema Schuld und Erinnerung noch einmal auf eine andere, sehr persönliche Weise beleuchtet. Francesca muss sich mit der Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen, obwohl sie selbst für dessen Taten keine Verantwortung trägt. Gerade darin liegt für mich eine interessante Frage: Was bedeutet es, mit einer solchen Familiengeschichte zu leben, und wie findet man seinen eigenen Umgang damit? Während Francesca ihren Platz zwischen Herkunft und eigener Identität finden muss, stößt Hegel bei seinen Nachforschungen auf die Verstrickungen der Familie von Lichtenfels. Diese unterschiedlichen Zugänge zur Vergangenheit ergänzen sich sehr gut.

Auch die verschiedenen Handlungsorte haben mir gefallen. Die Geschichte führt von Ligurien über Hegels Heimatstadt Mildenhofen am Inn bis nach Rügen. Dabei bleibt die NS-Zeit nicht bloß ein Kapitel der Geschichte, das längst abgeschlossen scheint. Vielmehr wird deutlich, wie weit ihre Folgen reichen und wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sein können. Auch finanzielle Verflechtungen und rechtsradikale Netzwerke spielen bei Hegels Nachforschungen eine Rolle. Das gibt dem Krimi eine zusätzliche Tiefe, ohne die eigentliche Handlung aus dem Blick zu verlieren.

Besonderes Highlight: Lesen mit der Bob-Dylan-Playlist

Eine ganz besondere Note bekommt der Roman durch die Musik. Alle Kapitel tragen Titel von Bob-Dylan-Songs, und Hegel ist ein großer Dylan-Fan. Das passt zu seiner nachdenklichen Art und hat mir als musikalischem Element der Geschichte gut gefallen. Wer mag, kann beim Lesen auch die Playlist hören, die der Autor zum Roman zusammengestellt hat. (Ich kann leider immer nur eines, entweder Musikhören oder Lesen) 😏

Fazit: Warum man „Herbstweh’n“ unbedingt lesen sollte

Herbstweh’n ist für mich kein lauter Thriller, sondern ein ruhiger, hervorragend strukturierter Krimi, der sich Zeit für seine Figuren und ihre Geschichten nimmt. Besonders die Verbindung aus Kriminalfall, Familiengeschichte, deutscher Vergangenheit und einer Liebe, die nach vielen Jahren noch einmal in den Mittelpunkt rückt, hat mich überzeugt. Mir hat gefallen, dass es nicht nur darum geht, ein Verbrechen aufzuklären. Es geht auch um Erinnerungen, um die Last der eigenen Herkunft und um das, was von früheren Begegnungen bleibt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und empfehle es allen, die neben Spannung auch vielschichtige Figuren und eine Erzählweise schätzen, die den Menschen hinter der Geschichte nicht aus dem Blick verliert.


  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. Juli 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 264 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3565553278
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3565553273
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 18 Jahren

Rezension: Molka von Monika Kim

Werbung-Rezensionsexemplar

Produktinformationen und Triggerwarnung.

In diesem Spiel gibt es keine Zeugen – nur Täter und eine Frau, die nichts mehr zu verlieren hat.



Ein Klick hat ihr Leben zerstört. Ein Video hat sie zur Geächteten gemacht. Junyoung liebt es, zuzusehen, wie Frauen durch seine illegalen Kameras ihre Privatsphäre verlieren. Er wähnt sich sicher in seinem perversen Doppelleben, bis er Dahye ins Visier nimmt. Er erwartet Tränen, doch er bekommt Blut. Dahye verwandelt Scham in blinde Wut und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen ein System, das Voyeure schützt und Opfer vernichtet.



  • Feminist Horror
  • Female Empowerment 
  • Good for her 
  • Molka = mole camera/versteckte Kamera


Worum geht es in dem Buch?

Der IT-Mitarbeiter Junyoung installiert Minikameras auf Toiletten und in anderen Räumen des Bürogebäudes, in dem er arbeitet. Damit spioniert er die Mitarbeiterinnen skrupellos und vollkommen ohne schlechtes Gewissen aus. Fast zeitgleich lernen wir Dahye kennen. Die junge Frau hat vor einigen Jahren ihre Schwester Eunhye verloren. Sie und ihre Eltern leiden immer noch sehr unter dem Verlust, und ihre Mutter vermittelt ihr das Gefühl, dass die falsche Schwester verstorben ist. Dahye trifft sich mit dem wohlhabenden Hyukjoon und tut alles, um ihm zu gefallen. Doch bald gerät sie selbst in den Fokus von Junyoung. Er verfolgt sie obsessiv, bis Dahye nicht länger Opfer sein will und einen Rachefeldzug startet.

Meine Meinung zu „Molka“

Das Buch macht mich wütend und traurig. Es zeigt, wie selbstverständlich manche Männer glauben, über die Körper von Frauen und über ihre Entscheidungen bestimmen zu dürfen. Und wenn sich eine Frau schließlich erdreistet, sich zu wehren, heißt es schnell: selber schuld.

Monika Kims Roman spielt in Südkorea, doch das Thema ist weltweit ein Problem. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung wird es sich vermutlich sogar noch verschärfen. „Molka“ ist keine einfache Lektüre. Die Gewalt ist konkret, die Bloßstellung grausam und die Gedankenwelt des Täters zutiefst unangenehm. Da ich Monika Kims Roman „Das Beste sind die Augen“ bereits kannte, wusste ich allerdings, worauf ich mich einlasse. Auch dieser Roman ist kompromisslos und lässt mich nicht unberührt zurück.

Der Schreibstil der Autorin ist nüchtern, dabei aber schonungslos. Sie erspart ihren Leserinnen und Lesern nichts. Mir hat das Buch gefallen, gerade weil es die Wut nicht kleinredet. Vielleicht ist die Zeit der leisen Töne gegen männliche Gewalt gegen Frauen, egal in welcher Form, endlich vorbei.

Dass mich dieses Buch, besser gesagt der Inhalt, wütend gemacht hat, soll dieser Roman meiner Meinung nach auch bewirken.


  • Herausgeber ‏ : ‎ kiwi space
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 3. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462055208
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462055207
  • Originaltitel ‏ : ‎ Molka
  • Übersetzte von: Dejla Jassim


Dienstag, 13. Oktober 2026

Rezension: Martha: Katharina Schwarzinger auf Spurensuche - Kriminalroman (K&S Kremi) von Anna Schwarz


Medizin trifft Mord

Katharina Schwarzinger ist mit Leib und Seele Polizeiärztin. Als der Sohn Martha Schönbergs tot in deren Wohnung aufgefunden wird, sieht auf den ersten Blick alles nach einer Routineangelegenheit und einem Vorfall aus, wie ihn Schwarzinger schon dutzendfach erlebt hat. Business as usual. Doch bei genauerer Betrachtung der Todesumstände finden sich bald erste Ungereimtheiten, die die Polizeiärztin immer tiefer in die Familiengeschichte der Schönbergs eintauchen lassen.

Als die Ermittlungen Fahrt aufnehmen, wird klar, dass Martha Schönberg in diesem Mordfall eine zentrale Rolle spielt. Welche sie dabei verkörpert, bleibt jedoch so lange unklar, bis Katharina Schwarzinger am Ende ihrer Nachforschungen ein Familiendrama vor Augen hat, wie es schicksalhafter und folgenschwerer nicht hätte sein können.  


Anna Schwarz hat mit „Martha“ einen Krimi geschrieben, der für mich deutlich mehr ist als ein klassischer Fall von „Wer war der Täter?“.

Im Mittelpunkt steht die Polizeiärztin Katharina Schwarzinger, die den Tod von Marthas Sohn zunächst als Routinefall einschätzt. Doch je genauer sie hinsieht, desto mehr Ungereimtheiten tauchen auf. Und plötzlich führt sie der Fall immer tiefer in die Geschichte der Familie Schönberg.

Ermittlungsarbeit trifft auf tiefgründiges Familiendrama

Besonders gut gefallen hat mir die Mischung aus Ermittlungsarbeit und der persönlichen Seite von Katharina. Normalerweise bin ich eher kein Fan davon, wenn in Krimis sehr viel über das Privatleben der Ermittler erzählt wird. Hier hat es für mich aber gut funktioniert. Katharinas Gedanken und eigenen Erfahrungen wirken nicht wie unnötiges Beiwerk, sondern geben der Geschichte eine zusätzliche Ebene.
Denn hinter dem vermeintlichen Routinefall steckt eine bewegende und teilweise erschütternde Familiengeschichte. Durch die Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Rückblicke in Marthas Vergangenheit setzt sich Stück für Stück das Bild zusammen, was eigentlich passiert ist und wie es zu Willis Tod kommen konnte.
Dadurch ist „Martha“ für mich nicht einfach nur ein klassischer Krimi. Es geht genauso um Familie, alte Wunden, Entscheidungen und die Frage, wie sehr vergangene Ereignisse das Leben nachfolgender Generationen beeinflussen können.
Auch die medizinischen Aspekte haben mir gut gefallen. Die Details werden verständlich und glaubwürdig in die Handlung eingebracht, ohne dass man sich als Leser durch medizinisches Fachchinesisch kämpfen muss. Gerade dadurch wirkt Katharina als Polizeiärztin sehr authentisch.

Mein Fazit zu „Martha“ von Anna Schwarz

Insgesamt hat mir „Martha“ gut gefallen. Die Verbindung aus kriminalistischer Ermittlungsarbeit und einer emotionalen Familiengeschichte hat für mich den besonderen Reiz des Buches ausgemacht.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der bei einem Krimi nicht nur ein Rätsel lösen, sondern auch tief in die Psychologie und die Beweggründe der Figuren eintauchen möchte.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kremayr & Scheriau
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 23. September 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3218015200
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3218015202


Donnerstag, 8. Oktober 2026

Rezension: Henry V. Der perfekte König von Dan Jones (Übersetzt von Karin Schuler)

Buchcover-Der perfekte König

Das Buch beginnt mit dem Kampf des berühmten Arztes John Bradmore um das Leben des 16-jährigen Henry, der auf dem Schlachtfeld schwer verwundet wurde. Ich war direkt in dieser Szene drin. Nicht zuletzt, weil Jones hier schon zeigt, was ich an seinen Büchern so mag. Er erzählt Geschichte nicht einfach nur als eine Abfolge von Ereignissen, sondern schafft es, dass man das Gefühl bekommt, mitten in dieser Zeit zu sein.

Der Aufstieg von König Henry V.


Danach geht es um Henrys Jugend, seine Zeit als Kronprinz und schließlich um seine kurze Regierungszeit. Sein Vater Henry IV. hatte den Thron an sich gerissen, und England war alles andere als ein stabiles Königreich. Intrigen, Aufstände und Machtkämpfe gehörten zum Alltag. Henry wächst in dieser Welt auf und wird schließlich zu dem König, den man heute vor allem mit Agincourt und seinen Feldzügen in Frankreich verbindet.

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass Jones Henry nicht einfach zum großen Helden macht. Natürlich geht es um seine militärischen Erfolge und um den berühmten Sieg von Agincourt, aber gleichzeitig zeigt Jones auch die andere Seite. Henry war sehr religiös, hatte ein starkes Pflichtgefühl und war gleichzeitig ausgesprochen hart. An manchen Stellen fand ich ihn sogar ziemlich erschreckend. Gerade diese Mischung macht die Figur für mich interessant.

Historische Details und politische Entwicklungen.


Ich mochte auch die kleinen Details, durch die Henry greifbarer wird. Zum Beispiel, dass er teilweise auf Englisch diktierte und schrieb, im Gegensatz zu seinen deutschen Vorfahren. Das klingt erst einmal nach einer Kleinigkeit, aber genau solche Dinge sorgen dafür, dass eine Figur, die seit mehr als 600 Jahren tot ist, plötzlich gar nicht mehr so weit weg wirkt.

Jones nimmt sich außerdem Zeit für die politischen Entwicklungen. Er beschreibt, wie Henry versucht, England nach den unruhigen Jahren unter seinem Vater wieder zu stabilisieren, sich um Verwaltung und Finanzen kümmert und gleichzeitig seine Ansprüche in Frankreich durchsetzen will. Besonders interessant fand ich dabei, dass Jones nicht einfach bei Henrys Erfolgen stehen bleibt. Seine Eroberungen in Frankreich bringen ihm zwar Ruhm und Land, haben aber auch Folgen, die später eine Rolle bei den Rosenkriegen spielen.

Der unverkennbare Schreibstil von Dan Jones


Wer schon Bücher von Dan Jones gelesen hat, wird seinen Stil hier sofort wiedererkennen. Ich mag diese Mischung aus vielen kleinen Geschichten, historischen Zusammenhängen und einer Erzählweise, die sich erstaunlich leicht lesen lässt. Man bekommt viele Informationen, hat aber nie das Gefühl, gerade ein trockenes Geschichtsbuch vor sich zu haben.

Jones schafft es immer wieder, mich für die englische Geschichte zu interessieren. Das ist schon so, seit ich den ersten Band seiner „Essex Dogs“ gelesen habe. Ich glaube, genau das ist auch der Grund, warum ich seine Bücher so gerne lese. Eigentlich müsste mich ein mehrere hundert Jahre alter Machtkampf zwischen englischen Königen und französischen Herrschern nicht unbedingt so fesseln. Bei Jones funktioniert es aber jedes Mal wieder.

Mein Fazit zu „Der perfekte König“


„Der perfekte König“ hat mir deshalb richtig gut gefallen. Besonders mochte ich, dass Henry am Ende nicht einfach als großer und erfolgreicher König zurückbleibt, sondern als eine deutlich kompliziertere Figur, eben als Mensch. Jones erzählt von seinen Erfolgen, aber eben auch von seiner Härte und von den Folgen seiner Entscheidungen. Henry V. starb nach nur 9-jähriger Regierungszeit, nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Krankenbett.

Für mich ist das wieder ein Buch von Dan Jones, bei dem ich nach dem Lesen direkt Lust bekommen habe, mich noch weiter mit dieser Zeit zu beschäftigen. Und genau das kann für mich ein gutes Geschichtsbuch schaffen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ C.H.Beck
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 20. August 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3406850421
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3406850424

Dienstag, 6. Oktober 2026

Rezension: Hashtag Glückskinder: III. Wollust

Werbung-Rezensionexemplar

Der dritte Teil der "Hashtag Glückskinder"-Romanreihe rund um einen namenlosen Protagonisten. "Was er hingegen ganz genau wusste, war, dass er jedes Einzelne dieser Worte genau so gemeint hatte, wie er sie ausformuliert hatte. Am Ende waren diese Zeilen weniger seinem Kopf entsprungen, sondern viel mehr seinem Herzen." Nachdem er - ohne zu wissen, ob er das überhaupt schaffen könnte - beschlossen hatte von nun an auch ein Glückskind sein zu wollen, bereitet er Aurora auf eine für ihre berufliche Zukunft essentielle Herausforderung vor. Währenddessen rückt der Start des Projekts in der Kuppel immer näher, weshalb er zu der dort stattfindenden Eröffnungsfeier eingeladen wird. Dort wartet nicht nur die Feier auf ihn, sondern auch eine unangenehme Überraschung.

Aurora wird von unserem namenlosen Erzähler auf ein wichtiges Gespräch vorbereitet, bei dem geprüft werden soll, ob sie für die Tätigkeit geeignet ist, für die sie vorgesehen wurde. Dabei darf sie keine Emotionen wie Sorge oder gar Mitleid zeigen.
Nach diesem Gespräch findet die feierliche Einweihung der Kuppel statt, zu der der Namenlose und Aurora die Einladung annehmen müssen. Was dort geschieht, macht schnell deutlich, wie passend der Titel dieses dritten Teils gewählt ist.

Menschliche Abgründe bei der Eröffnungsfeier

Die „Eltern“ führen sich auf eine Weise auf, die aus Lesersicht einfach nur widerlich ist. Die ausschweifende Feier erinnert mehr an völlige Zügellosigkeit als an eine seriöse Eröffnung.
Besonders die Mutter zeigt dabei sehr deutlich, dass körperliche Intimität für sie weniger mit Nähe oder Lust zu tun hat, sondern vor allem ein Mittel der Machtdemonstration ist. Genau diesen Eindruck, den Aurora und der Erzähler vor Ort gewinnen, hatte auch ich als Leserin.
Um nicht aufzufallen, müssen beide gute Miene zum bösen Spiel machen. Schließlich wollen sie den Kindern, die dorthin geschickt werden sollen, irgendwie helfen. Und dann ist da auch noch ein Geheimnis, das der Erzähler Aurora nicht verrät. Auch ich werde natürlich nicht preisgeben, worum es dabei geht.


Meine Meinung zu „Wollust“: Gelungene Fortsetzung mit kleinen Längen

Wie schon die vorherigen Teile hat mir auch „Wollust“ gut gefallen. Allmählich lässt sich erahnen, worauf die Geschichte zusteuert, ohne dass bereits alle Zusammenhänge offengelegt werden.
Der Abschnitt rund um die Eröffnungsfeier hätte für meinen Geschmack allerdings etwas kürzer ausfallen dürfen. Ich hatte schon relativ schnell verstanden, was der Autor mit dieser Szene zeigen möchte und welche Gedanken er seinen Lesenden mitgeben will.

Ein ultragemeiner Cliffhanger

Am Ende wartet ein ultragemeiner Cliffhanger, der mich wahnsinnig neugierig auf die weiteren Teile macht. Ich weiß, dass noch einiges kommen wird, und möchte unbedingt erfahren, wie es mit Aurora und dem namenlosen Erzähler weitergeht. Gerade weil sich die Handlung immer deutlicher in eine bestimmte Richtung entwickelt, freue ich mich auf die Fortsetzung.


Fazit: Wichtige gesellschaftliche Themen im Fokus

Lupo Lito greift in seiner Geschichte wichtige gesellschaftliche Themen auf und zeigt, wie leicht es sein kann, Menschen mit den richtigen Schlagworten davon zu überzeugen, dass man es gut mit ihnen meint  obwohl die tatsächlichen Taten eine ganz andere Sprache sprechen. Gerade das sehen wir ja auch heute schon in unserer Gesellschaft.


Mein Gesamteindruck: Eine spannende Fortsetzung, die erneut menschliche Abgründe zeigt und große Neugier auf die nächsten Teile weckt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. Mai 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 360 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3819278184
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3819278181
  • Abmessungen ‏ : ‎ 12.7 x 2.03 x 20.32 cm
  • Buch 3 von 3 ‏ : ‎ Hashtag Glückskinder






Montag, 5. Oktober 2026

Schuld und Unschuld: Die Wandlung des Henry Jaeger von Jakob Stein


Jakob Steins „Schuld und Unschuld“ hat mir gut gefallen. Ich kannte Henry Jaeger vorher nur dem Namen nach und wusste nicht, dass er ursprünglich Karl-Heinz Jäger war und in den 1950er-Jahren als Mitglied einer Frankfurter Räuberbande bekannt wurde. Allein diese Lebensgeschichte fand ich schon interessant.

Der Roman beginnt mit  einem Vorwort, hier Vorrede genannt und genau damit hatte mich der Autor schon, beschreibt er doch die Gefühle der Menschen kurz nach Kriegsende (j1954 war das dunkelste Kapitel Deutschland noch nicht lange vorbei und in den Köpfen und Herzen der Menschen noch sehr gegenwärtig), da stellte sich mir auch gleich die Frage: "Hat sich wirklich viel geändert seit damals?" 

Aber nun zum Buch, wir lernen die Protagonisten und ihren Lebensweg kennen. Im Mittelpunkt stehen Karl-Heinz und seine beiden Freunde aus Bornheim. Sie wollen mit dem Überfall endlich zu Geld kommen und sich etwas von dem leisten können, was sie in der Wirtschaftswunderzeit um sich herum sehen. Vieles läuft allerdings anders als geplant.


Die Wandlung vom Kriminellen zum Schriftsteller

Was mir im weiteren Verlauf besonders gefallen hat, war die Entwicklung von Karl-Heinz zum Schriftsteller Henry Jaeger. Er schreibt zunächst ziemlich unbeholfen, bleibt aber dabei. Das nimmt im Roman immer mehr Raum ein. Irgendwann hatte ich fast mehr Interesse daran, wie er zum Schriftsteller wird, als an den eigentlichen Überfällen.

Überhaupt fand ich diese beiden Seiten der Figur interessant. Einerseits der Kriminelle, andererseits der Mann, der unbedingt schreiben will. Beides lässt sich bei ihm nicht so einfach voneinander trennen. Besonders deutlich wird das in der Passage mit den Spielbanken. Henry beschäftigt sich dort mit Dostojewski und beobachtet die Spieler  und gleichzeitig entstehen bei ihm neue Ideen für Überfälle. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Verbindung.

Man merkt dem Roman die Recherche an. Stein hat unter anderem Akten und Vernehmungsprotokolle verwendet. Trotzdem hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, ein Sachbuch in der Hand zu haben. Die historischen Hintergründe sind immer Teil der Geschichte. Interessant fand ich auch die Gegenüberstellung der Jäger-Bande mit den großen Wirtschaftsverbrechen und der Geschichte der IG Farben. Dadurch bekommt die Frage, wie mit Tätern umgegangen wird, noch eine andere Dimension.

Gut gefallen hat mir außerdem, dass Stein die Figuren nicht ständig bewertet. Man bekommt ihre Sicht auf die Dinge mit, ohne dass einem dauernd erklärt wird, was man davon zu halten hat. Gleichzeitig wird das Frankfurt der 1950er-Jahre ziemlich anschaulich.

Für mich ist das Buch deshalb nicht einfach ein Kriminalroman. Eigentlich fand ich die Geschichte des werdenden Schriftstellers sogar interessanter als die Kriminalfälle selbst. Karl-Heinz Jäger versucht, sich mit dem Schreiben ein anderes Leben aufzubauen, während seine Vergangenheit ihn immer wieder einholt. Ich habe mich ein wenig über den Schriftsteller Jäger schlau gemacht und finde seinen Lebensweg außerordentlich interessant, seine Intelligenz zeigt sich auch in der akribischen Durchführung der Überfälle,  die er mit der Bande durchführte bevor er schließlich doch verhaftet wurde, 70 Einbrüche und Überfälle sind schon eine Hausnummer. Über die Beschaffung der Alibis  zu lesen, war schon recht amüsant, bis ich dann im gleichen Abschnitt, mehr über die Lebensumstände erfuhr, da verging mir doch das leise Lächeln.


Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen. Vor allem die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Karl-Heinz Jäger/Henry Jaeger und die Verbindung mit dem Frankfurt der Nachkriegszeit mochte ich sehr. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ B3 Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Juni 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 388 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3943758680
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3943758689
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 14 Jahren