Nirgendwann. Plan B war auch Mist – eine Geschichte über Mut, Hoffnung und Neuanfänge
Jo steht vor dem Nichts: Jobs weg, Wohnung weg. Aufgeben kommt für sie aber nicht infrage – denn da sind noch ihre Geschwister, die sie nicht ganz allein lassen will, mit ihrem cholerischen Vater und einer Mutter, die sich in den Alkohol flüchtet. Nachdem ihr ekelhafter Chef Freddi sie wieder einmal angrabscht und sie deshalb auch noch den letzten Job schmeißt, und ihr Vermieter wegen Mietschulden das Schloss der Wohnung austauscht 1500 Euro sind dann doch zu viel, findet Jo vorübergehend Zuflucht bei Carlo.
Carlo erfüllt das Klischee eines Computer-Nerds perfekt: schüchtern und mit nur rudimentären Sozialkontakten. Die beiden lernen sich kennen, als Carlo das Moloko aufsucht – das Café, in dem Jo zuletzt gearbeitet hat. Er bewundert ihre effiziente Arbeitsweise – Effizienz ist genau sein Ding.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, unter anderem aus der des Büdchens – dem kleinen Kiosk, an dem sich früher die Bewohner des Viertels trafen, um Gesellschaft zu haben, Nachrichten und Tratsch auszutauschen. Diese Passagen verleihen dem Buch eine ganz eigene Atmosphäre. Das Büdchen ist wie ein stiller Beobachter, der die Veränderungen im Viertel und im Leben der Menschen kommentiert.
Jo wollte ich trotz aller Sympathie manchmal schütteln. Statt sich Hilfe zu suchen, um finanzielle Unterstützung zu bekommen, zieht sie sich buchstäblich die Decke über den Kopf. Aber Jo ist nett. Wirklich nett – nicht so, wie das Wort heutzutage manchmal gebraucht wird. Selbst wenn es schwierig wird, lässt sie sich das nicht anmerken. Sie bleibt nach außen fröhlich, selbst als sie Lebensmittel schnorren muss, um nicht zu hungern.
Als Carlo sie mit seinem älteren Nachbarn Hänsel bekannt macht, der allein kaum noch zurechtkommt, kann sie ihm helfen und Hänsel hilft ihr, er bietet ihr einen Ausweg aus ihrer prekären Situation an, auch für ihre Geschwister Hella und Pete. Hier fiel mir das alte Sprichwort ein: „Wie es in den Wald ruft, so schallt es heraus.“
Hänsel, der alte, eigenbrötlerische Nachbar, ist für mich das emotionale Herzstück des Romans. Schon beim ersten Zusammenstoß mit Jo war mir klar: Diese beiden werden sich wieder begegnen – und es wird sie beide verändern. Wie sich ihre Beziehung entwickelt – langsam, mit viel Misstrauen, aber auch mit leisen, ehrlichen Momenten – hat mich sehr berührt. Hänsel ist kein einfacher Mensch, aber gerade das macht ihn so authentisch und liebenswert. Die Szenen zwischen ihm und Jo gehören für mich zu den stärksten im Buch.
Die Erzählung vermittelt Hoffnung und den Mut zu Neuanfängen, indem sie zeigt, wie Jo trotz zahlreicher Rückschläge immer wieder Wege findet, weiterzumachen. Auch wenn ihre Situation zu Beginn ausweglos erscheint, bleibt im Verlauf der Geschichte stets ein Gefühl von Zuversicht spürbar. Jo gibt nicht auf, nimmt Hilfe an und entdeckt neue Möglichkeiten – selbst wenn diese anders aussehen als erwartet.
Die verschiedenen Perspektiven, besonders die des Büdchens als stiller Beobachter, unterstreichen, dass Veränderungen und unerwartete Wendungen zum Leben gehören, aber auch immer Raum für einen neuen Anfang und Hoffnung auf Besserung lassen. So entsteht ein authentisches Bild davon, wie Hoffnung auch in schwierigen Zeiten bestehen bleibt, ohne die Realität zu beschönigen.
- Herausgeber : kontrabande Verlag, Köln
- Erscheinungstermin : 25. April 2025
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 403 Seiten
- ISBN-10 : 3911831188
- ISBN-13 : 978-3911831185

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