Mittwoch, 2. Juli 2025

Commissario Gaetano und der lügende Fisch von Fabio Nola


Ich war noch nie in Italien, reise generell eher selten, aber auf meiner letzten Zugreise hatte ich die Gelegenheit, Commissario Gaetano und der lügende Fisch von Fabio Nola zu lesen. Manchmal haben lange Zugfahrten doch etwas Gutes.

 Neapel feiert seinen Schutzpatron San Gennaro. Die Prozession zu Ehren San Gennaros ist ein bewegendes Ereignis, eng verbunden mit dem sogenannten „Blutwunder“: Dabei beten die Gläubigen, dass sich das geronnene Blut des Heiligen im Dom von Neapel verflüssigt – ein bedeutendes Glücksomen für die Stadt. Das Wunder soll dreimal im Jahr geschehen: am 19. September, am ersten Samstag im Mai und am 16. Dezember. Bleibt das Wunder aus, gilt das als schlechtes Omen. Begleitet wird das Fest von ausgelassenen Feierlichkeiten, bei denen auch Schüsse in die Luft gehören.


 Commissario Salvatore Gaetano muss den illegalen Waffenverkauf und Schusswaffengebrauch rigoros unterbinden, um Verletzungen zu verhindern. Bevor er allerdings zu seinem Einsatzort aufbrechen kann, betritt ein großer blonder Mann sein Büro und fordert, dass seine Wohnung überwacht wird, da er sich bedroht fühlt. Ianus Capuano stammt aus Turin, dort hält er sich regelmäßig auf und kommuniziert mit seiner Reinigungskraft dann über den Anrufbeantworter, auf dem er ihr Anweisungen hinterlässt. Eigentlich sollte sich in der Wohnung niemand aufhalten, doch bei seinen letzten Anrufen nahm jemand ab und die Uhr im Zimmer schlug immer einen Ton weniger, wie bei einem Count Down, schließlich kann er Gaetano davon überzeugen, nach dem Rechten zu sehen.

Neben den Ermittlungen erfahren wir auch etwas über Gaetanos Privatleben: Seine Nichte Carla, die kurz vor ihrer Hochzeit steht, möchte ihren pflegebedürftigen Vater bei sich aufnehmen. Gaetano macht sich Sorgen, ob sie dem gewachsen ist und wirkt sehr beschützend. Das familiäre Umfeld spielt im Buch eine wichtige Rolle und hilft, die Protagonisten besser kennenzulernen.

Doch zurück zur Krimihandlung: Ianus Capuano wird tatsächlich tot in seiner Wohnung aufgefunden – auf eine Weise getötet, die an seinen Namenspatron San Gennaro erinnert (mehr dazu müsst ihr im Buch selbst entdecken). Die Ermittler stehen bald vor der Frage, ob die Mafia, die berüchtigte Camorra, mit dem Mord zu tun hat. Die Präsenz der Camorra ist in Neapel eine reale Bedrohung und wird im Buch als ständiger Schatten über der Stadt dargestellt.

Der Schreibstil des Romans war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, das ist jedoch nicht unbedingt negativ. Im Gegenteil, ich schätze es, wenn mir ein Autor oder eine Autorin einen frischen Erzählton bietet. Die Geschichte entwickelt sich eher ruhig, bevor sie Fahrt aufnimmt. Dabei zeichnet der Roman ein lebendiges Bild des neapolitanischen Lebens, geprägt von Aberglauben, lokalen Traditionen und der besonderen Stimmung dieser Stadt. Auch typisch neapolitanische Redewendungen und die Atmosphäre der Altstadt kommen gut zur Geltung.

Fazit: Wer Lust auf einen atmosphärischen Italien-Krimi mit viel Flair, ungewöhnlichen Charakteren und einer Mischung aus Spannung und Lokalkolorit hat, ist hier genau richtig.




  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 17. April 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 4.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 528 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423221070
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423221078


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