Samstag, 20. Mai 2023

Anja Marschall Die toten Engel von Kreta




Thea reist nach Kreta, wo ihre Tochter einen tödlichen Unfall hatte. Doch die Tote, die sie identifizieren soll, ist nicht Anna. Wo ist ihr Kind? Zusammen mit einem geheimnisvollen Einheimischen, der sich Alexis nennt, stellt Thea auf eigene Faust Nachforschungen an, denn die Behörden verweigern ihre Hilfe. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass Alexis von ganz eigenen Motiven angetrieben wird. Wer ist er wirklich – und was will er von Theas Tochter?

Mit einem Anruf wird, für Thea der Alptraum jeder Mutter war, ihre Tochter von Anna, die sich seit einiger Zeit nicht bei ihr gemeldet hat, ist auf Kreta einem Unfall zum Opfer gefallen. Thea nimmt das nächste Flugzeug, um ihre Tochter nach Hause zu holen, doch die Tote ist nicht Anna. Der Botschaftsmitarbeiter Heiko Gravert rät ihr wieder nach Hause zu fliegen, sie könne nichts tun, um Anna zu finden, die sowieso sicher schon wieder auf dem Weg nach Hause sei, die Behörden vor Ort würden sich kümmern und alles in ihrer Macht Stehende tun, um die junge Frau zu finden. Doch natürlich kann Thea nicht einfach zurück nach Deutschland fliegen. 

Auf sich allein gestellt und pleite irrt Thea durch die engen Gassen Rethymnos ohne zu wissen, dass sie sich in großer Gefahr befindet. Als ein Fremder sie anspricht, der sich Alexis nennt und ihr seine Hilfe anbietet, ist sie zunächst erleichtert, doch während sie mit Alexis zusammenarbeitet, wird ihr nach und nach klar, dass er seine eigenen geheimen Motive verfolgt. Wer ist dieser Mann wirklich, und was hat er mit dem Verschwinden von Theas Tochter zu tun
Thea kann sich nie sicher sein, wer es ehrlich meint, Freund und Feind sind kaum zu unterscheiden und die Wahrheit bleibt lange im Verborgenen. 

Die Autorin dieses mitreißenden Romans beherrscht die Kunst des Spannungsaufbaus meisterhaft. Mit jeder Seite steigt die Spannung, während Thea auf eigene Faust nach Antworten sucht. Die Unsicherheit darüber, wem sie vertrauen kann und wer ihre Feinde sind, verstärkt den Nervenkitzel und hält den Leser gefesselt. Theas emotionale Achterbahnfahrt und ihr unermüdlicher Einsatz, ihre Tochter zu finden, lassen den Leser mitfiebern und mitfühlen.




Ich könnte euch jetzt noch viel mehr erzählen, aber dann müsstet ihr das Buch ja nicht mehr lesen und dann würdet ihr weder die Hitze noch den Wind auf Kreta spüren, oder Theas Angst um ihre Tochter, ihre Verzweiflung, weil niemand wirklich Interesse daran zu haben scheint Anna zu finden, nicht einmal ihr Exmann unterstützt sie, im Gegenteil er dreht ihr den Geldhahn zu.

 Besonders interessant war das Thema Blutfehde, das die Autorin im Buch aufgreift und mich dazu inspirierte, mich etwas mit dem Thema zu befassen, dabei stieß ich auf die Konflikte zweier bekannter griechischer Familien.

Die Vendetta ist beendet
(Evangelos Pentaris, Abgeordneter der sozialistischen Regierungspartei Pasok.)


Eine der bekanntesten Blutfehden herrschte zwischen den Familien Sartzetakis und Pentaris, die erst mit der Wahl Sartzetakis zum Staatspräsidenten im Jahr 1985 endete, weil Evangelos Pentaris, Abgeordneter der sozialistischen Regierungspartei Pasok, mit seiner Stimme den Wahlerfolg erst möglich machte. 

Ein paar Zahlen zu der Blutfehde aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.

1942 Efthymios Sartzetakis tötet Nikolaos Pentaris, Auslöser für eine Blutfehde zwischen den Familien.

1949 Ein Sartzetakis tötet den 14-jährigen Bruder des heutigen Abgeordneten Pentaris.

1965 Ein Pentaris tötet einen Sartzetakis auf einer Landstraße.

Etwa 50 Morde werden der Vendetta zugeschrieben
Insgesamt könnten 150 Menschenopfer gefordert worden sein.


Eine Blutfehde ist eine langanhaltende Fehde zwischen Familien oder Gruppen, die auf einem unverzeihlichen Verbrechen oder einer schweren Beleidigung beruht.


Die Blutrache hat auf Kreta eine jahrhundertelange Tradition und existiert noch heute in geschlossenen und abgeschirmten Gesellschaften auf Mittelmeer-Inseln wie Kreta, Sizilien und Korsika. Historisch gesehen, hat die Vendetta ihre Wurzeln bereits im 9. Jahrhundert, als Sarazenen Kreta eroberten. Die türkischen Besatzer im 17. Jahrhundert und die deutschen Nachfolger während des Zweiten Weltkriegs schonten die Großfamilien aus Angst vor Racheakten. Die Vendetta beschränkt sich auf Blutsverwandte und nur Männer aus der engsten Verwandtschaft der rivalisierenden Familien sind Täter und Opfer. Die mörderischen Kettenreaktionen werden durch Entführungen oder Verführungen junger Mädchen, persönliche Kränkungen, Provokationen auf Dorffesten oder im Kaffeehaus ausgelöst. Klage- und Wiegenlieder schüren den Hass, Männer am Grab schwören die Rache und der Familienrat beschließt, wer den Mord rächen wird. Vergeltungsaktionen ziehen sich über Generationen hinweg und von der Blutrache Verfolgte fliehen ins Ausland oder legen ihre Familiennamen ab und tauchen unter. Die Hinterbliebenen konservieren das Andenken an die Toten durch jahrzehntelange Trauer. Bluträcher kommen meist mit 15 bis 20 Jahren Gefängnis davon, da sie in der Regel in „seelischer Erregung“ gehandelt haben. Die Richter erließen selten Todesurteile und wenn, wurden sie nicht vollstreckt. Es gab Versuche, der Todesspirale zu entkommen, indem man sogenannte Kreuzheiraten vorschlug, die etwa in der Hälfte aller Fälle halfen, weitere Racheakte abzuwenden. Die Vendetta hat tiefgreifende Auswirkungen auf das soziale Leben der Gemeinschaften und fördert eine Kultur des Hasses und der Gewalt. 

In ihrem Nachwort vergleicht Anja Marschall eine Blutfehde mit einem Pingpong Spiel und das trifft es eigentlich ganz gut, die Kontrahenten spielen einander einen immer blutiger werdenden Ball zu.

Die weiteren Teilnehmer der Tour sind:


Und am 22.05. um 18 Uhr 
 Als krönenden Abschluss gibt es ein Meet&Greet mit der Autorin Anja Marschall über zoom: https://us02web.zoom.us/j/87823226977...
Meeting-ID: 878 2322 6977
Kenncode: 981837


  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag (18. Mai 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 240 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740812435
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740812430




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