Montag, 31. Oktober 2022

Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher

 


Klappentext:»Lügen über meine Mutter« ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?

Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses  »Kammerspiel namens Familie« abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen. 



Daniela Dröschers Roman ist die Geschichte einer Familie in den 1980er Jahren, erzählt aus der Sicht eines Kindes.

Die Familie lebt gemeinsam mit den Schwiegereltern unter einem Dach, in einem kleinen Dorf im Hunsrück, einem Dorf und einem Haus, in dem die Mutter nicht willkommen ist, als Kind polnischer Aussiedler ist sie immer die Fremde und schon gar nicht gut genug für den "Prinzen" ihrer Schwiegermutter. („So ä dreggisch Weibsstick.“). Auch bei ihrem Ehemann hat sie keinen Rückhalt, im Gegenteil, er demütigt sie Tag für Tag wegen ihres Gewichts, drängt sie immer wieder zu Diäten, Kuren und Sport, zwingt sie sogar sich in seinem Beisein zu wiegen. Er gibt ihr, bzw., ihrem Gewicht die Schuld an allem, was in seinem Leben nicht so läuft, wie er es sich wünscht, sein eigenes Versagen ist ihre Schuld und er wird zerfressen vom Neid auf seine Frau, die intelligenter ist und die in der Firma, in der sie Teilzeit arbeitet, die Anerkennung findet, die sie in ihrer Familie schmerzlich vermisst. Doch immer wieder begehrt sie auf, versucht ihr Leben so zu leben, wie es sie glücklich macht, um immer wieder zu scheitern.


Die kleine Ela steht dazwischen, sie liebt ihre Eltern, findet ihre Mutter schön („Ich verstand einfach nicht, was an meiner Mutter „dick“ sein sollte. Hier am Strand gab es Frauen, die garantiert viel mehr wogen, und vor allem gab es Männer, die ganz selbstverständlich ihre enormen Bäuche vor sich hertrugen.“) und sieht sie doch durch die Augen des Vaters. „Ich verstand einfach nicht, was an meiner Mutter „dick“ sein sollte. Hier am Strand gab es Frauen, die garantiert viel mehr wogen, und vor allem gab es Männer, die ganz selbstverständlich ihre enormen Bäuche vor sich hertrugen.“ 


Lügen über meine Mutter, ist ein Buch, das mich fassungslos zurückließ und wütend. Wütend auf eine Gesellschaft, in der es immer noch vollkommen normal war, dass die Frau das tat, was sich der Herr des Hauses wünschte ohne Rücksicht darauf, wie es ihr dabei ging und wütend auf eine Gesellschaft, in der sich Männer am beruflichen Erfolg definieren (gut, daran hat sich noch nicht viel geändert). 


Und immer wieder stellte sich mir die Frage, warum geht sie nicht? Warum mutet sie sich und ihren Kindern dieses Leben zu? 

Der Autorin Daniela Dröscher ist die schwierige Gratwanderung gelungen, ein ernstes und immer noch aktuelles Thema ihren autofiktionalen Roman in leichte Worte zu fassen, ohne sich in Banalitäten zu verlieren und ohne eine allzu bedrückende Stimmung zu schaffen. Das ist etwas schwierig für mich zu erklären, aber wenn ihr das Buch lest, werdet ihr schnell wissen, was ich meine.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch; 3. Edition (18. August 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 346200199X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462001990

2 Kommentare:

  1. Huhu liebe Manuela,
    das Buch ist in aller Munde und ich werde es nicht lesen, weil es meinem Blutdruck schadet. Ich würde mich laufend darüber aufregen, warum Frau das mit sich machen lässt.
    Kommt denn wenigstens am Ende ein vernünftiger Grund, warum sie alles erduldet? Und nein, Kinder sind kein Argument.
    LieGrü und bunte Woche
    Elena

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    1. Ich werde das auch nie verstehen, es gibt ja auch heute noch Frauen, die die soziale Sicherheit nicht aufgeben wollen oder können und deswegen in einer unglücklich oder schlimmer noch in einer gewaltvollen Ehe/Beziehung bleiben.

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