Montag, 3. Oktober 2022

Fairy Tale Stephen King

 




Charlie Reade ist 17, sein Leben verläuft nach einer unglücklichen Kindheit, in der er mit 7 Jahren (nicht mit drei. Wie es im Klappentext steht "Ich war sieben Jahre alt und fand das meine Mutter die schönsten roten Haare der Welt hatte.") seine Mutter durch einen Unfall und seinen Vater fast an den Alkohol verlor, in ruhigen Bahnen. Sein Vater ist trocken und Charlie kann sich auf seine Schule und seinen Sport konzentrieren. 

Ein Märchen wird uns hier vom Großmeister des Horrors erzählt, ein Märchen, das zunächst einmal nur das Herz erwärmt. Charlie ist die Art von Sohn, die sich jeder wünscht, aufopferungsvoll kümmert er sich um seinen alkoholkranken Vater, lernt fleißig und hat die berechtigte Hoffnung auf ein Sportstipendium, dazu sieht er gut aus und er hat einen Pakt mit Gott geschlossen, wenn dieser seinem Vater die Kraft gibt, seine Sucht zu überwinden wird er Gottes Güte irgendwie vergelten.
Die Gelegenheit dazu erhält er eines Tages auf dem Heimweg, als er einen Hund jaulen hört und dessen Besitzer schwer verletzt vorfindet, statt nach dem Notruf seinen Weg fortzusetzen, kümmert er sich um den Hund und später um Mr. Bowditch, der Misanthrop lebt, allein in einem alten, dem Verfall preisgegeben Haus, niemand weiß so recht, womit er seinen Lebensunterhalt verdient, er meidet seine Nachbarn wie auch sie ihn meiden, einzig seinem Hund Radar und später auch Charlie, dem er mehr und mehr sein Vertrauen schenkt und ihm am Ende seines Lebens in ein unglaubliches Geheimnis einweiht, gilt seine Zuneigung. 

Dies alles erfahren wir auf vielen ersten Seiten, Stephen King lässt seinen Lesern viel Zeit seine Protagonisten, allen voran natürlich Charlie kennenzulernen. Das Märchen beginnt mit erst so richtig mit Charlies Abstieg in die Anderwelt, in das verborgene Reich Empis, dessen Bewohner mit einem Fluch belegt wurden und dahinsiechen. Einzig die Prinzessin des Reiches könnte das Land retten, doch dazu bedarf sie Charlies Hilfe. 

In Empis finden wir viele Anspielungen zu bekannten Märchen, die Frau, die in einem Schuh lebte, ist die erste, auf die wir gemeinsam mit Charlie treffen und lieben lernen, um dann auf der weiteren Reise die Gänsemagd kennenzulernen, wir treffen auf Riesen und Zwerge und auf eine magische Sonnenuhr, die Lebewesen verjüngt oder älter macht, je nachdem in welche Richtung sie sich dreht, "Das Böse kommt auf leisen Sohlen" von Ray Bradbury lieferte dem Meister hier die Grundidee. Und auf diese Sonnenuhr will Charlie die altersschwache Hündin Radar setzten, um ihr Leben zu retten und um Jahre zu verlängern, doch dieses Vorhaben ist gefährlich und wie sollte es anders sein, der Junge wird gefangen genommen und muss um sein Leben kämpfen.
Doch King lässt es sich neben allem Märchenhaften nicht nehmen, auch auf aktuelle Probleme in unserer Welt hinzuweisen, auf das Klima, auf die Ausbeutung von Arbeitskräften und natürlich auch die Politik, das mag nicht jedem gefallen, mir schon.

Ich mochte das Buch, wirklich, ich habe mich sehr darauf gefreut und doch habe ich den einen oder anderen Kritikpunkt.

Charlie ist gelinde gesagt zu nett, zu gutaussehend, zu klug, zu eigentlich alles, daran ändern auch seine kleinen Geständnisse nichts, dass er gemeinsam mit einem Freund den einen oder anderen fiesen Streich spielte, denn natürlich war der besagte Freund der Anstifter, nicht Charlie, dabei kann auch dieses halbe Kind durchaus brutal und unbarmherzig sein, das passt nicht wirklich zu dem Bild des "All american boy" 

Der zweite Kritikpunkt, ich hatte so manches Mal das Gefühl, dass er sich wiederholt, ich habe doch schon beim ersten Mal begriffen, dass Charlie Angst hat, sein Vater würde wieder anfangen zu trinken und auch Radars schlechter Zustand hat sich mir schnell eingeprägt, mit Blick auf das englische Original frage ich mich, ob diese Wiederholungen wirklich Stephen King geschuldet sind, mehr als 200 Seiten weniger im Original lassen mich ein wenig daran zweifeln. 

Und trotzdem, auch wenn ich diesmal keine 5 Sterne auf den Plattformen vergeben kann, die diese verlangen, bleibt es dabei: Er schreibt. Ich lese.

Blende ich diese Punkte aus, bleibt ein märchenhaftes Lesevergnügen für Erwachsene.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag (14. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 880 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453273990
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453273993
  • Originaltitel ‏ : ‎ Fairy Tale
  • Übersetzer:  Bernhard Kleinschmid

4 Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    also ehrlich ...880 Seiten schrecken mich als Leserin einfach ab. Wobei ich schon ewig keinen King mehr gelesen habe und die Geschichte im mein Beutechema passt...

    Ich lese z.Z. "the charming man" von C.K. McDonnell mit über 500 Seiten..was mir fast schon zu viel sind. Aber ich bin da auch in einer LR...deshalb geht es...

    LG..Karin..

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    1. Leserunden sind immer toll, ich bin auch gerade bei einer dabei. Normalerweise überlege ich mir auch zweimal, ob ich 880 Seiten lesen will, aber bei King stellt sich die Frage gar nicht erst ;o)

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  2. Schönen guten Morgen!

    Mich schrecken dicke Bücher ja gar nicht ab - bei mir ist es eher andersrum, dass ich nämlich bei "kurzen" immer das Gefühl habe, ich fange grade an einzutauchen und dann ist es schon wieder vorbei :D
    King hat ja gerne mal Wälzer und ja, stellenweise gibt es desöfteren mal sehr ausführliche und langwierige Stellen (oder auch mal Wiederholungen), aber im großen und ganzen bin ich auch ein King Fan seit meiner Jugend :D Und natürlich werde ich auch Fairy Tale lesen. Bisher hab ich dazu auch eigentlich echt nur gute Meinungen gesehen!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ich mochte die Geschichte auch, das mich diesmal ein bisschen was gestört hat, tut meiner Liebe zu seinen Büchern ja keinen Abbruch ;o)

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