„Ich möchte nicht, dass Frauen Macht über Männer, sondern über sich selbst besitzen“,
London 1797. Die Hebamme Parthenia Blenkinsop hat schon unzählige Babys auf die Welt gebracht, aber so etwas wie im Haus von Mary Wollstonecraft hat sie noch nicht erlebt. Ein höchst unkonventioneller Haushalt, eine liebevolle, gleichberechtigte Ehe. Und vor allem Mary selbst – eine offene, liebenswerte Frau, mit der Mrs. B wie mit ihresgleichen reden kann. Doch die Geburt ist lang und schwer. Elf Tage lang kämpft Mrs. B um das Leben von Mutter und Kind. In diesen elf Tagen erzählt Mary ihrer neugeborenen Tochter ihr Leben: ihr Kampf um Frauenrechte, die Reisen, Wagnisse, Verluste und Triumphe. Und vor unseren Augen wird eine furchtlose, tief beeindruckende Frau lebendig. Nicht nur Mrs. B wird diese elf Tage nie vergessen.
Ein Buch um eine Feministin, das passt normalerweise gar nicht zu meinen Lesegewohnheiten, aber das Cover, welches das Bild einer zarten jungen Frau zeigt und vor allem der Titel haben mich gleich angesprochen, der Klappentext tat dann sein Übriges. Die Autorin Samantha Silva beschreibt in ihrem Buch das Leben der Feministin Mary Wollstonecraft, die als eines von sechs Kindern des Webers und Landwirtes Edward John Wollstonecraft auf.
Die Familie blieb nie lange an einem Ort, laut Silva war der Vater der Familie ein Trinker und Schläger, der auch vor Gewalt seiner Frau und den Kindern nicht zurückschreckte. Marys Mutter Elizabeth begegnet ihren Kindern mit Gefühlskälte, die schon fast an Verachtung grenzt, ihre Liebe gehört allein ihrem erstgeborenen Sohn Ned.
Mary hat nur den einen Wunsch, soviel als möglich zu lernen und niemals von einem Mann abhängig zu sein, doch zu ihrer Zeit war die Bildung junger Mädchen darauf beschränkt, Handarbeiten zu erlernen, sich in Konversation zu üben und vielleicht noch ein wenig Französisch. Doch Mary will mehr und so findet sie immer wieder Wege zu lernen.
Die junge Frau tut alles, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, vor allem verwehrt sie sich dagegen zu heiraten und sich den Konventionen ihrer Zeit zu unterwerfen, zärtliche Gefühle hegt zu einer Schulfreundin und zur Illustratorin und Pädagogin Fanny Blood, mit der sie eine Schule gründet. Nach Fannys Hochzeits mit dem Weinhändler Hugh Skeys besucht Mary die Freundin in Lissabon, um sie im Kindbett zu unterstützen, während dieser Zeit treiben ihre Schwestern Eliza und Everina die Schule in den Ruin. Fannys Tod inspirierte Mary zu ihrer ersten Novelle Mary: A Fiction.
Mary entwickelt sich zu einer starken und unabhängigen Frau, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen kann. Durch ihren Verleger Joseph Johnson lernt sie viele bedeutende Männer ihrer Zeit kennen und hier bekommt ihre Unabhängigkeit erste Risse, sie verliebt sich in den Schweizer Maler Johann Heinrich Füssli kennen in den sie sich unsterblich verliebt, respektierend das er verheiratet ist sie sich nicht zu schade bei seiner Frau, um gemeinsame Zeit mit Füssli zu betteln und auch ihre zweite Liebe zu dem Amerikaner Gilbert Imlay endet unglücklich, erst in William Godwin findet sie den Partner für Leben, der sie wirklich als gleichberechtigt ansieht.
Das Buch ist eine Zeitreise in die Anfänge des Feminismus, außerordentlich interessant und durchaus auch spannend, es gewährt Einblicke in eine Zeit, die wir zumeist nur aus Geschichtsbüchern kennen und in denen wird eher nicht über die Frauen dieser Zeit berichtet.
Ich hätte mir nur noch etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht, die Geschichte Mary Wollstonecraft bietet so viel mehr, ich habe nur einmal ihren Namen gegoogelt und war stundenlang damit beschäftigt all Querverweise anzusehen. Da das Buch aber als Rahmen die elf Tage zwischen der Geburt ihrer Tochter Mary ( die Schriftstellerin Mary Shelley ) und ihrem Tod umfasst, in denen sie ihr die wichtigsten Punkte ihres Lebens erzählt, ist der Umfang des Werkes zu verstehen.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (17. August 2022)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 384 Seiten
- ISBN-10 : 3423290285
- ISBN-13 : 978-3423290289
- Originaltitel : Love and Fury
- Übersetzung: Britta Mümmler

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