Dienstag, 27. November 2018

Blogtour Tag 3 Rigor Mortis



Interview mit Faye Hell
Liebe Faye,
vielen Dank, dass du dich meinen Fragen stellst, im realen Leben würde ich dir jetzt Kaffee und Kekse anbieten, hier geht das leider nicht, also fangen wir am besten gleich an.
Und damit ihr wisst, mit wem ich mich unterhalten habe.


1. Magst du dich meinen Lesern die dich vielleicht noch nicht kennen kurz vorstellen?
Wer ist Faye Hell?

Mhhmmm … keine Kekse. *seufz*
Faye Hell? Nun, das bin ich!
Mag jetzt banal und dämlich klingen, ist es aber nicht. Als ich begonnen habe zu schreiben, habe ich mir ein Pseudonym gesucht. Unter anderem auch deshalb, weil ich ja Lehrerin bin und es in diesem Zusammenhang nicht immer gut ankommt, wenn man ein Horror-Nerd ist. Ich habe mir überlegt, wie diese Faye zu sein hätte … nur um draufzukommen, dass Faye vielmehr die Person ist, die ich eigentlich bin, als zum Beispiel mein Lehrer-Ich. Fast so, als hätte ich Faye erschaffen, um mich wahrhaftig ausleben zu können. Ein blödes Beispiel: Ich war knappe zwanzig Jahre alt, als mir mal jemand gesagt hat, ich könne nicht mehr lange so ein Gothic-Outfit tragen, ohne lächerlich zu sein. Faye kann!
Also, Faye ist Horrorautorin, Horrorfan und Horrorliebhaberin. Ein Leben ohne Horror – egal ob als Buch, Film oder Serie – ist für mich seit meinem elften Lebensjahr undenkbar.

                          

2. Wissen deine Kollegen und vor allem deine Schüler, dass du schreibst und vor allem was du schreibst und wenn ja, was sagen sie dazu?

Die meisten Kollegen wissen es. Vor den jüngeren Schülern versuche ich es (soweit wie möglich) geheimzuhalten. Das ist nicht (nur) meine eigene Entscheidung. Die äußeren Umstände haben das mit sich gebracht und eine gewisse Art von Geheimhaltung notwendig gemacht. Denn nein, es ist nicht selbstverständlich, dass eine Lehrerin eben nicht nur eine Lehrerin ist, sondern sogar ein Privatleben hat. Und sich darüber hinaus vielleicht sogar noch für Horror begeistert! Gott behüte! Eine Horrorautorin als Lehrerin ist für einige Eltern undenkbar. Diese Erfahrung habe ich leider machen müssen.

3. Deine Bücher. Keine Menschenseele und Tote Götter wurden mit Preisen ausgezeichnet, kannst du den Moment beschreiben als du erfahren hast, das du tatsächlich gewonnen hast?

Nahezu alle Menschen werden von Zweifeln geplagt. Im Autorenumfeld bekomme ich häufig den Eindruck, dass sich Autoren dieses Quäntchen mehr quälen als andere. Der Zweifel ist ein fieses Vieh, das nur darauf wartet, dir ins Ohr zu flüstern, dass deine Arbeit nichts wert ist, sich sowieso niemand dafür interessiert und du am besten alles hinwerfen solltest. Ich denke nicht, dass mich irgendeiner der Preise objektiv wirklich weitergebracht hat in meiner (nennen wir es halt mal so …) Karriere. Aber Preise sind richtig gut darin, dem Zweifelsuntier fest in den Arsch zu treten. Und ja, ich habe mich jedes Mal höllisch gefreut. Es ist eine Form der Anerkennung und ich weiß es total zu schätzen, dass mich meine Leser immer so grandios unterstützen.

4. Im November erscheint dein neuestes Buch: Rigor Mortis, kannst du uns schon ein bisschen was verraten?

Ich glaube, Rigor Mortis könnte mein bisher bestes Buch sein. Aber mein Freund und Autorenpartner M. H. Steinmetz hat mir mal gesagt, dass das so sein muss. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann könnte man aufhören zu schreiben. Da hat er sicher recht!
Ich habe vor allem sehr viel Recherchearbeit in diesen Roman investiert, da ja einer der Handlungsstränge im Yukon Territory/in Alaska zur Zeit des Goldrausches spielt und es war mir sehr wichtig, dass ich die Geschichte zwar zu meiner eigenen mache, in den zentralen Punkten aber historisch korrekt bleibe. Dazu habe ich auch direkt vor Ort recherchiert und Sekundärliteratur besorgt. Diese Reise hat den Roman ungemein beeinflusst, nicht nur, was die Fakten angeht. Zum Glück ist es mir gelungen, die Magie dieser besonderen Region treffend zu Papier zu bringen. Und alle Orte, die in Rigor Mortis erwähnt werden, habe ich tatsächlich selbst besucht!
Auch musste ich das erste Mal in meiner Autorenlaufbahn ein Vorwort schreiben, da ich einen Ich-Erzähler erschaffen habe, vor dem mir wahrhaft selbst graut. Er ist meine wahrscheinlich abstoßendste, aber auch vielschichtigste und durchdachteste Figur. Richard Darius ist ein modernes Monster, ein Zerrspiegel unserer Zeit.



Zum Klappentext und zum Cover und zu einer Überraschung, klickt mal auf das Coverbild.

(Das Buch erscheint als E-Book am 02.12.2018, Printliebhaber wie ich müssen noch etwas länger warten)

5. Nach dem Buch ist vor dem Buch: Woran arbeitest du gerade?

Gerade arbeite ich gemeinsam mit M. H. Steinmetz an einem Old-School-Hardcore Roman, der Sommer nächsten Jahres bei Redurm erscheinen wird. Das ist für mich ein neues Genre, auch wenn in all meinen Büchern auch bisher schon Hardcoreszenen zu finden sind. Es ist eine Herausforderung, aber auch saugeil! Mal so richtig auf den Putz klopfen, bis Scheiße und Blut spritzen. Mal etwas weniger literarisch. Und es macht unfassbar viel Spaß, mit einem Kollegen und Freund an einem Roman zu arbeiten. Steinmetz und Hell, das harmoniert. Wie bereits die Anthologie Ghost Stories of Flesh and Blood beweist. Klar gibt es jetzt schon Stimmen, die behaupten, ich würde für ein derartiges Buch meinen guten Namen verkaufen. Aber ich vertraue auf die Mündigkeit meiner Leser und darauf, dass diese selbst erkennen werden, dass dieses Buch wohl von meiner üblichen Schiene abweicht. Steinmetz/Hell ist ja auch so etwas wie eine Marke innerhalb der Marke.
Nebenbei feile ich an meinem zweiten Infotainment Buch. Und an der Idee zu einer Novelle, die ich auch demnächst umsetzen werde. Einen vierten, eigenständigen Roman habe ich auch schon im Sinne und recherchiere eifrig.

6. Hattest du schon mal den Wunsch alles hinzuschmeißen und das Schreiben aufzugeben und was hat dich motiviert weiterzumachen?

Ja, hatte ich. Mehrfach sogar. Niemand ahnt, wie viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit fließen und wie wenig oft zurückkommt. Ganz im Gegenteil, oftmals kommt sehr viel Ablehnung auf einen zu. Schnell mal wird man als Horrorautorin als pervers oder abartig abgestempelt. Und ich bin noch nicht so abgebrüht, dass ich das als Adelsprädikat anerkennen könnte. (grins) Es kann hart sein, einem Traum hinterherzujagen und teilweise erschreckend ernüchternd. Was mich grundlegend motiviert, ist die Liebe zur Sache. Der Horror, die Schreiberei. Vincent Voss hat mir in einer Situation des Zweifelns mal gesagt: „Du wirst nicht aufhören. Du wirst schreiben. Du kannst gar nicht anders.“ Besser könnte ich es nicht sagen. Der Drang zu schreiben steckt in mir, seit ich schreiben kann. Wenn ich zweifle, habe ich mein schreibendes Umfeld, das mich aufbaut. Und Mister Hell und Mama Hell. Kein Mensch ist eine Insel, auch Autoren nicht.

7. Diese Frage passt vielleicht zur vorigen. Was rätst du Menschen die davon träumen zu schreiben und vor allem auch zu veröffentlichen?

Genau das, was man mir ganz am Anfang geraten hat: Du brauchst einen langen Atem! Weiterführend: Wer beim ersten Hindernis umdreht, beim ersten Gegenwind die Ohren anlegt und abtaucht, der wird es nicht schaffen. Und tritt die verdammte Eitelkeit in die Tonne! Ich weiß, du bist überzeugt von deiner Arbeit. Das ist die Grundvoraussetzung und schwer genug! Das heißt aber nicht, dass es alle anderen auch sofort sein werden. Absagen sind kein Grund weinend im Selbstmitleid zu versinken und aufzugeben oder (das andere Extrem) aufs Hohe Ross zu steigen und diejenigen schlechtzumachen, die einen abgelehnt haben. Nein, genau dann heißt es sich schütteln wie ein nasser Hund und einfach weitermachen. Und wenn du damit fertig bist, dann machst du weiter. Und weiter. Und weiter. Bis du ein Ziel nach dem anderen erreicht hast. Und übrigens: He Leute, wenn ich das hingebracht habe, dann schafft ihr das auch!

8. Welchen Liebesroman hast du gelesen und geliebt? (Irgendeine Leiche hat doch jeder im Keller).

Hihihi. Das fragst du doch nur, weil du das bereits weißt! (grins) Ja, ich lese auch mal Liebeskram. Sehr selten. So gut wie nie. Weil ich einfach schrecklich unrund werde, wenn Klischees plattgetreten werden. Etwas, dass die Liebe und der Horror übrigens gemein haben, wenn es um die kommerzielle Nutzung geht. Weil die Rezipienten teilweise auf Klischees bestehen! Wenn ich Rezensionen lese, in denen sich ernsthaft Frauen darüber beschweren, dass das „dicke Mädchen“ aus dem Roman wohl niemals so einen klasse Kerl abbekommen würde und dass die Autorin da gewiss nur ihre eigenen Sehnsüchte verarbeitet hat … dann werde ich so aggressiv, dass ich gleich wieder ein paar schöne Hardcoreszenen schreiben muss.
Mein liebster Liebesroman ist von Phoebe Ann Miller „Auf die andere Art“. Kein Klischee, echte Gefühle, viele Tränen!

Danke für das Interview und wehe, du bringst mir in Leipzig keine Kekse ….
(Schnurrrrrrrrrr from Hell)



Ich habe zu Danken, für Deine Zeit und dieses tolle Interview, ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig, mit Keksen.

Zur Facebook Veranstaltung mit einem tollen Gewinnspiel klickt einfach hier.
Dort findet ihr auch weitere Links zu interessanten Beiträgen.

1 Kommentar:

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke für das interessant geführte Interview.

    Das mit dem Pseudonym fand ich bis jetzt eigentlich immer ziemlich doof.
    Aber in Ihrem Fall ist es durchaus sinnvoll und nachvollziehbar.

    Bei mir hättest sie trotzdem kein Problem, denn jeder Mensch ...auch Lehrer..grins...haben ein Leben außerhalb der Schule , finde ich...und können damit tuen was sie wollen.......aber wie es scheint ..schockig doch nicht....schade.

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!