Klappentext: Der Anschlag auf Hamburgs bekannteste Mäzenin, Reederin Marlene Reinhardt, erschüttert die Stadt. Als sie ihrem Attentäter überraschend schnell vergibt, beginnt ihre Enkelin Katharina, Fragen zu stellen: Warum greift ein 80-jähriger Israeli ihre Großmutter an? Wo ist die Verbindung? Und wieso gehen alle einfach so zur Tagesordnung über? Die Spur führt in die Vergangenheit: zu Danil im Kibbuz bei Haifa in den 1960er Jahren, der unter rätselhaften Blackouts leidet. Und zu seinem Vater Raphael, der im Hamburg der 1930er Jahre um das Familienunternehmen kämpft – zu einer Zeit, als jüdische Familien im Zuge nationalsozialistischer Verfolgung systematisch entrechtet und enteignet wurden. Mit jeder Entdeckung gerät Katharinas Welt mehr ins Wanken. Hat ihre Familie vom Leid jüdischer Familien profitiert – bis heute? In „Die Schatten der Schuld“ verwebt Michael Jensen Vergangenheit und Gegenwart zu einem packenden Roman über Schuld, Erinnerung und das gefährliche Erbe des Schweigens.
Was sich zunächst wie ein Krimi mit historischen Elementen aus der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte anhört, entwickelt sich schnell zu einer eindringlichen Studie über die psychologischen Wunden, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Jensen verwebt die glänzende Fassade unternehmerischen Erfolgs mit den grausamen Vorkommnissen der NS-Zeit und zeigt, wie Traumata sich tief in die Familiengeschichte eingraben, ganz so, wie es die Epigenetik vermuten lässt. Vor der Lektüre war mir der Begriff der Epigenetik beziehungsweise vererbter Traumata kaum vertraut; dass belastende Erfahrungen von Eltern Auswirkungen auf ihre Kinder haben können, erschien mir jedoch bereits zuvor plausibel.
Besonders beklemmend ist die Auseinandersetzung mit der Frage nach Verantwortung. Als der Staatsschutz die Ermittlungen übernimmt und bei Danil Baumberger eine Schnellschussdiagnose zur Unzurechnungsfähigkeit gestellt wird, macht sich Katharina mit Hilfe eines Privatdetektivs auf die Suche nach der Wahrheit und muss feststellen, dass die Geschichte ihrer Familie, die von Fleiß und geschäftlichem Geschick erzählt wurde, auf einem Fundament aus Lügen steht. Wir folgen ihr bei der Suche nach den Motiven eines Mannes, der sein Leben lang unter dem Erbe des Leids litt, das ihm und seiner Familie angetan wurde.
Was dieses Buch für mich so lesenswert macht, ist der Verzicht auf einfache Antworten. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem, was Eltern und Großeltern an ihre Kinder weitergeben. Jensen gelingt es, die Last des Vergangenen spürbar zu machen und den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart zu schärfen. Es ist ein Buch, das einlädt, die eigene Familiengeschichte und die damit verbundene Verantwortung kritisch zu hinterfragen. Ein Roman, der den Blick auf das Offensichtliche verweigert und tief in das menschliche Erbe blickt.
Über den Autor
Bevor Michael Jensen 2017 zum freiberuflichen Autor wurde, arbeitete er mehr als zwei Jahrzehnte als Arzt und Traumatherapeut mit Schwerpunkten in Naturheilkunde und Traumabehandlung. Diese Erfahrung fließt deutlich in diesen Roman ein. transgenerationalen Weitergabe von Traumata befassen.
- Herausgeber : Ellert & Richter
- Erscheinungstermin : 14. April 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 224 Seiten
- ISBN-10 : 3831909083
- ISBN-13 : 978-3831909087

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