Sonntag, 7. Dezember 2025

Die Feuer von Prag von Martin Becker und Tabea Soergel


Klappentext: An einem kalten Frühlingsmorgen im Jahr 1913 steht der Fluss in Flammen. Ein Schiff treibt brennend über die Moldau und versetzt die Prager in Furcht und Schrecken. Eben noch feierte der ehrgeizige Oberst Redl, ein mit allen Wassern gewaschener k. u. k. Geheimdienstler, auf dem Schiff eine seiner Orgien. Als eines Nachts auch die Luft brennt, forcieren der Kriminalreporter Egon Erwin Kisch und seine Kollegin Lenka Weißbach ihre Ermittlungen. Welches Spiel treibt der rätselhafte Redl? Und was, wenn auch noch die Erde Feuer fängt?



Der Roman „Die Feuer von Prag“ von Martin Becker und Tabea Soergel spielt im Jahr 1913 in Prag, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Egon Erwin Kisch ist gerade von einer Reportagereise vom Balkan zurückgekehrt, als er ein Fest besucht, das Oberst Alfred Redl auf dem Dampfschiff „Kaiser Franz Joseph“ ausrichtet. Doch hinter der rauschenden Feier steckt kein harmloser Vergnügungsausflug: Redl ist auf der Suche nach einem Spion, lässt seine Gäste aufmerksam beobachten und hat dabei auch Kisch im Visier. Gemeinsam mit seinem engsten Vertrauten, Leutnant István von Beker, schmiedet er einen Plan, wie er den lästigen Reporter loswerden kann.​

Am nächsten Morgen entdeckt die kleine Maria, die von Kisch liebevoll „Egonek“ genannt wird, das brennende Schiff auf der Moldau. Sie lebt inzwischen mit ihrer Mutter Jana dauerhaft im Haushalt von Lenka Weißbach und Heinrich Brodesser. Als die Nachricht vom Brand die Runde macht, wachsen bei Lenka und Brodesser die Sorgen um Kisch, zumal in den verkohlten Resten des Schiffes eine Leiche gefunden wird und Kisch in der Redaktion der „Bohemia“ nicht erreichbar ist.​

Der Kriminalreporter Egon Erwin Kisch, den ich schon aus dem ersten Band „Die Schatten von Prag“ und als reale historische Figur kannte, sowie  Lenka Weißbach nehmen schließlich die Ermittlungen auf. Sie geraten zwischen die Fronten von Geheimdienst, Zensurbehörde und Militär, während der politische Druck im Vielvölkerreich spürbar wächst. Kisch verfolgt ein Geflecht aus Spionage und Mord, in dem er Fakten und Gerüchte geschickt miteinander verknüpft  und doch stößt er immer wieder an Grenzen, weil Pressefreiheit und Redaktionsrechte ständig bedroht sind.​

Parallel zu den Ermittlungen öffnet der Roman den Blick auf das Privatleben der Figuren. Lenka ist zwar mit Brodesser verheiratet, doch ihre Ehe dient nur als Fassade, weil sie Frauen liebt und dies im Klima der Donaumonarchie unbedingt verborgen bleiben muss. Kisch wiederum zeigt sich nicht nur als hartnäckiger Reporter, sondern auch als leidenschaftlicher Fußballspieler, was ihn nahbar macht und mit sympathischen Schwächen ausstattet.​

Das Autorenduo versteht es aus meiner Sicht äußerst spannend, historische Fakten, allen voran die Spionageaffäre rund um Oberst Redl, mit fiktiven Elementen und einer spannenden Kriminal- und Spionagehandlung zu verbinden. Prag erscheint dabei als lebendige, zugleich düstere und widersprüchliche Hauptstadt, in der politische Intrigen, gesellschaftliche Spannungen und kulturelle Besonderheiten eng miteinander verwoben sind.
Das Buch zeigt, wie spannend historische Romane sein können, wenn Fakten und Fiktion so stimmig zusammenfinden. Wer Lust auf eine Mischung aus Krimi, Geschichte und persönlichem Erleben hat, sollte „Die Feuer von Prag“ unbedingt lesen.​



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. November 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681511
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681518





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