Sonntag, 2. November 2025

KÜSTENSTEIN: Ostseekrimi - Weihnachtskrimi - Inselkrimi (Die Kommissarin auf der Insel 14) von Eva Lirot


 Es ist Vorweihnachtszeit. Auf der Ostseeinsel Fehmarn kehrt besinnliche Ruhe ein. Doch dann wird ein Mann tot aufgefunden. Er wurde in seiner Ferienwohnung erschlagen. Ins Visier der Ermittlungen gerät eine exzentrische Lebedame, inselbekannt für ihre vielen Männerbekanntschaften. Die alternde Charmeurin ist stets knapp bei Kasse. Sie schafft es aber immer wieder, sich von ihren Eroberungen aushalten zu lassen. Hat ihre Habgier sie zur Mörderin gemacht? Inselkommissarin Frieda Lieken macht sich auf die Suche nach der Flüchtigen und entdeckt schnell, dass weit mehr hinter dem Mordfall steckt, als sie zunächst ahnt …


Frieda Lieken hadert mit ihrer Entscheidung, ihren Verlobten Martin zu heiraten, nicht aus Zweifel an der Liebe, sondern weil sie sich fragt, ob sie wirklich bereit ist für diesen neuen Lebensabschnitt. Da kommt ihr der aktuelle Fall fast gelegen: Die auf Fehmarn wohlbekannte Lebedame Irma Lübcke wird von ihrer Nachbarin als vermisst gemeldet. Frieda sieht in deren Wohnung nach und stößt dort auf beunruhigende Spuren eines Verbrechens. Kurz darauf wird die Leiche eines Feriengastes entdeckt, und bald zeigt sich, dass zwischen den beiden Fällen mehr Verbindung besteht, als zunächst vermutet.

Wie schon in den vorangegangenen Teilen der Reihe hat mich auch dieser Krimi wieder begeistert. Eva Lirot versteht es, Spannung und Emotion gekonnt zu verweben. Besonders Friedas innere Zerrissenheit und ihre Nachdenklichkeit verleihen der Geschichte Tiefe und Menschlichkeit. Das Verbrechen, das der Handlung zugrunde liegt, reicht weit in die Vergangenheit und zeigt eindrucksvoll, wie alte Schuld bis in die Gegenwart nachwirkt.

Für Lebendigkeit in den Ermittlungen sorgt wie gewohnt Friedas Chef Heiner Eisleber, der mit seiner ruppigen, direkten Art poltert, aber gerade dadurch für kleine humorvolle Momente sorgt, selbst inmitten des ernsten Geschehens. Neu an Friedas Seite ist außerdem ihr junger Kollege Tjark Wiegers, der noch viel lernen muss, aber ehrgeizig und hilfsbereit ist. Mit Friedas Unterstützung wird er seinen Weg sicherlich gehen und eines Tages beim LKA in Kiel arbeiten können.

Natürlich spielen auch Friedas Großeltern wieder eine Rolle. Oma Lieken weiß das eine oder andere aus der Vergangenheit zu berichten, was für die Ermittlungen von Bedeutung ist, und Opa Lieken befindet sich nach seinem Schlaganfall weiterhin auf dem Weg der Besserung. Beide sind echte Sympathieträger, die der Geschichte Wärme und Menschlichkeit verleihen.

Der Schreibstil ist flüssig und eindringlich, die winterliche Atmosphäre der Insel Fehmarn wird so lebendig geschildert, dass man die salzige Luft und die stille Melancholie der Nebensaison förmlich spüren kann. Trotz aller Dramatik bleibt die Autorin ihrer feinfühligen Art treu und führt ihre Figuren glaubwürdig und mit psychologischem Feingefühl durch die Ermittlungen.
Eva Lirot erzählt mit sicherem Gespür für Zwischentöne und lässt ihre Figuren in glaubwürdigen Dialogen lebendig werden. Die Mischung aus Spannung, Melancholie und leisen Gefühlen passt wunderbar zur winterlichen Inselstimmung und zieht einen bis zur letzten Seite in ihren Bann.

Ein ruhiger, zugleich fesselnder Krimi, der nicht nur durch den Fall, sondern auch durch seine Atmosphäre und die liebenswerten Charaktere überzeugt. Für mich wieder ein sehr gelungener Band der Reihe rund um Frieda Lieken.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!