Ich werde versuchen euch zu jeder Story ein klein wenig zu erzählen und dabei nicht zu viel zu verraten um euch die Spannung nicht zu verderben.
Familie Bollmann richtet sich ein - Christian Günther
Jürgen zieht mit seiner Familie in ein neues Haus, ein Neubaugebiet, den Beschreibungen des Autors zufolge nach eine ziemlich spießige Siedlung mit Doppelhaushälften und Plastikgartenteichen. Christian Günther schafft es in seiner Kurzgeschichte, eine Atmosphäre zu erzeugen, die trotz des apokalyptischen Hintergrunds von Normalität und Alltäglichkeit geprägt ist. Durch die detaillierte Schilderung des Familienlebens inmitten einer Zombie-Apokalypse entsteht eine surreale Stimmung, die mich gleichermaßen faszinierte und beunruhigte.
Für Lexi - Janika Rehak
Der namenlose Protagonist erinnert sich an den letzten Tag mit seiner Familie. Seiner kleinen Tochter Lexi zuliebe besuchen sie ein Kleinkunstfest – Puppenspieler, Kinderschminken und Poffertjes ohne Zimt, darauf freut sich die Kleine seit Wochen. Eine mehr als schwierige Situation für ihren Vater, der unter Panikattacken leidet und unter der Angst, seine Familie zu verlieren.
Janika Rehak zeigt hier etwas Besonderes: Während Lexi lacht, kämpft ihr Vater gegen ganz normale Dinge – das Gedränge, laute Geräusche. Doch als die echte Gefahr (die Zombies) kommt, bleibt sein Warnsystem stumm. Die Geschichte stellt die Frage: Was ist schlimmer – die Angst vor dem Leben oder der Tod selbst?
Osterglocken - Marie Erikson
Ihr Mann wünscht sich Osterglocken an seinem Krankenbett und so gräbt unsere Protagonistin für ihn welche aus, wohl wissend, dass sich an ihnen Maden befinden könnten, die die Seuche verbreiten und die Menschen in Zombies verwandeln.
Warum tut sie das? Warum bringt sie sich und ihn Gefahr?
Die Antwort darauf folgt bald mit dem Satz:
Seine Mundwinkel zuckten.Näher kam er einem Lächeln schon lange nicht mehr. Aber das brauchte er auch nicht. Dieser Moment war all das Risiko wert.
Ich hatte tatsächlich einen Kloß im Hals als ich diese Story beendete, dies sind die Lovestorys, die ich
lesen will, die über die Liebe, die allem was von außen kommt zu trotzen weiß.
7 Tage - Carolin Gmyrek
Kurz nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse strandet Nina in einer Szenekneipe. Die Anwohner des Viertels wurden bereits evakuiert, doch diejenigen, die nicht hier wohnen, müssen auf einen weiteren Transport warten. Aber wird der überhaupt kommen?
Sieben Tage lang lässt Carolin Gmyrek uns mit den Menschen in der Kneipe bangen und hoffen. Es gibt kurze Momente der Zuversicht, wenn das Internet funktioniert und neue Informationen auftauchen – und Momente der Verzweiflung nach Telefonaten mit der Familie. Immer wieder steht die große Frage im Raum: Gehen oder bleiben?
Dies ist eine dieser Geschichten, die die ZZG so besonders machen. Die Autorin erlaubt uns einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Gestrandeten und schafft es, ihre Ängste und Hoffnungen greifbar zu machen.
Ultravox bitte kommen - Claudia Rapp
CB Funk, das Relikt aus einer lang vergangenen Zeit wird zu Susis Mittel zur Kommunikation mit der Außenwelt, sie konnte sich ins Haus ihrer Großeltern flüchten und findet dort das Funkgerät ihres Großvaters. Sie kommt in Kontakt mit Survivor82, lange Gespräche, in denen sie sich immer mehr annähern folgen, langsam bauen sie eine Vertrauensbasis auf, die sich von Freundschaft in eine Art Liebesbeziehung. Ihre Gespräche helfen ihnen über die Einsamkeit hinweg, bis sie erfahren, dass die Armee das Gebiet, in dem Susi lebt, mit Senfgas bombardieren will, um die Untoten auszulöschen. Und dann fasst Survivor82 einen Plan.
Ich lese zwar selten LIebesgeschichten aber manchmal, tauchen sie überraschend auf. Hinter dem Grauen der Apokalypse verbirgt sich hier eine Romantik, der ich mich nicht entziehen konnte. Rapp inszeniert diese Beziehung mit subtiler Intensität: Jedes Funkgeräusch, jede Pause zwischen den Worten wird zum emotionalen Katalysator. Die Angst vor dem Senfgasangriff schärft dabei die Zerbrechlichkeit der Verbindung – und macht den finalen Akt umso bewegender.
Bibi - Monika Loerchner
Eine Gruppe Jugendlicher findet ein kleines Mädchen, einen blutigen Hammer in der Hand zu ihren Füßen zwei Tote. Die Jugendlichen nehmen das sechsjährige Mädchen bei sich auf und tun alles dafür, sie zu schützen und sie starkzumachen im Kampf gegen die Zombies. So nimmt Finn sie mit auf eine Tour, damit sie seine Tricks und Kniffe lernt.
Ich kann euch hier absolut nicht mehr über diese Story erzählen außer dass ich sie wirklich mochte, Bibi ist wirklich liebenswert, so ein süßes kleines Mädchen mit einer unschuldigen und direkten Sicht auf die Dinge.
Was für ein packender Auftakt! Die ersten sechs Geschichten dieser Anthologie haben mich von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt – mit genau der Mischung aus Herzschmerz, Überlebenskampf und unerwarteten Funken Hoffnung, die ich von Zombie Zone Germany liebe. Jede Story ist ein eigenes kleines Universum: mal surreale Alltäglichkeit (Familie Bollmann), mal zerbrechliche Romantik (Ultravox), dann wieder purer kindliche Naivität (Bibi). Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autor:innen es schaffen, inmitten von Chaos und Verwesung diese zutiefst menschlichen Momente einzufangen – ob es nun ein Lächeln im Krankenbett (Osterglocken) oder die nagende Frage „Gehen oder bleiben?“ (7 Tage) ist.
Aber das ist erst der Anfang! Die Anthologie umfasst zwölf Geschichten – die restlichen sechs folgen in meiner nächsten Rezension. Wenn ihr dystopische Storys mögt, die mehr sind als nur Blut und Monster: Hier werdet ihr fündig.
Bleibt dran – der zweite Teil kommt bald!
Herausgeber: Carolin Gmyrek
374 Seiten Taschenbuch oder E-Book
ISBN 9783958694361
Klappentext: Was hält uns am Leben, wenn wir alles verloren haben? Was einmal war, ist nicht mehr. Deutschland hat sich verändert. Tod und Verwesung haben die Straßen erobert, der Kampf ums Überleben ist erbarmungslos.
Mai 2020 markiert den Zeitpunkt, an dem es begann–die Toten erhoben sich, getrieben von unstillbarem Hunger nach lebendigem Fleisch. Die Epidemie überrollte das Land wie eine allesverschlingende Flut, bis im Frühjahr 2021 die letzte Grenze gezogen wurde: Deutschland unter Quarantäne.
Zwölf Geschichten erzählen von Menschen, die sich gegen die Leere stemmen. Was hält sie am Leben, wenn die Welt um sie zerfällt? Ein Funken Liebe, die Erinnerung an ein Lachen des eigenen Kindes, die Aussicht auf einen weiteren Sonnenaufgang? Oder ist das, wofür man kämpft, nur noch eine Illusion?
Mit Geschichten von: Christian Günther, Janika Rehak, Marie Erikson, Claudia Rapp, Carolin Gmyrek, Antonia Dorah, Monika Loerchner, Marko Richter-Höfer, Emily Tara Todd, Melanie Kissel, Oliver Bayer und Thomas Williams.

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