Sonntag, 26. Januar 2025

Tod der Autorin: Ein Leben in elf Romanen von Birgit Rabisch

 

Die Autorin lädt anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags die Hauptfiguren ihrer elf Romane zum feierlichen Dinner ein. Während der Tischgespräche lotet sie aus, was ihr Leben und Schreiben geprägt hat. Natürlich spielt die Liebe die Hauptrolle: die erotische Liebe, die Elternliebe, die Kindesliebe – im Gelingen wie im Scheitern. Aber auch ihre Auseinandersetzung mit Feminismus und Mutterschaft, der Gentechnologie und optimierter Fortpflanzung, der Gewalt im Politischen und mit ihrer mörderischen Familienvergangenheit hat sie ihren Romanfiguren eingeschrieben. Jetzt versucht sie, aus ihren Texten ihr Leben zu entziffern und erschreibt sich mit Hilfe ihrer literarischen Fiktionen eine höchst lebendige Version ihrer Biografie. Die zwar persönlichen, aber dennoch universellen Fragen, die in Tod der Autorin behandelt werden, machen eine Lektüre nicht nur für Fans von Rabischs Werk zu einem kurzweiligen und bereichernden Leseerlebnis.


Auf der Suche nach einem Buch, das nicht zu meinen gewöhnlichen Lesevorlieben gehört, bin ich auf Tod der Autorin von Birgit Rabisch gestoßen. Anfangs war ich skeptisch: Ein Roman über eine ältere Schriftstellerin, die in einer betreuten Wohnanlage ihr Leben reflektiert? Doch schon nach wenigen Seiten wurde ich angenehm überrascht. Der Roman hat mich schnell in seinen Bann gezogen.

Tod der Autorin ist ein autofiktionaler Roman, der im Jahr 2024 erschienen ist. Darin reflektiert die Autorin über ihr Leben und ihre Schaffenszeit. Besonders originell fand ich den Aufbau: Anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags lädt die Protagonistin die Hauptfiguren ihrer elf Romane zu einem festlichen Dinner ein. Schon die Vorbereitungen erinnern an reale Festlichkeiten. Wen lade ich ein, in diesem Fall stellte sich auch noch die Frage in welchem Lebensabschnitt sollen die Geladenen sein?   Was gibt es zu essen, wo wird gefeiert und welche Musik soll spielen, wobei die Autorin es recht einfach hatte, mit einer Tributband aus ihrem Roman "Putzfrau bei den Beatles" lässt sie weitere Protagonisten auftauchen, die für die Musik sorgen.

  Während der Gespräche mit ihren fiktiven Gästen beleuchtet sie prägende Erlebnisse ihres Lebens und gibt Einblicke in die Hintergründe ihres Schreibens.

Mit großem Interesse habe ich die Dialoge zwischen der Autorin und ihren Romanfiguren verfolgt. Ebenso faszinierend waren die Abschnitte, in denen die Autorin ihren Erinnerungen nachhängt oder ihr verstorbener Ehemann Giferto in ihren Gedanken auftaucht. Diese Szenen waren sehr bewegend.

Vor diesem Buch war mir Birgit Rabisch kein Begriff, und ich hatte auch noch nie von ihren früheren Werken gehört – was angesichts der Vielzahl an talentierten Autor*innen hoffentlich verzeihlich ist. Doch dieser Roman hat mir einen umfassenden Eindruck von ihrer Vielseitigkeit vermittelt. Rabisch behandelt hier zahlreiche Themen, die persönlich und gesellschaftlich relevant sind. Sie thematisiert die Vielfalt der Liebe, beleuchtet feministische Fragen und setzt sich mit den ethischen Aspekten der Gentechnologie auseinander.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Rabisch auch die dunkle Seite ihrer eigenen Familiengeschichte aufarbeitet. Ein Beispiel dafür ist ihr früherer Roman Die schwarze Rosa, in dem sie das Leben ihrer Großmutter beleuchtet. Ebenso spannend fand ich die Einblicke, die sie in ihre Arbeitsweise gibt. Für ihr Buch Warten auf den Anruf musste sie tief in die Arbeit der Wissenschaftler*innen eintauchen, die an der Kernspaltung forschten. Dabei gelangte sie zu Wissen, das weit über das hinausgingen, was letztlich im Buch verarbeitet werden konnte. Diese Hingabe zeigt sich auch in ihrem aktuellen Werk.

Diese Mischung aus persönlicher Reflexion und gesellschaftlichen Themen macht Tod der Autorin zu einem tiefgründigen und anregenden Leseerlebnis.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich für autofiktionale Literatur und Themen interessieren, die weit über das Private hinausgehen. Es ist ein Werk, das zum Nachdenken anregt und zugleich eine besondere Erzählweise bietet. Birgit Rabisch hat mich mit diesem Roman auf ganzer Linie überzeugt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag duotincta GbR; 1. Edition (16. Dezember 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3946086772
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3946086772

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