Mittwoch, 24. April 2024

Die Schönheit der Rosalind Bone von Alex McCarthy (Autorin), Silke Jellinghaus (Übersetzerin)



Als ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, faszinierte mich sofort das Cover. Es zeigt das Gesicht einer wunderschönen Frau, die über ihre Schulter zurückschaut – eine passende Darstellung für den Titel "Die Schönheit der Rosalind Bone". Nach dem ich es gelesen habe, möchte ich nun meine Eindrücke mit euch teilen.

Das Buch beginnt vielversprechend, ähnlich wie eine Pfingstrose, die in ihrer geschlossenen Knospe eine prachtvolle Blüte erwarten lässt. Doch beim Aufblühen zeigt sich, dass die inneren Schichten von Fäulnis und Zerstörung befallen sind, als hätten Würmer die Schönheit verzehrt. Nur wenige Blütenblätter im Inneren sind unversehrt geblieben. Diese düstere Wendung überrascht und wirft ein ganz anderes Licht auf die Geschichte, als man es von außen erwartet hätte.

Kann man eine Geschichte lieben, die von Missbrauch, Armut, Ausbeutung und Drogenhandel handelt? Ich kann, denn die Sprache der Autorin Alex McCarthy hat mich vom ersten Satz an gefesselt. Die deutsche Übersetzung von Silke Jellinghaus trägt dazu bei, indem sie mit großem Feingefühl den Kern der Geschichte bewahrt.

Nun zum eigentlichen Inhalt des Buches. Die Handlung spielt in einem kleinen walisischen Dorf namens Cwmsygod, umgeben von Hügeln und Wäldern. Dort lebt Mary, eine alleinerziehende Mutter, die unter Agoraphobie leidet, während ihre sechzehnjährige Tochter Catrin liebevoll für sie sorgt. In Cwmsygod ist der Klatsch und Tratsch allgegenwärtig – jeder scheint sich für das Leben der Nachbarn zu interessieren. Insbesondere Rosalinds mysteriöses Verschwinden nach dem Tod ihres Vaters bei einem Grubenunglück hat zu zahlreichen Gerüchten geführt.

Auch die Familie Clements, die nach dem Selbstmord des Vaters in Armut verfiel, ist Thema vieler Geschichten. Die Mutter verfiel dem Alkohol, ein Bruder verkauft Drogen, und Daniel, Catrins Kindheitsfreund, spielt mit Feuer. Ein Brand führt dazu, dass eine Obdachlose verletzt wird, die Catrin vor einem Supermarkt trifft und den Notruf wählt.

Damit nimmt die Geschichte eine Wendung, die erschütternde Geheimnisse aus der Vergangenheit aufdeckt und viele Ereignisse, die wir als Leserinnen und Leser aus Marys Perspektive erfuhren, in ein ganz anderes Licht rückt.

Ein Pluspunkt für den Verlag, sie haben die Übersetzerin auf dem Cover erwähnt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ GOYA; 1. Edition (17. April 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3833746408
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3833746406

Klappentext:
Es gibt viele Gerüchte darüber, wohin Mary Bones Schwester damals verschwunden ist. Schon als Kind hat deren Schönheit den ganzen Ort in ihren Bann gezogen, war manchen ein Dorn im Auge, wirklich hinsehen wollte jedoch niemand. Auch Jahre später reden die Leute immer noch über sie, immer noch über ihre Schönheit. Aber im Dorf gibt es noch mehr Geschichten. Während Jugendliche aus Verzweiflung zu Brandstiftern werden, träumt ein dement werdender Mann von einem Mädchen, das er mal gekannt hat, und Marys Tochter, fasziniert von dem einen übriggebliebenen Foto der verschollenen Frau, möchte mehr über die Vergangenheit erfahren. Zwischen Tälern und dichten Wäldern liegt der kleine walisische Ort Cwmddu. Ein scheinbar ruhiges Fleckchen Erde, doch unter der Oberfläche lauern Flammen. Ein zarter, fast märchenhafter und zugleich sprachgewaltiger Roman über die Verstrickungen innerhalb eines Dorfes, das Schicksal einer starken Frau und darüber, wie erdrückend ein einziges Wort sein kann.

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