Mittwoch, 21. Februar 2024

Stumme Zeit von Silke von Bremen

 

Als Sönnich Petersen stirbt, ist niemand im Dorf am Watt traurig, am wenigsten seine Tochter Helma. Er war kein liebevoller Vater, der Krieg hatte ihn hart gemacht.

Sein Tod fällt in eine Zeit, in der der aufkommende Tourismus neue Menschen und Gebräuche mit sich bringt. Immer mehr Inselbewohner wollen am Wohlstand teilhaben, auch Helma vermietet bald an Badegäste. Doch da ist noch etwas, was sie beschäftigt: Über ihre früh verstorbene Mutter wurde immer eisern geschwiegen. Auch um die Mutter ihres Kindheitsfreundes Rudi gibt es ein Geheimnis, sie wurde während des Krieges abgeholt und kam nie zurück. Wie konnten die Frauen einfach so verschwinden? Warum fragte niemand nach ihnen?

Die Suche nach Klarheit führt Helma und Rudi in die dunkelsten Kapitel der Geschichte ihrer Insel.



Wieder einmal ein Buch, das mir zunächst durch sein wundervolles Cover auffiel, die Stimmung, die es erzeugt ist, einfach einzigartig. Aber natürlich war das Cover nicht der einzige Grund, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte, auch der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht.


Und ich wurde in keinster Weise enttäuscht.


Helmas Vater war überzeugter Nationalsozialist, der nie verwunden hatte, dass das tausendjährige Reich unterging. Willi Brands Kniefall in Warschau machten wohl alle Hoffnung auf ein wiederauferstehen zu nicht und der alte Mann nahm sich das Leben. Helma empfindet keinerlei Trauer über den Verlust des Vaters, der nie ein liebevoller Mann war, mit strenger Hand führte er den Hof und brachte seiner Tochter nie Zuneigung entgegen. 


Als Helma das Haus aufräumt, um Platz für Feriengäste zu machen, fällt ihr das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände, das diese in den letzten Wochen ihres Lebens als Tagebuch führte, was sie daraus erfährt, lässt ihr keine Ruhe. Denn nicht nur das Schicksal ihrer Mutter ist ungeklärt, auch über den Verbleib ihrer Freundin Lena, der Mutter ihres Jugendfreundes Rudi, weiß niemand etwas oder will nichts wissen.


Die Autorin Silke von Bremen war mir bisher vollkommen unbekannt und ich bin sehr froh, dass sich das mit diesem Buch geändert hat. Ihr Schreibstil ist unaufgeregt, die Beschreibungen der Menschen ließen ein klares Bild von ihnen vor meinem inneren Auge erscheinen. Die Zeit, die sie beschreibt, ist eine Zeit des Schweigens, eine "Stumme Zeit". 


Bücher wie dieses sind so unglaublich wichtig, zeigen sie doch auf, wie sehr das dunkelste Kapitel Deutschlands, auch die betrifft und beeinflusst, die nicht einmal eine klare Erinnerung daran haben und wer sie miterlebte, schwieg und schweigt bis heute.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Dörlemann; 1. Edition (22. Februar 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 460 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3038201375
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3038201373



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