Donnerstag, 4. November 2021

Fuck von F. E. Møle


 Yessica sehnt sich nach Liebe. Und das um jeden Preis. Doch Hassan sieht mehr in ihr als eine Partnerin. Oder weniger: Er will mit ihr Geld verdienen. So dauert es nicht lange, bis sie auf dem Straßenstrich landet. Diese Arbeit setzt ihr mehr zu, als sie zugibt. Denn alte Wunden reißen auf. Es gibt kein Entkommen. Kein Zurück. Warum stirbt einer ihrer Stammkunden? Welche Rolle spielt ihre Freundin Dana dabei? Und ist auch ihr eigenes Leben in Gefahr? »Fuck.« spielt im Prostitutionsmilieu. Eine knapp gehaltene, derbe und schlichte Sprache sowie abrupte Zeitsprünge spiegeln die Szene wider und stellen die eingeschränkte Sichtweise der jungen Protagonistin in der Vordergrund.


Die 18-jährige Yessica rebelliert gegen ihr Elternhaus, statt zur Schule zu gehen und  für ihr Abitur zu lernen, geht sie lieber feiern. Einzig ihre Wirkung auf Männer ist der jungen Frau wichtig, sie ist stolz auf die Blicke, die sie erntet und stolz auf jeden mit dem sie für eine Nacht das Bett teilt, immer im Wettstreit mit ihrer besten Freundin. Bis sie Hassan kennenlernt, der ihr das Gefühl gibt, die Einzige zu sein die für ihn noch wichtig ist, etwas Besonderes, der erste der nicht gleich mit ihr ins Bett steigt, denn schließlich ist sie ihm wichtig und das erste sexuelle Erlebnis mit ihr soll ihren gegenseitigen Gefühlen gerecht werden. 
Und dann kommt der Tag, an dem Hassan ihre Hilfe braucht. Er ist in Geldnot und die Einzige, die ihm kurzfristig helfen kann, ist Yessica. Nur für ein paar Tage soll sie anschaffen gehen, nur so lange bis er seine Schulden bezahlt hat.

Zugegeben, der Titel hat sogar mich erst mal ein wenig abgeschreckt, aber vielleicht war es auch gerade der Titel, der mich dazu, bewog den, Klappentext zu lesen und der hat mich dann doch neugierig gemacht.
Yessica fällt auf einen sogenannten Loverboy herein, ein Mann der sich an junge, naive Frauen heranmacht, ihnen Liebe vorgaukelt und sie dann zur Prostitution zwingt, mehr oder weniger gewalttätig. Gewalt hat Hassan nicht nötig, er manipuliert die junge Frau mit Liebesentzug und schönen Worten. Die Konsequenzen sind die gleichen, Yessica landet dauerhaft auf dem Strich, ihre Eltern werfen sie raus, verzweifelt und hilflos wie es scheint sehen sie keinen anderen Weg, ihre Tochter wieder auf den rechten Weg zu bringen. Yessica kommt bei Dana unter, einer Kollegin vom Strich, die vorübergehend in der Wohnung eines Freundes wohnt. Ihr Weg nach unten ist vorgezeichnet.

Ich könnte euch jetzt noch so viel erzählen, von Yessicas Schicksal, von den Gründen für ihr Verhalten, die am Ende des Buches tatsächlich noch einmal einen Schockmoment setzten, aber dann müsst ihr das Buch ja nicht mehr selber lesen und das wäre tatsächlich schade. Denn mir persönlich fehlt die Sprache, derer sich F. E. Møle bedient, sie ist derb und teilweise schonungslos offen, die Beschreibungen von Yessicas Freiern und diverser Fetische sind explizit beschrieben, also nichts für zartbesaitete Gemüter.
Yessica ist blind vor Liebe, sie sieht nur die positiven Seiten an Hassan, seine Zärtlichkeit und sie hört nur seine Beteuerungen wie wichtig sie für ihn ist, seine Traummalereien von einer rosigen Zukunft zu Zweit.

Wenn er sich zurückzieht, weil sie die Spur zu verlassen droht, die er für sie vorgesehen hat, sieht sie die Schuld bei sich, Sie muss sich mehr anstrengen, um ihm zu beweisen, wie sehr sie ihn liebt.
Das waren die Momente, in denen ich sie gern geschüttelt und in den Arm genommen hätte, in denen ich ihr irgendwie helfen wollte, wohl wissend, dass das Mädchen für die Wahrheit gar nicht zugänglich ist.

Als Mutter einer Tochter ging mir die Geschichte sehr nah, zeigt sie doch welche Gefahren das Leben bereithalten kann und sie zeigt wie wenig man in der Lage dazu ist sie vor allem zu schützen, das ist schon schwierig, wenn das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern gut ist, wie viel schwerer muss es sein, wenn es Probleme in der Familie gibt?

Gegen Ende des Buches schockt F. E. Møle noch mit dem Mord an einem von Yessicas Stammkunden und es bleibt nicht bei dem einen Mord, ab da macht der Titel Psychothriller dem Buch alle Ehre, bis dahin fühlte sich die Geschichte an wie der Lebensbericht einer jungen und zutiefst traumatisierten Frau an. 

Noch kurz zum Schreibstil, kurze und knappe Sätze, die wirken als hörte man Yessicas Gedanken zu, das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber hervorragend zur Geschichte.

  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli; 1. Edition (11. August 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 248 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3752984414
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3752984415
  • Lesealter ‏ : ‎ 18 Jahre und älter


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