Samstag, 14. August 2021

Die Walin von Christian Mahlow

 

Die Walin ist eine fesselnde Parabel, die vom einsamen und absurden Kampf eines Mannes um das Überleben eines Zwergwal-Weibchens erzählt. Der zurückgezogene Mann hatte seine Bewunderung für die Walin im Ozeanarium entdeckt und viele Male genährt, als sie eines Morgens plötzlich in seinem Wohnzimmer liegt. Fieberhaft bemüht er sich, Hilfe zu holen, aber niemand glaubt ihm, dass ein Wal in seiner Wohnung liegt. Ebenso überfordert wie blind zur Rettung der Walin entschlossen, tut er alles, um dem langsam sterbenden Koloss zu helfen. Seine verzweifelten Bemühungen sind ein kafkaesker Grenzgang zwischen unerfüllter Liebe, Schuldgefühlen und Selbsterkenntnis.

Jeden Sonntagmorgen vollzieht ein namenloser Mann dasselbe Ritual, Kaffee und Streuselkuchen in einer Bäckerei und danach der Besuch im Ozeanarium. Die ganze Woche scheint er nur auf dieses Ziel hinzusteuern, den Besuch bei der Walin, alles andere rückt in den Hintergrund. Nicht immer zeigt sich die Walin und bei seinem letzten Besuch sieht sie in den Augen des Mannes traurig aus, in seinen Gedanken spricht er mit ihr, fragt wie er ihr helfen kann, sagt das er sie retten möchte.

Am nächsten Tag liegt die Walin in seiner Wohnung.

Natürlich habe ich mir während des Lesens überlegt, was mir der Autor mit seiner Geschichte eigentlich sagen will, ihr erinnert euch ja sicher auch an die Geschichten, die wir alle in der Schule interpretieren, mussten, freiwillig darüber nachzudenken macht aber mehr Spaß.
Wofür steht die Walin?


Das war für mich die zentrale Frage.
Die Walin ist sein Leben, mit all seinen Problemen und nur ganz wenigen schönen Momenten, ein Leben, das er nicht lebt, als er es versucht ist es zu spät alle Anstrengungen sind vergeblich, als ihm Hilfe angeboten wird will er sie erst nicht annehmen und später, als er selber um Hilfe bittet, ist es zu spät.
Ich hatte die ganze Zeit gehofft, das die Walin irgendwie gerettet werden kann, das der Mann sein Leben in den Griff bekommt und seine Einsamkeit überwindet, auch wenn ich die ganze Zeit das beklemmende Gefühl nicht loswurde, das er unweigerlich auf einen Abgrund zusteuert.


Ich mag die Art wie der Autor Christian Mahlow seine Geschichte erzählt, es erscheint so selbstverständlich, dass ein Wal plötzlich in einer Zweizimmerwohnung auftaucht. Einige von euch werden Kafkas Die Verwandlung gelesen haben und vielleicht so wie ich auch bei dieser Parabel ein Gefühl von Selbstverständlichkeit gehabt haben. Ich halte das für großes schriftstellerisches Können.


Ich möchte auch nicht vergessen die Illustratorin Joelle Vanderbeke zu erwähnen, ihre Zeichnungen ergänzen den gelesenen Text hervorragend.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Outbird; 1. Edition (25. Juli 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 128 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948887128
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948887124

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