Lügenbaron
War die letzte Textnachricht die der Gynäkologe und Laiendarsteller Ralf Ebelski erhielt, bevor er ermordet am Münchhausen Brunnen in Bodenwerder aufgefunden wurde.
Diese Nachricht rückt Mario Bergstedt in den Focus der Ermittlungen.
Ebelski hat entgegen aller Versprechungen an der Hauptrolle dem Baron von Münchhausen festgehalten, die er eigentlich an Mario, der bisher die Zweitbesetzung war, abgeben wollte.
Für Ebelskis Frau und seine Schauspielkollegen steht, Mario als Täter fest.
Diese Vorverurteilung macht die Ermittlungen für die Kriminalkommissarin Emma Stanford nicht gerade einfacher.
Münchhausenwut ist der Debütroman der in Bodenwerder lebenden Autorin Deborah Emrath, der mich schon allein wegen der Nähe zu meiner Heimat neugierig werden ließ.
Emma hat es nicht leicht, als alleinerziehende Mutter, relativ frisch getrennt von ihrem, ebenfalls als Polizist arbeitenden Mannes Andreas Stanford, scheint sie zunächst Schwierigkeiten damit zu haben, Mario Bergstedt nicht ebenfalls vorschnell als Täter zu behandeln, Mario hatte allen Grund dazu seinem Konkurrenten schaden zu wollen. Ebelski hat ihn behandelt wie einen blutigen Anfänger, immer wieder hat er ihm vor Augen halten wollen, wie viel er noch zu lernen hätte. Immer wieder hat er ihn vor den Kollegen gedemütigt.
Aber Mario war nicht, der einzige dem Ebelski geschadet hat, auch in seinem Beruf als Gynäkologe verlief nicht alles so wie es hätte laufen sollen. Bald schon muss Emma in mehrere Richtungen ermitteln.
Alles in allem ist Münchhausen Wut ein gelungenes Debüt, nicht einmal daran das Emmas Privatleben, besonders ihre Beziehung zu ihrem Noch/Ex Mann, recht viel Raum einnahm konnte ich mich stören, das passte insofern das der Leser Emma erst noch kennenlernen muss. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das sie noch mehr Kriminalfälle in Bodenwerder lösen muss.
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings und das hat mich wirklich gestört.
Emma freundet sich während der Ermittlungen mit Marios Mutter Barbara an, die sogar für sie kocht. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Krimi niemals die echte Arbeit der Polizei widerspiegelt, das wäre wohl auch ziemlich langweilig, besteht diese doch zu großen Teilen aus Schreibtischarbeit, aber freundschaftlicher Kontakt, zu nahestehenden Personen eines dringend Tatverdächtigen, war mir etwas zu viel "Menschlichkeit", obwohl ich Emmas Sympathie Barbara gegenüber wirklich nachvollziehen kann, selten war mir eine Figur so sympathisch und sollte es Folgebände geben, hoffe ich auf ein Wiedersehen mit ihr.
Gut gefallen hat mir, das die Autorin immer wieder wechselnde Personen zu Wort kommen lässt, ich mag diese Erzählweise sehr, wirft sie doch immer wieder einen anderen Blick auf das Geschehen.
- Broschiert: 250 Seiten
- Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (20. Februar 2020)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3958132073
- ISBN-13: 978-3958132078

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