Sonntag, 5. Januar 2020

Leuchtende Tage von Astrid Ruppert


Leuchtende Tage ist der erste Band einer Trilogie über die Winterfrauen von Astrid Ruppert, in dem sie hauptsächlich Lisettes Geschichte erzählt. Lisette ist gerade 18 Jahre alt, als sie 1906 heimlich ihr von Konventionen und Traditionen geprägtes Elternhaus verlässt, um gemeinsam mit dem mittellosen Schneider Emile ein neues Leben zu beginnen.
Als Symbol für den Wandel der Zeit steht in diesem Buch die Frauenmode, auf der einen Seite
das Korsett sowohl das Gesellschaftliche in dem auch Lisettes Familie und besonders ihre Mutter gefangen ist als auch das Stoffliche in Form von Kleidern.
Lisettes Mutter Dora tut alles dafür die Fassade einer wohlhabenden und gebildeten Familie aufrechtzuerhalten, die sich in den höchsten adligen Kreisen bewegt und in der jeder seine Stellung kennt. Ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Tochter sich gegen die Regeln der Gesellschaft auflehnt, kann sie nicht verbergen. Als Leser weiß man mehr über Dora als ihre Kinder, wir erfahren schnell das Dora und ihr Mann aus kleinen Verhältnissen stammen, das sie sich mit mühsamer Arbeit ihr Leben aufgebaut haben und um nichts auf der Welt daran erinnert werden wollen, wo ihre Wurzeln liegen.
So sehr wie ihre Mutter die Traditionen aufrechterhalten will, so sehr will Lisette ihnen entfliehen, sie weigert sich  ein Korsett zu tragen und versucht sich als Schneiderin eines Reformkleides, doch erst mit der Hilfe des Schneiders Emilie kann sie ihre Ideen umsetzen.
Gemeinsam mit ihm und der Hilfe von Zufallsbekanntschaften schafft sie es sich ein neues Leben aufzubauen.
Lisettes Leben ist perfekt, ein gut gehendes Geschäft, Emilies Liebe und Unterstützung als feste Größen und als Krönung des ganzen, Kinder, bis der 1. Weltkrieg ihr Leben in Trümmern zurücklässt.

100 Jahre später blickt Maya Winter auf das Leben ihrer Urgroßmutter zurück, sie ist voller Bewunderung für die unabhängige Frau, ist ihr Leben doch alles andere als ausgefüllt, auch wenn es auf den ersten Blick so erscheint, erzogen von einer unsteten Mutter, schlägt sie sich als Teilzeitübersetzerin durch und hat sich in einer unbefriedigenden Beziehung eingerichtet. Durch die Beschäftigung mit ihrer Familiengeschichte stellt sie ihr Leben nach und nach infrage und sie beginnt Fragen zu stellen, ich bin gespannt, ob sie die Antworten bekommt, die ich vermute.

Astrid Ruppert hat ein Stück Geschichte lebendig werden lassen, eine Zeit in der Frauen sich ihrer selbst bewusst wurden und sich nicht mehr einzwängen lassen wollten, weder in Kleider noch in Traditionen und sie zeigt auch, das dieser Weg schwierig war und immer noch ist.

Ich freue mich schon auf den 2. Teil der Trilogie.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (25. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423262265
  • ISBN-13: 978-3423262262
  

1 Kommentar:

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