Montag, 4. März 2019

Im Gespräch mit Anastasia Kamarauli



Auf dem langen Tag der Bücher durfte ich die Übersetzerin Anastasia Kamarauli kennenlernen, nach ihrer Lesung zu dem Buch "Der Scharlachrote Wolf" hatte ich die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch. Eigentlich wollte ich ein klassisches Interview führen, habe aber gemerkt: Das kann ich nicht.

Zunächst hatten wir eine sehr interessante, zufällige Gesprächsrunde vor dem Lesesaal im Haus am Dom, an dem der Verleger des Größenwahnverlags, der Moderator Lothar Ruske, drei Leser und Ich teilnahmen.
Nach der Lesung.

Frau Kamarauli erzählte uns von ihrer Arbeit und den Schwierigkeiten, die gerade dieses Buch mit sich brachte, da sie keine Rücksprache mit dem Autor halten konnte, so musste sie z. B. auf eigene Verantwortung Textstellen ändern, da der Autor sein Buch, teilweise so verfasst hatte, als schriebe er ein Drehbuch, was im Kino absolut logisch und nachvollziehbar ist, kann in einem Buch nicht funktionieren. Dazu muss man sagen das Goderdsi Tschocheli eher als Filmemacher denn als Autor bekannt war. Am Ende waren wir uns alle einig: Ein Übersetzer muss gleichzeitig als Lektor fungieren und darf den Text nicht einfach wortwörtlich abschreiben, er muss die Seele des Buches erhalten.

Anastasia Kamarauli

Nachdem sich diese Gesprächsrunde, eher ungern wieder aufgelöst hatte, wollten Frau Kamarauli, meine Tochter, die die Gespräche aufgezeichnet hat und ich einen etwas ruhigeren Ort suchen, um unser Gespräch fortzuführen, bei dem herrlichen Wetter, das an diesem Tag herrschte, war das aber unmöglich, es war überall laut, aber trotzdem herrschte eine entspannte Atmosphäre, so dass wir völlig die Zeit vergaßen.

Frau Kamarauli erzählte mir, das sie mit 7 Jahren von Georgien nach Deutschland kam, wie sie zunächst Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatte und die anderen Kinder beneidete, die spielen konnten, während sie langweilige Schreibübungen machen musste, in Georgien nutzt man eine vollkommen andere Schrift. Und dann hatte sie das Glück, einen sehr engagierten Lehrer zu haben, der ihr das Buch Krabat von Otfried Preußler zum Lesen gab, das Buch nahm sie sofort gefangen und wer liest, lernt gleichzeitig. Dass sie dem Buch zum Trotz heute keine Fantasy liest verwundert mich.

Frau Kamarauli kam eher zufällig dazu georgische Texte zu übersetzen, mal hier ein paar Zeilen mal dort, ihre ersten Übersetzungen machte sie noch unentgeltlich, da der Verein für den sie die machte, über nur wenig finanzielle Mittel verfügte.

Sie ist Mitglied im Literatursalon Euterpe, der es sich zur Aufgabe gemacht hat den Menschen Literatur aus Georgien näherzubringen, diese sei viel emotionaler und wuchtiger als Literatur aus Deutschland oder anderen Ländern und eine der wichtigsten Aufgaben der Übersetzer besteht u. a. darin, die Texte so zu übersetzen, dass sie für den Leser in der Übersetzung nicht zu schwülstig sind.
Wie ich weiter oben schon schrieb, die Seele des Textes muss erhalten bleiben, die Botschaft des Autors muss für den Leser nicht nur erkennbar bleiben, im besten Fall fühlt er, was der Autor sagen will.

Ich habe selten einen Menschen getroffen, der so für seine Arbeit brennt, aus jedem Wort der jungen Übersetzerin sprach die Liebe zur Literatur und besonders die Liebe zur Literatur aus Georgien. Voller Freude berichtete sie das es in Georgien immer mehr Verlage und vor allem Autoren gibt und durch die Literatur werden Themen, angesprochen die lange tabuisiert wurden.

Sie selbst habe noch keine Ambitionen ein eigenes Buch zu schreiben, auch wenn in der Anthologie
Georgische Gegenwartsliteratur: Eine Anthologie" wohl ein kurzer Text von ihr zu finden ist, verriet sie mir. Ich könnte mir aber vorstellen, doch irgendwann einmal etwas von Anastasia Kamarauli zu lesen, bei der Lektüre des Buches "Der scharlachrote Wolf" kam mir nie der Gedanke "Ich lese einen übersetzen Text" Wir sollten alle den Übersetzern viel mehr Aufmerksamkeit schenken, ohne sie würden wir viele unsere Lieblingsbücher nicht kennen oder würden nur Texte lesen können, die durch irgendeine Übersetzungsmaschine im Internet gejagt wurden (bei dem einen oder anderen Buch hat man ja sowieso den Eindruck) es würde das Herzblut und die Liebe fehlen die ein guter Übersetzer in das Buch steckt.
Ich bedanke mich bei Anastasia Kamarauli für den tiefen Einblick in ihre Arbeit.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!