Dienstag, 18. September 2018

Rabenfrauen von Anja Jonuleit

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Inhalt:
Anna will im Moor den Platz aufsuchen an dem ihr Lebensgefährte ums Leben kam und trifft dabei auf Renate und Horst, die mit ihren Kindern seit kurzem in Grösitz leben. Als sie im Mailpostfach ihres Freundes Nachrichten findet die Manfred, Renate und Horst in Verbindung bringen ist ihre Neugier geweckt. Mit dem was sie herausfindet und wie es ihr Leben verändern wird, hätte sie allerdings nie gerechnet.
Das Leben der Freundinnen Christa und Ruth ist unbeschwert, 1959 stehen sie kurz vor dem Abitur aber gerade sind Sommerferien und wenn sie mit dem Kartoffelkäfer sammeln, mit dem sie sich etwas Geld verdienen für den Tag fertig sind, können sie ihr Leben genießen. Eines Tages schlägt eine christliche Gemeinde ihre Zelte am Fluss auf. Die Mädchen sind fasziniert von der Gemeinschaft, dem Zusammenhalt und vor allem von Erich, in den sich beide verlieben.

Meine Meinung:

Das Buch ist etwas schwierig zu lesen, da jedes Kapitel aus der Perspektive einer anderen Person geschrieben ist und die Erzählung in den Jahrzehnten wechselt.

Colonia Dignidad, als Kind hörte ich das erste Mal von der christlichen Gemeinschaft in der alle Mitglieder ihre Kraft und Fähigkeiten in den Dienst für andere stellten und in Chile den ärmsten zu Seite stünden. Und so war für mich, der Name der Sekte immer mit positiven Gedanken verbunden bis ich als Erwachsene die ersten Berichte hörte, das auch diese Sekte nicht besser ist als andere, im Gegenteil. Folter, Ausbeutung, Missbrauch und Demütigungen gehörten zum alltäglichen Leben der Opfer Paul Schäfers. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass sich intelligente Menschen so bedingungslos ausliefern, dass sie trotz offensichtlicher Anzeichen von Ausbeutung und Unterdrückung nicht bei der erstbesten Gelegenheit gehen oder wenn das offizielle verlassen der Sekte nicht mehr möglich ist, fliehen bevor es zu spät ist. Man muss sich also immer vor Augen halten wie es den Mensch damals, kurz nach dem Krieg ging, viele Menschen hatten ihre Heimat verloren waren an ihrem neuen Wohnort nicht willkommen, wussten nicht was sie ihren Kindern am nächsten Tag zu essen geben sollten. Paul Schäfer hatte also leichtes Spiel.
Eine Flucht war wohl nur möglich solange die Sekte in Deutschland war, in Chile war das Gelände stark bewacht und die Vernetzung Schäfers mit den dortigen Behörden und auch der deutschen Botschaft, einzigartig. Wem die Flucht gelang, der kam nicht weit, er wurde aufgegriffen und zurück gebracht.

Ohne Vorwissen zu der Sekte und den Geschehnissen in Chile, überliest man vielleicht so manchen Hinweis auf das was innerhalb der Sekte geschieht, erst nach und nach wird Anja Jonuleit deutlicher und offenbart das wirkliche Grauen, ich hatte beim Lesen so manches Mal Tränen in den Augen. Rabenfrauen, ist ein erschütternder Roman ohne wirkliches Happy End, denn die Opfer Schäfers leiden immer noch.
Colonia Dignidad bedeutet übrigens Kolonie Würde, einen perfideren Namen hätte Schäfer sich nicht aussuchen können.
Rabenfrauen bekommt eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung von mir.

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  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (27. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423261048
  • ISBN-13: 978-3423261043



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