Mittwoch, 23. Oktober 2024

Gespenster-Krimi 113: Ein höllisches Käferproblem von Thomas Williams (Autor)

 

Angewidert trinkt Ben den letzten Rest aus der Bierflasche. Seit Laura ihn verlassen hat, lässt er sich völlig gehen. Er kriegt einfach nicht mehr die Kurve, um sich zu irgendeiner sinnvollen Tätigkeit aufzuraffen. Auch jetzt sitzt er schon seit Stunden vor dem Fernseher. Es läuft die Wiederholung einer alten Sitcom mit Gelächter aus der Konserve.
Da erregt plötzlich etwas seine Aufmerksamkeit. Ein schwarzer Käfer, so groß wie seine Hand, hockt über dem Bildschirm an der Wand. Die langen Fühler bewegen sich, als suchten sie etwas, doch was Ben viel mehr interessiert, sind die Backenzangen, die aus dem Kopf ragen und viel zu groß für das Insekt wirken. Vermutlich sind sie lang genug, um sich um seine Handgelenke zu legen.
Ben sieht das Bier in seiner Hand an und überlegt kurz, ob er zu viel davon getrunken hat. Dann hört er ein seltsames Klacken von der Zimmerdecke - und er erstarrt ...

Gespenster-Krimis kenne ich noch aus meiner Kindheit und Jugend, damals haben sie mich begeistert, die dünnen Heftchen mit dem trashigen Cover waren spannend, meist gruselig und schnell gelesen, außerdem waren sie Taschengeld freundlich. Irgendwann war diese Zeit vorbei. Bis ich vor kurzem eines dieser Hefte geschenkt bekam. 

Ein höllisches Käferproblem von Thomas Williams

Ich fange mit dem Cover an.

Vor der Silhouette einer Stadt, wahrscheinlich Bielefeld) kniet eine junge gutgebaute Frau, wahrscheinlich nicht Ben aus dem Klappentext, sondern seine Freundin Lena. Sie wird von Käfern attackiert, was ihren entsetzen Gesichtsausdruck erklärt, den überdimensionalen Käfer, der sich ihr von hinten nähert, sieht sie nicht. 

Das ist schon mal so wie früher.

Jetzt komme ich zum wesentlichen, der Geschichte.

Diese umfasst, wie es sich für Groschenhefte gehört, ca. 60 Seiten und auf diesen ist ordentlich was los. 

Sie beginnt mit einem Betrunkenen auf dem Heimweg. Nur wird er dort wohl nie ankommen.

Ben kommt bei seinem besten Freund Sascha unter, lieber will er vorübergehend in dessen versifften Wohnung leben, als mit seiner Mutter und deren Freund unter einem Dach, lieber wäre er bei Lena untergekommen, aber sie haben sich gerade getrennt. In dem heruntergekommenen Hochhaus leben nicht mehr viele Menschen und die sind alle ein klein wenig verrückt, das allerdings ist das kleinere Problem. Löcher in den Wänden und Decken, durch die aggressiven Käfer krabbeln und auf die Menschen losgehen, sind das größere.

Der Autor Thomas Williams erklärt in einem weiteren Handlungsstrang, für so eine kurze Story hat er wirklich viele Handlungsstränge eingebaut, wie es überhaupt zu dem Käferproblem kam, das hat er durchaus nachvollziehbar erzählt, sodass mir auch dieser Part sehr gefallen hat.

Ich weiß nicht mehr genau, ob es in den Gespenster-Krimis jemals ein Happy End gab, einen Helden, der unter Einsatz seines eigenen Lebens die große Katastrophe am Ende abwenden kann, gibt es in dieser Story jedenfalls nicht.

Thomas Williams, hat es geschafft auf wenigen Seiten, eine sehr düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, seine Geschichte kann durchaus mit denen aus meiner Jugend mithalten. Groschenhefte haben also nichts von ihrem früheren Charme verloren.

Dies wird nicht der letzte Gespenster-Krimi aus der Feder Thomas Williams bleiben. Ich freue mich schon auf weitere.




  • ASIN ‏ : ‎ B0BSQWMP47
  • Herausgeber ‏ : ‎ Bastei Lübbe; 1. Edition (7. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 63 Seiten



2 Kommentare:

  1. Hallo,
    wie schön, dass dir der Gespenster-Krimi gefallen hat. Ich habe vor knapp einem Jahr die Heftromane für mich entdeckt und das nur durch einen Zufall. Ich mag die kurzweiligen Geschichten, auch wenn sie stellenweise mit Stereotypen bestückt sind. Aber das macht hier den Charme aus, finde ich. "Ein höllisches Käferproblem" habe ich bisher noch nicht gelesen. Da ich erst mit Band 130 eingestiegen bin, überlege ich noch, ob ich mir die vorigen Hefte auch noch zulegen soll.

    Ich bin gespannt, welcher Gespenster-Krimi als nächstes bei dir einzieht. Ich kann dir "Die Schreckensvilla des Arztes" sehr empfehlen. ^^

    Liebe Grüße
    Nico

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  2. Vielen Dank für deinen Besuch. Ja ich bin auch schon gespannt auf das nächste Heft.

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