Montag, 1. Juni 2020

Patient Null von Daniel Kalla

Sehr viel näher am aktuellen Geschehen kann eine Story kaum sein.

Der Ausbruch der Pest, die sich mit rasanter Geschwindigkeit in Genua ausbreitet, stellt die Expertin für Infektionskrankheiten bei der Nato Dr. Alana Vaughn und ihren Kollegen Byron Menke von der WHO vor die schwierige Suche nach Patient Null. Alana vermutet das sich die tödliche Krankheit von einer Baustelle auf dem Gelände eines abgerissenen Klosters ausbreitete. Da es sich andererseits um einen unbekannten Erregerstamm handelt, schließt die Spezialistin Bioterrorismus ebenfalls nicht aus.

Alana fällt ein Tagebuch in die Hände, in dem der Baader Rafael Pasqua, vom Ausbruch der Pest in Genua im Mittelalter berichtet, er erzählt von Leichenbergen und dem fast aussichtslosen Kampf gegen die Krankheit, er erzählt auch davon das der Mensch einen Sündenbock braucht, waren es im Mittelalter die Juden die bezichtigt wurden an der verheerenden Krankheit schuldig zu sein, sie gar absichtlich verursacht zu haben, beginnen die Menschen in der Gegenwart den Moslems die Schuld am Ausbruch der Pest zu geben. Alana und Byron müssen also nicht nur verhindern das sich die Krankheit weiter ausbreitet, sie müssen auch eine Panik verhindern.

Als die Seuche Rom und Neapel erreicht, müssen sie erkennen, dass sich die Krankheit nicht nur auf natürlichem Weg ausbreitet, jemand hilft nach.

Und wieder gibt es Hinweise zu den Geschehnissen im Mittelalter.




Ich mag Bücher die auf zwei Zeitebenen spielen, wenn mir die Vergangenheit Hinweise auf das aktuelle Geschehen gibt, natürlich ohne zu viel zu verraten und wenn sich die Fäden beider Handlungsstränge am Ende perfekt aneinander Knüpfen und das ist dem Autor im vorliegenden Buch mehr als gelungen. Glaubhaft schildert er die mühselige Arbeit der Experten, den aussichtslos scheinenden Kampf gegen eine Krankheit, die gegen alle Medikament resistent zu sein scheint, er erzählt von den kleinen Schritten, die zum Erfolg führen. Seine Protagonisten sind keine strahlenden Helden in Schutzanzügen die irgendwann ein Heilmittel aus dem Hut zaubern, sie sind Wissenschaftler die Ratten obduzieren, Arztberichte lesen, Videos sichten und Menschen befragen, um so möglichen Infektionsquellen auf die Spur zu kommen.

Daniel Kalla arbeitet im Gesundheitswesen, das kommt dem Buch sicherlich zugute, wie immer wenn jemand über etwas schreibt mit dem er sich auskennt, da ich auch seinen Schreibstil als sehr angenehm empfand und die Story sehr spannend ist, vergebe ich für

Patient Null

eine absolute Leseempfehlung.
  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch; Auflage: 1. (15. Mai 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548064132
  • ISBN-13: 978-3548064130
  • Originaltitel: We all fall down

2 Kommentare:

  1. Hallo Manuela,

    oh ja, das klingt wirklich klasse.
    Aufgrund Deiner Empfehlung habe ich das Buch sowieso schon auf meine Leseliste gesetzt, aber jetzt wandert es noch ein Stück nach oben.
    Mehrere Zeitebenen können eine Geschichte interessanter machen, es aber auch verderben, wenn man sich zu sehr verzettelt. Es klingt, als wäre es hier richtig gut gelungen. Und wenn jemand Fachwissen aus dem Bereich hat, in dem seine Bücher angesiedelt sind, ist das auch für mich ein zusätzliches Plus.
    Jetzt bin ich super gespannt auf das Buch!
    LG Gabi

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  2. Ich bin gespannt wie es dir gefällt.

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