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Freitag, 27. Februar 2026

Kurz vor Paris: Der kuriose Weg zur Freiheit - Eine satirische Dystopie über mutige Insekten, Vorurteile und den Kampf für Freiheit von Agga Kastell


Ich bin mit großen Erwartungen an „Kurz vor Paris“ von Agga Kastell herangegangen, nicht weil ich eine bestimmte Geschichte im Kopf hatte, sondern weil ich mich einfach auf etwas Unbekanntes, Ungewöhnliches freute. Und genau das habe ich bekommen. Eine Geschichte, die mit einer Urlaubsreise beginnt und sich dann Stück für Stück in eine abenteuerliche, manchmal beunruhigende und gefährliche Reise verwandelt, in der Menschen und Insekten Seite an Seite leben.

Kurz vor Paris treffen der Mensch Stinker, die Fliege Flymo und der Schmetterling Meiling auf die Wespe Puck, die vor den Schweden Nordos, einer faschistischen Gemeinschaft, geflüchtet ist. Sie beschließen, Puck mitzunehmen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich damit bringen. Eigentlich wollten die drei Freunde Erfahrungen sammeln und sich Träume erfüllen: Flymo wollte den Eiffelturm sehen, den die Insekten den "lichten Turm" nennen, Meiling liebt den Duft und den Geschmack von Lavendel, und Stinker will die Originalgemälde von Monet sehen, die seine an der Strahlenkrankheit gestorbene Mutter so sehr geliebt hat. Strahlung nach einem Atomkraftunfall hat die Menschheit in großen Teilen ausgelöscht und die Insekten auf Menschengröße mutieren lassen. Seitdem leben und arbeiten sie Seite an Seite. Freundschaften zwischen den Spezies sind bei jüngeren Lebewesen nichts Ungewöhnliches. Doch nicht jeder heißt das gut. Rassismus ist auch nach dem Weltuntergang immer noch ein Thema. Auch wenn besonders die Menschen einige gute Ideen und Lebensarten von den Insekten übernahmen. Puck ist in der Gemeinschaft der Nordos aufgewachsen, im festen Glauben daran, dass ihre Spezies anderen überlegen ist und sich auf gar keinen Fall auf andere einlassen darf. Erst als sie auf die kleine Urlaubstruppe trifft, erfährt sie Freundschaft, Liebe und Zugehörigkeit in ihrer reinsten Form, ohne dass Gegenleistungen erwartet werden. So fasst sie langsam Vertrauen und kann die ganze Wahrheit preisgeben. Die Freunde beschließen, Puck zu helfen und sie nach Menorca zu bringen, auf der Insel der ungeduldigen Schwestern, wo sie in Sicherheit ihre Brut zur Welt bringen kann. Auf ihrer Reise treffen sie nicht nur auf Lebewesen, die ihnen wohlgesonnen sind, sie erfahren auch, wie weit der Einfluss der Schweden Nordos reicht und dass diese vor nichts zurückschrecken.

Als ich das Cover und den Titel des Buches „Kurz vor Paris“ das erste Mal sah, dachte ich: „Ein Liebesroman von Agga Kastell?“. Dann sah ich genauer hin, las den Untertitel, entdeckte Flymo, Stinker, Meiling und Puck sowie den Untertitel „Der kuriose Weg zur Freiheit“, und meine Neugier war geweckt. „Kurz vor Paris“ ist nicht nur eine Geschichte voller sehr humorvoller oder gefährlicher  Momente, von skurrilen Begegnungen und witzigen Dialogen, die einen immer wieder schmunzeln lassen, sondern zugleich ein klarer Appell gegen Faschismus und Rassismus, ohne je belehrend zu wirken. Agga Kastell zeigt eindringlich, wie Vorurteile auch in einer postapokalyptischen Welt überleben  und wie wahre Freundschaft über alle Speziesgrenzen hinweg entsteht und siegt. 

"Kurz vor Paris"  ist ein Buch, das unterhält, berührt und zum Nachdenken anregt ideal für alle, die Satire mit Herz und gesellschaftlicher Relevanz mögen. Wer sich auf diese kuriose Reise einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die lange im Gedächtnis bleibt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Lindwurm Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3910279244
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910279247

Mittwoch, 25. Februar 2026

Sie war es. Sie war es nicht von Nicci Cloke (Autorin), Ulrike Clewing (Übersetzerin)

Klappentext:
»Sie haben es verdient!«


Katie Coles erster Satz bei ihrer Verhaftung lässt sie innerhalb weniger Stunden zur Hauptfigur eines Skandals werden, der die Nation in Atem hält: Ist sie die eiskalte Mörderin, die vier einflussreiche Mitglieder von Londons exklusivstem Privatclub vergiftet hat? Während die Öffentlichkeit über Schuld und Unschuld urteilt, bilden sich fünf Männer ihre ganz eigene Version der Wahrheit.

Ihr Vater: sieht in ihr noch immer das unschuldige kleine Mädchen.
Ihr Jugendfreund: teilt mit Katie eine ungute Faszination für Verschwörungstheorien.
Ihr Ex-Liebhaber: verflucht den Tag, an dem er Katie verfiel.
Ihr Anwalt: ahnt, dass Katie nicht die ganze Wahrheit erzählt.
Der Journalist: wittert seine ganz große Story.

Fünf Männer. Jeder von ihnen erzählt eine andere Geschichte. Doch wer kennt das wahre Gesicht von Katie Cole?

Nicci Clokes „Sie war es. Sie war es nicht.“ ist ein Psychothriller, der mit einer ungewöhnlichen Erzählstruktur punktet. Fünf Männer, ihr Vater, ihr Jugendfreund, der Ex-Liebhaber, ihr Anwalt und ein Journalist, rekonstruieren die Geschichte von Katie Cole, die des Mordes an vier einflussreichen Clubmitgliedern angeklagt ist. Jeder von ihnen bietet seine eigene Perspektive auf ihre mögliche Schuld oder Unschuld, was dem Roman einen cleveren Rashomon-Effekt verleiht.

Zu Beginn irritierte mich dieser Stil: ein Mosaik aus männlichen Stimmen, die Katie direkt ansprechen, sie mal idealisieren, mal verdammen. Ich musste mich erst einlesen und blätterte immer wieder zurück, um den Faden zu behalten. Doch irgendwann klickte es. Genau das will Cloke zeigen: wie subjektiv Wahrheit ist, wie Wahrnehmung, Manipulation und Vorurteile Realitäten formen. Zumindest lese ich es so, und es funktioniert auf einzigartige Weise.

Katie blieb für mich bis zum Schluss ein Rätsel, und meine Sicht auf sie änderte sich mehrfach. Gerade darin liegt die Stärke des Romans, denn jeder Mann erzählt seine Wahrheit, und jedem war ich zwischenzeitlich geneigt zu glauben.

Trotz der Komplexität las sich das Buch flüssig, sobald ich  „drin“ war. Die Auflösung belohnt die Geduld, die ich  unterwegs aufbringen musste.

Insgesamt ist „Sie war es. Sie war es nicht.“ ein empfehlenswertes Buch für Leserinnen und Leser, die Thriller mit intellektueller Tiefe und narrativer Experimentierfreude schätzen. Kein Mainstream-Stoff, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem besonderen Lesevergnügen belohnt.

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Deutsche Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328604731
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328604730
  • Originaltitel ‏ : ‎ Her Many Faces

 


















Montag, 23. Februar 2026

Years and Passion von Marleen Winter

Gerlinde Falkenstein trifft während des Studiums auf den charismatischen Hubertus Bauer. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen. Diese Anziehungskraft beruht allerdings nicht auf romantischen oder sexuellen Gefühlen. Von Beginn an besteht eine besondere Vertrautheit zwischen dem verwöhnten Sohn einer reichen Familie und der jungen ehrgeizigen Frau, die auf keinen Fall ihre Karriere für Mann und Kind aufgeben würde. Sie realisieren bald: Sie können sich immer aufeinander verlassen, und ein Leben ohne den anderen würde viel Sinn verlieren. Sie gründen eine Immobilienfirma, die sie an die Spitze der Frankfurter Geschäftswelt bringt, nicht immer mit ethischen oder legalen Mitteln.

Ich war wirklich neugierig auf dieses Buch, der Klappentext verspricht ja eine besondere Geschichte, angesiedelt in der Hochfinanz. Mich hat gereizt, wie die starke Gerlinde mit dem dominanten Hubertus in eine Beziehung rutscht, voller Lügen, BDSM-Spielchen und schmutziger Geschäfte in der Finanzwelt. Über Jahre ist die Firma ihre gemeinsame Leidenschaft, für die besonders Gerlinde alles gibt, auch ihr Privatleben, das eigentlich gar nicht existiert. Währenddessen hat Hubertus Affären, heiratet und bekommt Kinder.

Es gab Szenen, in denen ich dachte: „Mädel, im Ernst, ahnst du überhaupt, worauf du dich einlässt?“ Das hing nicht immer mit Sex oder Liebe zusammen, auch die eine oder andere geschäftliche Aktion war mehr als grenzwertig. Und dann diese eine Szene in einem Hotelzimmer in Osteuropa und die spätere Aufklärung durch Hubertus, wie es dazu kam. Spätestens da dachte ich „Lauf, Gerlinde, lauf schnell und weit weg!“ Doch Gerlinde läuft nicht. Zu sehr bindet sie nicht nur die Leidenschaft für die Firma an Hubertus, doch dieses „Mehr“ gesteht sie sich nicht ein.

Ich verrate euch jetzt nicht noch mehr. Nur noch was mir an dem Buch gefiel.

 Besonders gut gelungen finde ich die Art und Weise, wie Marleen Winter Wirtschaftskrimi-Elemente wie illegale Geschäfte und Firmenintrigen mit der komplizierten Beziehung zwischen Gerlinde und Hubertus verknüpft. Es fühlt sich nicht erzwungen an, beides greift ganz natürlich ineinander. Ein wenig Sorge hatte ich, dass sich das Buch in Richtung einer bekannten Romanreihe entwickelt, zu viel Erotik, zu wenig Inhalt, aber diese Sorge war unbegründet. „Years and Passions“ mischt sich die intensive Beziehungsdynamik mit harten Wirtschaftskrimi-Elementen wie Firmenintrigen und Osteuropa-Deals, statt sich auf Sexszenen und Luxus-Romantik zu stützen.



Herausgeber ‏ : ‎ Pinguletta Verlag
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. Februar 2026
Auflage ‏ : ‎ 1.
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 316 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3948063699
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948063696

Freitag, 20. Februar 2026

Anbandelt: Gartenkrimi (Klub der Grünen Daumen) von Martina Parker


Mittlerweile sind wir beim 6. Band der Gartenkrimireihe von Martina Parker angelangt. Die Figuren sind mir inzwischen so vertraut, dass ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit ihnen gefreut habe, und auch dieses Mal war diese Vorfreude absolut gerechtfertigt.

Kurz vor dem Osterfest wollen die Damen des Gartenclubs einen entspannten Tag im Wüstengarten verbringen und seltene Pflanzen bewundern. Stattdessen stoßen sie auf die vermeintliche Leiche von Uwe Rohbeuschl. Wie sich herausstellt, ist der Mann gar nicht tot, sondern hat nur ein paar Promille intus und ist fest davon überzeugt, von Weinberghexen angegriffen worden zu sein.

Oma Hilda protestiert derweil gegen die Schließung des örtlichen Supermarktes. Wie schön, dass sie wieder so präsent ist. Außerdem hat sie Schmetterlinge im Bauch. Die alte Dame hat sich tatsächlich verliebt, in Ludwig, dem sie bei der Demo einen Einkaufswagen gegen die Hüfte gerammt hat. Ludwig erwidert ihre Gefühle, doch ihr Glück wird überschattet von seiner Sorge um seine Schwester, mit der er sich treffen wollte, die jedoch verschwunden ist.

Vera unterstützt Marlies bei deren Ermittlungen, wird diese doch immer wieder von ihrem vorübergehenden Vorgesetzten Marvin ausgebremst, der den regulären Chef Marlies', Franz Grandits, vertritt. Vera hat wieder mit ihren Gefühlen zu kämpfen, das lenkt sie immer wieder ab. Zwischendurch stellte ich mir die Frage, ob es irgendwann doch noch zu einem Happy End mit Tom kommen wird oder wie sich ihre Beziehung zu Felix, dem neuen Tierarzt, entwickeln könnte.

Martina Parker hat es wieder geschafft, eine Fülle von Handlungssträngen, von gartenbegeisterten Abenteuern über lokale Proteste bis hin zu den dunklen Schatten einer Hippiekommune aus den 1970ern, zu einem straffen und nie verwirrenden Ganzen zu verknüpfen, ohne sich zu verzetteln. Besonders beeindruckend ist für mich immer wieder, dass sie ernste Themen wie die Ereignisse in der Sektenartigen Kommune oder dem unmöglichen Verhalten von Marvin, dem Interims-Vorgesetzten der Polizistin Marlies, mit ihrem eigenen Humor aufgreift, nie albern oder lächerlich, sondern mit einer Leichtigkeit, die Tiefe und Spannung perfekt ausbalanciert.

Die Autorin lässt die Traditionen des Burgenlandes nahtlos in die Geschichte einfließen. Das verleiht dem Roman nicht nur Lokalkolorit, sondern ermöglicht es mir auch, auf unterhaltsame Weise Neues über die Region zu lernen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839280052
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839280058
  • Donnerstag, 19. Februar 2026

    Thomas Hofmann & Petra Hartmann: DAS INTERGALAKTISCHE BESTIARIUM


    Was verbirgt sich hinter dem Tor des Krkt-jinn und warum verliert der Planet Light Lady seine Schwerkraft? Kann die Heimat der Regenbogenkatzen noch gerettet werden? Gibt es das sagenhafte Tier der Unordnung wirklich? Sind die irrsinnigen Prophezeiungen über das Wiedererwachen des unheiligen Urgottes Chthonio möglicherweise doch ernst zu nehmen? Und ist wirklich jeder dem Tod geweiht, der der Wurzel allen Übels begegnet?

    Das Universum hat viele Wunder hervorgebracht, aber keines ist größer als das Leben. Ein paar der ungewöhnlichsten Lebewesen aller Welten sind in diesem intergalaktischen Bestiarium zu finden. Thomas Hofmann und Petra Hartmann haben sie aufgespürt.



    Bevor ich zu den einzelnen Storys komme, erzähle ich etwas darüber, wie dieses Buch  entstanden ist. Normalerweise ist zuerst die Geschichte da und dann erst kommen die Illustrationen dazu. Das es auch anders herum geht beweisen Petra Hartmann und Thomas Hofman.  Zuerst zeichnete Hofmann seine skurrilen, intergalaktischen Kreaturen: gruselige, verspielte Wesen, die nicht niedlich, sondern eindringlich und einzigartig wirken von Sternendrachen bis zu Regenbogenkatzen, dann erst schrieb Petra Hartmann diesen Kreaturen Geschichten auf den Leib.

    Die Storys präsentieren sich als Erinnerungen eines  alten Weltraumforschers und ja ich hatte die Stimme des Tierschützers Bernhard Grzimeks  im Kopf.

    Petra Hartmann, ist eine SF- und Fantasy-Autorin, ihre pointiertenTexte passen hervorragend zu  Thomas Hofmanns,Illustrationen. Diese Kombination machen das gesamte Werk zu einem besonderen Lesevergnügen.  Die einzelnen Geschichten sind manchmal nachdenklich und sogar etwas traurig aber es gibt auch sehr humorvolle Momente. 

    Ab hier könnten sich Spoiler verbergen.

    Montag, 16. Februar 2026

    Sternenthron von Theresa Schuck


    Heute stelle ich euch Sternenthron von Theresa Schuck vor. Die Geschichte beginnt mit Prinz Azriel, der endlich heiraten soll. Als seine zukünftige Frau Serah am Hof seines Vaters eintrifft erkennen wir sofort seinen Charakter, er ist arrogant und stößt alle Menschen von sich weg, was sich sowohl in seiner Beziehung zu seinem Leibwächter Edmund als auch in seinem Verhalten Serah gegenüber widerspiegelt. Für ihn steht fest: Diese Ehe wird nur auf dem Papier bestehen. Und Serah scheint damit durchaus einverstanden zu sein.

    Wer nun eine typische Mädchenfantasy erwartet, in der Prinz und Auserwählte nach einigen Hindernissen zueinanderfinden, liegt allerdings falsch, das kann ich euch schon mal verraten  Azriels eigentliches Abenteuer beginnt ohne Serah.

    Bei einem Ausritt mit Edmund stürzt der Prinz in eine Schlucht und wird vom Fluss mitgerissen. Edmund kehrt allein an den Hof zurück und wird daraufhin zum Tode verurteilt, er kann jedoch fliehen und macht sich auf die Suche nach Azriel.


    Währenddessen lernen wir Henry kennen, der sich auf den Weg zu den Sternen macht, um dem Sternenkönig einen Wunsch vorzutragen. Der Legende nach wird jedem, der reinen Herzens und selbstlos bittet, dieser Wunsch erfüllt. Henry wünscht sich nichts sehnlicher als die Heilung seiner kranken Mutter. Auf seiner Reise findet er den halbtoten Azriel im Fluss, rettet ihn und pflegt ihn gesund. Gemeinsam setzen sie ihren Weg fort, und Azriel beginnt nach und nach, sich zu verändern. Er schließt den naiven, gutgläubigen Henry immer mehr ins Herz. Unterstützung erhalten sie von geheimnisvollen Kindern, die plötzlich auftauchen und ebenso unerwartet wieder verschwinden.

    Später treten Lambert und Agron auf, die Söhne eines Müllerpaares mit großen Kornfeldern. Während Agron von morgens bis abends hart arbeitet, ist Lambert faul und denkt nur an sein eigenes Vergnügen. Schließlich hat Agron genug er verkauft seinen Bruder an Sklavenhändler allerdings bereut er diese Entscheidung sofort und macht sich auf die Suche nach ihm. Lambert hingegen erhält zwar ebenfalls Hilfeangebote, erkennt jedoch nicht wirklich, was an seinem Verhalten problematisch ist. Er bleibt zunächst in Gefangenschaft, kann aber schließlich fliehen und will voller Wut nach Hause zurückkehren . Eine echte Reflexion seines Egoismus findet jedoch kaum statt; meist überwiegt weiterhin sein Eigennutz.

    Nach einigen Abenteuern müssen sowohl Azriel als auch Lambert Prüfungen bestehen, die sie schließlich zum Sternenkönig führen sollen, sofern sie sie bestehen um dann ihre Wünsche vortragen zu dürfen.

    Mit gerade einmal 328 Seiten ist die Geschichte relativ kompakt persönlich hätte ich mir mehr Umfang gewünscht, um noch tiefer in die Fantasy-Elemente einzutauchen, mehr über den Sternenkönig zu erfahren (Prolog und Ende allein waren mir etwas zu wenig). Und die Liebesgeschichte? Es gibt sie, allerdings anders als erwartet und das ist auch gut so.

    Im Kern geht es um das Verhalten der Menschen, ihr Wesen und die Frage, was im Leben wirklich zählt: die eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer manchmal zurückzustellen und dadurch letztlich selbst mehr Glück zu finden und darum Vertrauen zu anderen Menschen zu fassen und Nähe zuzulassen. Für meinen Geschmack ist die Geschichte auch noch nicht ganz auserzählt, das Ende hat das Potential für eine Fortsetzung.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Legionarion Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 18. Juli 2025
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 328 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3969371805
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3969371800
    • Lesealter ‏ : ‎ Ab 12 Jahren

    Freitag, 13. Februar 2026

    Wo das Schweigen wohnt von Lea Söhner


    Lea Söhner erzählt in „Wo das Schweigen wohnt“ eine tragische Familiengeschichte. Margarethe, Almas Mutter, trägt ein schweres Schicksal mit sich priveligiert auf einem ostpreusischen Gut aufgewachsen, muss sie sich am Ende des Krieges allein mit ihren Schwestern durchschlagen und Hunger, Kälte und Gewalt ertragen. Auf der Flucht verliert Margarete beide Schwestern, doch auch im Schwarzwald, wohin sie schließlich gelangt, findet sie keine Ruhe. Das Schweigen über das Erlebte wird zu einem unsichtbaren Erbe, das selbst Jahrzehnte später noch lastet.

    Im Jahr 2015 kehrt Alma aus Hamburg zurück, um die Beerdigung ihrer Mutter zu organisieren und das Haus ihrer Mutter zu verkaufen. Ihr Verhältnis zu Margarete war schwierig, auf der einen Seite sehnte sie sich nach der Liebe ihrer Mutter, auf der anderen will sie eigentlich nichts mit ihr zu tun haben da sie sich eher ungeliebt fühlte, deshalb zog sie bei der ersten Gelegenheit aus dem Schwarzwald zum Musikstudium nach Hamburg. Alma möchte alles schnell hinter sich bringen, bis plötzlich Bernd auftaucht, ein Mann, der behauptet, ihr Bruder zu sein. Zunächst wirkt er unbeholfen, fast ein wenig einfältig, doch bald zeigt sich, dass er scharfsinnig und unbeirrbar ist. Und je mehr Fragen er stellt, desto deutlicher wird, dass auch Alma und Bernd eigene Geheimnisse mit sich tragen. Alte Schuld, verdrängte Wahrheit, unausgesprochene Sehnsucht, nichts davon bleibt verborgen.

    In eindrucksvollen Rückblenden führt Lea Söhner in die Zeit der sogenannten Wolfskinder, die nach Kriegsende in den Wäldern des Baltikums ums Überleben kämpften. Viele dieser Kinder verloren ihre Familien, lebten von dem, was sie fanden oder erbettelten, immer in der Angst, russischen Soldaten in die Hände zu fallen. Diese Erlebnisse haben Margarete geprägt, und die Autorin zeigt eindringlich, wie tief solches Leid in eine Familie hineinwirken kann. Und auch aus Bernds und Almas Leben erzählt die Autorin und beantwortet die Fragen nach den Gründen für Almas ewige Suche nach Liebe und warum Margarete Bernd zu Verwandten nach Stuttgart gab und das geliebte Kind nie wieder abholte.

    Neben Alma, Bernd und ihrer Mutter haben auch andere Familienmitglieder, bekannte und zunächst unbekannte, schwere Schicksalsschläge zu verkraften. An manchen Stellen war mir das fast zu viel, die Autorin hat sehr viele Themen und Verluste in eine einzige Geschichte gelegt. Doch ihre Absicht, das generationenübergreifende Trauma greifbar zu machen, wird dabei spürbar. Und auch wenn ich manchmal dachte: Jetzt reicht es aber mit den Schicksalsschlägen, wurde mir am Ende, als ich die Geschichte noch einmal Revue passieren ließ, bewusst, wie sehr unser aller Leben von der Vergangenheit geprägt wird.

    „Wo das Schweigen wohnt“ ist ein Roman, der berührt und nachwirkt. Lea Söhner verbindet Zeitgeschichte und Psychologie auf ruhige, einfühlsame Weise und zeichnet Menschen, die durch ihre Brüche und Verletzlichkeit überzeugen. Für mich war es eine Lektüre, die zeigt, wie stark unausgesprochene Erfahrungen unser Leben prägen können und wie wichtig es ist, über gemachte Erfahrungen zu sprechen.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Mentoren-Media-Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 19. Januar 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 484 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986412336
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986412333

    Dienstag, 10. Februar 2026

    Leben in der Westrussischen Republik von Dirk Meyer


    Als das Buch bei mir ankam, fiel mir sofort die Schlichtheit auf. In graues Leinen gebunden und nur mit dem Schriftzug versehen, der Titel, Autor und Verlag verrät, wirkt es unscheinbar. Es mutet an, als wäre es vor Jahrzehnten gedruckt worden.

    Der Inhalt hat es jedoch in sich. Russland überrennt Deutschland. Still, leise und unerwartet kommen sie mit Kriegsschiffen, die aus der umgebauten Schattenflotte bestehen. Innerhalb kürzester Zeit wird aus der Bundesrepublik die Westrussische Republik. Damit ändert sich das Leben der Bevölkerung auf dramatische Weise. Hunger, Angst und Schrecken prägen den Alltag. Bald werden die Menschen still. Sie trauen sich nicht aufzubegehren, denn die Konsequenzen sind hart. Schläge, Deportation und sogar Tod erwarten alle, die auch nur den leisesten Widerstand leisten. Nach und nach wird das Land umgebaut. Neue Politik kommt, neue Schulfächer, die deutsche Sprache wird verboten. Und die Verbündeten? Sie schauen zu. Die USA halten sich komplett raus, da Deutschland sein eigenes Militär über Jahre vernachlässigt hat. Der Rest Europas duckt sich weg in der  Hoffnung, dass der Aggressor sie in Frieden lässt. Eine vergebliche Hoffnung, wie sich zeigen wird.

    Doch man hätte etwas ahnen können. Die Vorzeichen waren seit Jahren da, in der Politik, in den Nachrichten, in den kleinen Signalen, die niemand ernst nehmen wollte. Niemand konnte sich wirklich sicher fühlen, auch nicht die Russlandfreunde, die sich für unantastbar hielten. Einige dieser Menschen lernen  schnell am eigenen Leib, wenn die Realität sie einholt.

    Als ich das Buch las, war einer meiner ersten Gedanken: Ich dachte, nach der Ukraine in der 2026 der Krieg immer noch tobt, nimmt sich Russland erst ein anderes Land vor, eines, das direkt an die Ukraine stößt. An Deutschland hatte ich nicht gedacht. Der Autor beschreibt ein leider allzu vorstellbares Schreckensszenario mit einer klaren Botschaft. Wir müssen unsere Demokratie verteidigen. Wir dürfen nicht still sein, wenn unsere Freiheit bedroht wird, egal ob die Bedrohung von Innen, wie es aktuell geschieht oder von Außen kommt, wie es mehr als vorstellbar ist und in diesem Buch beschrieben wird.

    Besonders verstörend fand ich, wie schnell sich alles normal anfühlt, wie man Kompromisse eingeht und wie leise der eigene Widerstand wird, bis er kaum noch hörbar ist. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Es ist zurückhaltend erzählt und wirkt gerade deshalb lange nach.
    Der Schreibstil ist bewusst nüchtern gehalten. Das passt perfekt zum Fundstück-Charakter des Romans. Die kleinen Alltagsdetails machen die Dystopie greifbar und plausibel. Man spürt, wie sich Freiheit Schritt für Schritt verliert, ohne dass je große Heldenakte passieren.

    „Leben in der westrussischen Republik“ ist kein Wohlfühlroman, sondern eine Zumutung im besten Sinne. Ein literarisches Warnsignal, das man nicht überhören sollte.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Europa Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 21. Januar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 176 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958906788
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958906785























  • Samstag, 7. Februar 2026

    Tödliches Angebot: Psychothriller von Marisa Kashino


    Margo will unbedingt ein Kind, und die Zeit drängt, die innere Uhr tickt, doch sie und ihr Mann sitzen nach dem lukrativen Verkauf ihres Reihenhauses in einer viel zu kleinen Mietwohnung fest, hier kann und will sie kein Kind bekommen. Es soll in einer guten Gegend aufwachsen, mit guten Schulen und einer netten Nachbarschaft. Doch der Immobilienmarkt ist heiß umkämpft, und jedes Gebot, das sie bisher abgaben, wurde überboten. Dann erfährt Margo von einem Haus, das noch nicht auf dem Markt ist, und sieht ihre Chance auf ihr Traumhaus.

    Margo ist absolut besessen, sie will dieses Mal unbedingt gewinnen. Sie schleicht sich in das Leben der Hausbesitzer und verliert nach und nach alle Skrupel, um IHR Haus, ihr neues Zuhause, zu bekommen. Als sie herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, löst sie auch dieses Problem auf ihre eigene Weise.

    Ich mochte den Schreibstil der Autorin, diese Normalisierung extremer Handlungen, durch Margo in der Ich-Perspektive erzählt, ist ein echtes Highlight des Buches. Margo rechtfertigt jede ihrer Taten als absolut notwendig und selbstverständlich, egal ob Stalking oder Schlimmeres. Sie beschreibt es mit der Gelassenheit eines Supermarkteinkaufs: „Eier gab’s bei X nicht, also bin ich zu Y gefahren.“

    Schon früh im Roman hatte ich den Eindruck, dass Margo eine Soziopathin ist, und dieser Verdacht hat sich mit jeder Seite verstärkt. Sie liebt letztlich nur sich selbst und die Illusion eines perfekten Familienlebens in der perfekten Nachbarschaft. Denn warum nicht einfach eine größere Wohnung in einer anderen Gegend? Dort hätte sich der Traum von einer „richtigen Familie“ ebenso erfüllen lassen. Stattdessen treibt sie ihre Besessenheit bis zum Äußersten: Stalking, Erpressung, Mord, alles nur, um dieses eine Haus zu ergattern. Ihre fehlende Empathie und der totale Mangel an Reue machen sie zu einer faszinierenden, aber eiskalten Figur.

    Tödliches Angebot von Marisa Kashino, hat mich fast durchgehend unterhalten, zwar hatte die Story ab und zu die eine etwas langatmige  Passage aber im nachhinein empfand ich diese als wichtig um Margos Handlungsweise zu verstehen und immer wenn ich dachte "Das geht nicht gut für dich aus", wurde ich eines besseren belehrt. Ob das auch bis zum Ende so bleibt, müsst ihr selbst herausfinden.

    • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Januar 2026
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864933757
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864933752
    • Originaltitel ‏ : ‎ Best Offer Wins

    Freitag, 6. Februar 2026

    Hexensturm: Das Lachen der Frauen von Utz Anhalt


    Wenn ein Buch mich nachts wach hält, dann weiß ich: Das ist ein Volltreffer. Utz Anhalts "Hexensturm – Das Lachen der Frauen" hat mich sofort gefesselt – ein historisch-phantastischer Roman, der die Grausamkeit der Hexenverfolgungen mit baskischen Mythen verwebt und eine starke Geschichte von weiblicher Stärke erzählt.​
    Der Roman spielt im Baskenland des frühen 17. Jahrhunderts, wo der Hexenrichter Pierre de Lancre sein Unwesen treibt. Pierre de Lancre ist übrigens eine reale historische Figur, der Prozesse gegen die Frauen der Kabeljaufischer durchführte, während ihre Männer auf See waren. Im Zentrum steht Hegoa, die mit ihrer Freundin Itsaso einen verzweifelten Brief an den französischen König schreibt, um das Morden zu stoppen. Doch Morguy die Hegoa wegen Diebstahls entlassen hatte denunziert sie aus Rache als Hexe. Hegoa wird grausam gefoltert und gesteht alles, was ihr vorgeworfen wird.

    Hegoa ist keine bloßes Opfer, sondern eine starke Frau mit Rückgrat. Itsaso ist ihre treue Freundin und die mythischen Wesen wie Basajaun und Laminak verkörpern die wilde Seele des Baskenlands. Anhalt lässt seine Figuren lebendig werden; sie lachen, leiden und rebellieren und ich, ich war immer ganz nah bei ihnen.
    ​​
    Utz Anhalt schreibt klar und eindringlich, mit vielen Naturbildern, die den Wechsel von Realität zu Mythos gut darstellen. Beschreibungen wie mondblaue Nächte oder der Scheiterhaufen sind sehr lebendig ich konnte mir alles gut vorstellen und fühlte fast das Leiden der Frauen. Der Titel Das Lachen der Frauen passt perfekt: Er steht für ein triumphierendes Lachen gegen die Unterdrückung. Ich hätte gern noch ein wenig mehr über die Mythen der Basken erfahren, aber da werde ich mir die Informationen noch zusammensuchen.

    Als Fantasy- und Krimifan bin ich hier voll auf meine Kosten gekommen: Historische Authentizität plus dunkle Magie ergeben einen Roman, der sich von Standard-Hexenstorys abhebt.


  • ASIN ‏ : ‎ B0FSSRTTK9
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 24. September 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 143 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8266947542
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    Donnerstag, 5. Februar 2026

    Einzige Chance: Überleben! von Ann B. Widow


    Der Einstieg in diesen Endzeitroman fiel mir nicht ganz leicht, nicht wegen des Themas, sondern weil mir zu Beginn etwas viele Wiederholungen auffielen. Schon nach den ersten Seiten war mir ja  klar, wie aussichtslos die Situation der Freunde ist, die sich in einer Welt voller Gefahren behaupten müssen, für meinen Geschmack wurde das zu oft thematisiert. Nicht nur mutierte Menschen, die sich von Menschenfleisch ernähren und stark an Zombies erinnern, bedrohen sie. Auch die alltäglichen Sorgen um Nahrung und lebenswichtige Dinge werden immer drängender, da die Vorräte in ihrem Versteck zur Neige gehen. So machen sie sich auf den Weg um ein neues, sicheres Versteck zu finden,

    Besonders gelungen finde ich, wie die Autorin die Monster beschreibt. Sie wirken beunruhigend lebendig, fast intelligent. Sie scheinen auch miteinander zu kommunizieren, werden durch die leisesten Geräusche angelockt und verändern sich auch körperlich. Diese Details macht sie noch  unheimlcher  und bedrohlicher. Doch die Geschichte lebt nicht allein von diesen furchteinflößenden Gestalten. Die Autorin richtet den Blick auch auf die menschliche Seite der Apokalypse  auf das, was Angst, Verzweiflung und Überlebenswillen mit den Charakteren machen und es geht um Vertrauen, Verrat und Freundschaft in einer Situation, in der jedes Geräusch das letzte sein könnte.

    Die Spannung bleibt über große Teile des Romans auf einem hohen Niveau. Neben der ständigen Gefahr durch die Mutanten sind es vor allem andere Überlebende, die für zusätzliche Unruhe sorgen. Dieses Zusammenspiel aus äußerem und innerem Konflikt hält die Handlung lebendig und sorgt für unerwartete Wendungen.

    Mein einziger wirklicher Kritikpunkt bleibt der für mich etwas holprige Beginn. Weniger Wiederholungen hätten die Einführung runder gemacht und den Lesefluss erleichtert. Danach jedoch nimmt die Geschichte an Tempo auf und entfaltet eine Spannung, die mich bis zum Schluss gut unterhalten hat. Das offene Ende deutet an, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist – und genau das macht neugierig auf eine Fortsetzung.


    Fazit:
    „Einzige Chance: Überleben!“ ist ein spannender und atmosphärischer Endzeitroman, der trotz kleiner Schwächen überzeugt. Wer packende Geschichten mag, in denen Monster und Menschlichkeit gleichermaßen eine Rolle spielen, wird hier fündig. 


    • Herausgeber ‏ : ‎ Legionarion Verlag
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 16. Oktober 2020
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 264 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3969370043
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3969370049




    Konzerte von Tobias Bachmann

    „Konzerte“ beginnt mit einem Intro, das wie die Overtüre einer Symphonie sofort auf das intensive Leseerlebnis einstimmt und mich an Konzerte erinnerte, die ich besucht habe, oder an die Musik, die ich je nach Stimmung gern höre. Das half mir sehr, mir die Musik, die das verbindende Element aller zehn Geschichten ist, vorzustellen.

    Die Anthologie beginnt mit der Story „Totensongtag“, mit einer Tanzparty, die Jugendliche am Vorabend des Totensonntags im Gemeindehaus veranstalten und die trotz Tanzverbot bis weit nach Mitternacht andauert mit schreckliche Konsequenzen , oder dem sehr berührenden „Requiem für tote Träumer“.

    Besonders diese Story berührte mich sehr. Die Geschichte des 97-jährigen Selig Liebermanns sollte im KZ enden, doch sein Requiem, das er für den brutalen SS-Mann Holdt spielt, weckt tief verborgene Emotionen und rettet ihm das Leben, und so kann er seine Komposition in die Hände seines Enkels Ephraim legen, dem er das Versprechen abnimmt, sie gut zu verwahren.

    Trotz des allgegenwärtigen Horrors mit gelungenen Anklängen an Poe und Lovecraft, ohne je zu kopieren, zauberte mir „Das Biest“ sogar ein Schmunzeln ab. Der Name des Ermittlers kam mir sofort bekannt vor. Kommissar Michael Marrak, und ja, der Autor selbst räumt ein, dass es nicht der bekannte Schriftsteller ist, ermittelt in einem mysteriösen Todesfall, bei dem eine Hammondorgel eine teuflische Rolle spielt, und gerade in dieser Story geht es besonders blutig zu.

    Ein besonderes Highlight ist „Der Bildspieler und die Wüstenfische“. Diese Mischung aus Comic und Text macht die Story noch ein gutes Stück weit interessanter als sie ohnehin schon ist, auch wenn die Schrift im Comicteil manchmal etwas schlecht zu lesen ist. Aber das ist Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau, denn das ist das Einzige, was ich an dieser Anthologie zu bemängeln habe.

    Ich sage selten etwas zur Aufmachung eines Buches, aber in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen. Schon der erste Eindruck überzeugt. Das Cover ist ein absoluter Hingucker, und unter dem Schutzumschlag verbirgt sich ein hochwertiger roter Leineneinband, verziert mit einem gedruckten, goldenen Totenkopf. Die Covergestaltung und die Innenillustrationen sind von Heiko Schulze (Falpico), und die Musik auf der beiliegenden CD ist von Dunkelpoet, also vom Autor Tobias Bachmann persönlich. Diese habe ich mir natürlich auch angehört und das eine oder andere Stück gefällt mir richtig gut, zugegeben nicht jedes aber wie schon im Intro so schön gesagt wird, es ist nicht wichtig das jeder den gleichen Geschmack hat, es ist wichtig den Geschmack des anderen zu tolerieren. Erhältlich ist das Buch als limitierter Privatdruck in einer Auflage von 125 Stück in der 

    Edition Dunkelgestirn

    erschienen

     Meine Ausgabe ist die Nummer 120 und von Tobias Bachmann und Falpico (Heiko Schulze) signiert.



    INTRO: DIE LETZTE SYMPHONIE
    TOTENSONNTAG
    NECRONOMICHOR
    DIE KLANGKATHEDRALE
    DER FALL DER GRUPPE US & HER
    DAS BIEST
    WINTERJAZZ
    REQUIEM FÜR TOTE TRÄUMER
    DER BILDSPIELER UND DIE WÜSTENFISCHE
    OUTRO: DIE LETZTE SYMPHONIE (REPRISE)
    ZUGABE: NACHKLANG


    Dienstag, 3. Februar 2026

    Sommer im Heckenrosental von Florentine Joop


    Gleich zu Beginn des Romans lernen wir Florentine und ihre Freundin Katja kennen. Florentine kommt aus Hamburg, Katja lebt in Potsdam. Florentine verbringt den Sommer bei ihrer Großtante. Dort werden die Mädchen *zwangsbefreundet*. Kinder sollen zusammen draußen spielen, und so werden sie einander vorgestellt und ihrem Schicksal überlassen. Damit beginnt für Florentine der Sommer ihres Lebens, angefüllt mit kleinen Abenteuern, die vom Geruch nach Sand und heißem Teer begleitet werden und nach Himbeerlimonade schmecken.

    Die Autorin erzählt mit einer bewundernswerten Leichtigkeit von ihrer Kindheit. Auch die eher schwierigen Szenen beschreibt sie mit einem leichten Ton: die Fahrten über den Grenzübergang oder auch die Streitereien ihrer Eltern, die sie fast beiläufig erwähnt, ebenso wie die Schwierigkeiten, in Hamburg Freunde zu finden. Und doch spürt man die tief sitzenden Ängste des Kindes. Das Mädchen ist zu „anders“ als die anderen Mädchen, und wer anders ist, gehört nie wirklich dazu. In Potsdam darf sie sein, wie sie will. Katja nimmt sie und auch das Leben so, wie es ist; man kann es ja sowieso nicht ändern. Nach der Trennung der Eltern werden die Besuche seltener. Die Verbundenheit mit Katja hält zunächst, doch nach der Wende bleibt am Ende nur die Erinnerung.

    So leicht die Erzählung auch oberflächlich daherkommt, liest man genauer, ist da immer die Angst eines kleinen Mädchens, nicht genug zu sein, nicht wahrgenommen zu werden, nicht in der Schule und nicht im eigenen Elternhaus. Das zeigt sich mehr und mehr, je weiter man liest. Da hinterlässt die Himbeerlimonade manchmal einen leicht bitteren Nachgeschmack.

    Ich konnte Sommer im Heckenrosental kaum aus der Hand legen. Es hat alte Erinnerungen geweckt: an die Musik aus meiner Jugend, die im Kopf wieder lief, an die Freiheiten als Kind in nie enden scheinenden Sommerferien. Und genau wie bei der Autorin rückte das Ende unaufhaltsam näher, mit diesem Mix aus Glück und Wehmut.


    • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Outbird
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 1. Dezember 2025
    • Auflage ‏ : ‎ 1.
    • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 202 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948887942
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948887940

    Zu Gast im Buecherhaus. Ein Interview mit Florentine Joop

    Heute darf ich euch die Autorin und Künstlerin Florentine Joop vorstellen die mit viel Herz, Kreativität und einer unverwechselbaren Handschrift begeistert. Im Interview sprechen wir über ihre Inspirationen, ihren Weg in die Kunst und das Schreiben sowie darüber, was sie aktuell bewegt. Freut euch auf ein spannendes, ehrliches Gespräch voller Einblicke in Florentines kreative Welt!

     
    Liebe Florentine, herzlich willkommen im Bücherhaus, es ist mir eine große Freude, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten. Bevor wir beginnen, magst du dich meinen Leserinnen und Leser, die dich vielleicht noch nicht kennen, kurz vorstellen?





    Aber gern. Ich bin Gen-X Hamburgerin, Autorin und studierte Illustratorin, bin Malerin und Kuratorin, Mutter von insgesamt vier Kindern, aufgewachsen an den Ufern der Alster und Elbe und mäanderte seit Geburt zwischen Potsdam und Hamburg, geschuldet der Tatsache, dass sich die Mauer frech und ungebeten durch unsere Familie zog. Und geschuldet der Tatsache welchen Familiennamen ich trage, beschäftige ich mich in meiner Arbeit häufig mit den Themen der Überwindung der Schönheit, feministischen Ansichten, Neuordnung von Denkmustern, dem Spiel mit Erwartungen und der magischen Kindheit.


    Dein neues Buch "Sommer im Heckenrosental" thematisiert zwei Heimaten und das geteilte Berlin, es ist im Verlag Edition Outbird erschienen.

    1. Wie kamst du auf die Idee zu Sommer im Heckenrosental? Gab es einen bestimmten Auslöser?



    Es gab mannigfaltige Auslöser, denn auf meinen Lesereisen, die mich häufig in ehemaligen „Osten“ der Republik führten, begegnete ich immer wieder Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen, wenn sie hörten, dass ich meine Kindheit zwischen Kontrollpunkt Drewitz und Grenzübergang Gudow verbracht habe. Die Transitstrecke als Grundrauschen, wenn ich die Augen schloss und einschlief, auf dem Weg nach Potsdam oder Berlin. Menschen wollten sich mitteilen und reden. Tatsächlich glaube ich, dass wir noch zu verarbeiten haben, was da mit uns und unserem Land passierte. DDR, Wendezeit, Wiedervereinigung sind Prozesse gewesen, bei denen auch manches schief gegangen ist, bei aller Freude und Dankbarkeit, auch das muss und darf gesagt und bearbeitet werde, dass vor allem wieder Frauen Rechte abgegeben haben, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung erfahren hatten. Sie die ersten waren, die ihre Jobs verloren haben, Kitas die schlossen, wer blieb natürlich bei den Kindern? Und dieser immense Rechtsruck, der mir Angst acht, ich möchte etwas erzählen über die Auswirkungen totalitärer Politik, weil ich manchmal den Verdacht habe, dass eine seltsame Amnesie unserer Vergangenheit gegenüber sich breit macht.

    Und meine Einsicht, dass ich etwas Besonderes erlebt habe, weil ich beide Systeme hautnah erfahren habe und ein Kindheit und Jugend erlebte, die mich nachhaltig geprägt hat.


    2. Grenzen, Mauern und Sommerabenteuer prägen das Buch: Welche zentrale Botschaft über Freiheit und Freundschaft möchtest du damit vermitteln?


    Wie unfassbar glücklich wir jeden Tag sein können, diese endlose Mauer niedergerissen zu haben. Dankbar, diese wahnsinnige Wiedervereinigung geschafft zu haben. In Freiheit und Demokratie zu leben, von der die die die DDR noch live erlebt haben immer geträumt haben. Es ist ein langer Weg, die Heilung, der Weg in die Selbstbestimmung. Freiheit bedeutet auch unfassbare Verantwortung für sich selbst und gleichsam die Gesellschaft. Jede einzelne trägt an unserem sozialen System einen Teil, damit es funktionieren kann. Wie beschreibt man diese Freiheit, frage ich auch an einer Stelle, als ich es, kindlich naiv, versuchte. Es fehlen manchmal die Worte, aber ich weiß, dass es nicht an der Liebe fehlt.

    Freundschaft lebt nicht von Gleichheit, sondern von den Unterschieden, die wir voneinander erlernen dürfen. Wie eine Reise in ein anderes Land, alles irgendwie fremd, und doch funktioniert es. Das zu begreifen, dass es nicht nur MEINE Wahrheit, MEINE Meinung, MEINE Lebensauffassung gibt, sondern 7 Milliarden. Die Liebe ist dafür erfunden worden, glaube ich, dass wir angstfrei den Unterschieden begegnen und Neues erlernen wollen… mir gruselt es, wenn alle im Gleichschritt laufen. Daraus entsteht nie etwas Gutes.

    3. Welche persönlichen Erinnerungen hast du in diesen autofiktionalen Plot verwoben?

    Eigentlich sind da nur persönliche Erinnerungen, lediglich manche Menschen sind verklausuliert, damit ich niemandem zu nahetrete.

    Ich bin ja auch Teil ihrer Lebensgeschichte, sie nicht nur Teil meiner. Und aus gefühlten 2000 Grenzübertritten machte ich einen exemplarischen. Und aus gefühlten 20000 Grenzern machte ich ein paar. Und aus 2 Millionen Momenten, die nach Sand und Sommer dufteten, machte ich ein paar wenige Kapitel. Ich bezweifle, dass auch nur EIN Tag im Sommer einer Kindheit so klein zu schrumpfen ist, dass er in ein Buch passt. Da muss Autorin immer eindampfen.

    4. Magst du uns etwas über den Schreibprozess erzählen, hast du feste Zeiten, in denen du schreibst oder bestimmte Rituale?


    Wie wundervoll wäre das, herrlich!!! Und dazu einen Dü-Jar-Deng!

    Nein, ich habe insgesamt vier Kinder und bin selbständige Kreativschaffende. Ich muss arbeiten im Akkord, wenn es die Zeit zulässt. Meistens tobt um mich herum das totale Chaos und ich sitze entweder am Küchentisch und regle nebenher den Alltag oder ich verzieh mich ins Schlafzimmer und schreibe abends und nachts. Klassiker eben, nur ohne Rotwein und Zigarette.


    5. Hat sich dein Schreibstil seit deinen ersten Büchern "Käpt’n Lotta und der vieräugige Hermann: Eine wahre Piratengeschichte" oder "Harte Jungs" geändert, ganz davon abgesehen, dass es sich bei den Büchern um Kinder- bzw. Jugendromane handelt?


    Na, ich hoffe doch.

    Seit diesen Büchern ist viel Wasser die Elbe runtergeflossen. Und ich habe seitdem so viele andere Dinge geschrieben, dass ich glaube, dass ich mittlerweile einen sehr eigenen Stil gefunden habe, der, wie Du ja auch so schön in deiner Buchbesprechung schriebst, eine gewisse Leichtigkeit hat, gepaart mit viel Humor und Witz, aber gewachsen auf einem Fundament aus echten er- und durchlebten Gefühlen. Ich liebe Gegensätze, Kontraste und Überraschendes. Es kann nur wirklich schön sein, wenn man weiß, wie grausam und unerbittlich das Leben sein kann. Aber, wenn ich nur einem jungen Menschen helfen kann, der meine Geschichte liest und sich denkt, -ey, genauso verloren und einsam und verzweifelt fühlt sich meine Welt grade an, verlassen und ungesehen, und der dann einen der ersten Sätze noch einmal liest, nämlich, dass ich hier jetzt sitze und all das überlebt habe, und ich meine nicht nur die echt saudummen Stunts mit Katja und einem Pony, dann habe ich doch etwas bewirken können. Kindheit ist eine dramatische Zeit, für die meisten von uns, die Märchen warnen uns davor, Astrid Lindgren hat sich immer auch diesen Aspekten gewidmet. Aber wie schreibt man über Tod, Verlust und Verrat? Man gibt eine Aussicht. Und wenn es die Aussicht auf den Berliner Dom im nasskalten Dunkelwinter in Berlin Ost der 1980 er Jahre ist.

    6. Was hat dich zur Edition Outbird gebracht?


    Der Holger Much fand mich am Wegesrand rumlungernd und bettelnd, gab mir ein Paar schöne Stiefel und hat mich mit in seine Postkutsche nach Gera genommen… so in etwa.

    Andere behaupten wir, Holger und ich, hätten Emails geschrieben und daraus ein Buch zusammen ersonnen, das dann bei der Edition Outbird erschien, aber ich weiß nicht, ob man diesen Quellen glauben darf…

    7. Du hast gemeinsam mit Holger Much zwei Briefromane veröffentlicht. Glaubst du, dass in unserer digitalen Gegenwart noch Raum für echte, langfristige Brieffreundschaften auf Papier bleibt?


    Ich weiß ehrlich nicht, wo jetzt der Unterschied sein soll?

    Ist doch egal, ob auf Papier, in Bits und Dots oder auf Papyrus. Ich mag gar nicht dieses gegeneinander aufrechnen. Holger und ich schrieben uns Emails, weil das nun mal der Weg heute ist. Genauso ist der Weg der Kommunikation eben via WhatsApp oder Messenger oder Snap oder schnipp und schnapp, Hauptsache die Menschen kommunizieren. Hauptsache man hört sich zu und versucht den anderen zu verstehen und kann sich in die Lage eines anderen Wesens hineinversetzen. Briefformen dürfen sich verändern, alle Formen dürfen sich verändern, und jeder darf und soll sich das Medium suchen, indem er oder sie oder they them sich ausdrücken möchten. Holger und ich sind eher praktisch veranlagt (manche nennen es auch faul…), weil wir ja wussten, dass wir ein Manuskript erstellen, da machte es gar keinen Sinn, sich mit Feder und Tintenfass zu bewaffnen und seitenlange Papierrollen zu bekritzeln. Alles zu seiner Zeit und dem hochheiligen Zwecke dienlich. Am Ende sollte ja auch noch eine Lektorin durch unser Geschreibsel durchfinden, die arme… man stelle sich vor: 200 bekleckste Seiten, bei mir mit Apfelmusresten und noch kleinen Kritzeleien meiner Tochter… obwohl, wenn ich jetzt so darüber nachdenke… Hundpfotenabdrücke und Kaffeetassenkaffeekreise…

    8. Gibt es ein Buch, oder einen anderen Auslöser, das den Wunsch in dir geweckt hat, selbst Autorin und Illustratorin zu werden?

    Sicher sind die Bücher von Astrid Lindgren, illustriert von Künstlerin Ilon Wikland 
    und die Fantasy Filme der 1980er ganz erhebliche Auslöser für eine gewisse Art der Kreativität gewesen. Die Illustratoren Brian Fraud und Allan Lee, verantwortlich für viele Character Designs meiner Kindheit und Jugend, aber auch die tollen Bücher von Angela Sommer-Bodenburg und die wunderbaren Illustrationen von Amelie Glienke. Und natürlich, die Einstiegsdroge, die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm, die besonders gruseligen und grausamen Versionen! Der Märchenplattensprecher, Hans Paetsch hat sich tief in meine Gehirnrinde eingesprochen, inklusive Knacken und Knarzen auf meinen Platten, während ich die BESONDERS grausamen Bilder dazu fertigte. Ich habe allerdings nur unabsichtlich Illustration studiert. Da rutschte ich so rein, auf dem Weg eigentlich Fotografie machen zu wollen und dann musste man sich nochmal extra für einen Kurs bewerben bei dem Kinderbuchillustrator Rüdiger Stoye, und das habe ich blauäugig gemacht, ohne wirklich zu wissen, wohin mich diese Reise führte. Aber da bin ich nun und schreibe und bin ganz zufrieden. Also immer erstmal was machen und unvoreingenommen bleiben, wer weiß, wer einen da so am Wegesrand aufliest und mit in die Kutsche einlädt und wohin einen das bringen kann! In meinem Fall ins Schloss Lindstedt, in die Arme der Rechtsmedizin, wo ich montags meine Kaffee trinke, mein neues Buch nun morgen das dritte Mal präsentieren darf, dort für das Nächste recherchiere und mich von diesem einmaligen Ort in Potsdam inspirieren lasse. Wer hätte das gedacht? Ich nicht!



    Herzlichen Dank, Florentine, für das aufschlussreiche Interview und die Einblicke in deine literarische Welt. Es war mir eine Freude, dich im Bücherhaus zu Gast zu haben  und ich bin gespannt, welche Geschichten von dir uns als nächstes erwarten.

    Wer neugierig auf Florentines aktuellen Roman geworden ist, findet meine ausführliche Rezension dazu hier auf dem Blog.

    Sommer im Heckenrosental