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Freitag, 13. Februar 2026

Wo das Schweigen wohnt von Lea Söhner


Lea Söhner erzählt in „Wo das Schweigen wohnt“ eine tragische Familiengeschichte. Margarethe, Almas Mutter, trägt ein schweres Schicksal mit sich priveligiert auf einem ostpreusischen Gut aufgewachsen, muss sie sich am Ende des Krieges allein mit ihren Schwestern durchschlagen und Hunger, Kälte und Gewalt ertragen. Auf der Flucht verliert Margarete beide Schwestern, doch auch im Schwarzwald, wohin sie schließlich gelangt, findet sie keine Ruhe. Das Schweigen über das Erlebte wird zu einem unsichtbaren Erbe, das selbst Jahrzehnte später noch lastet.

Im Jahr 2015 kehrt Alma aus Hamburg zurück, um die Beerdigung ihrer Mutter zu organisieren und das Haus ihrer Mutter zu verkaufen. Ihr Verhältnis zu Margarete war schwierig, auf der einen Seite sehnte sie sich nach der Liebe ihrer Mutter, auf der anderen will sie eigentlich nichts mit ihr zu tun haben da sie sich eher ungeliebt fühlte, deshalb zog sie bei der ersten Gelegenheit aus dem Schwarzwald zum Musikstudium nach Hamburg. Alma möchte alles schnell hinter sich bringen, bis plötzlich Bernd auftaucht, ein Mann, der behauptet, ihr Bruder zu sein. Zunächst wirkt er unbeholfen, fast ein wenig einfältig, doch bald zeigt sich, dass er scharfsinnig und unbeirrbar ist. Und je mehr Fragen er stellt, desto deutlicher wird, dass auch Alma und Bernd eigene Geheimnisse mit sich tragen. Alte Schuld, verdrängte Wahrheit, unausgesprochene Sehnsucht, nichts davon bleibt verborgen.

In eindrucksvollen Rückblenden führt Lea Söhner in die Zeit der sogenannten Wolfskinder, die nach Kriegsende in den Wäldern des Baltikums ums Überleben kämpften. Viele dieser Kinder verloren ihre Familien, lebten von dem, was sie fanden oder erbettelten, immer in der Angst, russischen Soldaten in die Hände zu fallen. Diese Erlebnisse haben Margarete geprägt, und die Autorin zeigt eindringlich, wie tief solches Leid in eine Familie hineinwirken kann. Und auch aus Bernds und Almas Leben erzählt die Autorin und beantwortet die Fragen nach den Gründen für Almas ewige Suche nach Liebe und warum Margarete Bernd zu Verwandten nach Stuttgart gab und das geliebte Kind nie wieder abholte.

Neben Alma, Bernd und ihrer Mutter haben auch andere Familienmitglieder, bekannte und zunächst unbekannte, schwere Schicksalsschläge zu verkraften. An manchen Stellen war mir das fast zu viel, die Autorin hat sehr viele Themen und Verluste in eine einzige Geschichte gelegt. Doch ihre Absicht, das generationenübergreifende Trauma greifbar zu machen, wird dabei spürbar. Und auch wenn ich manchmal dachte: Jetzt reicht es aber mit den Schicksalsschlägen, wurde mir am Ende, als ich die Geschichte noch einmal Revue passieren ließ, bewusst, wie sehr unser aller Leben von der Vergangenheit geprägt wird.

„Wo das Schweigen wohnt“ ist ein Roman, der berührt und nachwirkt. Lea Söhner verbindet Zeitgeschichte und Psychologie auf ruhige, einfühlsame Weise und zeichnet Menschen, die durch ihre Brüche und Verletzlichkeit überzeugen. Für mich war es eine Lektüre, die zeigt, wie stark unausgesprochene Erfahrungen unser Leben prägen können und wie wichtig es ist, über gemachte Erfahrungen zu sprechen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Mentoren-Media-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 19. Januar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 484 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3986412336
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3986412333

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