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Dienstag, 15. Oktober 2024

9 Fragen Ein Interview mit Mario Steinmetz

Hallo Mario, ich freue mich sehr das ich dich wieder im Bücherhaus begrüßen dürfen. Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit, mach es dir bequem und bedien dich bitte.


Für die Leserinnen und Leser die dich noch nicht kennen, stell dich doch bitte einmal vor.





Hallo und Danke, das ich hier meinen Wahnsinn verbreiten darf. Habe heute nämlich Freigang und … ähm, nein, Spaß beiseite. Ich wurde vor lang lang ist es her in Speyer im schönen Rheinland Pfalz geboren, wo ich seither lebe und arbeite. Bin Vater einer wunderbaren Tochter, die inzwischen Charakterstudien für meine Bücher zeichnet. Habe zwei Hunde, einer schwarz, kniehoch und mega ängstlich, und der andere winzig, rot und der absolute Dominator. Hobbys? Habe ich ja. Inzwischen nur noch sporadisch mittelalterliches Reenactment und mit dem langen Messer fechten. Pen & Paper Rollenspiele zocken und natürlich Cyberpunk 2077 auf der Konsole. Ach ja, und schreiben tu ich auch noch (zwinker). Das ich Stimmen im Kopf habe, die mir meine Storys aufnötigen, brauche ich nicht zu erwähnen, oder?

Ruhig jetzt!

Was?

Wer war denn das schon wieder?

Und du auch. Ab in deine Ecke!

Ja, aber …

Ähm.

Oookay, ich geh ja schon. Pffft.


Wer kennt sie nicht, die kleinen Stimmen im Kopf, meiner sagen immer: Kauf mehr Bücher? 😇



Und jetzt kommen wir auch schon zu den Fragen


1.Welche Themen oder Motive inspirieren dich am meisten in deinen Werken?


Sowohl bei Horror als auch bei Cyberpunk steht bei mir das persönliche Dilemma immer im Vordergrund. Das Chaos im Kopf einer verzweifelten Person. Im Horror ist das oft die Besessenheit durch einen Dämon. Im Cyberpunk der harte Hack der Kopf-CPU durch eine invasive KI. Das Resultat ist gleich: Verlust der eigenen Identität, Tod des Bewusstseins. Damit spiele ich gerne, das sauge ich in Büchern und Filmen mega gerne in mich auf. Wie ein trockener Schwamm …

Dann natürlich Grenzen und deren Überschreitung. Grenzerfahrungen. Desaster. Chaos. Und natürlich Wahnsinn, was aber aus den oberen Zeilen entspringt. Tatsächlich weniger Splatter, als man denken könnte. Hack and Slay langweilt mich recht schnell.



2. Was reizt dich besonders an der Horrorliteratur und dem Cyberpunk-Genre?


In der ersten Frage schnitt ich bereits das Dilemma der geistigen Beeinflussung an. Das Thema Besessenheit, ob durch ein übernatürliches Wesen oder durch eine KI, das Resultat bleibt für den Betroffenen immer das Selbe: Die Auslöschung des eigenen Bewusstseins, mindestens aber die massive Veränderung.

Es gibt aber noch eine weitere Sache, die mich bei beiden Genres fasziniert: Bodyhorror!

Wieso beide Genres? Ganz einfach. Der Bodyhorror a la Cronenberg zeigt ja schon deutliche Parallelen zwischen Mensch und Maschinen, besser gesagt den Maschinenmenschen, die Umformung und Transformation in etwas vollkommen Neues. In „Die Fliege“ trifft Horror auf Hightech und etwas Neues entsteht.

Was noch? Na die Schicksale der einfachen Leute von der Straße, die durch eigenes Verschulden in Situationen kommen, die echt Scheiße für sie sind. Na, einverstanden, das gilt für alle Genre, aber paart man das mit oben genannten Elementen, kommt was drastisch surreales dabei heraus und genau das liebe ich.



3.Wie siehst du die Entwicklung des Horrorgenres in den letzten Jahren? Gibt es Trends, die dir besonders auffallen?


Hm, schwer zu sagen. Ich glaube, das Horror inzwischen recht ausgelutscht ist und alles nur ein Abguss des Abguss des Abgusses ist. Na, okay, das Meiste jedenfalls. Natürlich gibt es Ausnahmen, klar. In letzter Zeit scheint es mehr Geschichten aus der Cthulhu-Ecke zu geben und das gefällt mir. Hab ja erst kürzlich selbst einen Vorstoß mit Kurzgeschichte „Das ist nicht tot, was ewig liegt“ (13 Warzones of Cthulhu) in dieses Nischengenre gewagt und direkt Feuer gefangen. Daraus entstanden mein demnächst erscheinender Roman „Das Buch der toten Namen“. Eine unglaubliche Spielwiese.

Da bin ich ja mal gespannt, aber erst muss ich noch Shinigami 3 lesen.


5.Gab es bestimmte Autoren oder Werke, die deinen Schreibstil oder deine Themenwahl beeinflusst haben?


Bei Horror sind das ganz klar Jack Ketchum (Der Meister des Backwood, Evil, The Woman), S. Craig Zahler (Wie Schatten über totem Land) und, wer hätte es gedacht, Clive Barker (Hellraiser, Cabal, Bücher des Blutes). Nicht zu vergessen Tim Curran (Die Wiedererweckten, Skull Moon, Skin Medicine) und Angel Gelique (Die Geschichte der Hillary), mit der ich in regem Austausch stehe. Sehr empfehlenswert natürlich auch Paul Trembley (A Head Full of Ghosts). Ich höre jetzt auf, bevor die Liste zu lang wird. Sagte ich schon Brian Smith? Nein?

Ich kenne davon nur Ketchum und Barker, die anderen werde ich mir mal ansehen.


Aber ja. Im Genre Cyberpunk ist das vor allem das William Gibson (Newromancer, Mona Lisa Overdrive, Virtuelles Licht, Idoru) und Phillip K. Dick (Blade Runner). Dann natürlich unzählige Anime und Manga in diesem Themenbereich. Ghost in the Shell, Akira, Altered Carbone … nur um einige zu nennen.

Phillip K. Dick mag ich auch sehr gern.


6.Wie fließen persönliche Erfahrungen in deine Geschichten ein?


Persönliche Erfahrungen sind die Essenz jeder guten Geschichte. Sie sind absolut wichtig. Im Grunde ist jede Story ja auch eine Reflexion dessen, was man erlebt hat, oder nicht?

Eigene Erfahrungen gebieren Inspiration. Ohne die Erlebnisse (also Erfahrungen) in Iowa und South Dakota hätte ich Mudlake und The Sacred Mother nicht schreiben können. Ohne die in New York wäre mir Hells Abyss nie eingefallen. Erfahren sind die Initialzündung der Phantasie. Also ja, sie haben einen großen Einfluss auf meine Geschichten.



7. An welchem Projekt arbeitest du derzeit, und was kannst du uns darüber verraten?

Wie so oft arbeite ich an mehreren Projekten zugleich.

Mein Hauptprojekt ist derzeit das neue Spielbuch The Coven in dem es um einen Hexenzirkel geht. Etwas naiv stecken die Damen ihre nicht-hakigen Nasen in ein ausgesprochen übles Buch und entfesseln dabei etwas wirklich Böses. Neben den Hexen (man kann sich eine von fünf als Spielfigur auswählen) gibt es natürlich noch fünf Seelentiere, welche die gespielte Hexe begleiten. Es wird gewohnt böse, sogar satanistisch und … ah, nicht zu viel verraten. Nicht umsonst empfehle ich Black Metal als Begleitmusik (Einspieler diabolisches Lachen).

Dann schreibe ich natürlich an Chrome Runners Vol.4 – The Rebel Path. Vol.3 – Death Metal Barbie liegt bereits beim Verlag.

Uuund natürlich steht eine neue Cyberpunk-Trilogie in den Startlöchern. Plot steht bereits, aber beginnen werde ich damit erst 2025, wenn The Coven im Kasten ist.

Ach ja. Echten Horror wird es mit „Das Buch der toten Namen“ beim Schund Verlag geben und als Selfpublisher werfe ich „Marisol“ ins Rennen. Beides harter Extreme-Horror mit starken Oldschool-Genen.

Hab ich was vergessen? Hmmm, ah, ja, genau. Es wird nach The Coven ein Cyberpunk Spielbuch geben. Irgendwas mit Edgerunners (zwinker).


8. Du wirst auf dem BuCon sein, welches Buch wirst du vorstellen?


Ich habe dieses Jahr das ausgesprochene Glück, gleich zwei Bücher in Lesungen vorstellen zu dürfen.

Um 16:30 werde ich im Raum „Saletta“ einen Einblick in meine Cyberpunk-Welt geben und aus dem gerade veröffentlichen Cyberpunk-Roman Shinigami 3- Manifest Thirteen lesen. Und natürlich einen Ausschnitt aus Chrome Runners Vol.2 – Maiko.

Um 18:00 gebe ich dann im gleichen Raum mein Spielbuch 1888 – Wer ist Jack the Ripper in einer interaktiven Lesung zum Besten. Interaktiv bedeutet, das die ZuhörerInnen entscheiden, wo es lang geht. Könnte spannend werden.
Und auf der kleinen Buchmesse in Frankfurt wirst du auch sein. Ne Spaß beiseite am Sonntag bist du auf einer der größten Buchmessen. Der FBM beim PAN Stand.



9.Wie wichtig sind Messen für dich?


Na ja, Messen und Cons sind für mich mega wichtig, denn wo sonst trifft man sich mit LeserInnen und kann über Bücher und gemeinsame Leidenschaften sprechen. Im direkten Gespräch kann man Storys am besten erklären und Begeisterung wecken. Viele wissen ja gar nicht, über was und wie ich schreibe. Und wenn dann wie auf der BuCon noch Lesungen dabei sind, umso besser.

Nicht zu vergessen natürlich die Gelegenheit, auf solchen Veranstaltungen Menschen zu treffen, die man über die Jahre schätzen gelernt hat. Ist ja immer wie ein Familientreffen.

Wirtschaftlich gesehen sind diese Veranstaltungen natürlich auch mega wichtig, denn wir wissen ja alle, wie schnell ein Buch auf Amazon oder sozialen Plattformen unsichtbar wird, wenn man nicht permanent die LeserInnen mit News penetriert. Gerade als Selfpublisher ist es sehr schwer, Sichtbarkeit zu gewinnen. Da ist die beste Werbung für meine Bücher noch immer der Stand und das direkte Gespräch.


Bonusfrage, für die Beantwortung gibt es vielleicht einen Keks auf dem BuCon.


Wenn du ein Monster aus einem deiner Bücher zum Leben erwecken könntest, welches wäre das und wie würdest du es an einem typischen Montagmorgen motivieren, aufzustehen?


Für nen Kaffee oder Keks mache ich fast alles. Fast. Monster, hm, okay, das ist jetzt Definitionssache.

In meinem demnächst erscheinenden Roman „Marisol“ ist die Protagonistin von einer, hm, nennen wir es mal vorsichtig Todesgötttin besessen. Wie ich die Montag früh aus dem Bett bringe? Das ist einfach. „Komm, Schatz, lass uns mit ner Kippe und nem Kaffee mit Schuss auf den Friedhof gehen und auf die erste Beerdigung warten. Es regnet gerade so schön ...“

Cyberpunk? Nun, Shinigami ist in der japanischen Mythologie der Gott des Todeswunsches. Im Roman eine echt fiese KI, die den Körper einer Vollcyborg mit menschlichem Gehirn übernommen hat. Heißes Teil, aber brandgefährlich.

„Aufstehen, Baby, es ist Zeit, dir deine Speicherbänke zu polieren. Lust auf ne synaptische Kopplung mit meinem neuralen Netzwerk? Ich habe die Uploadrate verbessert, was sicher ne Menge Spaß bedeutet ...“

Bei dieser Antwort habe ich Bilder im Kopf.



Ich bedanke mich, das ich hier sein durfte und … aaarrrgh, was zur Hölle? Warum flimmert mein Blick denn jetzt plötzlich … bbbrrrzzzlll … oh, verdammt, ich …

GEH IN DEINE ECKE!

Ja, aber …

PLATZ!

Okay ...

Mach dir keine Sorgen, hier passieren schon mal seltsame Dinge, schließlich ist das Buecherhaus von 1836 und war zu Beginn eine Schule und manchmal hört man die Kinder noch weinen.

Ich freue mich sehr das du hier warst und freue mich sehr dich auf dem BuCon zu treffen.









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