Seiten

▼

Seiten

▼

Donnerstag, 16. Mai 2024

Die Sehenden und die Toten: Kriminalroman (Ein Carla-Seidel-Krimi, Band 1) von Sia Piontek

 


"Carla hat sich von Hamburg ins Wendland versetzen lassen. Die frühere Mordermittlerin hofft, dass sie und ihre Tochter Lana in der idyllischen Umgebung ihre traumatische Vergangenheit hinter sich lassen können. Eine Vergangenheit, die die hochsensible Lana zu einer in sich zurückgezogenen, ängstlichen jungen Frau gemacht hat. Und auch Carla selbst leidet unter Panikattacken und trinkt zu viel. Das ruhige Leben als 'einfache' Polizistin endet abrupt, als der 18-jährige Justus Libermann tot und verstümmelt aufgefunden wird. Carla wird wegen ihrer Erfahrung als Mordermittlerin zur Aufklärung des Falls hinzugezogen.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, es gibt keine Zeugen und die Spurenlage ist mehr als dünn. Aber so ist es ja auch im richtigen Leben: Die Ermittler befragen die Freunde und die Familie des Opfers, gehen Hinweisen nach und tappen doch lange im Dunkeln. Das klingt spannend, und das ist es auch. Ich wollte unbedingt wissen, was mit dem jungen Mann passiert ist und vor allem warum. Carla ist als Ermittlerin in ihrem Element. Sie ist mit Leib und Seele dabei und kommt gut mit den Kollegen aus. Die einzige Ausnahme ist wohl der Leiter der Ermittlungen, Wächter.

Bei meiner Beurteilung des Debütromans der Autorin Sia Piontek, wie ich schon schrieb, ist der Fall außerordentlich spannend, der Weg bis zur überraschenden Aufklärung sehr wendungsreich. Immer wieder hatte ich jemand anderen in Verdacht, und genau das ließ mich auch Seite um Seite weiterlesen. Immer tiefer gerät man als Leserin und Leser in die Welt von Justus, der mit waghalsigen und zum Teil lebensgefährlichen Challenges nach etwas zu suchen schien, das ihm im wahren Leben verwehrt blieb.

Aber ich bin auch immer wieder über Passagen gestolpert, die ich nicht so gut fand. Carla nimmt ihre Arbeit mit nach Hause und bespricht den Fall mit ihrer hochsensiblen Tochter. Diese kann nicht an sich halten, selbst Ermittlungen anzustellen. Ihre Erkenntnisse sind zwar wichtig für die Lösung des Falls, aber das ganze Szenario erscheint mir doch zu unwahrscheinlich. Wenigstens hoffe ich, dass im richtigen Polizeileben die Ermittler nicht mit ihren Kindern über so grausame Verbrechen sprechen und sie in die Ermittlungen einbeziehen.

Die Autorin spielt mit Klischees: die alkoholsüchtige Polizistin, der in der Pathologie essende Gerichtsmediziner, der übergriffige Vorgesetzte, der nicht nur Carla gegenüber alle Grenzen verletzt, auch bei Vernehmungen geht er definitiv zu weit. Auch Justus' Eltern entsprechen dem, was man schon in vielen Kriminalromanen und Psychothrillern gelesen hat: Eine vom dominanten Vater unterdrückte Mutter, die ich natürlich auch im Visier meiner eigenen privaten Ermittlungen hatte.

Bevor ihr jetzt denkt, ich mochte das Buch nicht: Ich schrieb ja schon, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. 'Die Sehenden und die Toten' ist eine dieser Storys, bei der ich zwar die Protagonisten nicht wirklich mochte, bzw. ihre vielfältigen Probleme, die eigentlich jeder von ihnen hat, nicht mochte, aber die Grundstory wirklich klasse fand. Und mir ist bewusst, dass es Leserinnen und Leser gibt, die genau das an diesem Buch lieben werden, und für die spreche ich eine klare Leseempfehlung aus.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (15. Mai 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3442206642
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206643





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!