Ein gemütlicher Sessel vor einem knisternden Kaminfeuer, dazu eine Tasse Tee sind die passenden Accessoires für einen Leseabend mit den »Schaurigen Geschichten« aus dem Dumont Verlag.
Die Autorinnen und Autoren Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd, Elizabeth Macneal, Natasha Pulley, Laura Purcell waren mir bisher nicht bekannt, ein Punkt, den ich sehr bedauere und bald ändern will. Am Ende des Buches findet man eine kurze Biografie der einzelnen Autorinnen und Autoren.
Ab hier könnte es sein, dass ich etwas spoilern muss.
Eine Studie in schwarzweiß von Bridget Collins
Auf einem Fahrradausflug entdeckt Morton ein verlassenes Herrenhaus, das in einem Garten steht, dessen Büsche einem Schachspiel nachempfunden sind, das Haus zieht ihn auf seltsame Weise in seinen Bann, als Morton erfährt, dass das Haus zu vermieten ist, zieht er sofort ein. So verlassen das Haus auch scheint, Morton hat den Eindruck nicht allein zu sein.
Thwaites Mieter von Imogen Hermes Gowar
Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann wird Lucinda gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in ein abgelegenes Haus der Familie gebracht, doch dies soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück zu ihrem Mann sein, denn egal was ihr Mann ihr antut, sie ist sein Besitz und hat alles recht dazu, so ihr Vater.
Nachts hört die junge Frau Schritte, die sich ihrem Zimmer nähern, ein Mann rennt wütend durchs Haus und am nächsten Tag sind ihre Kleider verschwunden. Die Geschichte umfasst wenige Tage in denen sich Lucinda von einem nörgelnden, verwöhnten Mädchen (was sie trotz ihrer furchtbaren Ehe ist) in eine starke junge Frau entwickelt, die selbstbewusst ihr Leben und das ihres Kindes in die eigenen Hände nehmen will. Ihr steht eine lang verstorbene Verwandte zur Seite.
Die Aal-Sänger von Natasha Pulley
Die Geschichte beginnt mit dem Satz:
"Keita Mori konnte sich an die Zukunft erinnern und wenn er ehrlich war, was nicht oft vorkam, gefiel ihm das nicht."
Um diesem Umstand zu entgehen, verbringen er, sein Freund Thaniel und ihre Pflegetochter Six einige Tage in den Fens, dort im Marschland gibt es einen der wenigen Orte, an dem er nicht von Erinnerungen gequält wird. Sie werden von den dort lebenden Fischern freundlich aufgenommen, doch irgendetwas scheint seltsam.
Lily Wilt von Jess Kidd
Post-mortem-Fotografie, war ein beliebtes Mittel, um die Erinnerung an geliebte Verstorbene wachzuhalten, was uns heute als makaber erscheint, erfreute sich in früheren Tagen großer Beliebtheit. Ein Meister seines Fachs ist Walter Pemple er erhält den Auftrag, die junge Lily Wilt nach ihrem Ableben zu fotografieren. Es kommt wie es kommen muss, Lilys Schönheit, die auch mit ihrem Tod nicht zu vergehen scheint, stürzt Walter in den Wahnsinn, er will sie um jeden Preis wieder zum Leben erwecken.
Chillinghams Rollstuhl von Laura Purell
Kurz vor der Hochzeit ihrer Schwester, mit Viktor Chillingham, stürzt Elisabeth vom Pferd und bricht sich ein Bein. Ans Bett gefesselt auf Chillingham Grange beginnt Elisabeth an den Gerüchten über Viktor zu zweifeln, die sie selbst davon abhielten, Viktors Antrag anzunehmen. Viktor ist zuvorkommend und großzügig, ein durch und durch freundlicher Mann, der ihr den Rollstuhl seines verstorbenen Vaters zur Verfügung stellt, damit sie etwas Bewegungsfreiheit hat, doch der Stuhl entwickelt ein bedrohliches Eigenleben.
Das Hängen des Grüns von Andrew Michael Hurley
Weihnachten schmücken die Menschen traditionell ihre Häuser mit Stechpalmen und Tannengrün, so auch in Eds Nachbarschaft, nur Ed selber verzichtet darauf. Der Grund dafür liegt Jahre zurück, als Ed einen Gesprächskreis in der Kirche gründete und von Joe Gull aufgesucht wurde, der ihn darum bat für ihn bei einem Farmerehepaar um Vergebung zu bitte. Was Ed dort erlebt, könnte verstörender nicht sein.
Gefangen von Kiran Millwood Hargrave
Diese Geschichte beruht wohl auf einer wahren Begebenheit, das macht sie um so erschreckender. Eine junge Frau wird nach der Geburt ihres Kindes in einem dunklen Zimmer weggesperrt und mit Laudanum ruhigstellt, nicht aus Bosheit oder um sie zu quälen, das gehörte zu den üblichen Methoden ihres Arztes, um ihr die benötigte Erholung zu sichern. Doch die junge Frau wird von einer Hexe heimgesucht, die als Kindsmörderin gehängt wurde und nun ihr Kind will. Sie steigert sich immer mehr in ihre Angst und wird schlussendlich weggesperrt. Die Anmerkung der Autorin am Ende der Story wirft noch einmal ein besonders schreckliches Licht auf die Geschichte und das immer noch häufige Unverständnis, für das seelische Gleichgewicht junger Mütter.
Ungeheuer von Elisabeth Macneal
Gemeinsam mit seiner Frau Mabel verbringt der Archäologe Victor einige Zeit in Lyme Regis, er will den ganz großen Fund seines Lebens machen, den Fund, der ihn berühmt macht. Und er will ihn nach seiner Frau benennen, so hat er es ihr versprochen. Viktors Suche hat den Tod eines kleinen Jungen zur Folge, der bei einem Erdrutsch ums Leben kommt, dieser Erdrutsch legt auch das Skelett einer Kreatur frei. Viktor reagiert vollkommen gefühllos auf den Tod des Kindes, für ihn zählt nur der Fund.
Ich habe besondere Ansprüche an klassische Schauergeschichten, sie müssen besondere Merkmale aufweisen.
Sie müssen sich durch ihren einzigartigen Stil und charakteristische Merkmale auszeichnen. Dazu gehören eine unheimliche Atmosphäre, die durch düstere Beschreibungen und eine geheimnisvolle Umgebung erzeugt wird. Häufig spielen sie an abgelegenen Orten wie alten Herrenhäusern, verlassenen Klöstern oder düsteren Wäldern. Übernatürliche Elemente wie Geister, Dämonen und unerklärliche Phänomene müssen zur Spannung beitragen. Die Erzähler sind oft unzuverlässig und die Spannung wird langsam aufgebaut. Am Ende darf Raum bleiben für das Unerklärliche, und die Geschichten können moralische oder psychologische Themen behandeln, wie Schuld, Rache, Wahnsinn und die dunklen Seiten der menschlichen Natur.
Jetzt stellt sich die Frage, ob die Autorinnen und Autoren dem Stil längst vergangener Zeiten gerecht werden konnten. Wenn man mich fragt: Ja, auf jeden Fall. Ich liebe diesen Stil, der mit subtilem Horror Gänsehaut Momente erzeugt und die Fantasie anregt. Ein besonderes Augenmerk muss man auch auf den Übersetzer richten, Werner Löcher-Lawrence hat es geschafft, diese typisch englischen Texte so zu übersetzen, dass sie nichts von ihrer besonderen Atmosphäre verloren haben.
Eine Studie in schwarzweiß von Bridget Collins
Auf einem Fahrradausflug entdeckt Morton ein verlassenes Herrenhaus, das in einem Garten steht, dessen Büsche einem Schachspiel nachempfunden sind, das Haus zieht ihn auf seltsame Weise in seinen Bann, als Morton erfährt, dass das Haus zu vermieten ist, zieht er sofort ein. So verlassen das Haus auch scheint, Morton hat den Eindruck nicht allein zu sein.
Thwaites Mieter von Imogen Hermes Gowar
Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann wird Lucinda gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in ein abgelegenes Haus der Familie gebracht, doch dies soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück zu ihrem Mann sein, denn egal was ihr Mann ihr antut, sie ist sein Besitz und hat alles recht dazu, so ihr Vater.
Nachts hört die junge Frau Schritte, die sich ihrem Zimmer nähern, ein Mann rennt wütend durchs Haus und am nächsten Tag sind ihre Kleider verschwunden. Die Geschichte umfasst wenige Tage in denen sich Lucinda von einem nörgelnden, verwöhnten Mädchen (was sie trotz ihrer furchtbaren Ehe ist) in eine starke junge Frau entwickelt, die selbstbewusst ihr Leben und das ihres Kindes in die eigenen Hände nehmen will. Ihr steht eine lang verstorbene Verwandte zur Seite.
Die Aal-Sänger von Natasha Pulley
Die Geschichte beginnt mit dem Satz:
"Keita Mori konnte sich an die Zukunft erinnern und wenn er ehrlich war, was nicht oft vorkam, gefiel ihm das nicht."
Um diesem Umstand zu entgehen, verbringen er, sein Freund Thaniel und ihre Pflegetochter Six einige Tage in den Fens, dort im Marschland gibt es einen der wenigen Orte, an dem er nicht von Erinnerungen gequält wird. Sie werden von den dort lebenden Fischern freundlich aufgenommen, doch irgendetwas scheint seltsam.
Lily Wilt von Jess Kidd
Post-mortem-Fotografie, war ein beliebtes Mittel, um die Erinnerung an geliebte Verstorbene wachzuhalten, was uns heute als makaber erscheint, erfreute sich in früheren Tagen großer Beliebtheit. Ein Meister seines Fachs ist Walter Pemple er erhält den Auftrag, die junge Lily Wilt nach ihrem Ableben zu fotografieren. Es kommt wie es kommen muss, Lilys Schönheit, die auch mit ihrem Tod nicht zu vergehen scheint, stürzt Walter in den Wahnsinn, er will sie um jeden Preis wieder zum Leben erwecken.
Chillinghams Rollstuhl von Laura Purell
Kurz vor der Hochzeit ihrer Schwester, mit Viktor Chillingham, stürzt Elisabeth vom Pferd und bricht sich ein Bein. Ans Bett gefesselt auf Chillingham Grange beginnt Elisabeth an den Gerüchten über Viktor zu zweifeln, die sie selbst davon abhielten, Viktors Antrag anzunehmen. Viktor ist zuvorkommend und großzügig, ein durch und durch freundlicher Mann, der ihr den Rollstuhl seines verstorbenen Vaters zur Verfügung stellt, damit sie etwas Bewegungsfreiheit hat, doch der Stuhl entwickelt ein bedrohliches Eigenleben.
Das Hängen des Grüns von Andrew Michael Hurley
Weihnachten schmücken die Menschen traditionell ihre Häuser mit Stechpalmen und Tannengrün, so auch in Eds Nachbarschaft, nur Ed selber verzichtet darauf. Der Grund dafür liegt Jahre zurück, als Ed einen Gesprächskreis in der Kirche gründete und von Joe Gull aufgesucht wurde, der ihn darum bat für ihn bei einem Farmerehepaar um Vergebung zu bitte. Was Ed dort erlebt, könnte verstörender nicht sein.
Gefangen von Kiran Millwood Hargrave
Diese Geschichte beruht wohl auf einer wahren Begebenheit, das macht sie um so erschreckender. Eine junge Frau wird nach der Geburt ihres Kindes in einem dunklen Zimmer weggesperrt und mit Laudanum ruhigstellt, nicht aus Bosheit oder um sie zu quälen, das gehörte zu den üblichen Methoden ihres Arztes, um ihr die benötigte Erholung zu sichern. Doch die junge Frau wird von einer Hexe heimgesucht, die als Kindsmörderin gehängt wurde und nun ihr Kind will. Sie steigert sich immer mehr in ihre Angst und wird schlussendlich weggesperrt. Die Anmerkung der Autorin am Ende der Story wirft noch einmal ein besonders schreckliches Licht auf die Geschichte und das immer noch häufige Unverständnis, für das seelische Gleichgewicht junger Mütter.
Ungeheuer von Elisabeth Macneal
Gemeinsam mit seiner Frau Mabel verbringt der Archäologe Victor einige Zeit in Lyme Regis, er will den ganz großen Fund seines Lebens machen, den Fund, der ihn berühmt macht. Und er will ihn nach seiner Frau benennen, so hat er es ihr versprochen. Viktors Suche hat den Tod eines kleinen Jungen zur Folge, der bei einem Erdrutsch ums Leben kommt, dieser Erdrutsch legt auch das Skelett einer Kreatur frei. Viktor reagiert vollkommen gefühllos auf den Tod des Kindes, für ihn zählt nur der Fund.
Ich habe besondere Ansprüche an klassische Schauergeschichten, sie müssen besondere Merkmale aufweisen.
Sie müssen sich durch ihren einzigartigen Stil und charakteristische Merkmale auszeichnen. Dazu gehören eine unheimliche Atmosphäre, die durch düstere Beschreibungen und eine geheimnisvolle Umgebung erzeugt wird. Häufig spielen sie an abgelegenen Orten wie alten Herrenhäusern, verlassenen Klöstern oder düsteren Wäldern. Übernatürliche Elemente wie Geister, Dämonen und unerklärliche Phänomene müssen zur Spannung beitragen. Die Erzähler sind oft unzuverlässig und die Spannung wird langsam aufgebaut. Am Ende darf Raum bleiben für das Unerklärliche, und die Geschichten können moralische oder psychologische Themen behandeln, wie Schuld, Rache, Wahnsinn und die dunklen Seiten der menschlichen Natur.
Jetzt stellt sich die Frage, ob die Autorinnen und Autoren dem Stil längst vergangener Zeiten gerecht werden konnten. Wenn man mich fragt: Ja, auf jeden Fall. Ich liebe diesen Stil, der mit subtilem Horror Gänsehaut Momente erzeugt und die Fantasie anregt. Ein besonderes Augenmerk muss man auch auf den Übersetzer richten, Werner Löcher-Lawrence hat es geschafft, diese typisch englischen Texte so zu übersetzen, dass sie nichts von ihrer besonderen Atmosphäre verloren haben.
- Herausgeber : DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (19. September 2023)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 288 Seiten
- ISBN-10 : 3832182101
- ISBN-13 : 978-3832182106
- Originaltitel : The Haunting Season. Ghostly Tales for Long Winter Nights
- Übersetzt von: Werner Löcher-Lawrence
.png)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!