Klappentext: In „Die Mitte bin ich“ mäandert Hauke von Grimms erzählerischer Sound zwischen mit Ironie durchsetzten Weltuntergangsstories, Urlaubs(- und Kleingarten)Geschichten von fein angerissener deutscher Großkotzigkeit und substanzieller Lyrik, um schließlich in eine aus einem Paralleluniversum entsprungene Geschichte von unfassbarer atmosphärischer Dichte zu münden. Von Grimms Beobachtungsgabe trifft auf eine skeptische Weltsicht, die keine Fragen offen lässt. Der Überfluss der menschlichen Spezies und ihrer charakterlichen Fragwürdigkeiten, der Verlust der Jugend, das Dahindriften in einer Zeit und Welt und derer sich auflösenden Sicherheiten, die Spuren und Zeichen der Zeit – all das findet in seinen Texten Reflexion und wird zu einem genreübergreifend spannenden Lesetrip verwoben.
Ich wusste nicht, was mich erwartet, als ich die erste Seite des Buches aufschlug, der Autor Hauke von Grimm war mir bis Dato vollkommen unbekannt.Ich war gespannt und am Ende tatsächlich überrascht, dass der Autor meine Gedanken zu bestimmten Themen so treffend in Worte fassen konnte. Das begann schon mit der ersten Geschichte:
Die Jugend von heute
Ich dachte, dass jetzt eine Kritik an der heutigen Jugend folgen würde, aber der Autor überraschte mich angenehm. Er erklärte mit viel Verständnis und Empathie, dass die verschiedenen Generationen nicht unbedingt einander verstehen müssen, aber dass man lernen kann, einander zu respektieren. Man muss nicht gutheißen, was der andere tut, solange es nicht illegal ist, aber jede Generation macht ihre eigenen Erfahrungen und kann daraus lernen.Jetzt schreibe ich nicht zu jeder Story etwas, das würde tatsächlich den Rahmen sprengen, aber von meiner Lieblingsgeschichte erzähle ich noch etwas.
Im Garten
Mir geht es wie dem Autor, ich mag Gärten, ich hasse Gartenarbeit, der Super-GAU was Gärten betrifft sind Kleingartenkolonien, wo jeder Grashalm Millimeter genau geschnitten werden muss und die Anzahl von Blumen, Gemüsepflanzen und Obstbäumen reglementiert wird. Und wehe, es wächst ein Löwenzaun auf oder neben dem Weg. Dann kommt der Gartensubbotnik. (Der Subbotnik ist eine in Sowjetrussland entstandene Bezeichnung für einen unbezahlten Arbeitseinsatz am Sonnabend, der in den Sprachgebrauch in der DDR übernommen wurde.)
So mancher Gärtner wünscht sich, die Schlagfertigkeit, mit der der Protagonist in dieser Geschichte dem Gartensubbotnik entgegentritt, ist unbezahlbar.
Ich habe selten so gelacht, wenn über Kleingärten geschrieben wurde.
Traurig dagegen hat mich
Elefanten-Friedhof
gestimmt.
Der Protagonist erinnert sich an sein Leben, besonders die letzten Minuten am Sterbebett seines Großvaters sind ihm im Gedächtnis geblieben und dass er wegen des Wehklagens der versammelten Verwandtschaft die letzten Worte des Sterbenden nicht verstehen konnte. Er lässt den Schmerz über den Verlust bei den Lebenden zurück. Die Gefühle, die ich hier beim Lesen hatte, kann ich nur schlecht in Worte fassen.
Hauke von Grimm spart nicht an Kritik gegenüber der Gesellschaft, in der wir leben, nicht immer war ich mit ihm einer Meinung, aber das wäre auch seltsam.
Seine Geschichten sind allerdings durchweg mehr als Lesenswert, ich habe jede einzelne sehr genossen, am Ende überrascht der Autor noch mit einem Weihnachtsmärchen. Nachdem er in der vorletzten Geschichte von Grinch Junior sehr überzeugende Argumente dafür hat, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, war ich mir nach Das Weihnachtsschaf nicht mehr so sicher und nun weiß ich auch nicht.
😀
- Herausgeber : Edition Outbird; 1. Edition (1. April 2023)
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 328 Seiten
- ISBN-10 : 3948887497
- ISBN-13 : 978-3948887490
Über den Autor:
Hauke von Grimm ist ein Schriftsteller aus dem Bezirk Grimma der sich selbst als Geschichtenerzähler bezeichnet. Er schreibt Erzählungen, Lyrik und Prosa, und hat diverse Lesebühnen gegründet. Von ihm stammen die Bücher "RevierKöter", "Fracht" und "Wortland".

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