Taubendorf, ein kleiner Ort in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze. In einem abgelegenen Haus am Waldrand leben die Wolkows, eine nach außen hin perfekte Familie, wäre da nicht die achtjährige Aljona, die nicht an Gott glaubt. Eines Tages erwischt Gregor Wolkow das Mädchen dabei, wie es nachts heimlich im Wald tanzt. Er wendet sich an den Ältestenrat der örtlichen Glaubensgemeinschaft. Aljonas Ungehorsam wird hart bestraft. Zweiundzwanzig Jahre später ist es keinem der Wolkow-Kinder gelungen, dem Terror des gläubigen Vaters zu entkommen. Sie sprechen kaum über die Folgen. Aljona kümmert sich um den verhassten, dementen Vater, aber der trügerische Frieden in der Familie fordert einen hohen Tribut. Als das Böse wie ein Sturm aufzieht und die Familie endgültig entzweit, drängen allzu lang gehütete Geheimnisse an die Oberfläche, und mit ihnen eine tödliche Gefahr.
Während der Vorbereitungen zum 80sten Geburtstags ihres dementen Vaters wird auf Aljona geschossen, die ermittelnde Beamtin Fuchs, trifft während ihrer Ermittlungen auf eine zutiefst gestörte Familie und Aljona verschweigt die Identität des Schützen.
Diese Rezension wird schwierig, weil die Autorin Astrid Korten ein schwieriges Thema aufgegriffen hat.
In der Familie Wolkow herrscht der Vater wie ein Gott über seine Frau und seine Kinder, wer nicht gehorcht oder in seinen Augen nicht gottesfürchtig genug ist, wird gnadenlos bestraft. Besonders hart trifft es Aljona und ihren Bruder David, die beiden leben immer in der Angst vor körperlicher Züchtigung, sie sind die bösen Kinder, während Johannes und Esther die braven Kinder nach Gottes Willen oder eher nach dem Willen ihres Vaters leben. Im Haus herrscht immer eine ungute Atmosphäre, geprägt von Gewalt, Blut und Tränen, einzig ihrer Mutter gelingt es einen kleinen Ausgleich zu schaffen, immer wenn der Vater nicht da ist, beginnt eine kurze Zeit der Freude. Als die Mutter während eines Urlaubs die Familie verlässt und sich nie wieder meldet, müssen Aljona und David noch mehr unter dem fanatischen Vater leiden und doch ist es Aljona, die sich später hauptsächlich um den dementen Vater kümmert, der sich weigert in ein Pflegeheim zu gehen und als er keinerlei eigene Entscheidungen mehr treffen kann, ist es Johannes, der immer mehr in die Rolle des Vaters schlüpft und er hat ein Druckmittel in der Hand, mit dem er Aljona zwingt sich, um den Vater zu kümmern.
Im Laufe der Geschichte erfahren wir immer mehr über die psychischen Schäden der mittlerweile erwachsenen Kinder, es ist für nicht betroffene kaum vorstellbar wie ein Leben wie sie es führen müssten aussehen mag und welche Folgen eine Kindheit wie ihre hat.
Die Folgen, die es für die Geschwister hat, kann ich hier nicht näher ausführen, ihr sollt das Buch ja schließlich selber lesen.
Eine Kindheit mit einem Vater wie, dem der Geschwister Wolkow kann, nicht spurlos vorübergehen und auch wenn in Astrid Kortens Roman, religiöser Wahn der Auslöser für all die Tränen und der Gewalt ist, lag es doch wohl in der Natur des alten Wolkow, seine Kinder so sehr zu quälen und einzuschüchtern. Allerdings können sie auch keine Hilfe aus der Gemeinde erwarten, die strengen Glaubensgrundsätze sind so weit entfernt von gesundem Menschenverstand wie die Erde vom Mond.
Blutvogel ist ein Buch, dass Beklemmungen auslöst und da es auf wahren Begebenheiten beruht, ist die Geschichte, die Astrid Korten erzählt, umso erschütternder.
- Herausgeber : via tolino media (21. August 2022)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 280 Seiten
- ISBN-10 : 3754666002
- ISBN-13 : 978-3754666005

Hallo und guten Tag,
AntwortenLöschenes wird immer wieder solche Gruppen/Gruppierungen geben ....die genau da ihre Zukunft/eigenes, selbstbestimmtes Leben möglicherweise suchen/finden/wollen/brauchen...
Ist wahrscheinlich ohnehin ein schmaler Grat.....
LG..Karin..
Ja aber in diesem Fall ist es mit der Selbstbestimmung nicht weit her, wenn man nur nach den Regeln eines rachsüchtigen Gottes leben muss, immer in Angst, sieht die Zukunft düster aus.
AntwortenLöschen