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Sonntag, 21. August 2022

Schlaft, Kinder, schlaft (Ewert Grens ermittelt) von Anders Roslund

Regelmäßig besucht Kriminalkommissar Ewert Grens das Grab seiner verstorbenen Frau, immer sitzt er dabei allein auf einer Bank, bis zu dem Tag an dem Jenny sich zu ihm setzt und zu erzählen beginnt, von dem Tag an dem ihre Tochter verschwand und von Grab mit dem leeren Sarg den sie besucht, denn das kleine Mädchen wurde nie gefunden. 

Ewert forscht in den Polizeiarchiven nach und findet heraus, dass am selben Tag ein weiteres Mädchen spurlos verschwand, er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn die Zeit drängt, auch dieses Mädchen soll von den Eltern für tot erklärt werden, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können unter all das Leid, das das Verschwinden eines geliebten Kindes mit sich bringt.

Der Krimi beginnt mit einer Szene auf dem Friedhof, auf dem er Jenny kennenlernt, die Mutter eines der verschwundenen Mädchen, diese Szene macht schon neugierig auf das Buch, dann aber kommt eine weitere Person ins Spiel, von der wir immer wieder in kurzen Einschüben lesen, was sie gerade denkt, von dem Moment an, hatte ich ein Gefühl der Beklemmung, das mich nicht mehr losließ. 



Eine Hand.
Weich und gleichzeitig fest. Und die, die mich festhalten, sagen, dass ich nicht muss. Wenn ich nicht will, wenn ich lieber ganz allein hierbleiben will, dann muss ich nicht.
Mitkommen 


Roslund katapultierte mich mit diesen kurzen Sätzen mitten hinein in den Alptraum aller Eltern, allein die Vorstellung was mit Kind geschehen könnte, nachdem es doch mitging ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Und dann kommt alles noch viel schlimmer, der Autor gewährt seinen Lesern einen Blick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele.
Im Darknet stößt Ewert mit der Hilfe des Computerspezialisten Billy auf einen weltweiten Pädophilen- Rings und kann einen der Täter in Dänemark aufspüren, auf dessen Computer findet die dänische Computerspezialistin Birte weitere Hinweise. Doch um an den Kopf des Rings zu kommen, muss Ewert jemanden in den Pädophilen-Ring einschleusen, er wendet sich an Piet Hoffmann,  eine Koryphäe auf dem Gebiet der Infiltration, eigentlich hatte Ewert versprochen sich nie wieder an Hoffmann zu wenden, doch ohne ihn gibt es keine Chance die Täter zu fassen.

Roslund hat mit diesem Buch die Ängste, die wohl alle Eltern ab und an haben und meist erfolgreich verdrängen, aus dem verborgenen geholt, er führt uns vor Augen, wie verdorben und grausam Menschen sein können, die skrupellos Kinderpornografie verbreiten und auch vor Kinderhandel nicht zurückschrecken. 
Seine Protagonisten sind die Menschen, die, die alles in ihrer Macht Stehende tun, die Täter aufzuspüren und zu stoppen. Ihre Waffen sind ihre Fähigkeiten am Computer, die es ihnen erlauben tief ins Darknet einzudringen, um gut verwischte Spuren aufzudecken, oder die es ertragen Stunde, um Stunde nach Bildern zu suchen, die das Leiden von Kindern zeigen und auf diesen Bildern kleinste Hinweise auf die Täter zu finden, wie Birte und Billy, wie man vor allem in Birtes Fall diese Arbeit ertragen kann, ohne daran zu zerbrechen, ist mir unbegreiflich.
Ewerts Fähigkeiten liegen in seiner Sturheit und in seinem Willen nicht aufzugeben, ich mochte ihn sehr, ein brillanter Ermittler, ist auf besondere Art sehr liebenswert. Piet Hoffmann ist hin- und hergerissen zwischen seinem Leben als Familienvater und dem als verdeckter Ermittler, das er eigentlich hinter sich gelassen hatte. Und doch begibt er sich in den inneren Kreis des Pädophilen Rings.

Schlaft, Kinder, schlaft ist absolut lesenswert, nicht nur, weil die Story außerordentlich spannend und gut geschrieben ist, sie zeigt uns, dass das Böse nicht irgendwo da draußen ist, sondern vielleicht näher als man denkt, in der Nachbarschaft, im Sportverein oder sogar in der eigenen Familie. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback; 1. Edition (28. Juli 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864931444
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864931444
  • Originaltitel ‏ : ‎ Sovsågott
  • Übersetzt von: Ulla Ackermann




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