Seiten

▼

Seiten

▼

Samstag, 14. Mai 2022

Eisflut 1784 von Marco Hasenkopf

 


Ein faszinierender Kriminalroman inmitten der größten Naturkatastrophe der frühen Neuzeit. Cöln 1784: Mitten im härtesten Winter seit Menschengedenken geht ein Serienmörder in der Stadt um. Amtmann Henrik Venray und die eigenwillige Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt begeben sich auf die Jagd nach ihm und müssen nicht nur gegen eine Bestie in Menschengestalt, sondern auch gegen Kälte und Hunger kämpfen. Zu allem Überfluss droht eine Schmelzwasserflut von unvorstellbarem Ausmaß über Cöln und das Rheinland hereinzubrechen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Nach einem Vulkanausbruch auf Island hat sich auch das Wetter in Deutschland geändert, waren die klimatischen Bedingungen sowieso schon hart, mit langen kalten Wintern und kurzen viel zu kühlen Sommern, spitzt sich die Lage im Winter 1784 noch weiter zu. Die Menschen sterben an Kälte und Hunger. Auf dem Rhein türmen sich die Eismassen und drohen im herbeigesehnten Frühjahr, mit der Schmelze des Eises die Stadt zu überfluten.

Der Amtmann Henrik Venray begibt sich nach Mülheim, um den Fortschritt eines Deichs zu verfolgen, der Mühlheim in Zukunft vor Hochwasser schützen soll. Bei der Begutachtung muss er feststellen, dass es kaum einen Baufortschritt gibt und er findet einen Toten, der auf den ersten Blick von Wölfen getötet wurde.
Doch der Tote wurde ermordet, wie Venray mithilfe der Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt, feststellt. Und es bleibt nicht bei einem Toten, ein Serienmörder treibt sein Unwesen und die Honoratioren der Stadt scheinen an der Aufklärung des Mordes nicht wirklich interessiert, Venray soll einen Täter präsentieren, egal ob schuldig oder nicht.

Auf gerade mal 336 Seiten lässt der Autor Marco Hasenkopf die Vergangenheit lebendig werden, er braucht gar nicht viele Worte, seine Beschreibungen der Orte und der Menschen projizierten Bilder in meinen Kopf. Der Leser erfährt von der Dekadenz der Reichen, die noch nicht so sehr unter den Umständen zu leiden haben und ausgelassen Karneval feiern oder Orgien veranstalten, bei denen sie ihre dunkelsten Fantasien ausleben. Er erzählt von der Feindschaft zwischen Mülheim und Cöln, von der Macht der katholischen Kirche, die Andersgläubige wie Juden und Protestanten aus Cöln vertrieben hat und mit Gebeten versucht, die unabwendbare Flut zu verhindern. Die Institution der katholischen Kirche kommt nicht wirklich gut weg in diesem Buch, die weltlichen Institutionen allerdings auch nicht.
Henrik Venray stößt mit seinen fortschrittlichen Ansichten auf Widerstand, doch er lässt sich nicht beirren, auch nicht, was seine Zusammenarbeit mit Anna-Maria betrifft, die Apothekerwitwe will die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes weiterführen, doch auch das stößt auf Widerstand, nicht nur, weil sie eine Frau ist, sie will auch die Umstände unter denen die Menschen, besonders elternlose Kinder leben müssen ändern.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Schreibstil, der ist zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, ihr habt euch vielleicht schon darüber gewundert wie ich Cöln schreibe. Der Autor hat sich an der damals üblichen Sprechweise orientiert, ebenso an der Ausdrucksweise, die damals üblich war. Nach wenigen Seiten habe ich das sehr geliebt, weil ich so komplett in die Geschichte eintauchen konnte.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag (18. November 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740811692
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740811693

Blogtour zur Shortlist des Goldenen Homers 2022

Der historische Krimi ist im Jahr 2022 auf der Shortlist der Preisverleihung zum Goldenen Homer. Alle zwölf nominierten Bücher werden mit einer Blogtour vorgestellt. Lest auch die anderen Rezensionen:

Bis zur Preisverleihung am 1. Oktober im Ingolstädter Altstadttheater werdet ihr noch einiges über die Bücher und Autoren auf Facebook, Youtube und verschiedener Buchblogs zu sehen bekommen.













Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!