Läuft also bei Timo, bis zu dem Tag an dem er wegen seiner recht unverschämten Art den Kunden gegenüber seinen Job verliert und Cleo aus der gemeinsamen Wohnung auszieht.
Timo muss lernen Verantwortung zu übernehmen und merkt schnell, das der Arbeitsmarkt nicht gerade auf ihn gewartet hat und das das Geld, das er vom Staat erhält, gerade so zum Leben reicht.
Durch die Fürsprache einer Freundin und einer gehörigen Portion Glück bekommt er einen Aushilfsjob als Quereinsteiger an einer Abendschule, für den er sich nur durch die Tatsache qualifiziert, dass er zweisprachig aufgewachsen ist.
Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar angeboten und ich war zugegebenermaßen zunächst sehr skeptisch, weder das Cover noch der Titel konnten mich auf den ersten Blick überzeugen, das Buch schien so gar nicht zu mir zu passen und dann las ich die ersten Sätze der Leseprobe:
»Jo, es geht sich da um einen Brief, wo ich heute erhalten habe«, quäkt mir eine weibliche Stimme ins Ohr.
»Es geht um einen Brief, den Sie heute erhalten haben?«, verbessere ich die Kundin, ohne auch nur eine Sekunde zu glauben, sie verstehe mein korrektives Feedback. Es ist traurig, wie fahrlässig die Hälfte aller Deutschen mit unserer Sprache umgeht. Es sollte hierfür Strafzettel geben. Wie fürs Falsch parken. Falsches Relativpronomen: Zack! Fünf Euro Strafe! Unangebrachtes Reflexivpronomen: Schwupp! Zehn Euro!
Ich persönlich versuche korrektes Hochdeutsch zu sprechen, das gelingt natürlich nicht immer, aber bei manchen Sätzen, die ich so höre, rollen sich mir die Zehennägel auf. Im Gegensatz zu Timo verbessere ich meine Gesprächspartner allerdings nicht, dazu mache ich selbst zu viele Fehler und wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen und ich weiß, dass jeder die Sprache spricht, mit der er aufgewachsen ist und das sich je nach Region die eine oder andere sprachliche Eigenheit entwickelt hat.
Aber kommen wir wieder zurück zum Buch und zu Timo, der sich als Lehrer versucht. Von seinen Kolleginnen wird mehr oder weniger freundlich aufgenommen und ins kalte Wasser geworfen steht er ziemlich unvorbereitet vor seinen Schülern, die teilweise nicht viel jünger sind als er und die mehr oder weniger motiviert auf einen Schulabschluss hinarbeiten.
Timo muss lernen, das lehren mehr als das Vermitteln von Schulstoff bedeutet, er muss auf seine Schüler eingehen, sie ernst nehmen und er erkennt, dass hinter dem Schulversagen seiner Schüler meist mehr steckt als Faulheit oder Desinteresse und das er nun dafür verantwortlich ist, sie dazu zu bringen ihr Bestes zu geben und ihr persönliches Schicksal zu überwinden.
Timos persönliche Entwicklung ist beeindruckend, war er zu Beginn der Geschichte eine arroganter, besserwisserischer Egoist, ist er am Ende immer noch besserwisserisch, ein Klugscheißer eben, aber ein Klugscheißer und Besserwisser der andere an seinem Wissen teilhaben lassen will, ohne Arroganz.
Timo hat seinen Weg gefunden und der Autor hat diesen Weg auf humorvolle Art und Weise beschrieben und ganz nebenbei vermittelt er seinen Lesern noch die Botschaft, das jeder von uns immer die Chance bekommen sollte das Beste aus seinem Leben zu machen.
Es ist sicher nicht einfach ein Buch durchgehend *Lustig* zu schreiben und so gab es auch für den einen oder anderen Aspekt, der mir nicht zu 100 % gefiel, aber das betrifft ausnahmslos die Kapitelüberschriften, die nochmals untertitelt sind mit (formerly knwon as chapter ...) und die Begriffserklärungen die wie in einem Wörterbuch in den Text eingestreut wurden. Beides, sowohl die Untertitel der Überschriften und auch die Begriffserklärungen haben mir weniger gut gefallen.
Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, das Buch überrascht mit Tiefgang und einem angenehmen flüssigen Schreibstil.
Ich habe mich bei dieser Rezension auf das wesentlichste konzentriert, genauso viel könnte ich noch über den Wert von Freundschaft und über Beziehungen schreiben, denn auch das sind zentrale Themen im Buch. Ihr merkt vielleicht das ich selber ganz erstaunt bin, was meine Bewertung des Buches betrifft.
Ich vergebe eine Leseempfehlung.
Ich vergebe eine Leseempfehlung.
- Taschenbuch: 232 Seiten
- Verlag: Piper; Auflage: 66. (1. August 2018)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3492501656
- ISBN-13: 978-3492501651

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