Inhalt: Im Juni 1953 protestieren die Menschen in der DDR gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Land. Die SED – Führung ist mit den weitgehend friedlichen Protesten im Land vollkommen überfordert und die sowjetische Besatzungsmacht reagiert mit dem Einsatz von Militär und Volkspolizei. Am 17. Juni wird der Aufstand gewaltsam niedergeschlagen. 50 Menschen kamen dabei ums Leben, 15000 wurden festgenommen und es kam zu ca. 1500 Verurteilungen.
Soweit ein kurzer Einblick in die Fakten.
Auch die Arbeiter der VEB Rohrisolation in Dresden protestieren gegen Lohnkürzungen und die Heraufsetzung der Arbeitszeit. Am Ende des Aufstands wird der Leiter der Fabrik Martin Baumgart, tot aufgefunden und der Funktionär der Betriebsparteiorganisation Gerd Kruppa gilt als vermisst.
Max Heller, der sich bisher erfolgreich gegen einen Beitritt in die Partei gewehrt hat, bekommt den Genossen Bech vom Ministerium für Staatssicherheit zur Seite gestellt, der den Mord an Baumgart für politisch motiviert hält und alles daran setzt einen Täter im Umfeld der Aufstände zu entlarven und mit ihm weitere Staatsfeinde, dabei scheint ihm Schuld oder Unschuld vollkommen egal.
Währenddessen verfolgt Heller gemeinsam mit Oldenbusch einen anderen Ansatz, er stößt auf Motive, die tief in der Vergangenheit liegen.
Meine Meinung:
Dieses Buch verdient wie kaum ein anderes, wieder einmal zwei Rezensionen. Ich werde also wenig auf den historischen Aspekt der Handlung eingehen, davon wird euch Heike, vom Blog Frau Goethe liest mehr erzählen.
Heller beeindruckte mich wieder einmal mit seiner Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen die anderen verborgen bleiben, er lässt sich nicht vom Offensichtlichen und vor allem nicht von dem was er sehen soll beeinflussen.
Es ist spannend zu verfolgen wie Heller und Oldenbusch mit ihren immer noch beschränkten Mitteln allen Spuren nachgehen und sich nicht von den unterschwelligen Drohungen seitens Bech beeinflussen lassen.
Es sind schwierige Zeiten für Heller, nicht nur beruflich auch privat gibt es einige Schwierigkeiten. Frau Marquardt leidet unter zunehmender Demenz und bedarf intensiver Pflege und Betreuung mit der Karin hoffnungslos überfordert ist, die Suche nach einem Platz in einem Feierabendheim ist aussichtslos. Hellers Sohn Klaus macht Karriere beim MfS und entfremdet sich immer mehr von seinen Eltern, so verwundert es nicht, das Karin darauf drängt in den Westen zu fliehen.
Heller ist zerrissen, er will seine Heimat nicht im Stich lassen und fühlt gleichzeitig, dass der Staat in dem er jetzt lebt, nicht viel Heimatliches zu bieten hat, dieser Staat unterdrückt seine Bürger, um eine Gesellschaftsform zu bilden, die nicht funktionieren kann. Auch seine berufliche Situation wird immer schwieriger, die Stasi beobachtet ihn und aus der Bevölkerung schlägt ihm Angst entgegen, da kann er noch so oft erklären nur seine Arbeit zu machen. Auf der anderen Seite ist er Karin und seiner Adoptivtochter verpflichtet, seine Liebe zu den Beiden drängt ihn dazu ihre Lebenssituation zu ändern und das kann er nicht, wenn er bleibt. Wie er sich entscheidet, müsst ihr natürlich selber lesen.
Frank Goldammer hat es geschafft nicht nur einen spannenden Kriminalfall zu konstruieren, sondern seinen Lesern auch einen guten Einblick in die Anfangsjahre der DDR zu bieten.
- Broschiert: 368 Seiten
- Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. Dezember 2019)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 342326232X
- ISBN-13: 978-3423262323

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