Freitag, 22. Mai 2015

Der Zug der Waisen von Christina Baker Kline



Klappentext:
New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor ... Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen.

Inhalt: Als Molly vor der Wahl steht, 50 Sozialstunden abzuleisten oder ins Jugendgefängnis zu gehen, weil sie ein Buch aus einer Bücherei gestohlen hat, entscheidet sich die 17jährige für die Sozialstunden die sie bei Vivian ableistet.
Molly soll der alten Frau helfen ihren Dachboden aufzuräumen, einem Dachboden voller Erinnerungsstücken aus einem langen nicht immer leichten Leben. Während der Arbeit nähern sich die Frauen immer mehr aneinander an und eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht.

Meine Meinung: Der Zug der Waisen von Christina Baker Kline, ist ein beeindruckendes Buch, es erzählt von einem mir bisher völlig unbekannten Kapitel der amerikanischen Geschichte, den Waisenzügen. Hundertausende von Kindern wurden zwischen 1854 und 1929 aus den Städten aufs Land verfrachtet, wo sie wie auf dem Viehmarkt vorgeführt wurden und aus den unterschiedlichsten Gründen von Farmern oder Geschäftsleuten aufgenommen wurden, häufig um als billige und rechtslose Arbeitskräfte zu enden, seltener um in einer Familie ein liebevolles Zuhause zu finden.
Die Geschichte Vivians, die im Laufe ihrer Pflegekindlaufbahn nicht einmal ihren Namen behalten darf, geboren wurde sie als Niamh ( ausgesprochen Neev), berührte mich tief. Ebenso wie Mollys Leben, die als Pflegekind nirgends wirklich willkommen ist und ihre Traurigkeit darüber ausdrückt in dem sie sich gegen die *Norm* kleidet, inklusive Piercings und Tatoos. Schnell wird dem Leser allerdings klar, das sie im Grunde genauso heimatlos ist, wie es einst Vivian war.
Die Autorin schafft ein klares Bild der damaligen Verhältnisse, ihre Charaktere sind realistisch beschrieben, das Leben der Waisenkinder ist gefühlvoll beschrieben ohne allzu sehr ins kitschige abzugleiten, ein klein wenig Kitsch, besonders gegen Ende, ist bei dem Thema sicher erlaubt.
Besonders gefallen hat mir das Nachwort, in dem man noch einige Informationen über die Waisenzüge erhält und die mich zu eigenen Recherchen inspiriert haben.
Für dieses Buch kann ich eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden.


  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (10. November 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 344231383X
  • ISBN-13: 978-3442313839
  • Originaltitel: Orphan Train



Kommentare:

Mel.E hat gesagt…

Danke für die Erinnerung dem Buch in meinem Regal ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Viele Grüße und schöne Pfingsten

Mel.E hat gesagt…

Danke für die Erinnerung dem Buch in meinem Regal ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Viele Grüße und schöne Pfingsten