Freitag, 12. Februar 2016

Kind aller Länder von Irmgard Keun

Aus der Kiepenheuer und Witsch Redaktion:
Erstmals 1938 erschienen: die abenteuerliche Geschichte vom Leben der zehnjährigen Kully im Exil – von ihr selbst erzählt
Irmgard Keun war schon eine Bestsellerautorin, als ihre Bücher in Deutschland verboten wurden. Sie ging ins Exil nach Ostende, traf dort Joseph Roth, begann eine leidenschaftliche Affäre mit ihm – und diesen Roman. Keun lässt die zehnjährige Kully von ihrem aufregenden Leben in der Emigration erzählen. Ihr leichtfertiger, spiel- und verschwendungssüchtiger Vater steckt als Schriftsteller ständig in Geldnöten, die liebevolle Mutter ist oft mit der Tochter allein und amüsiert sich anderweitig. Da seine Bücher in Deutschland verboten sind, lebt der Vater von Zeitungsartikeln und immer neuen Vorschüssen seiner Auslandsverlage – und ist ständig auf der Jagd nach Bargeld. Seine Beschaffungstouren führen ihn quer durch Europa, von Brüssel über Lemberg nach Prag, Paris, Nizza und sogar nach New York.

Inhalt: Die 10jährige Kully reist mit ihren Eltern quer durch Europa,die Bücher ihres Vaters sind in Deutschland verboten und so leben sie immer, mehr schlecht als Recht von Honoraren für Zeitungsartikel und Vorschüssen für noch nicht fertig gestellte Romane die bei ausländischen Verlagen erscheinen sollen und von dem was sich der Vater im Verwandten und Freundeskreis zusammen schnorren kann, oftmals lässt er seine Frau und seine Tochter als Pfand im Hotel zurück während er sich auf Geldbeschaffungstour begibt.So großzügig wie er sich Geld leiht, so großzügig gibt er es auch wieder aus ohne sich Gedanken um die Zukunft zu machen.

Meine Meinung: Vordergründung liest man die Geschichte eines  fröhlichen kleinen Mädchens, das auf einer schier endlosen Abenteuerreise quer durch die Welt ist, in jedem Hotel kann das nächste Wunder warten, in jedem Land könnte der Vater Erfolg haben und so die Nöte der Familie beenden. Kully überblickt natürlich noch nicht in  welcher Gefahr sich ihre Familie befindet auch wenn sie Bruchstückhaft mitbekommt was in der Welt vor sich geht, sie hat auch eher das sonnige und unstete Naturell ihres Vaters geerbt, sie genießt das gute Leben solange es dauert und vertraut immer auf den neuen Tag wenn das Geld mal wieder nicht reicht. Als erwachsener Leser versteht man natürlich was wirklich vor sich geht, der Vater ist ein verantwortungsloser Trinker und Lebemann, der skrupellos seine Familie ausnutzt, die Mutter ist zu schwach sich ihrem Mann entgegenzustellen, dabei träumt sie insgeheim von einer eigenen kleinen Wohnung und man erkennt, aus dem Wissen über die Vergangenheit, die Gefahr die der Familie aus Deutschland droht.
Ich hätte gern mehr erfahren, wie es mit Kully und ihrer Familie weitergeht, nachdem sie am Ende des Buches in Amsterdam wieder vereint waren, wie haben sie die Kriegsjahre überlebt, haben sie überlebt? Hatte der Vater den so herbeigesehnten Erfolg und die Frage die sich mir nach der letzten Seite immer wieder stellte, hat die kleine Kully einen Ort gefunden an dem sie Zuhause sein darf, an dem sie nicht immer wieder Heimweh bekommt nach einem anderen Ort.

Das Buch hat mich berührt, teilweise amüsiert aber zum größten Teil doch traurig gestimmt.


Kind aller Länder kann direkt beim Verlag bestellt werden.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch (18. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 346204897X
  • ISBN-13: 978-3462048971