Mittwoch, 21. Oktober 2015

Zwei Schwestern von Dorothy Baker

Kurzbeschreibung von der dtv Verlagsseite:

Als Cassandra Edwards sich zur Hochzeit ihrer Zwillingsschwester Judith aufmacht, hat sie vor allem eines im Sinn: die Vermählung zu verhindern. Was will ihre hochmusikalische Schwester mit irgendeinem durchschnittlichen, jungen Arzt - wie hieß er noch? Seinen Namen kann sie sich nicht merken. Kompromisse und Mittelmaß sind ihr ein Gräuel, und radikal sich selbst treu zu bleiben, das ist in ihrer Familie oberstes Familiengebot. - Wird Cassandra auf der Suche nach sich selbst in ihrer symbiotischen Beziehung zu Judith gefangen bleiben? Wird Judith die Reise ins Unbekannte antreten und sich aus der beklemmenden schwesterlichen Zweisamkeit befreien können? Beiden steht eine existentielle und, wie sich zeigen wird, extrem bedrohliche Herausforderung bevor. - Ein hochintelligenter, witziger, vielschichtiger und scharfzüngiger Roman über Bindung, die Spielarten von Erotik und unsere Suche nach der großen, erfüllenden Liebe, jener Seelenverwandtschaft, die von unserer Einsamkeit eine Brücke zum Anderen schlägt.

Meine Meinung:  

Als Dorothy Baker diesen Roman (Erscheinungstermin der englische sprachigen Originalausgabe 1962) schrieb waren viele der heutigen Leser nicht einmal geboren, sie schrieb ihn in einer Zeit als es für viele Frauen das Höchste Glück auf Erden war zu heiraten und eine Familie zu gründen, es aber auch schon Frauen gab, denen das nicht genügte die ihren eigenen Weg gehen wollten. Cassandra Edwards scheint mir eine davon zu sein, sie will unabhängig und selbstbestimmt leben, sich an keinen Mann binden, eigentlich an niemanden, aber sie kann das nicht allein, sie braucht dazu ihre Zwillingsschwester Judith, mit der sie sich bis vor kurzem eine Wohnung und praktisch ihr ganzes Leben teilte, ihre zweite Hälfte, bevor diese nach New York ging. Als Cassandra überraschend die Einladung zu Judiths Hochzeit bekommt, will sie alles daran setzen die Hochzeit zu verhindern, denn ohne Judith, ihre Seelenverwandte ihre zweite Hälfte, kann und will Cassandra nicht leben.

Bedenkt man die Zeit, in der dieses Buch entstand, so ist dieses sehr offen, die Autorin spricht über Selbstmordgedanken und sogar über einen Selbstmordversuch und ganz ganz leise auch von der Homosexualität der Protagonistin Cassandra, die weder sich noch ihrer Umwelt ihre Neigung eingestehen mag. Im Laufe des Buches scheint sich Cassandra damit abzufinden, das ihr Leben zukünftig ohne Judith verlaufen wird, sie hilft beim ausrichten der Hochzeit und will Judith das gemeinsam erworbene Klavier schenken, was diese aber ablehnt, da ihr zukünftiger Mann kein Verständnis für Musik hat, dieses Zugeständnis zeigt meiner Meinung besonders den Unterschied der beiden Schwestern, Cassandra will frei und unabhängig von allen leben (außer wie schon erwähnt von ihrer Schwester) Judith will ihr Glück in der Ehe finden und für dieses Glück trennt sie sich sogar von ihrer Leidenschaft der Musik.

Das Buch hat seine Längen, besonders da ich es im Rahmen einer Leserunde nur Häppchenweise gelesen habe, das bekam dem Lesefluss nicht gut. Die Protagonistin Cassandra, hätte ich am liebsten geschüttelt, arrogant und unverschämt, kam sie mir vor, bis ich zum Ende des Buches ihr wahres verletzliches Ich entdeckte.
Judith kam mir etwas zu kurz, in sie konnte ich mich bis zum Schluss nicht ganz hineinfinden.
Alles in Allem sind *Die zwei Schwestern* durchaus lesenswert, nicht ganz einfach und vielleicht etwas angestaubt, aber auf keinen Fall Mainstream.

  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (22. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342328059X
  • ISBN-13: 978-3423280594
  • Originaltitel: Cassandra at the wedding
  • Übersetzer: Kathrin Razum 
  • Das Buch kann direkt über den Verlag erworben werden.

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